Nachweisreaktionen und Maßanalyse
Auf einem Etikett für Mineralwasser stehen Ionen wie Sulfat und Hydrogencarbonat, jeweils mit einer Menge in Milligramm je Liter. Wie kommt ein Labor darauf? Es muss zwei Fragen beantworten: Was ist in der Probe? Und wie viel?
Die erste Frage beantworten Nachweisreaktionen. Du gibst einen Stoff dazu und siehst, ob ein Niederschlag, eine Farbe oder ein Gas entsteht. Die zweite Frage beantwortet die Maßanalyse. Dort misst man ein Flüssigkeitsvolumen und rechnet damit die Stoffmenge aus.
Nachweisreaktion und Fällungsreaktion
Eine Nachweisreaktion ist eine Reaktion, deren sichtbares Ergebnis nur ein bestimmtes Teilchen anzeigt. Du lernst zwei Arten kennen. Bei einer Fällungsreaktion entsteht aus gelösten Ionen ein schwer lösliches Salz, das als Feststoff ausfällt. Dieser Feststoff heißt Niederschlag. Bei einer Farbreaktion ändert sich eine Farbe.
Beispiel: Gibst du Silbernitrat-Lösung zu Kochsalz-Lösung, fällt ein weißer Niederschlag aus. In der Gleichung zeigt der Pfeil nach unten den Niederschlag. Wichtig sind nur die Ionen, die wirklich reagieren. Die Natrium- und Nitrat-Ionen bleiben gelöst. Die Ionengleichung lässt sie weg: .
Nachweis von Halogenid- und Sulfat-Ionen
Halogenid-Ionen sind die Anionen der Halogene. Chlorid (), Bromid () und Iodid () weist man mit Silbernitrat-Lösung nach (Silberfluorid ist löslich). Vorher säuert man die Probe mit verdünnter Salpetersäure an, damit Carbonat-Ionen nicht stören. Es entsteht ein Silberhalogenid: . Die Farbe verrät das Halogenid:
| Ion | Niederschlag | Farbe |
|---|---|---|
| Chlorid | weiß | |
| Bromid | gelblich-weiß | |
| Iodid | gelb |
Sulfat-Ionen () weist man mit Bariumchlorid-Lösung nach, ebenfalls nach dem Ansäuern, nun mit Salzsäure. Es fällt weißes Bariumsulfat aus: . Lösliche Bariumsalze sind giftig, deshalb gehört dieser Nachweis ins Labor. Das Bariumsulfat selbst ist so schwer löslich, dass es ungiftig ist.
Nachweis von Carbonat- und Ammonium-Ionen
Carbonat-Ionen () weist man mit verdünnter Salzsäure nach. Die Probe schäumt auf, weil Kohlenstoffdioxid entsteht: . Das Gas leitest du in Kalkwasser. Wird es milchig trüb, war es Kohlenstoffdioxid. So prüft man zum Beispiel Kalkstein oder Eierschalen.
Ammonium-Ionen () weist man mit Natronlauge nach. Beim Erwärmen entsteht Ammoniak: . Das Ammonium-Ion gibt ein Proton an das Hydroxid-Ion ab. Ammoniak riecht stechend, und ein feuchtes Indikatorpapier an der Öffnung färbt sich blau, denn Ammoniak reagiert mit Wasser alkalisch.
Sicherheit: Natronlauge, Salzsäure, Salpetersäure und Silbernitrat-Lösung ätzen, Schutzbrille tragen. Ammoniak reizt die Atemwege. Rieche nie direkt am Gefäß, sondern fächle dir den Geruch zu.
Eine unbekannte Salzprobe
Eine unbekannte Salzprobe
Eine weiße Salzprobe wird in Wasser gelöst. Beobachtungen:
- Mit angesäuerter Silbernitrat-Lösung fällt ein weißer Niederschlag aus.
- Mit angesäuerter Bariumchlorid-Lösung passiert nichts.
- Mit Salzsäure schäumt die Probe nicht auf.
- Mit Natronlauge riecht es beim Erwärmen stechend, und feuchtes Indikatorpapier färbt sich blau.
Welche Ionen enthält die Probe? Welches Salz ist es wahrscheinlich?
Weißer Niederschlag mit Silbernitrat: Chlorid-Ionen. Kein Niederschlag mit Bariumchlorid: keine Sulfat-Ionen. Kein Aufschäumen: keine Carbonat-Ionen. Stechender Geruch und blaues Indikatorpapier: Ammoniak, also Ammonium-Ionen.
Die Probe enthält und . Das Salz ist wahrscheinlich Ammoniumchlorid, .
Stoffmengenkonzentration
Die Stoffmengenkonzentration gibt an, wie viel Stoffmenge eines Stoffes in einem Liter Lösung steckt. Die Einheit ist mol/L. Du kennst sie aus der Stoffmengenrechnung, hier die wichtigste Form:
Titration, Maßlösung und Äquivalenzpunkt
Die Maßanalyse bestimmt die Menge eines Stoffes in einer Probe, indem sie ein Volumen misst. Das wichtigste Verfahren ist die Titration. Du gibst eine Lösung mit bekannter Konzentration, die Maßlösung, aus einer Bürette (ein Glasrohr mit Hahn und Skala) tropfenweise zur Probe. Die Probe hat ein bekanntes Volumen und enthält einen Indikator. Beispiel Phenolphthalein: farblos in saurer, pink in alkalischer Lösung.
