Redoxreaktionen als Elektronenübergang
Du legst einen blanken Eisennagel in eine blaue Kupfersulfat-Lösung. Nach einigen Minuten ist der Nagel mit einer rotbraunen Schicht überzogen, und die Lösung verliert nach und nach ihr kräftiges Blau. Legst du dagegen einen Kupferdraht in eine Eisensulfat-Lösung, passiert nichts.
Aus Klasse 7 und 8 kennst du die Oxidation als Reaktion mit Sauerstoff. Hier kommt aber kein Sauerstoff vor, und die Reaktion läuft nur in eine Richtung. Was wird übertragen? Es sind Elektronen. Damit kannst du vorhersagen, welche Metalle und Metall-Ionen miteinander reagieren.
Elektronenübergang und Teilgleichungen
Magnesium verbrennt mit Sauerstoff zu Magnesiumoxid, einem Salz aus - und -Ionen. Dabei gibt jedes Magnesiumatom zwei Elektronen ab, und jedes Sauerstoffatom nimmt zwei auf. Man schreibt beide Vorgänge getrennt als Teilgleichungen:
Oxidation, Reduktion und Redoxreaktion
Die Oxidation ist die Abgabe von Elektronen. Die Reduktion ist die Aufnahme von Elektronen. Beide Vorgänge laufen immer gleichzeitig, denn abgegebene Elektronen müssen von einem anderen Teilchen aufgenommen werden. Eine Reaktion mit diesem Elektronenübergang heißt Redoxreaktion (Kurzwort aus Reduktion und Oxidation).
Die Reaktion mit Sauerstoff, die du kennst, ist nur ein Sonderfall. Auch Natrium brennt in Chlor: . Natrium gibt Elektronen ab (Oxidation), Chlor nimmt sie auf (Reduktion), Sauerstoff kommt nicht vor.
Donator-Akzeptor-Prinzip, Reduktionsmittel und Oxidationsmittel
Das Teilchen, das Elektronen abgibt, ist der Elektronendonator. Man nennt es auch Reduktionsmittel, denn es reduziert seinen Partner, und es wird dabei selbst oxidiert. Das Teilchen, das Elektronen aufnimmt, ist der Elektronenakzeptor oder das Oxidationsmittel. Es oxidiert seinen Partner und wird selbst reduziert. Das ist das Donator-Akzeptor-Prinzip. Du kennst es von den Säuren und Basen, nur wandern dort Protonen statt Elektronen.
Ein Teilchen und das Teilchen, das nach der Elektronenabgabe entsteht, bilden ein konjugiertes Redoxpaar, zum Beispiel . Allgemein gilt, mit der reduzierten Form Red und der oxidierten Form Ox:
Eisen in Kupfersulfat-Lösung
Eisen in Kupfersulfat-Lösung
Stelle für den Versuch aus der Einleitung die Teilgleichungen und die Gesamtgleichung auf. Nenne Reduktionsmittel, Oxidationsmittel und die beiden Redoxpaare.
Die Lösung enthält - und -Ionen. Auf dem Nagel entsteht metallisches Kupfer, in der Lösung entstehen -Ionen.
Oxidation: . Reduktion: .
Beide Teilgleichungen haben zwei Elektronen. Man addiert sie, die Elektronen heben sich weg: . Die Sulfat-Ionen verändern sich nicht. Sie stehen nicht in der Gleichung.
Eisen ist das Reduktionsmittel (Donator), die Kupfer-Ionen sind das Oxidationsmittel (Akzeptor). Die Redoxpaare sind und .
Sicherheit: Kupfersulfat-Lösung ist gesundheitsschädlich. Den Versuch machst du nur mit Schutzbrille und mit der Lehrkraft.
Redoxreihe der Metalle
Nicht jedes Metall gibt gleich leicht Elektronen ab. Ordnet man Metalle danach, erhält man die Redoxreihe der Metalle. Oben stehen die unedlen Metalle, die leicht Elektronen abgeben, unten die edlen.
| Platz | Redoxpaar | Art |
|---|---|---|
| 1 | unedel | |
| 2 | unedel | |
| 3 | unedel | |
| 4 | unedel | |
| 5 | unedel | |
| 6 | edel | |
| 7 | edel | |
| 8 | edel |
Regel: Ein Metall gibt seine Elektronen an die Ionen aller Metalle ab, die in der Reihe unter ihm stehen. Je weiter oben ein Metall steht, desto stärker ist es als Reduktionsmittel. Je weiter unten ein Metall-Ion steht, desto stärker ist es als Oxidationsmittel. Umgekehrt läuft nichts ab: Kupfer steht unter Eisen, deshalb reagiert Kupfer nicht mit Eisensulfat-Lösung.
Redoxgleichungen aufstellen
So gehst du vor:
- Schreibe die Teilgleichung der Oxidation: Atom, dann Ion plus Elektronen.
- Schreibe die Teilgleichung der Reduktion: Ion plus Elektronen, dann Atom.
- Mache die Elektronenzahlen gleich. Multipliziere dazu die Teilgleichungen mit Faktoren (kleinstes gemeinsames Vielfaches).
- Addiere die Teilgleichungen. Die Elektronen heben sich weg.
- Prüfe die Atom- und die Ladungsbilanz.
Aluminium und Kupfer-Ionen
Aluminium und Kupfer-Ionen
Ein Aluminiumblech wird in Kupfersulfat-Lösung getaucht. Stelle die Gleichung auf.
