Lektion 3.1

Datenübertragung im Netz: Pakete, Protokolle, Routing

19 min Lesezeit

Du schickst einer Freundin ein Foto. Es hat mehrere Megabyte und ist nach wenigen Sekunden da. Dazwischen liegen dein WLAN-Router, das Netz deines Anbieters und viele weitere Geräte. Keines davon kennt dich oder deine Freundin.

Wie findet jedes Gerät die richtige Richtung? Warum wird das Foto in kleine Stücke zerlegt? Und wie hält ein Netz unerwünschte Verbindungen fern? Aus Klasse 7-8 kennst du Pakete, IP-Adressen, DNS und Router. Jetzt siehst du, wie sie zusammenarbeiten.

Definition

IP-Adresse, Subnetz und Subnetzmaske

Eine IPv4-Adresse hat zwei Teile: vorn die Netznummer, hinten die Gerätenummer, wie Straße und Hausnummer. Ein Subnetz ist ein solches Teilnetz, zum Beispiel das Netz eines Klassenraums. Wie viele der 32 Bit zur Netznummer gehören, legt die Subnetzmaske fest. Sie ist ebenfalls 32 Bit lang und besteht aus einem Block Einsen, gefolgt von einem Block Nullen. Eine 1 heißt: Dieses Bit gehört zur Netznummer. Eine 0 heißt: Es gehört zur Gerätenummer.

Die Maske 255.255.255.0 hat 24 Einsen, denn 255 ist binär 11111111. Kurz schreibt man /24 hinter die Adresse. Bei 192.168.0.17 mit dieser Maske ist 192.168.0 die Netznummer und 17 die Gerätenummer. Zwei Geräte liegen im selben Subnetz, wenn ihre Netznummern gleich sind.

Hat die Maske n Einsen, bleiben 32 − n Bit für Geräte, also 232−n2^{32-n} Adressen. Zwei davon sind nicht für Geräte: Sind alle Geräte-Bits 0, bezeichnet die Adresse das Netz selbst. Sind alle 1, ist es die Broadcast-Adresse, die alle Geräte des Netzes auf einmal erreicht. Es bleiben 232−n−22^{32-n} - 2 Geräteadressen.

Mit der Maske prüft ein Gerät vor dem Senden, ob das Ziel im eigenen Subnetz liegt. Dann schickt es das Paket direkt dorthin. Sonst gibt es das Paket an den Router seines Netzes, das Standardgateway (Gateway heißt Tor).

Beispiel

Liegt das Ziel im selben Subnetz?

Ein Gerät hat die Adresse 192.168.0.100 und die Maske 255.255.255.128. a) Wie viele Geräteadressen hat sein Subnetz? b) Erreicht es 192.168.0.200 direkt?

a) 128 ist binär 10000000. Die Maske hat 24 + 1 = 25 Einsen, es bleiben 7 Bit für Geräte. Das sind 27=1282^7 = 128 Adressen, ohne Netz- und Broadcast-Adresse also 126.

b) Zur Netznummer gehört hier auch das erste Bit der letzten Zahl. 100 ist binär 01100100 und beginnt mit 0. 200 ist binär 11001000 und beginnt mit 1. Die Netznummern unterscheiden sich, das Ziel liegt in einem anderen Subnetz. Das Gerät gibt das Paket an das Standardgateway.

Definition

Namensauflösung mit DNS

Das DNS ist keine einzelne Liste, sondern viele Server in einer Hierarchie. Einen Domainnamen liest du von rechts nach links: Bei www.example.org steht org für die oberste Ebene (Top-Level-Domain), example für die Domain darin und www für den Rechner. Dein Gerät fragt zuerst den Resolver, einen DNS-Server deines Anbieters oder deiner Schule. Kennt er die Antwort nicht, fragt er einen Wurzelserver, der auf den Server für org verweist, dann diesen, der auf den Server für example.org verweist, und zuletzt diesen, der die IP-Adresse von www.example.org nennt. Diese Frage-Kette heißt Namensauflösung. Der Resolver behält die Antwort eine Zeit lang im Zwischenspeicher (Cache), damit die nächste Anfrage schneller geht.

Definition

Pakete und paketorientierte Übertragung

Das alte Telefonnetz reservierte für ein Gespräch eine feste Leitung (leitungsorientiert). Das Internet arbeitet paketorientiert: Eine Nachricht wird in Pakete zerlegt, und jedes Paket wird einzeln auf den Weg geschickt. Ein Paket besteht aus dem Kopf und den Nutzdaten. Im Kopf stehen Absender- und Zieladresse und die Nummer des Pakets. Die Nutzdaten sind ein Stück der Nachricht.

