Halbleiter, Diode und Solarzelle
Die Leuchtdiode an deinem Ladegerät, die Solarzelle auf dem Taschenrechner oder dem Dach, der Prozessor im Computer: Sie bestehen alle aus Halbleitern, meist aus Silizium. Ein Halbleiter leitet weder so gut wie Kupfer noch so schlecht wie Glas. Das Besondere: Man kann seine Leitfähigkeit durch den gezielten Einbau fremder Atome sehr genau einstellen.
Du lernst, wie das funktioniert, warum eine Diode den Strom nur in eine Richtung durchlässt, wie eine Leuchtdiode leuchtet und wie eine Solarzelle Licht in elektrische Energie umwandelt.
Leiter, Nichtleiter und Halbleiter
In einem Leiter wie Kupfer gibt es sehr viele frei bewegliche Elektronen. Ein Nichtleiter wie Glas oder Kunststoff hat praktisch keine frei beweglichen Ladungsträger. Ein Halbleiter wie Silizium oder Germanium liegt dazwischen.
Silizium hat vier Außenelektronen (Elektronen der äußersten Schale). Im Kristall ist jedes Siliziumatom mit vier Nachbarn verbunden, und zu jeder Bindung gehören zwei Elektronen. Bei sehr tiefer Temperatur sind alle Elektronen in Bindungen festgehalten, der Kristall leitet nicht. Wärme oder Licht reißen einzelne Elektronen los. Sie sind dann frei beweglich, und an ihrer Stelle bleibt eine Lücke, ein Loch. Ein Elektron von nebenan kann in die Lücke springen, dann wandert das Loch in die Gegenrichtung. Ein Loch wirkt wie eine bewegliche positive Ladung.
Darum sinkt der Widerstand eines reinen Halbleiters, wenn er wärmer wird. Bei reinen Metallen ist es umgekehrt.
Dotierung: n- und p-Leitung
Reines Silizium leitet bei Zimmertemperatur kaum. Beim Dotieren baut man gezielt fremde Atome in den Kristall ein, oft nur eines auf viele Tausend bis Millionen Siliziumatome. Dann leitet der Halbleiter viel besser, und die Leitfähigkeit hängt von der Menge der Fremdatome ab. Beide Sorten bleiben nach außen elektrisch neutral, denn jedes Fremdatom hat genauso viele Protonen wie Elektronen.
- n-Leitung: Man baut Atome mit fünf Außenelektronen ein, etwa Phosphor. Vier Elektronen gehen Bindungen ein, das fünfte ist überzählig und frei beweglich. Die beweglichen Ladungsträger sind negativ (n).
- p-Leitung: Man baut Atome mit drei Außenelektronen ein, etwa Bor. Jedem fehlt ein Elektron für die vierte Bindung, es entsteht ein Loch. Die beweglichen Ladungsträger sind Löcher, also positiv (p).
Halbleiterdiode
Legt man eine p-Schicht und eine n-Schicht aneinander, entsteht ein pn-Übergang. An der Grenze wandern Elektronen aus dem n-Gebiet in Löcher des p-Gebiets und füllen sie. Dort bleibt eine dünne Zone ohne bewegliche Ladungsträger, die Sperrschicht. In ihr herrscht ein elektrisches Feld, das weiteres Wandern bremst.
Eine Halbleiterdiode ist ein Bauteil mit einem pn-Übergang. Der Anschluss am p-Gebiet heißt Anode, der am n-Gebiet Kathode (im Schaltzeichen der Strich). Die Kennlinie, die du schon kennst, folgt daraus:
- Durchlassrichtung: Pluspol an der Anode, Minuspol an der Kathode. Die Spannung drückt Elektronen und Löcher zur Grenze, die Sperrschicht wird dünn. Ab etwa 0,7 V bei Silizium fließt ein Strom, der bei etwas höherer Spannung steil steigt.
- Sperrrichtung: Pluspol an der Kathode. Elektronen und Löcher werden von der Grenze weggezogen, die Sperrschicht wird dicker, und es fließt fast kein Strom.
Leuchtdiode und Vorwiderstand
Eine Leuchtdiode (LED) ist eine Diode, die in Durchlassrichtung Licht aussendet. Elektronen füllen in der Nähe der Grenze Löcher auf und geben dabei Energie als Licht ab. Aus elektrischer Energie wird Strahlungsenergie, der Rest Wärme, bei einer Glühlampe viel mehr. Die Farbe hängt vom Halbleitermaterial ab. Die Durchlassspannung beträgt bei einer roten LED etwa 1,9 V, bei einer blauen etwa 3,1 V, jeweils bei etwa 20 mA.
Direkt an einer Batterie würde der Strom so groß, dass die LED zerstört wird. Ein Vorwiderstand in Reihe nimmt die überschüssige Spannung auf. Wegen der Reihenschaltung fließt durch beide dieselbe Stromstärke :
Vorwiderstand für eine rote LED
Vorwiderstand für eine rote LED
Eine rote LED (1,9 V, 20 mA = 0,020 A) soll an einer Batterie mit 5 V leuchten. Welchen Vorwiderstand braucht sie?
Am Widerstand müssen 5 V − 1,9 V = 3,1 V abfallen.
R = 3,1 V : 0,020 A = 155 Ω.
Einen Widerstand mit genau 155 Ω gibt es kaum. Üblich ist der nächste Wert, 150 Ω. Dann fließen 3,1 V : 150 Ω ≈ 0,0207 A, also etwa 20 mA.
