Säure-Base-Reaktionen als Protonenübergang
Salmiakgeist, eine Lösung des Gases Ammoniak , färbt Rotkohlsaft grün. Sie ist also alkalisch und fühlt sich seifig an. Nach Klasse 7 und 8 heißt das: In der Lösung gibt es Hydroxid-Ionen . Aber im Ammoniak steckt gar kein Hydroxid wie im Natriumhydroxid. Woher kommen die Hydroxid-Ionen?
Der Säurebegriff nach Arrhenius (eine Säure bildet in Wasser Oxonium-Ionen) reicht dafür nicht. Du lernst eine allgemeinere Sicht kennen: Säuren und Basen tauschen Protonen aus.
Säure und Base nach Brønsted
Ein -Ion ist ein Wasserstoffatom ohne Elektron, also ein einzelnes Proton. Nach Brønsted und Lowry (1923) gilt:
- Eine Säure ist ein Teilchen, das ein Proton abgeben kann (Protonendonator).
- Eine Base ist ein Teilchen, das ein Proton aufnehmen kann (Protonenakzeptor).
Eine Säure-Base-Reaktion ist ein Protonenübergang: Eine Säure gibt ein Proton ab, und eine Base nimmt es auf. Beide müssen beteiligt sein. Beispiel: . Die polare H–Cl-Bindung gibt ihr Proton ab. Das Wassermolekül nimmt es mit einem freien Elektronenpaar am Sauerstoff auf. Eine Base braucht also ein freies Elektronenpaar. In Wasser schwimmt nie ein freies Proton, es sitzt immer an einem Wassermolekül als .
Korrespondierende Säure-Base-Paare
Gibt eine Säure ein Proton ab, bleibt ein Teilchen übrig, das es wieder aufnehmen kann. Es ist die korrespondierende Base der Säure. Nimmt eine Base ein Proton auf, entsteht ihre korrespondierende Säure. Beide bilden ein korrespondierendes Paar. Bei jedem Protonenübergang gibt es zwei solche Paare: mit den Paaren HA/ und /B.
| Säure | korrespondierende Base |
|---|---|
| HCl | |
| (Essigsäure) | |
Von den vier H-Atomen der Essigsäure kann nur das am Sauerstoff abgegeben werden.
Ampholyt
Ein Ampholyt ist ein Teilchen, das je nach Partner als Säure oder als Base wirkt. Wasser ist der wichtigste: Gegenüber HCl nimmt es ein Proton auf und ist Base ( entsteht). Gegenüber gibt es ein Proton ab und ist Säure ( entsteht). Auch das Hydrogencarbonat-Ion ist ein Ampholyt.
Gleichgewichtspfeil und Umkehrbarkeit
Die starke Säure HCl gibt in Wasser praktisch alle Protonen ab. Die Reaktion läuft nur in eine Richtung, man zeichnet einen einfachen Pfeil: .
Eine schwache Säure wie Essigsäure gibt nur einen kleinen Teil ab (bei 1 mol/L etwa 4 von 1000 Molekülen). Denn die Reaktion ist umkehrbar: gibt das Proton an zurück. Man schreibt den Gleichgewichtspfeil . Im Gleichgewicht laufen Hin- und Rückreaktion gleich schnell ab, und die Anteile ändern sich nicht mehr. Auch Ammoniak ist eine schwache Base.
Die Stärke einer Säure ist ihre Neigung, Protonen abzugeben. Sie sagt nichts über die Konzentration.
Paare bestimmen
Paare bestimmen
Bestimme in die Säuren, die Basen und die korrespondierenden Paare. Beantworte damit die Frage aus dem Anfang.
Hin-Richtung: nimmt ein Proton auf, ist also Base. gibt eins ab, ist also Säure. Rück-Richtung: gibt ein Proton ab (Säure), nimmt eines auf (Base).
Die Paare sind / und /. Die Hydroxid-Ionen in Salmiakgeist entstehen, weil das Ammoniak Protonen vom Wasser nimmt. Es steckt kein Hydroxid im Ammoniak.
Natron als Ampholyt
Natron als Ampholyt
Zeige an Natron (Hydrogencarbonat-Ion ), dass es Säure und Base sein kann.
Mit einer Säure () nimmt es ein Proton auf und ist Base: . Die Kohlensäure zerfällt in Wasser und Kohlenstoffdioxid, daher sprudelt Natron mit Zitronensäure.
Mit einer Base () gibt es ein Proton ab und ist Säure: .