Aluminium steht über Kupfer. Aluminium reduziert die Kupfer-Ionen. (Das Blech trägt eine dünne Oxidschicht, deshalb beginnt die Reaktion erst nach einiger Zeit.)
Oxidation: . Reduktion: .
Das kleinste gemeinsame Vielfache von 3 und 2 ist 6. Die Oxidation wird mit 2 multipliziert, die Reduktion mit 3: und .
Addiert: . Probe: Links 2 Al und 3 Cu, rechts 2 Al und 3 Cu. Die Ladung ist links 3 mal 2+ gleich 6+ und rechts 2 mal 3+ gleich 6+. Das stimmt.
Oxidationszahlen
Bei Atombindungen wird ein Elektron nicht ganz abgegeben, sondern nur zum elektronegativeren Partner hin verschoben. Trotzdem möchte man den Elektronenübergang verfolgen. Dafür gibt es die Oxidationszahl: Man ordnet bei jeder Bindung die Bindungselektronen gedanklich ganz dem Atom mit der größeren Elektronegativität zu. Die Ladung, die ein Atom dann hätte, ist seine Oxidationszahl. Sie ist ein Rechenmodell und nicht immer die wirkliche Ladung. Man schreibt sie mit Vorzeichen und römischer Ziffer, zum Beispiel .
Regeln:
- Atome in einem Element haben die Oxidationszahl 0 (, , ).
- Ein einatomiges Ion hat seine Ionenladung als Oxidationszahl (: ).
- Die Summe aller Oxidationszahlen ist die Ladung des Teilchens, bei Molekülen und Salzen also 0.
- Fluor hat , Sauerstoff meist , Wasserstoff meist . Ausnahmen sind zum Beispiel (Sauerstoff ) und Metallhydride (Wasserstoff ).
Damit gilt: Bei einer Oxidation steigt die Oxidationszahl, bei einer Reduktion sinkt sie. Die Änderung zeigt, wie viele Elektronen beteiligt sind.
Oxidationszahlen bestimmen
Oxidationszahlen bestimmen
Bestimme die Oxidationszahl von Schwefel in und von Eisen in . Untersuche dann, was bei oxidiert und was reduziert wird.
Sulfat-Ion: Die Summe ist . Vier Sauerstoffatome haben je , zusammen . Also gilt und damit . Schwefel hat .
Eisen(III)-oxid: Die Summe ist 0. Drei Sauerstoffatome haben zusammen . Also gilt und damit . Eisen hat .
Reaktion: Eisen geht von 0 auf . Das ist eine Oxidation mit 3 Elektronen je Atom. Sauerstoff geht von 0 auf . Das ist eine Reduktion mit 2 Elektronen je Atom. Bilanz: 4 Eisenatome geben Elektronen ab, 6 Sauerstoffatome nehmen auf. Eisen ist das Reduktionsmittel, Sauerstoff das Oxidationsmittel.
Reduktionsmittel und Oxidationsmittel verwechseln
Reduktionsmittel und Oxidationsmittel verwechseln
„Das Reduktionsmittel wird reduziert, denn es heißt ja so.“
Der Name sagt, was das Mittel mit dem Partner macht. Das Reduktionsmittel reduziert den Partner und gibt dafür Elektronen ab. Es wird dabei selbst oxidiert. Das Oxidationsmittel nimmt Elektronen auf und wird selbst reduziert.
Oxidation braucht Sauerstoff
Oxidation braucht Sauerstoff
„Eine Oxidation gibt es nur mit Sauerstoff.“
Sauerstoff ist nur ein Beispiel für ein Oxidationsmittel. Oxidation heißt Elektronenabgabe. Eisen wird in Kupfersulfat-Lösung oxidiert, ohne dass Sauerstoff beteiligt ist.
Zusammenfassung
Oxidation ist Elektronenabgabe, Reduktion ist Elektronenaufnahme. Sie laufen immer gleichzeitig ab: Das ist eine Redoxreaktion.
Nach dem Donator-Akzeptor-Prinzip gibt das Reduktionsmittel Elektronen ab und wird oxidiert, das Oxidationsmittel nimmt sie auf und wird reduziert.
Ein Teilchen und sein Partner nach der Elektronenabgabe bilden ein konjugiertes Redoxpaar, zum Beispiel Zn und Zn²⁺. Eine Redoxreaktion verbindet zwei Redoxpaare.
In der Redoxreihe der Metalle reduziert ein Metall die Ionen aller Metalle, die unter ihm stehen.
Redoxgleichungen entstehen aus zwei Teilgleichungen. Man gleicht die Elektronenzahl an, addiert und prüft Atome und Ladung.
Die Oxidationszahl verfolgt die Elektronen auch bei Atombindungen. Sie steigt bei der Oxidation und sinkt bei der Reduktion.
Übungen
Ein Zinkblech wird in eine Silbernitrat-Lösung gelegt. Welche Aussage stimmt?
Welche Oxidationszahl hat Stickstoff in ? Gib die Zahl ohne Vorzeichen an (also 4 für ).
Welche der Reaktionen ist eine Redoxreaktion?
Zink reagiert mit Silber-Ionen nach . Wie viele Zinkatome werden mindestens gebraucht, um 6 Silber-Ionen zu Silber zu reduzieren?
Stelle die Redoxgleichung für die Reaktion von Aluminium mit Silber-Ionen auf. Es entstehen -Ionen und Silber. Nenne das Reduktionsmittel.