So teilen sich viele Nutzer dieselben Leitungen, und fällt eine Leitung aus, nehmen die Pakete einen anderen Weg. Weil Pakete verschiedene Wege nehmen können, kommen sie womöglich in anderer Reihenfolge an. Das Zielgerät ordnet sie anhand der Nummern.

Definition

Protokolle und Schichtenmodell

Ein Protokoll legt Format, Reihenfolge und Fehlerbehandlung der Nachrichten fest. Im Netz arbeiten viele Protokolle zusammen, und jedes löst eine Aufgabe. Das Schichtenmodell ordnet sie in Schichten: Jede Schicht nutzt die Dienste der Schicht darunter und kennt deren Innenleben nicht. Beim Senden setzt jede Schicht dem Paket ihren eigenen Kopf auf, wie einen weiteren Briefumschlag, beim Empfangen packt sie ihn aus. Das Internet nutzt das TCP/IP-Modell mit vier Schichten:

SchichtAufgabeBeispiele
AnwendungDienst für das Programm: Webseiten, Mails, NamenHTTP, HTTPS, DNS
TransportDaten dem richtigen Programm zuordnen, ZuverlässigkeitTCP, UDP
InternetAdressierung und WeiterleitungIP
NetzzugangÜbertragung zum nächsten Gerät über Kabel oder FunkEthernet (Kabel), WLAN (Funk)

TCP nummeriert Pakete, verlangt Bestätigungen und sendet verlorene Pakete neu: zuverlässig, aber mit Aufwand. UDP sendet ohne Bestätigung: schneller, aber Pakete können fehlen. Das ist bei einem Videoanruf verkraftbar. Weil die Schichten getrennt sind, läuft HTTP über WLAN wie über Kabel.

Definition

Switch, Router und Routing

Ein Switch verbindet Geräte innerhalb eines lokalen Netzes. Er merkt sich, welches Gerät (erkennbar an der festen Geräteadresse der Netzkarte) an welchem Anschluss hängt, und leitet Pakete nur dorthin. Ein Router verbindet verschiedene Netze. Er liest die IP-Zieladresse und sucht in seiner Routingtabelle, über welchen Anschluss das Paket zum nächsten Router oder ans Ziel läuft. Kein Router kennt den ganzen Weg, jeder nur den nächsten Schritt. Dieses Weiterleiten heißt Routing. Router tauschen Informationen aus, damit die Tabellen auch nach einem Leitungsausfall stimmen.

Beispiel

Wohin leitet der Router?

Ein Router hat diese Routingtabelle:

ZielnetzWeiter über
192.168.1.0/24Anschluss 1 (Netz der Schule)
192.168.2.0/24Anschluss 2 (Netz der Bibliothek)
alle anderen Ziele (Standardroute)Anschluss 3 (Router des Anbieters)

Wohin leitet er Pakete an 192.168.2.77 und an 203.0.113.9?

Bei /24 sind die ersten drei Zahlen die Netznummer. 192.168.2.77 hat die Netznummer 192.168.2 und passt zur zweiten Zeile: Anschluss 2. 203.0.113.9 passt zu keiner der ersten beiden Zeilen. Dann gilt die Standardroute: Anschluss 3, und der Router des Anbieters leitet weiter.

Definition

Kabelgebundene und drahtlose Übertragung

Pakete laufen über verschiedene Medien:

MediumVorteileNachteile
Kupferkabel (Ethernet): elektrische Signalegünstig, stabilje Strecke nur etwa 100 Meter
Glasfaser: Lichtimpulsesehr hohe Datenrate, große Entfernungenteurer in Technik und Verlegung
WLAN, Mobilfunk: Funkwellenkein Kabel, beweglichbegrenzte Reichweite, Wände schwächen das Signal, Mitlesen ohne Verschlüsselung möglich

Die Datenrate sagt, wie viele Bit pro Sekunde ankommen, zum Beispiel 100 Mbit/s. Die Dauer ist die Datenmenge in Bit geteilt durch die Datenrate. Eine Datei mit 250 MB hat 250 · 8 = 2000 Mbit. Bei 100 Mbit/s dauert das 2000 : 100 = 20 Sekunden, wenn man Paketköpfe und Wartezeiten nicht beachtet.

Beispiel

Ein Schulnetz mit Webserver modellieren

In einem Simulationsprogramm für Netze (zum Beispiel Filius) baust du dieses Netz: zwei Rechner, ein Webserver und ein Router, verbunden über einen Switch. Welche Einstellungen braucht jedes Gerät, und wie testest du das Netz?

