Kohlenstoffkreislauf, Treibhauseffekt und fossile Energieträger
Im Wetterbericht hörst du oft: „Eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen.“ Gleichzeitig heizen wir mit Erdgas und fahren mit Benzin. Gibt es einen Zusammenhang?
Es gibt einen, und er läuft über das Element Kohlenstoff. Du erfährst, wie Kohlenstoff durch Luft, Lebewesen, Meere und Gestein wandert, wie Kohlenstoffdioxid die Erde wärmer macht und warum der Mensch diesen Kreislauf stört.
Kohlenstoffkreislauf
Kohlenstoff wandert ständig zwischen vier großen Speichern: der Luft (als ), den Lebewesen mit dem Boden (in organischen Stoffen), den Ozeanen (gelöstes und Kalkschalen) und dem Gestein (Kalkstein, Kohle, Erdöl, Erdgas). Diese Wanderung heißt Kohlenstoffkreislauf.
| Vorgang | Was geschieht | Kohlenstoff wandert |
|---|---|---|
| Fotosynthese | Pflanzen bauen aus und Wasser mit Lichtenergie Traubenzucker auf | von der Luft in die Lebewesen |
| Atmung und Verrotten | Lebewesen oxidieren Traubenzucker zu , Reste werden zersetzt | von den Lebewesen in die Luft |
| Lösen im Meer | löst sich im Wasser, auch umgekehrt | zwischen Luft und Ozean |
| Kalkbildung | Meerestiere bauen Schalen aus Calciumcarbonat, später entsteht daraus Kalkstein | vom Ozean ins Gestein |
| Verbrennen | Holz, Kohle, Erdöl und Erdgas verbrennen zu | in die Luft |
Die Fotosynthese hat die Gleichung . Die Atmung ist ihre Umkehrung. Über lange Zeit hielten sich Aufnahme und Abgabe von in der Natur ungefähr die Waage.
Fossile Energieträger
Kohle, Erdöl und Erdgas heißen fossile Energieträger. Sie sind vor vielen Millionen Jahren aus abgestorbenen Pflanzen und Kleinstlebewesen entstanden, die in Erdschichten eingeschlossen wurden und dort unter Druck und Wärme ohne Sauerstoff umgewandelt wurden. Ihr Kohlenstoff blieb im Gestein gespeichert und lag damit außerhalb des schnellen Kreislaufs.
Beim Verbrennen wird dieser Kohlenstoff zu : und . Der Mensch setzt damit in wenigen Jahrzehnten frei, was in Millionen Jahren gespeichert wurde. Fossile Energieträger sind nicht erneuerbar: Sie werden schneller verbraucht, als sie neu entstehen.
Wie viel Kohlenstoffdioxid entsteht?
Wie viel Kohlenstoffdioxid entsteht?
Ein Kraftwerk verbrennt 1 Tonne Kohle. Rechne vereinfacht mit reinem Kohlenstoff. Wie viel Kohlenstoffdioxid entsteht? Wie viel entsteht bei 1 Tonne Erdgas, wenn du reines Methan annimmst?
Kohle: . 12 g Kohlenstoff ergeben 44 g , denn 1 mol C (12 g) ergibt 1 mol (44 g). Das Massenverhältnis ist . Aus 1 t Kohlenstoff werden also etwa 3,7 t Kohlenstoffdioxid. Die Masse wächst, weil der Sauerstoff aus der Luft mitgebunden wird.
Erdgas: . 16 g Methan (1 mol) ergeben 44 g . Aus 1 t Methan werden t Kohlenstoffdioxid.
Erdgas setzt je Tonne weniger Kohlenstoffdioxid frei und liefert je Tonne mehr Energie als Kohle. Je Energieeinheit ist der Unterschied also noch größer. Trotzdem ist Erdgas ein fossiler Energieträger.