Solarzelle
Eine Solarzelle ist eine große Diode mit einem pn-Übergang nahe der Oberfläche. Die dünne obere Schicht lässt Licht durch.
- Trifft Licht auf die Zelle, löst seine Energie Elektronen aus den Bindungen. Es entstehen bewegliche Elektronen und Löcher.
- Das elektrische Feld der Sperrschicht trennt sie: Elektronen wandern ins n-Gebiet, Löcher ins p-Gebiet.
- Die n-Seite lädt sich negativ, die p-Seite positiv. Zwischen den Anschlüssen liegt eine Spannung, und mit einem Verbraucher fließt Strom.
Die Energieumwandlung ist: Strahlungsenergie → elektrische Energie, mit Wärme als Verlust. Es sind keine Turbine und kein Generator nötig. Eine Siliziumzelle liefert unter Last etwa 0,5 V, fast unabhängig von ihrer Größe. Die Stromstärke wächst mit der Fläche und der Lichtstärke. In Reihe geschaltete Zellen addieren ihre Spannungen. Handelsübliche Siliziumzellen erreichen einen Wirkungsgrad von etwa 20 %.
Ein Solarmodul
Ein Solarmodul
Ein Modul hat 1,6 m² Fläche. Bei klarem Himmel und hohem Sonnenstand fallen etwa 1000 W Strahlungsleistung auf jeden Quadratmeter. Der Wirkungsgrad beträgt 20 %. Wie groß ist die elektrische Leistung? Wie viele Zellen mit je 0,5 V müssen in Reihe liegen, damit das Modul 18 V liefert?
Einfallende Leistung: 1000 W/m² mal 1,6 m² = 1600 W.
Elektrische Leistung: 20 % von 1600 W = 0,20 mal 1600 W = 320 W.
Zellen: 18 V : 0,5 V = 36 Zellen.
Einfache Schaltungen mit Dioden
Mit Dioden lassen sich einfache Schaltungen bauen:
- Gleichrichter: Eine Diode in Reihe mit einem Verbraucher an Wechselspannung lässt nur die Halbwellen durch, bei denen sie in Durchlassrichtung liegt. Es fließt ein pulsierender Gleichstrom.
- Verpolungsschutz: Eine Diode in Reihe mit einem Gerät lässt Strom nur bei richtig angeschlossener Batterie durch. Dabei fallen etwa 0,7 V an der Diode ab.
- Anzeige: Eine LED mit Vorwiderstand zeigt an, dass Spannung anliegt.
Ein Loch ist ein Teilchen
Ein Loch ist ein Teilchen
„Ein Loch ist ein positives Teilchen, das durch den Kristall fliegt.“
Ein Loch ist eine Lücke, in die ein Elektron springen kann. Rücken Elektronen nacheinander nach, wandert die Lücke. Das wirkt wie eine positive Ladung, aber es bewegen sich nur Elektronen.
n-dotiertes Silizium ist negativ geladen
n-dotiertes Silizium ist negativ geladen
„Ein n-dotierter Halbleiter ist negativ geladen, ein p-dotierter positiv.“
Beide sind nach außen elektrisch neutral, denn jedes Fremdatom hat so viele Protonen wie Elektronen. Die Buchstaben n und p nennen nur, welche beweglichen Ladungsträger überwiegen: Elektronen oder Löcher.
Zusammenfassung
Halbleiter wie Silizium leiten weniger gut als Metalle und besser als Nichtleiter. Ihr Widerstand sinkt mit steigender Temperatur.
Beim Dotieren baut man Fremdatome ein: Atome mit fünf Außenelektronen (Phosphor) geben bewegliche Elektronen (n-Leitung), Atome mit drei (Bor) geben Löcher (p-Leitung).
Ein Loch ist eine Lücke, in die ein Elektron springen kann. Es wirkt wie eine bewegliche positive Ladung. n- und p-Silizium sind nach außen neutral.
Eine Diode hat einen pn-Übergang mit Sperrschicht. In Durchlassrichtung wird sie dünn, und es fließt Strom, in Sperrrichtung wird sie dick, und es fließt fast kein Strom.
Eine LED sendet in Durchlassrichtung Licht aus. Der Vorwiderstand ist die Spannung, die an ihm abfällt (Batteriespannung minus Spannung der LED), geteilt durch die Stromstärke.
Eine Solarzelle trennt durch das Feld der Sperrschicht Elektronen und Löcher, die das Licht freisetzt. Sie wandelt Strahlungsenergie in elektrische Energie um, Silizium mit etwa 20 % Wirkungsgrad.
Dioden dienen als Gleichrichter und als Verpolungsschutz.
Übungen
Welche Aussage über Halbleiter stimmt?
Eine Diode soll in Durchlassrichtung betrieben werden. Welche Verbindung stimmt?
Eine grüne LED (2,2 V, 20 mA) soll an einer 9-V-Batterie leuchten. Wie groß muss der Vorwiderstand sein, in Ohm?
Ein Solarmodul mit 2,0 m² Fläche wird von 800 W Strahlungsleistung je Quadratmeter getroffen. Der Wirkungsgrad beträgt 15 %. Wie groß ist die elektrische Leistung, in Watt?
Erkläre mit Hilfe der Sperrschicht, warum eine Diode den Strom nur in eine Richtung durchlässt.