Säuren, Laugen, Indikatoren und Neutralisation
Der Saft von Rotkohl ist dunkelviolett. Tropfst du Essig hinein, wird er rot. Gibst du Backnatron-Lösung dazu, wird er blau.
Zitronensaft schmeckt sauer und brennt in einer Wunde. Seifenlösung fühlt sich glitschig an. Beide bestehen größtenteils aus Wasser. Was macht eine Lösung sauer oder alkalisch? Wie misst man das? Und was passiert, wenn du beide mischst?
Saure, neutrale und alkalische Lösungen
Je nachdem, was in Wasser gelöst ist, verhält sich die Lösung anders. Man unterscheidet drei Arten.
- Eine saure Lösung schmeckt sauer, zum Beispiel Zitronensaft. Der gelöste Stoff heißt Säure, zum Beispiel Salzsäure, Schwefelsäure, Kohlensäure oder Essigsäure. Starke saure Lösungen ätzen die Haut und lösen viele Metalle auf.
- Eine alkalische Lösung fühlt sich seifig an. Auch sie kann stark ätzen. Eine alkalische Lösung heißt auch Lauge, zum Beispiel Natronlauge oder Kalilauge. Seifenlösung ist schwach alkalisch.
- Eine neutrale Lösung ist weder sauer noch alkalisch, zum Beispiel reines Wasser oder Zuckerlösung.
Probiere, berühre oder rieche im Labor nie eine unbekannte Lösung. Säuren und Laugen ätzen Haut und Augen.
Indikatoren
Wie erkennst du, ob eine Lösung sauer oder alkalisch ist, ohne sie zu probieren? Mit einem Indikator (Anzeiger). Das ist ein Farbstoff, der seine Farbe ändert, je nachdem, ob die Lösung sauer, neutral oder alkalisch ist.
- Ein Pflanzenfarbstoff ist ein Indikator aus der Natur, zum Beispiel der Saft von Rotkohl. Er ist in sauren Lösungen rot, in neutralen violett und in alkalischen blau, bei starken Laugen grün bis gelb.
- Der Universalindikator ist ein Gemisch aus mehreren Farbstoffen. Er zeigt in vielen Farbstufen, wie sauer oder alkalisch eine Lösung ist.
Die pH-Skala
Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch eine Lösung ist. Die pH-Skala reicht im Alltag von 0 bis 14. Unter 7 ist die Lösung sauer, bei 7 neutral, über 7 alkalisch. Je weiter der Wert von 7 entfernt ist, desto stärker ist die Lösung sauer oder alkalisch.
| pH | Universalindikator | Beispiele (Werte etwa) |
|---|---|---|
| 1 bis 2 | rot | Magensaft (1 bis 2), Zitronensaft (2) |
| 3 bis 4 | orange | Apfelsaft (3 bis 4) |
| 5 bis 6 | gelb | Regenwasser (5 bis 6) |
| 7 | grün | reines Wasser |
| 8 bis 10 | blau | Backnatron in Wasser (8 bis 9), Seifenlösung (9 bis 10) |
| 11 bis 14 | violett | verdünnte Natronlauge (13), Abflussreiniger (13 bis 14) |
Die Farben hängen vom Hersteller ab. Nimm die Skala auf der Packung.
Oxonium-Ionen und Hydroxid-Ionen
Warum ist eine Lösung sauer? Die Antwort steckt in den Ionen. Reines Wasser enthält winzige, gleich große Mengen von zwei Ionensorten:
- Oxonium-Ionen . Ein H+-Ion ist ein Wasserstoffatom ohne Elektron, also nur ein Proton. Es bleibt im Wasser nie allein, sondern lagert sich an ein Wassermolekül an.
- Hydroxid-Ionen . Sie bestehen aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom und tragen eine negative Ladung.