Neutralisation als Protonenübertragung
Salzsäure und Natronlauge in Ionenschreibweise: . Die Ionen und bleiben unverändert. Die eigentliche Reaktion ist : Das Oxonium-Ion gibt ein Proton an das Hydroxid-Ion. Die Neutralisation ist also ein Protonenübergang.
Er geht auch ohne Hydroxid-Ionen, etwa mit Ammoniak: . Es bildet sich das Salz Ammoniumchlorid.
Säure-Base-Titration
Mit einer Titration bestimmst du die Konzentration einer Säure oder Lauge. Du gibst eine genau abgemessene Probe in einen Kolben, dazu einige Tropfen Indikator, zum Beispiel Bromthymolblau (gelb sauer, grün neutral, blau alkalisch). Aus einer Bürette (Glasrohr mit Skala und Hahn) lässt du eine Maßlösung bekannter Konzentration tropfenweise zulaufen, bis der Indikator umschlägt. Dann sind genau so viele Protonen aufgenommen wie abgegeben worden. An der Bürette liest du das verbrauchte Volumen ab.
Gibt jedes Säureteilchen ein Proton ab und nimmt jedes Hydroxid-Ion eines auf, gilt mit . Schwefelsäure gibt je Molekül zwei Protonen ab, dann ist . Säuren und Laugen ätzen: Das machst du nur mit Schutzbrille und Lehrkraft.
Konzentration von Salzsäure bestimmen
Konzentration von Salzsäure bestimmen
20,0 mL Salzsäure unbekannter Konzentration werden mit Natronlauge ( = 0,10 mol/L) titriert. Bis zum Umschlag fließen 25,0 mL Lauge aus der Bürette. Wie groß ist der Salzsäure?
n(NaOH) = 0,10 mol/L mal 0,0250 L = 0,0025 mol. Die Reaktion läuft im Verhältnis 1 : 1, also sind in der Probe 0,0025 mol HCl.
c(HCl) = 0,0025 mol : 0,0200 L = 0,125 mol/L.
Freie H+-Ionen im Wasser
Freie H+-Ionen im Wasser
„In sauren Lösungen schwimmen freie -Ionen.“
Ein freies Proton bindet sich sofort an ein Wassermolekül. In Wasser liegen Oxonium-Ionen vor.
Stark heißt konzentriert
Stark heißt konzentriert
„Konzentrierte Essigsäure ist eine starke Säure.“
Stärke beschreibt, wie leicht ein Teilchen sein Proton abgibt, Konzentration, wie viel in einem Liter steckt. Essigsäure bleibt auch konzentriert eine schwache Säure. Stark verdünnte Salzsäure ist eine starke Säure.
Nach der Neutralisation ist immer pH 7
Nach der Neutralisation ist immer pH 7
„Wenn Säure und Lauge reagiert haben, ist die Lösung neutral.“
Das stimmt bei starker Säure und starker Base. Bei Essigsäure und Natronlauge ist die Lösung am Ende leicht alkalisch, denn das Acetat-Ion ist selbst eine Base.
Zusammenfassung
Eine Säure ist ein Protonendonator, eine Base ein Protonenakzeptor. Eine Säure-Base-Reaktion ist ein Protonenübergang.
Jede Säure hat eine korrespondierende Base und umgekehrt. Bei jeder Reaktion gibt es zwei Paare.
Ein Ampholyt wirkt je nach Partner als Säure oder Base, zum Beispiel Wasser und Hydrogencarbonat.
Starke Säuren geben praktisch alle Protonen ab (einfacher Pfeil). Schwache Säuren reagieren umkehrbar mit Gleichgewichtspfeil.
Neutralisation ist die Übertragung eines Protons: . Sie geht auch ohne Hydroxid, etwa mit Ammoniak.
Bei einer Titration lässt man Maßlösung zulaufen, bis der Indikator umschlägt, und berechnet aus dem verbrauchten Volumen die Konzentration.
Übungen
In der Reaktion (Hin-Richtung): Welche Rolle hat das Wasser?
Welche beiden Teilchen bilden ein korrespondierendes Säure-Base-Paar?
10,0 mL Salzsäure werden mit Natronlauge ( = 0,20 mol/L) titriert. Bis zum Umschlag werden 15,0 mL verbraucht. Wie groß ist die Konzentration der Salzsäure in mol/L?
10,0 mL Schwefelsäure werden mit Natronlauge ( = 0,10 mol/L) titriert. Bis zum Umschlag werden 20,0 mL verbraucht. Schwefelsäure gibt je Molekül zwei Protonen ab. Wie groß ist die Konzentration der Schwefelsäure in mol/L?
Was gilt für eine schwache Säure?
Zeige mit zwei Reaktionsgleichungen, dass Wasser ein Ampholyt ist.