Natürlicher Treibhauseffekt
Die Sonne strahlt vor allem sichtbares Licht ein. Es erwärmt die Erdoberfläche. Die warme Oberfläche gibt unsichtbare Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) ab, und ein Teil davon entweicht ins Weltall. Treibhausgase wie Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid, Methan () und Lachgas () nehmen einen Teil dieser Wärmestrahlung auf. Sie strahlen sie in alle Richtungen wieder ab, auch zurück zum Boden. Deshalb ist die Erdoberfläche wärmer, als sie es ohne diese Gase wäre.
Das ist der natürliche Treibhauseffekt. Ohne ihn läge die mittlere Temperatur der Erde bei etwa , tatsächlich liegt sie bei etwa . Er ist also lebensnotwendig. Stickstoff und Sauerstoff, die Hauptbestandteile der Luft, nehmen Wärmestrahlung praktisch nicht auf und sind deshalb keine Treibhausgase.
Anthropogener Treibhauseffekt und Kohlenstoffdioxid als Treibhausgas
Anthropogen heißt vom Menschen verursacht. Der Mensch setzt Treibhausgase frei: Kohlenstoffdioxid durch das Verbrennen fossiler Energieträger und das Abholzen von Wäldern, Methan zum Beispiel durch Rinderhaltung und Reisanbau, Lachgas durch Düngung. Je mehr Treibhausgas in der Luft ist, desto mehr Wärmestrahlung kommt zum Boden zurück, und die Erde erwärmt sich zusätzlich. Das ist der anthropogene Treibhauseffekt.
Der Anteil von Kohlenstoffdioxid in der Luft lag vor der Industrialisierung bei etwa 280 ppm und beträgt heute über 420 ppm. Die Einheit ppm (englisch parts per million) bedeutet „Teile pro Million“. 420 ppm sind 420 von einer Million Teilen, also 0,042 %. Der Mensch setzt jedes Jahr mehr als 30 Milliarden Tonnen frei. Etwa die Hälfte bleibt in der Luft, den Rest nehmen vor allem Ozeane und Pflanzen auf. Die Ozeane werden dadurch ein wenig saurer, denn bildet mit Wasser Kohlensäure.
Anstieg des Kohlenstoffdioxid-Anteils
Anstieg des Kohlenstoffdioxid-Anteils
Rechne mit 280 ppm vor der Industrialisierung und 420 ppm heute. Um wie viel Prozent ist der Anteil gestiegen?
Der Anstieg beträgt ppm. Bezogen auf den früheren Wert sind das , also 50 %. Der Anteil ist um die Hälfte gestiegen. Auch 0,042 % der Luft reichen, um den Treibhauseffekt merklich zu verstärken.
Fossile und regenerative Energieträger
Regenerative Energieträger sind Quellen, die sich auf menschlichen Zeitskalen erneuern oder nie versiegen.
| Energieträger | Art | Kohlenstoffdioxid im Betrieb | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kohle | fossil | sehr viel | begrenzte Vorräte |
| Erdöl (Benzin, Diesel, Heizöl) | fossil | viel | begrenzte Vorräte |
| Erdgas | fossil | weniger als Kohle je Energie | begrenzte Vorräte |
| Sonne | regenerativ | keines | liefert nur bei Tageslicht |
| Wind | regenerativ | keines | schwankt mit dem Wetter |
| Wasserkraft | regenerativ | keines | nur an geeigneten Orten |
| Biomasse (Holz, Biogas) | regenerativ | wird frei, wurde zuvor von Pflanzen aufgenommen | braucht Anbauflächen |
Auch regenerative Anlagen verursachen beim Bau etwas . Weil Sonne und Wind schwanken, braucht man Speicher, zum Beispiel Akkus oder Wasserstoff.
Klima und Klimawandel
Das Wetter ist der Zustand der Luft an einem Ort zu einem Zeitpunkt, zum Beispiel Regen heute Nachmittag. Das Klima ist der Durchschnitt des Wetters über lange Zeit, meist über 30 Jahre. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die mittlere Temperatur der Erde um gut 1 °C gestiegen. Nach dem Stand der Wissenschaft ist der Mensch mit seinen Treibhausgasen die Hauptursache. Diese Veränderung heißt Klimawandel.
