Elektronenpaarbindung und Moleküle
In der Luft ist Sauerstoff. Du findest dort aber keine einzelnen Sauerstoffatome, sondern immer zwei, die fest zusammenhängen: . Auch ein Wasserteilchen besteht nicht aus losen Atomen. Zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom halten zusammen: .
Das Gas Helium im Luftballon ist anders. Es besteht aus einzelnen Atomen, die sich mit nichts verbinden.
Warum halten manche Atome zusammen und andere nicht? Wodurch halten sie zusammen? Und warum gehören an ein Sauerstoffatom genau zwei Wasserstoffatome? Das klärst du mit dem Schalenmodell.
Edelgasregel und Oktettregel
Die Edelgase (Helium, Neon, Argon und weitere) stehen ganz rechts im Periodensystem. Sie reagieren kaum und kommen als einzelne Atome vor. Der Grund ist ihre äußere Schale: Sie ist voll. Helium hat 2 Valenzelektronen, Neon und Argon haben 8.
Daraus folgt eine Regel: Ein Atom ist besonders stabil, wenn es auf der äußeren Schale so viele Elektronen hat wie ein Edelgas. Das ist die Edelgasregel. Für die meisten Atome sind das acht Außenelektronen, ein Oktett (lateinisch octo: acht). Darum heißt sie auch Oktettregel. Wasserstoff ist besonders: Er braucht nur 2 Elektronen, wie Helium.
Atome, bei denen die Außenschale nicht voll ist, erreichen das, indem sie sich verbinden. Die Regel gilt gut für die Atome, die du hier brauchst. Bei einigen anderen gibt es Ausnahmen.
Elektronenpaarbindung und Molekül
Zwei Wasserstoffatome haben je 1 Valenzelektron. Jedes möchte 2 haben, wie Helium. Keines gibt sein Elektron ab, denn beide wollen eines dazu. Die Lösung: Sie teilen. Die beiden Elektronen bilden ein gemeinsames Elektronenpaar, das zu beiden Atomen gehört. Jedes Atom zählt beide Elektronen mit und hat damit 2.
Dieser Zusammenhalt heißt Elektronenpaarbindung (auch Atombindung). Sie entsteht zwischen Nichtmetallatomen. Ein Teilchen aus zwei oder mehr Atomen, die durch Elektronenpaarbindungen zusammenhalten, heißt Molekül. , und sind Moleküle. Ihre Molekülformeln kennst du schon.
Lewis-Formel und Valenzstrichformel
Die Lewis-Schreibweise der einzelnen Atome kennst du: Die Valenzelektronen stehen als Punkte oder Striche um das Elementsymbol. Die Lewis-Formel eines Moleküls zeigt alle Valenzelektronen ebenso. Meist sind alle Elektronen gepaart. Dann zeichnest du jedes Paar als Strich. Das nennt man Valenzstrichformel.
- Ein Strich zwischen zwei Atomen ist ein gemeinsames (bindendes) Elektronenpaar.
- Ein Strich, der nur an einem Atom hängt (über, unter oder neben dem Symbol), ist ein freies Elektronenpaar. Es gehört nur diesem Atom.
Wie viele Bindungen ein Atom bildet, folgt aus der Oktettregel: so viele, wie ihm Elektronen bis zur vollen Schale fehlen.
| Atom | Valenzelektronen | fehlen bis zur vollen Schale | Bindungen (Striche) |
|---|---|---|---|
| H | 1 | 1 (bis 2) | 1 |
| Cl | 7 | 1 | 1 |
| O | 6 | 2 | 2 |
| N | 5 | 3 | 3 |
| C | 4 | 4 | 4 |
Alle übrigen Valenzelektronen bilden freie Paare. Die Zahl der freien Paare ist (Valenzelektronen minus Bindungen) geteilt durch 2.
Die Lewis-Formel von Wasser
Die Lewis-Formel von Wasser
Zeichne die Lewis-Formel von Wasser, . Ein Strich über oder unter dem Symbol soll ein freies Elektronenpaar zeigen.
Schritt 1: Sauerstoff hat 6 Valenzelektronen, jedes Wasserstoffatom hat 1.
Schritt 2: Sauerstoff fehlen 2 Elektronen bis 8, also bildet er 2 Bindungen. Jedem Wasserstoffatom fehlt 1 Elektron bis 2, also bildet es 1 Bindung. Das passt: Das Sauerstoffatom steht in der Mitte, an jeder Seite ein Wasserstoffatom.
Schritt 3: Von den 6 Valenzelektronen des Sauerstoffs steckt je eins in den beiden Bindungen. Es bleiben 4 Elektronen, das sind 2 freie Paare.
Schritt 4: Probe. Um den Sauerstoff stehen 2 Bindungen mit 4 Elektronen und 2 freie Paare mit 4 Elektronen, zusammen 8. Um jedes Wasserstoffatom stehen 2 Elektronen. Die Regel ist erfüllt.
