Lektion 3.2

Wasser und Wasserstoff

17 min Lesezeit

Wasser löscht Feuer. Trotzdem besteht es aus Wasserstoff und Sauerstoff. Wasserstoff brennt, und Sauerstoff lässt Feuer heller brennen. Wie passt das zusammen?

Du zerlegst Wasser in seine Bestandteile und baust es wieder zusammen. Du lernst Wasserstoff kennen und erfährst, warum sich Salz in Wasser löst und Öl nicht.

Definition

Eigenschaften von Wasser

Wasser kennst du als Stoff aus der Klasse 5-6. Hier die wichtigsten Eigenschaften von reinem Wasser:

EigenschaftWasser
Aussehen und Geruchflüssig bei 20 °C, farblos, geruchlos, geschmacklos
Schmelztemperatur0 °C
Siedetemperatur100 °C bei normalem Luftdruck
Dichteetwa 1 g/cm³, am größten bei 4 °C (Eis ist weniger dicht und schwimmt)
Stromreines Wasser leitet kaum, Leitungswasser leitet, weil Salze gelöst sind
Lösemittellöst viele Salze, Zucker und etwas Sauerstoff, aber kaum Öl

Die Formel H2O\mathrm{H_2O} sagt, dass Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht. Dass es wirklich eine Verbindung ist, zeigt ein Versuch.

Definition

Zerlegung von Wasser

Aufbau: Ein Glasgerät mit zwei senkrechten Röhren (Hofmann-Apparat) ist mit Wasser gefüllt, in dem etwas Salz gelöst ist, damit es Strom leitet. In jeder Röhre steckt eine Elektrode, ein Draht oder eine Platte, die den Strom ins Wasser bringt. Beide hängen an einer Batterie oder einem Netzgerät.

Durchführung und Beobachtung: Du schaltest den Strom ein. An beiden Elektroden steigen Gasbläschen auf und sammeln sich oben in den Röhren. In der einen Röhre ist bald doppelt so viel Gas wie in der anderen. Das größere Gas gibt die Knallgasprobe (siehe unten): Es ist Wasserstoff. Ein glimmender Holzspan flammt im kleineren Gas auf: Es ist Sauerstoff.

Auswertung: Wasser zerfällt durch Strom in zwei Elemente. Es ist also eine Verbindung. Der Strom liefert die nötige Energie, die Reaktion ist endotherm. Das Gasvolumen im Verhältnis 2 zu 1 passt zu den Zahlen der Gleichung: 2 vor H2\mathrm{H_2}, 1 vor O2\mathrm{O_2}.

2 H2O⟶2 H2+O22\,\mathrm{H_2O} \longrightarrow 2\,\mathrm{H_2} + \mathrm{O_2}
Definition

Wasserstoff: Darstellung, Nachweis und Bildung von Wasser

Wasserstoff (H2\mathrm{H_2}) ist farblos und geruchlos. Es ist das leichteste Gas, viel leichter als Luft, und löst sich kaum in Wasser.

Darstellung: Außer durch die Zerlegung von Wasser gewinnt man ihn im Labor aus Zink und verdünnter Salzsäure (einer ätzenden, sauren Lösung). Es sprudelt, und es entstehen Wasserstoff und Zinkchlorid. Das Gas steigt nach oben, darum hält man das Auffangglas mit der Öffnung nach unten darüber.

Nachweis (Knallgasprobe): Du hältst ein mit Wasserstoff gefülltes Reagenzglas mit der Öffnung nach unten an eine Flamme. Ist Luft beigemischt, hörst du einen Knall. Ein Gemisch aus Wasserstoff und Luft heißt Knallgas.

Bildung von Wasser: Wasserstoff verbrennt mit Sauerstoff zu Wasser. An einem kalten Glas über der Flamme schlagen sich Wassertropfen nieder. Dabei wird Energie als Wärme frei, die Reaktion ist exotherm.

Beispiel

Die Reaktionsgleichung der Wasserbildung

Stelle die Reaktionsgleichung auf: Wasserstoff und Sauerstoff reagieren zu Wasser.

Schritt 1: Wortgleichung. Wasserstoff + Sauerstoff → Wasser.