Beim Äquivalenzpunkt hat man genau die Stoffmenge zugegeben, die nach der Reaktionsgleichung mit der Probe reagiert. Der Indikator schlägt um, das nennt man den Endpunkt. Er liegt dem Äquivalenzpunkt sehr nahe. Eine Salzsäure-Probe wird zum Beispiel mit Natronlauge titriert. Die Reaktion läuft im Verhältnis 1 : 1. Am Äquivalenzpunkt gilt also .
Auswertung: Aus dem verbrauchten Volumen der Maßlösung rechnest du mit die Stoffmenge aus. Das Verhältnis der Reaktionsgleichung gibt die Stoffmenge der Probe. Mit dem Probevolumen folgt . Rechne die Volumina von mL in L um (1 L = 1000 mL).
Salzsäure titrieren
Salzsäure titrieren
20,0 mL Salzsäure unbekannter Konzentration werden mit Natronlauge der Konzentration 0,100 mol/L titriert. Bis zum Umschlag des Indikators werden 15,0 mL Natronlauge verbraucht. Wie groß ist die Konzentration der Salzsäure? Wie viel Gramm Chlorwasserstoff enthalten die 20,0 mL?
Verbrauch: 15,0 mL sind 0,0150 L. Stoffmenge der Natronlauge: .
Das Verhältnis ist 1 : 1, also . Das Probevolumen ist 20,0 mL gleich 0,0200 L. Konzentration: .
Masse: Die molare Masse von HCl ist 1,0 + 35,5 = 36,5 g/mol. Also .
Schwefelsäure titrieren
Schwefelsäure titrieren
25,0 mL Schwefelsäure werden mit Natronlauge der Konzentration 0,100 mol/L titriert. Verbrauch bis zum Umschlag: 20,0 mL. Die Reaktion ist . Wie groß ist die Konzentration der Schwefelsäure?
Natronlauge: .
Die Gleichung zeigt: Auf 1 Teilchen kommen 2 Teilchen NaOH, denn die Schwefelsäure gibt zwei Protonen ab. Es gilt .
Konzentration: .
Chlor und Chlorid verwechseln
Chlor und Chlorid verwechseln
„Die Silbernitrat-Probe weist Chlor in Kochsalz nach.“
Kochsalz enthält Chlorid-Ionen, kein Chlor. Chlor ist ein giftiges Gas aus -Molekülen. Der weiße Niederschlag zeigt -Ionen an, ebenso wie die anderen Nachweise Ionen anzeigen und keine Elemente.
Gleiches Volumen am Äquivalenzpunkt
Gleiches Volumen am Äquivalenzpunkt
„Am Äquivalenzpunkt wurde genauso viel Maßlösung zugegeben, wie die Probe Volumen hat.“
Am Äquivalenzpunkt sind die Stoffmengen gleich, im Verhältnis der Reaktionsgleichung, nicht die Volumina. Im Beispiel standen 20,0 mL Probe 15,0 mL Maßlösung gegenüber, und bei der Schwefelsäure kamen auf 1 Teilchen Säure 2 Teilchen Lauge.
Zusammenfassung
Eine Nachweisreaktion zeigt durch Niederschlag, Farbe oder Gas ein bestimmtes Ion an. Bei der Fällungsreaktion bildet sich ein schwer lösliches Salz.
Halogenide weist man mit Silbernitrat nach: weiß (Chlorid), gelblich-weiß (Bromid), gelb (Iodid). Sulfat gibt mit Bariumchlorid weißes Bariumsulfat.
Carbonat schäumt mit Salzsäure auf, das Gas trübt Kalkwasser. Ammonium gibt mit Natronlauge beim Erwärmen Ammoniak, der Indikatorpapier blau färbt.
Die Stoffmengenkonzentration ist in mol/L.
Bei der Titration tropft man Maßlösung zur Probe, bis der Indikator umschlägt. Am Äquivalenzpunkt sind die Stoffmengen im Verhältnis der Reaktionsgleichung gleich.
Aus dem Verbrauch rechnet man für die Maßlösung, wandelt mit der Gleichung um und teilt durch das Probevolumen.
Übungen
Zu einer mit Salzsäure angesäuerten Probe gibst du Bariumchlorid-Lösung. Es fällt ein weißer Niederschlag aus. Welches Ion enthält die Probe?
Eine Probe gibt mit angesäuerter Silbernitrat-Lösung einen gelben Niederschlag. Welches Ion enthält sie?
Wie viel Stoffmenge NaOH in mol enthalten 50 mL Natronlauge mit der Konzentration 0,20 mol/L?
10,0 mL Salzsäure werden mit Natronlauge (0,100 mol/L) titriert. Bis zum Umschlag werden 12,5 mL verbraucht. Wie groß ist die Konzentration der Salzsäure in mol/L?
20,0 mL Schwefelsäure brauchen bis zum Äquivalenzpunkt 10,0 mL Natronlauge mit 0,200 mol/L. Es gilt . Wie groß ist die Konzentration der Schwefelsäure in mol/L?
Du sollst prüfen, ob ein weißer Stein aus Kalkstein besteht, also Carbonat enthält. Beschreibe die Durchführung, die Beobachtung und die Gleichung.