In einer sauren Lösung gibt es mehr Oxonium-Ionen als Hydroxid-Ionen. In einer alkalischen Lösung gibt es mehr Hydroxid-Ionen als Oxonium-Ionen. In einer neutralen Lösung sind beide gleich zahlreich.
Der pH-Wert zählt die Oxonium-Ionen in einem Liter. Je mehr es sind, desto kleiner ist der pH-Wert. Ein Schritt auf der Skala bedeutet das Zehnfache: Bei pH 3 gibt es zehnmal so viele Oxonium-Ionen wie bei pH 4 und hundertmal so viele wie bei pH 5. Zitronensaft (pH 2) hat also 1000-mal so viele wie Regenwasser mit pH 5.
Dissoziation und der Säurebegriff nach Arrhenius
Wie kommen die Ionen in die Lösung? Durch Dissoziation: Ein gelöster Stoff zerfällt in Ionen.
Chlorwasserstoff, , ist ein Gas aus Molekülen. Leitest du es in Wasser, entsteht Salzsäure. Die Moleküle zerfallen dabei in Ionen: .
Natriumhydroxid, , besteht fest aus und . Beim Lösen trennen die Wassermoleküle die Ionen (Hydratation): . So entsteht Natronlauge.
Der schwedische Chemiker Arrhenius fasste das Ende des 19. Jahrhunderts so zusammen: Eine Säure ist ein Stoff, der in Wasser Oxonium-Ionen bildet. Eine Lauge ist eine Lösung, die mehr Hydroxid-Ionen als Oxonium-Ionen enthält.
Saure Lösungen aus Nichtmetalloxiden, alkalische aus Metalloxiden
Viele Oxide reagieren mit Wasser. Metalloxide und Nichtmetalloxide kennst du aus der Lektion über Oxidation.
- Reagiert ein Nichtmetalloxid mit Wasser, entsteht eine saure Lösung. Kohlenstoffdioxid gibt Kohlensäure: . Darum ist Sprudelwasser leicht sauer. Schwefeldioxid gibt schweflige Säure: . Es entsteht beim Verbrennen von Kohle und Öl und macht den Regen sauer.
- Reagiert ein Metalloxid mit Wasser, entsteht eine alkalische Lösung. Natriumoxid gibt Natriumhydroxid, also Natronlauge: .
Nicht jedes Oxid reagiert mit Wasser. Sand (Siliciumdioxid) und Rost (Eisenoxid) tun es nicht. Schwefeldioxid ist giftig, Versuche mit ihm macht nur die Lehrkraft unter dem Abzug.
Aus Natriumoxid wird Natronlauge
Aus Natriumoxid wird Natronlauge
Natriumoxid reagiert mit Wasser zu Natriumhydroxid. Schreibe die Reaktionsgleichung und gleiche sie aus. Welche Farbe zeigt Universalindikator in der entstandenen Lösung?
Ansatz: . Links stehen 2 Natriumatome, rechts nur 1. Du schreibst eine 2 vor : .
Probe: Natrium 2 und 2, Sauerstoff 2 und 2, Wasserstoff 2 und 2.
Die Lösung enthält Hydroxid-Ionen, sie ist eine Lauge. Der Universalindikator wird blau bis violett.
Reaktion mit unedlen Metallen
Unedle Metalle reagieren meist auch mit sauren Lösungen. Gibst du Magnesiumband in verdünnte Salzsäure, sprudelt es, und das Metall löst sich auf. Das Gas ist Wasserstoff, du erkennst es an der Knallgasprobe. Außerdem bleibt ein Salz gelöst, das Magnesiumchlorid.
Wortgleichung: Magnesium + Salzsäure → Magnesiumchlorid + Wasserstoff. Mit Formeln: .
Jedes Magnesiumatom gibt 2 Elektronen ab und wird zum -Ion. Die Wasserstoffteilchen der Säure nehmen sie auf und verbinden sich zu -Molekülen. Zink reagiert ebenso:. Gold und Kupfer reagieren mit verdünnter Salzsäure nicht.