Schritt 2: Formeln. Wasserstoff und Sauerstoff bestehen aus Molekülen mit je zwei Atomen: H2\mathrm{H_2} und O2\mathrm{O_2}. Wasser ist H2O\mathrm{H_2O}. Es entsteht H2+O2→H2O\mathrm{H_2} + \mathrm{O_2} \rightarrow \mathrm{H_2O}.

Schritt 3: Atome zählen. Links 2 H und 2 O, rechts 2 H und 1 O. Der Sauerstoff stimmt nicht. Ich setze 2 vor das Wasser: rechts 4 H und 2 O. Jetzt fehlt links Wasserstoff, ich setze 2 vor H2\mathrm{H_2}.

Schritt 4: Probe. Links 4 H und 2 O, rechts 4 H und 2 O. Es stimmt. Die Zahlen vor den Formeln dürfen sich ändern, die Formeln nicht.

2 H2+O2⟶2 H2O2\,\mathrm{H_2} + \mathrm{O_2} \longrightarrow 2\,\mathrm{H_2O}
Beispiel

Masse und Volumen bei der Zerlegung

Aus 9 g Wasser entstehen bei der Zerlegung 1 g Wasserstoff und 8 g Sauerstoff. Du zerlegst 54 g Wasser. Wie viel Wasserstoff und Sauerstoff entstehen? Wie viel Milliliter Wasserstoff fängst du auf, wenn du 20 mL Sauerstoff aufgefangen hast?

54 g sind 6 mal 9 g, denn 54 : 9 = 6. Also entstehen 6 mal 1 g = 6 g Wasserstoff und 6 mal 8 g = 48 g Sauerstoff. Probe: 6 g + 48 g = 54 g. Die Masse bleibt erhalten.

Beim Volumen entsteht doppelt so viel Wasserstoff wie Sauerstoff, so wie im Versuch: 2 mal 20 mL = 40 mL Wasserstoff.

Definition

Wasserstoff als Energieträger

Ein Energieträger ist ein Stoff, in dem Energie gespeichert ist, die man später nutzen kann, zum Beispiel Benzin, Kohle oder Holz. Auch Wasserstoff ist einer. Bei seiner Verbrennung wird Wärme frei, und es entsteht nur Wasser. Raketen nutzen flüssigen Wasserstoff.

Wasserstoff ist aber keine Energiequelle wie die Sonne. Auf der Erde gibt es kaum freien Wasserstoff, er steckt in Wasser und anderen Verbindungen. Man muss ihn mit Energie herstellen, zum Beispiel durch die Zerlegung von Wasser. Diese Energie bekommst du bei der Verbrennung (ohne Verluste gedacht) wieder heraus.

Vorteile: Aus Strom von Sonne und Wind kann man Wasserstoff herstellen und speichern. Beim Verbrennen entsteht kein Kohlenstoffdioxid. Nachteile: Die Herstellung kostet Energie, ein Teil geht verloren. Das Gas braucht viel Platz oder hohen Druck, und mit Luft gemischt ist es explosiv. Klimafreundlich ist Wasserstoff nur, wenn der Strom für seine Herstellung nicht aus fossilen Brennstoffen kommt.

Definition

Das Wassermolekül: polare Bindung und Dipol

Im Wassermolekül sind zwei Wasserstoffatome mit einem Sauerstoffatom verbunden. Das Molekül ist gewinkelt: Die beiden Bindungen bilden einen Winkel von etwa 105°. Beide Bindungen sind polar: Das Sauerstoffende ist ein wenig negativ, jedes Wasserstoffende ein wenig positiv geladen.

Wegen des Winkels liegen die beiden positiven Enden auf der einen Seite des Moleküls und das negative Ende auf der anderen. Ein Molekül mit einem positiven und einem negativen Ende heißt Dipol. Wasser besteht aus Dipolmolekülen.

Beispiel

Ein Wasserstrahl wird abgelenkt

Du hältst einen geriebenen, negativ geladenen Kunststoffstab neben einen dünnen Wasserstrahl aus dem Hahn. Der Strahl biegt sich zum Stab hin. Mit einem positiv geladenen Stab passiert dasselbe. Wie erklärst du das mit Dipolen?