Einfach-, Doppel- und Dreifachbindung
Manchmal reicht ein gemeinsames Paar nicht. Zwei Sauerstoffatome haben je 6 Valenzelektronen, jedem fehlen 2. Darum teilen sie zwei Paare: Das ist eine Doppelbindung. Zwei Stickstoffatome haben je 5, jedem fehlen 3. Sie teilen drei Paare: eine Dreifachbindung. Teilen Atome nur ein Paar, wie in , ist es eine Einfachbindung. Doppel- und Dreifachbindungen heißen zusammen Mehrfachbindungen.
Je mehr Paare die Atome teilen, desto fester halten sie zusammen. Das der Luft hat eine Dreifachbindung und reagiert darum nur schwer.
Von links nach rechts: , , .
Kohlenstoffdioxid
Kohlenstoffdioxid
Kohlenstoffdioxid hat die Formel . Das Kohlenstoffatom steht in der Mitte. Wie sieht die Valenzstrichformel aus?
Kohlenstoff bildet 4 Bindungen, jedes Sauerstoffatom 2. Das passt, wenn der Kohlenstoff mit jedem Sauerstoffatom eine Doppelbindung bildet: 2 + 2 = 4 Bindungen.
Freie Paare: Jedes Sauerstoffatom hat 6 Valenzelektronen, 2 davon in der Doppelbindung. Es bleiben 4, also 2 freie Paare. Am Kohlenstoff bleibt kein Elektron übrig.
Probe: Um den Kohlenstoff stehen 4 Paare, also 8 Elektronen. Um jeden Sauerstoff stehen 2 Paare der Doppelbindung und 2 freie Paare, auch 8 Elektronen.
Unpolare und polare Bindung
Bisher haben wir so getan, als gehöre ein gemeinsames Paar beiden Atomen gleich. Bei zwei gleichen Atomen stimmt das. In oder ziehen beide Atome gleich stark am Paar, es liegt in der Mitte. Das ist eine unpolare Bindung.
Bei zwei verschiedenen Atomen zieht meist ein Atom stärker. Im Wasser zieht das Sauerstoffatom stärker an den gemeinsamen Paaren als die Wasserstoffatome. Die Paare liegen näher am Sauerstoff. Darum ist das Sauerstoffende ein wenig negativ und das Wasserstoffende ein wenig positiv geladen. Das ist eine polare Bindung, denn sie hat zwei Pole, also zwei Enden mit verschiedener Ladung. Auch im Chlorwasserstoff zieht Chlor stärker als Wasserstoff.
Die Ladungen sind nur klein, es springt kein ganzes Elektron über. Es bleibt eine Elektronenpaarbindung. Das Wassermolekül schauen wir in der nächsten Lektion genauer an.
Ein Atom gibt Elektronen ab
Ein Atom gibt Elektronen ab
„Bei der Elektronenpaarbindung gibt ein Atom ein Elektron an das andere ab.“
Die Atome teilen sich Elektronen. Das gemeinsame Paar gehört beiden. Wechselt ein Elektron ganz zu einem anderen Atom, ist das eine andere Bindungsart. Sie kommt in der Lektion über Ionen.
Ein Strich ist ein Elektron
Ein Strich ist ein Elektron
„Ein Strich in der Formel steht für ein Elektron.“
Ein Strich steht für ein Elektronenpaar, also für zwei Elektronen. Eine Doppelbindung sind vier Elektronen, eine Dreifachbindung sechs.
Zusammenfassung
Edelgase haben eine volle Außenschale (Helium 2, sonst 8 Elektronen) und sind stabil. Andere Atome erreichen das durch Bindungen (Edelgasregel, Oktettregel).
Bei der Elektronenpaarbindung teilen sich zwei Nichtmetallatome ein oder mehrere Elektronenpaare. Ein Teilchen aus solchen Atomen heißt Molekül.
In der Lewis- oder Valenzstrichformel ist ein Strich zwischen Atomen ein bindendes Paar. Ein Strich an einem Atom ist ein freies Paar.
Ein Atom bildet so viele Bindungen, wie ihm Elektronen zur vollen Schale fehlen: H und Cl eine, O zwei, N drei, C vier.
Es gibt Einfach-, Doppel- und Dreifachbindungen. Die beiden letzten heißen Mehrfachbindungen.
Zwei gleiche Atome ziehen gleich stark am Paar: unpolare Bindung. Zieht ein Atom stärker, wie Sauerstoff im Wasser, ist die Bindung polar.
Übungen
Warum bilden zwei Wasserstoffatome ein -Molekül?
Im Ammoniak ist ein Stickstoffatom (5 Valenzelektronen) mit drei Wasserstoffatomen durch Einfachbindungen verbunden. Wie viele freie Elektronenpaare hat das Stickstoffatom?
Welches dieser Moleküle hat eine Doppelbindung?
Welche dieser Bindungen ist unpolar?
Beschreibe die Valenzstrichformel von Chlorwasserstoff : Wie viele Bindungen gibt es, wie viele freie Paare hat das Chloratom, und ist die Bindung polar?