Alle Geräte liegen in einem Subnetz mit der Maske 255.255.255.0. Sie haben dieselbe Netznummer 192.168.0 und verschiedene Gerätenummern: Rechner 1 bekommt 192.168.0.11, Rechner 2 die 192.168.0.12, der Webserver die 192.168.0.20 und der Router die 192.168.0.1. Als Standardgateway tragen alle außer dem Router die 192.168.0.1 ein. Eine doppelt vergebene Adresse stört das Netz.

Auf dem Webserver läuft ein Webserverprogramm mit einer Startseite. Test: Auf Rechner 1 rufst du im Browser http://192.168.0.20 auf. Das Ziel liegt im selben Subnetz, die Pakete gehen direkt über den Switch. Ein DNS-Server im Netz kann dem Webserver einen Namen wie schule.test geben. Ein Ziel außerhalb geht über das Standardgateway zum Router.

Definition

Firewall und Netzsperre

Eine Firewall (Brandmauer) steht an der Grenze eines Netzes oder läuft auf einem Gerät. Sie prüft jedes Paket nach festen Regeln und lässt es durch oder verwirft es. Die Regeln nennen Absender, Ziel, Protokoll und Port: Die IP-Adresse findet das Gerät, die Portnummer das Programm darauf. Webseiten über HTTPS laufen meist auf Port 443. Eine Regel kann lauten: Von außen darf niemand zum Dateiserver der Schule.

Eine Netzsperre blockiert den Zugriff auf bestimmte Adressen oder Domainnamen mit einer Sperrliste. Eine Schule sperrt damit zum Beispiel Seiten, die für Kinder ungeeignet sind. Sperren lassen sich oft umgehen und können harmlose Seiten mitsperren.

Häufige Fehler

Eine Firewall schützt vor allen Gefahren

„Mit einer Firewall kann mir kein Virus und kein Betrug etwas anhaben.“

Richtig ist

Eine Firewall lässt Pakete nach Regeln durch oder nicht. Was in einer erlaubten Verbindung steckt, prüft sie meist nicht: Eine schädliche Datei, die du über eine erlaubte Web-Verbindung herunterlädst, passiert sie. Sie ersetzt weder Virenschutz noch Vorsicht.

Zusammenfassung

  • Eine IPv4-Adresse besteht aus Netznummer und Gerätenummer. Die Subnetzmaske sagt, wie viele Bit zur Netznummer gehören. Liegt das Ziel im eigenen Subnetz, geht das Paket direkt dorthin, sonst zum Standardgateway.

  • DNS löst Namen in einer Kette von Servern auf. Der Resolver merkt sich Antworten im Cache.

  • Das Internet ist paketorientiert: Pakete haben Kopf und Nutzdaten, nehmen einzeln ihren Weg und werden am Ziel nach Nummern geordnet.

  • Protokolle legen Format, Reihenfolge und Fehlerbehandlung fest. Das TCP/IP-Modell hat vier Schichten: Anwendung, Transport, Internet, Netzzugang.

  • Ein Switch verbindet Geräte in einem Netz, ein Router verbindet Netze und leitet anhand seiner Routingtabelle weiter.

  • Kupfer, Glasfaser und Funk unterscheiden sich in Datenrate, Reichweite und Sicherheit. Firewall und Netzsperre filtern Pakete nach Regeln oder blockieren Adressen.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Ein Gerät hat die Adresse 192.168.5.20 und die Maske 255.255.255.0. Welches Ziel erreicht es direkt, ohne das Standardgateway?

Aufgabe 2Numerisch

Eine Nachricht hat 7300 Byte. Ein Paket trägt höchstens 1000 Byte Nutzdaten. Wie viele Pakete werden mindestens gebraucht?

Aufgabe 3Numerisch

Eine Datei hat 900 MB, die Leitung schafft 200 Mbit/s. Wie viele Sekunden dauert die Übertragung, wenn du Paketköpfe und Wartezeiten nicht beachtest? Ein Byte hat 8 Bit.

Aufgabe 4Multiple Choice

Ein Router entscheidet anhand der IP-Zieladresse, wohin ein Paket geht. In welcher Schicht des TCP/IP-Modells arbeitet er dabei?

Aufgabe 5Freitext

Erkläre, wie ein Rechner mit der Subnetzmaske entscheidet, ob er ein Paket direkt zum Ziel oder zum Standardgateway schickt.