Lektion 5.1

Sensoren, Messen und Datenauswertung

17 min Lesezeit

Beim Arzt wird dir eine Manschette um den Oberarm gelegt und aufgepumpt. Nach kurzer Zeit zeigt ein Display zwei Zahlen. Woher kennt das Gerät deinen Blutdruck? Und wie sicher sind die Zahlen: Zeigt es bei einer zweiten Messung dieselben Werte?

Auch ein Hygrometer im Bad, ein Windmesser auf dem Dach und eine Wärmebildkamera enthalten Sensoren. Du lernst, wie sie messen, wie du Fehler erkennst und eine Messreihe auswertest.

Definition

Messen, direkte und indirekte Messung

Messen heißt, eine Größe mit einer Einheit zu vergleichen. Das Ergebnis, der Messwert, besteht aus Zahl und Einheit, etwa 21,3 °C.

Bei einer direkten Messung liest du den Wert an der Skala eines Geräts ab: die Länge am Lineal, die Zeit an der Stoppuhr, die Temperatur am Flüssigkeitsthermometer. Bei einer indirekten Messung misst du andere Größen und berechnest daraus die gesuchte. Den Widerstand eines Bauteils bestimmst du aus Spannung und Stromstärke mit R=U/IR = U / I, die Geschwindigkeit aus Weg und Zeit mit v=s/tv = s / t. Die meisten Sensoren messen indirekt: Sie wandeln die Größe in ein elektrisches Signal um, das sich leicht messen lässt.

Definition

Sensoren und Sinnesorgane

Ein Sensor nimmt eine physikalische Größe auf und gibt ein elektrisches Signal ab, das ein AD-Wandler in eine Zahl umsetzt (siehe Klasse 7-8). Dein Körper arbeitet nach demselben Muster: Ein Sinnesorgan nimmt einen Reiz auf, Nerven leiten ihn weiter, das Gehirn wertet ihn aus.

Sinnesorgantechnischer SensorUnterschied
AugeFotowiderstand, Kamerachipliefert die Helligkeit als Zahl; viele Chips reagieren auch auf Infrarot
OhrMikrofonliefert eine Spannung, die man speichern und auswerten kann
Haut (Wärme)Temperatursensormisst absolut; die Haut empfindet relativ (nach kaltem Wasser fühlt sich lauwarmes warm an)

Sensoren liefern genaue Zahlen und erfassen auch, was Menschen nicht wahrnehmen. Sinnesorgane sind dafür vielseitiger und passen sich an.

Definition

Beispiele technischer Sensoren

GerätmisstWie es arbeitet
BlutdruckmessgerätBlutdruck in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule)Ein Drucksensor misst den Druck in der Manschette. Aus den kleinen Druckschwankungen, die der Puls erzeugt, berechnet das Gerät den oberen und unteren Wert.
Hygrometerrelative Luftfeuchtigkeit in % (Anteil des Wasserdampfs am bei dieser Temperatur möglichen Höchstwert)Haare dehnen sich bei feuchter Luft (Haarhygrometer). Elektronische Sensoren ändern ihre elektrischen Eigenschaften mit der Feuchte.
AnemometerWindgeschwindigkeitEin Schalenkreuz dreht sich im Wind. Das Gerät zählt die Umdrehungen je Sekunde und rechnet sie in Meter pro Sekunde um.
IR-Sensor (Infrarot)WärmestrahlungEin Bewegungsmelder reagiert auf die Infrarotstrahlung warmer Körper. Geht ein Mensch durch das Blickfeld, ändert sie sich, und der Sensor löst aus.
WärmebildkameraOberflächentemperaturViele kleine IR-Sensoren messen die Strahlung jedes Bildpunkts. Das Gerät rechnet sie in Temperaturen um und färbt sie ein.

Diese Geräte wandeln die gesuchte Größe in eine andere um, sie messen also indirekt. Bei der Wärmebildkamera kommt ein Fehler dazu: Blankes Metall sendet wenig Infrarot aus und spiegelt seine Umgebung. Seine Temperatur zeigt die Kamera deshalb falsch an.