Der Stab ist negativ geladen. Die Wassermoleküle drehen sich so, dass ihr positives Ende, die Seite mit den Wasserstoffatomen, zum Stab zeigt. Dieses Ende ist dann näher am Stab als das negative. Gegensätzliche Ladungen ziehen sich an, gleiche stoßen sich ab. Die Anziehung überwiegt, der Strahl wird zum Stab gezogen.

Beim positiven Stab drehen sich die Moleküle um: Nun zeigt die Sauerstoffseite zum Stab, und der Strahl wird wieder angezogen.

Das Wassermolekül drehen

Ziehe mit der Maus, um das Wassermolekül zu drehen. Schalte "Winkel" ein und lies den Winkel zwischen den beiden Bindungen ab. Mit "Elektronenpaare" siehst du die freien Paare am Sauerstoffatom. Unter dem Modell steht in der Zeile "Polarität", dass das Molekül polar ist.

Definition

Wasser als Lösemittel

Zucker und Salz lösen sich in Wasser, Öl nicht. Das liegt an den Dipolen. Salz besteht aus geladenen Teilchen. Die Wassermoleküle lagern sich mit ihren Enden an sie an und lösen sie aus dem Kristall (mehr dazu in der Lektion über Ionen). Auch Zucker hat polare Bindungen und löst sich gut.

Öl besteht aus unpolaren Molekülen. Zwischen Öl und Wasser entsteht keine solche Anziehung, die Wassermoleküle halten sich lieber aneinander, und das Öl bleibt oben. Als Faustregel gilt: Stoffe aus geladenen oder polaren Teilchen lösen sich meist gut in Wasser, unpolare nicht.

Häufige Fehler

Wasser müsste brennen

„Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff, also müsste es brennen oder das Feuer fördern.“

Richtig ist

Eine Verbindung hat andere Eigenschaften als ihre Elemente. Wasser brennt nicht, es löscht sogar Feuer. Die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff sind bei der Reaktion zu einem neuen Stoff geworden.

Häufige Fehler

Wasserstoff ist eine Energiequelle

„Mit Wasserstoff haben wir unbegrenzt Energie, denn Wasser gibt es überall.“

Richtig ist

Wasserstoff ist ein Energieträger. Man bekommt ihn nur aus Wasser, indem man Energie hineinsteckt. Er speichert diese Energie, schafft aber keine neue.

Zusammenfassung

  • Wasser ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff. Es siedet bei normalem Luftdruck bei 100 °C, schmilzt bei 0 °C und ist ein gutes Lösemittel.

  • Mit Strom zerlegt man Wasser: 2 H2O→2 H2+O22\,\mathrm{H_2O} \rightarrow 2\,\mathrm{H_2} + \mathrm{O_2}. Es entsteht doppelt so viel Wasserstoff wie Sauerstoff. 9 g Wasser ergeben 1 g Wasserstoff und 8 g Sauerstoff.

  • Wasserstoff ist das leichteste Gas und wird mit der Knallgasprobe nachgewiesen. Mit Sauerstoff verbrennt er zu Wasser: 2 H2+O2→2 H2O2\,\mathrm{H_2} + \mathrm{O_2} \rightarrow 2\,\mathrm{H_2O}.

  • Wasserstoff ist ein Energieträger, keine Energiequelle. Seine Herstellung braucht Energie, und er ist nur klimafreundlich, wenn der Strom dafür nicht aus fossilen Brennstoffen kommt.

  • Das Wassermolekül ist gewinkelt, die Bindungen sind polar. Es hat ein negatives und ein positives Ende und heißt darum Dipol.

  • Wegen der Dipole lösen sich Salz und Zucker in Wasser, Öl nicht.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Wie weist du Wasserstoff nach?

Aufgabe 2Numerisch

Aus 9 g Wasser entstehen 1 g Wasserstoff und 8 g Sauerstoff. Wie viel Gramm Sauerstoff entstehen, wenn du 45 g Wasser zerlegst?

Aufgabe 3Multiple Choice

Welche Reaktionsgleichung für die Bildung von Wasser ist richtig?

Aufgabe 4Multiple Choice

Was bedeutet es, dass das Wassermolekül ein Dipol ist?

Aufgabe 5Freitext

Nenne einen Vorteil und ein Problem von Wasserstoff als Energieträger.