Wasserstoff ist mit Luft explosiv. Diesen Versuch machst du nur mit der Lehrkraft.
Neutralisation und Salzbildung
Mischst du eine saure und eine alkalische Lösung, gleichen sie sich aus. Das heißt Neutralisation. Die Oxonium-Ionen der Säure und die Hydroxid-Ionen der Lauge verbinden sich zu Wasser: . Dabei wird Wärme frei.
Die übrigen Ionen bleiben gelöst. Das sind das Metall-Ion der Lauge und das Säurerest-Ion, der negative Teil der Säure. Zusammen bilden sie ein Salz. Verdampfst du das Wasser, bleiben Kristalle zurück. Allgemein gilt: Säure + Lauge → Salz + Wasser.
Salzsäure + Natronlauge → Natriumchlorid + Wasser: .
| Säure | Säurerest-Ion | Salze heißen |
|---|---|---|
| Salzsäure | (Chlorid-Ion) | Chloride |
| Schwefelsäure | (Sulfat-Ion) | Sulfate |
| Salpetersäure | (Nitrat-Ion) | Nitrate |
Genau neutral ist die Mischung, wenn von beiden Ionensorten gleich viele da sind. Das siehst du am grünen Universalindikator.
Salpetersäure und Natronlauge
Salpetersäure und Natronlauge
Salpetersäure, , wird mit Natronlauge neutralisiert. Welches Salz entsteht? Schreibe die Reaktionsgleichung.
Die Lauge liefert , die Säure das Säurerest-Ion . Das Salz heißt Natriumnitrat, .
Gleichung: .
Probe: Wasserstoff 2 und 2, Stickstoff 1 und 1, Sauerstoff 4 und 4, Natrium 1 und 1.
Alle Säuren sind gefährlich
Alle Säuren sind gefährlich
„Säuren ätzen immer.“
Es kommt auf die Säure und ihre Menge an. Zitronensäure und Essigsäure in Lebensmitteln sind verdünnt und ungefährlich. Konzentrierte Salzsäure ätzt stark. Auch starke Laugen ätzen.
Bei der Neutralisation bleibt nur Wasser übrig
Bei der Neutralisation bleibt nur Wasser übrig
„Säure und Lauge heben sich auf. Danach ist nur noch Wasser da.“
Nur die Oxonium- und Hydroxid-Ionen werden zu Wasser. Die übrigen Ionen bleiben gelöst und bilden ein Salz, das du durch Eindampfen gewinnst.
Zusammenfassung
Es gibt saure, neutrale und alkalische Lösungen. Alkalische Lösungen heißen Laugen.
Indikatoren wie Rotkohlsaft und Universalindikator zeigen die Art der Lösung mit Farben an.
Auf der pH-Skala ist pH unter 7 sauer, pH 7 neutral und pH über 7 alkalisch. Ein Schritt bedeutet das Zehnfache.
Saure Lösungen enthalten mehr Oxonium-Ionen , alkalische mehr Hydroxid-Ionen . Nach Arrhenius bildet eine Säure in Wasser Oxonium-Ionen.
Reagiert ein Nichtmetalloxid mit Wasser, entsteht eine saure Lösung, bei einem Metalloxid eine alkalische.
Unedle Metalle reagieren mit sauren Lösungen zu einem Salz und Wasserstoff.
Neutralisation: Säure + Lauge → Salz + Wasser.
Übungen
Universalindikator färbt eine Probe blau. Was stimmt?
Lösung A hat pH 3, Lösung B hat pH 5. Wie oft so viele Oxonium-Ionen enthält ein Liter von A im Vergleich zu einem Liter von B?
Welcher Stoff bildet mit Wasser eine saure Lösung?
Bei welcher Mischung entsteht Wasserstoff?
Du tropfst langsam Natronlauge in Salzsäure, die Universalindikator enthält. Welche Farben siehst du nacheinander? Was geschieht bei Grün mit den Ionen?