Definition

Messfehler und Reproduzierbarkeit

Jede Messung weicht ein wenig vom wahren Wert ab. Diese Abweichung heißt Messfehler. Man unterscheidet zwei Arten:

  • Zufällige Fehler schwanken von Messung zu Messung mal nach oben, mal nach unten, zum Beispiel beim Ablesen zwischen zwei Strichen oder durch das Rauschen des Sensors. Mehrfaches Messen und Mitteln verkleinert sie.
  • Systematische Fehler verschieben alle Werte in dieselbe Richtung: ein falscher Nullpunkt, ein Thermometer, das immer 1 °C zu viel zeigt, ein Messgerät, das die Schaltung selbst verändert. Wiederholen zeigt sie nicht. Man findet sie im Vergleich mit einem anderen Verfahren oder einem geprüften Vergleichsgerät.

Eine Messung ist reproduzierbar, wenn sie bei Wiederholung unter gleichen Bedingungen (fast) denselben Wert liefert. Das sagt etwas über die zufälligen Fehler. Ob der Wert auch richtig ist, sagt es nicht.

Definition

Standardabweichung

Zufällige Fehler fasst man in einer Zahl, indem man mehrmals misst. Eine Messreihe x1,x2,…,xnx_1, x_2, \dots, x_n hat den Mittelwert xˉ\bar{x} (Summe geteilt durch Anzahl). Die Standardabweichung ss gibt an, wie weit die Einzelwerte typischerweise vom Mittelwert entfernt liegen:

s=(x1−xˉ)2+(x2−xˉ)2+⋯+(xn−xˉ)2n−1s = \sqrt{\frac{(x_1-\bar{x})^2 + (x_2-\bar{x})^2 + \dots + (x_n-\bar{x})^2}{n-1}}
Beispiel

Eine Messreihe auswerten

Ein Temperatursensor misst fünfmal die Raumtemperatur: 21,2 °C, 21,4 °C, 21,1 °C, 21,3 °C und 21,5 °C. Bestimme Mittelwert und Standardabweichung. Wie rechnet das eine Tabellenkalkulation?

Mittelwert: (21,2 + 21,4 + 21,1 + 21,3 + 21,5) : 5 = 106,5 : 5 = 21,3 °C.

Abweichungen vom Mittelwert: −0,1; +0,1; −0,2; 0; +0,2. Man quadriert sie, damit sich Plus und Minus nicht aufheben: 0,01; 0,01; 0,04; 0; 0,04. Die Summe ist 0,10. Geteilt durch n − 1 = 4 ergibt das 0,025. Die Wurzel daraus ist etwa 0,16. Die Wurzel sorgt dafür, dass s wieder die Einheit der Messwerte hat. Das Ergebnis: 21,3 °C mit einer Standardabweichung von etwa 0,16 °C.

In der Tabellenkalkulation stehen die Werte in A1 bis A5:

ZelleFormelErgebnis
B1=MITTELWERT(A1:A5)\texttt{=MITTELWERT(A1:A5)}21,3
B2=STABW.S(A1:A5)\texttt{=STABW.S(A1:A5)}etwa 0,158

STABW.S teilt durch n − 1, STABW.N durch n. Bei Messreihen nimmt man meist n − 1. Ein Liniendiagramm der Werte zeigt außerdem, ob ein Wert als Ausreißer herausfällt.

Beispiel

Indirekt messen und einen Fehler finden

Du bestimmst den Widerstand eines Bauteils mit der Schaltung im Bild darunter: Batterie 10 V, Strommesser (Innenwiderstand 10 Ω), das Bauteil und parallel dazu ein Spannungsmesser mit 1 kΩ Innenwiderstand. Der Innenwiderstand ist der Widerstand, den ein Messgerät selbst hat. Der Strommesser zeigt etwa 99 mA, der Spannungsmesser etwa 9,0 V. Welchen Widerstand erhältst du? Stimmt er, wenn das Bauteil 100 Ω hat?

Indirekt gerechnet: R = U : I = 9,0 V : 0,099 A ≈ 91 Ω. Das liegt unter 100 Ω.

Der Grund: Der Spannungsmesser liegt parallel zum Bauteil und zieht selbst Strom, bei 9 V sind das 9 V : 1000 Ω = 9 mA. Der Strommesser zeigt die Summe beider Ströme. Durch das Bauteil fließen nur 99 mA − 9 mA = 90 mA, und 9,0 V : 0,090 A = 100 Ω.

Das ist ein systematischer Fehler: Er ist bei jeder Wiederholung gleich. Man rechnet ihn heraus oder verkleinert ihn mit einem Spannungsmesser mit größerem Innenwiderstand.

Die Messschaltung aus dem Beispiel

Lies beim Strommesser und beim Spannungsmesser die Werte ab und rechne Spannung geteilt durch Strom. Du erhältst etwa 91 Ω statt 100 Ω. Die Zeichnung ist nur zum Ansehen. Über "Im Baukasten öffnen" kannst du den Innenwiderstand des Spannungsmessers erhöhen und beobachten, wie der Fehler kleiner wird.