Folgen sind schmelzende Gletscher und ein steigender Meeresspiegel, denn Eis auf dem Land schmilzt und warmes Wasser dehnt sich aus. Hitzewellen, Dürren und Starkregen werden häufiger. Gegenmaßnahmen sind weniger Energieverbrauch, effizientere Geräte, der Ersatz fossiler durch regenerative Energieträger und der Schutz der Wälder, die Kohlenstoff speichern.
Der Treibhauseffekt ist schlecht
Der Treibhauseffekt ist schlecht
„Der Treibhauseffekt ist eine Erfindung der Industrie und nur schädlich.“
Den natürlichen Treibhauseffekt gibt es seit jeher, und ohne ihn läge die mittlere Temperatur bei etwa . Das Problem ist die Verstärkung durch zusätzliche Treibhausgase.
Ozonloch und Treibhauseffekt verwechseln
Ozonloch und Treibhauseffekt verwechseln
„Das Ozonloch lässt die Wärme nicht mehr hinaus und erwärmt die Erde.“
Das Ozonloch ist ein anderes Problem: Die Ozonschicht schützt vor ultravioletter Strahlung der Sonne. Der Treibhauseffekt hat mit der Wärmestrahlung der Erde und mit Gasen wie Kohlenstoffdioxid zu tun.
Ein kalter Winter widerlegt den Klimawandel
Ein kalter Winter widerlegt den Klimawandel
„Letzte Woche war es eiskalt. Also gibt es keine Erwärmung.“
Das ist Wetter. Klima ist der Durchschnitt über viele Jahre, und der ist insgesamt gestiegen. Einzelne kalte Tage oder Winter gibt es weiterhin.
Zusammenfassung
Kohlenstoff wandert zwischen Luft, Lebewesen, Ozeanen und Gestein. Fotosynthese nimmt auf, Atmung, Verrotten und Verbrennung geben es ab.
Kohle, Erdöl und Erdgas sind fossile Energieträger. Beim Verbrennen kommt Kohlenstoff, der Millionen Jahre im Gestein lag, als in die Luft. Aus 12 g Kohlenstoff werden 44 g .
Der natürliche Treibhauseffekt entsteht, weil Gase wie Wasserdampf und Wärmestrahlung der Erde aufnehmen und teils zum Boden zurückstrahlen. Er hebt die Temperatur von etwa auf etwa .
Der anthropogene Treibhauseffekt entsteht durch zusätzliche Treibhausgase aus Verbrennung, Landwirtschaft und Abholzung. Der -Anteil stieg von etwa 280 ppm auf über 420 ppm.
Regenerative Energieträger wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse erneuern sich und setzen im Betrieb kaum zusätzliches frei, schwanken aber und brauchen Speicher.
Wetter ist der Zustand an einem Tag, Klima der Durchschnitt über Jahre. Der Klimawandel zeigt sich in steigender Temperatur, schmelzendem Eis, steigendem Meeresspiegel und mehr Extremwetter.
Übungen
Welcher Vorgang nimmt Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf?
Welches Gas gehört nicht zu den Treibhausgasen?
6 g Kohlenstoff verbrennen vollständig zu Kohlenstoffdioxid. Wie viel Gramm Kohlenstoffdioxid entstehen? (, )
Angenommen, der Kohlenstoffdioxid-Anteil der Luft steigt von 400 ppm auf 500 ppm. Um wie viel Prozent steigt er?
Eine Tonne Methan verbrennt vollständig zu Kohlenstoffdioxid und Wasser. Wie viele Tonnen Kohlenstoffdioxid entstehen? (, )
Erkläre den Unterschied zwischen dem natürlichen und dem anthropogenen Treibhauseffekt. Warum ist der natürliche nützlich?