Definition

Optische und akustische Spektren

Ein Spektrum zeigt, welche Anteile in einem Signal stecken, sortiert nach Wellenlänge oder Frequenz.

  • Optisch: Ein Prisma oder Gitter zerlegt Licht in seine Farben, ein Spektrometer misst die Helligkeit jeder Wellenlänge. Eine Glühlampe sendet alle Farben von Rot bis Violett. Eine Natriumdampflampe sendet fast nur gelbes Licht bei etwa 589 nm (1 nm ist ein Millionstel Millimeter). Jedes Element sendet eigene Wellenlängen aus, daran erkennt man Stoffe.
  • Akustisch: Ein Mikrofon macht aus Schall eine Spannung, ein Programm zerlegt sie in Frequenzen. Eine Stimmgabel mit 440 Hz zeigt fast nur diese Frequenz. Der Ton einer Geige zeigt die Grundfrequenz und Vielfache davon, die Obertöne. Sie bestimmen den Klang.
Definition

Geoinformationssysteme

Ein Geoinformationssystem (GIS) verbindet Daten mit ihrem Ort. Jeder Datensatz hat Koordinaten, zum Beispiel geografische Breite und Länge, oft von einem GPS-Empfänger im Messgerät. Die Daten liegen in Ebenen übereinander: Straßen, Gewässer, Messstationen für Luftqualität. Man blendet Ebenen ein und aus und stellt Fragen, etwa: Welche Messstationen liegen im Umkreis von 2 km um die Schule? Beispiele sind Navigation, Wetterkarten und Hochwasserkarten.

Häufige Fehler

Kleine Standardabweichung heißt richtiger Wert

„Die fünf Messwerte liegen dicht beisammen, also ist der Mittelwert der wahre Wert.“

Richtig ist

Die Standardabweichung beschreibt nur die Streuung, also die zufälligen Fehler. Ein systematischer Fehler verschiebt alle Werte gleich und lässt die Streuung klein. Das Thermometer mit dem falschen Nullpunkt ist reproduzierbar und trotzdem falsch.

Zusammenfassung

  • Messen heißt, eine Größe mit einer Einheit zu vergleichen. Direkt liest man an einer Skala ab, indirekt berechnet man den Wert aus anderen Messgrößen.

  • Ein Sensor wandelt eine Größe in ein elektrisches Signal. Wie ein Sinnesorgan nimmt er einen Reiz auf, liefert aber Zahlen und erfasst auch Infrarot.

  • Blutdruckmessgerät, Hygrometer, Anemometer, IR-Sensor und Wärmebildkamera messen indirekt: Sie wandeln um und rechnen.

  • Zufällige Fehler streuen, systematische verschieben alle Werte in eine Richtung. Reproduzierbar heißt: Wiederholen liefert (fast) denselben Wert.

  • Die Standardabweichung misst die Streuung. Mit MITTELWERT und STABW.S berechnet sie die Tabellenkalkulation. Über systematische Fehler sagt sie nichts.

  • Spektren zerlegen Licht nach Wellenlänge und Schall nach Frequenz. Ein GIS verbindet Daten mit Orten.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Ein Anemometer misst fünfmal die Windgeschwindigkeit: 4,0 m/s, 4,4 m/s, 4,6 m/s, 4,2 m/s und 4,8 m/s. Wie groß ist der Mittelwert in Metern pro Sekunde?

Aufgabe 2Multiple Choice

Welche Messung ist eine indirekte Messung?

Aufgabe 3Numerisch

Drei Messungen der Länge eines Tisches ergeben 120 cm, 122 cm und 124 cm. Wie groß ist die Standardabweichung in Zentimetern (Teilen durch n − 1)?

Aufgabe 4Multiple Choice

Ein Thermometer zeigt in Eiswasser von 0 °C bei jeder Messung 1,5 °C. Welche Aussage stimmt?

Aufgabe 5Numerisch

An einem Bauteil messen Strommesser und Spannungsmesser 30 mA und 4,5 V. Welchen Widerstand erhältst du indirekt, in Ohm? (Der Messfehler der Geräte bleibt außer Acht.)

Aufgabe 6Freitext

Nenne zu Auge und Ohr je einen technischen Sensor und einen Vorteil, den der Sensor gegenüber dem Sinnesorgan hat.