Technische Systeme und Prozesse analysieren und bewerten
Dein Kühlschrank hält die Temperatur seit Jahren bei etwa 5 °C, ohne dass jemand eingreift. Der Wasserkocher schaltet von selbst ab, wenn das Wasser kocht. Du hast von beiden nie das Gehäuse geöffnet. Trotzdem kannst du etwas über sie sagen: was hineingeht, was herauskommt und was dazwischen passieren muss.
Im Laden stehen zwei Geräte nebeneinander, die dasselbe können. Das eine ist teurer und trägt ein Zeichen für sparsamen Verbrauch. Woran erkennst du, welches besser ist? Du lernst, ein Gerät als System zu beschreiben, seine Abläufe zu verfolgen und es nach festen Kriterien zu bewerten.
Technisches System, Funktionselemente und Wirkungsweise
Ein technisches System ist eine Anordnung von Bauteilen, die zusammenwirken, um eine Aufgabe zu erfüllen. Diese Aufgabe heißt Funktion. Bauteile, die einen Teil der Funktion übernehmen, heißen Funktionselemente. Aus Klasse 5-6 kennst du antreiben, übertragen, halten und arbeiten. In Geräten kommen oft diese Aufgaben vor: Energie zuführen (Netzkabel, Batterie), erfassen und eingeben (Schalter, Sensor: ein Bauteil, das eine Größe wie die Temperatur misst), verarbeiten und umwandeln (Heizdraht, Motor), ausgeben (Lampe, Anzeige) und tragen und schützen (Gehäuse).
Die Wirkungsweise beschreibt, wie die Funktionselemente der Reihe nach zusammenarbeiten. Beim Wasserkocher: Du drückst den Schalter, Strom fließt durch den Heizdraht, der Draht wird heiß und gibt Wärme an das Wasser ab. Kocht das Wasser, unterbricht ein Temperaturschalter den Strom.
Systemgrenze und Teilsysteme
Um ein System zu beschreiben, legst du zuerst eine Systemgrenze fest, eine gedachte Linie um das System. Was innen liegt, gehört dazu. Was außen liegt, ist die Umgebung. Beim Wasserkocher gehört das Gerät zum System, die Steckdose und die bedienende Person liegen in der Umgebung. Willst du den Stromverbrauch einer ganzen Küche untersuchen, ziehst du die Grenze weiter, und die Steckdose gehört dazu.
Ein Teilsystem ist ein Teil des Systems, der selbst eine Funktion hat. Ein Fahrrad hat zum Beispiel die Teilsysteme Antrieb (Pedale, Kette, Zahnräder), Bremse, Lenkung und Beleuchtung. Du kannst jedes für sich untersuchen.
Energie-, Stoff- und Informationsströme, Wirkungsgrad
Über die Systemgrenze und zwischen den Teilsystemen fließt etwas:
- Beim Energiestrom wird Energie zugeführt, umgewandelt und abgegeben. Sie geht nicht verloren, aber ein Teil wird zu Wärme, die man nicht nutzen kann.
- Beim Stoffstrom bewegt sich Material durch das System, zum Beispiel Wasser oder Werkstücke.
- Beim Informationsstrom laufen Signale und Daten, zum Beispiel ein Tastendruck oder ein Messwert.
Beim Wasserkocher geht elektrische Energie hinein, heraus gehen Wärme im Wasser (Nutzen) und Wärme an die Luft (Verlust). Stoffstrom: kaltes Wasser hinein, heißes heraus. Informationsstrom: die Meldung "Wasser kocht" an den Temperaturschalter.
Der Wirkungsgrad sagt, welcher Anteil der zugeführten Energie als Nutzen ankommt. Er liegt zwischen 0 und 1 oder zwischen 0 % und 100 %.
Wie gut nutzt der Wasserkocher seine Energie?
Wie gut nutzt der Wasserkocher seine Energie?
Ein Wasserkocher nimmt 360 kJ elektrische Energie auf. Davon kommen 324 kJ im Wasser an. Berechne den Wirkungsgrad und sage, wohin der Rest geht.
Wirkungsgrad: 324 : 360 = 0,9, also 90 %. Der Rest ist 360 − 324 = 36 kJ. Er geht als Wärme an Gehäuse und Luft und lässt sich nicht nutzen. Die Zahlen sind angenommen.
Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe-Prinzip und Black Box
Viele Systeme folgen dem EVA-Prinzip: Eine Größe geht hinein (Eingabe), das System wandelt sie um (Verarbeitung), und eine andere kommt heraus (Ausgabe). Beim Wasserkocher ist die Eingabe der Tastendruck, die Verarbeitung das Aufheizen, die Ausgabe das heiße Wasser.
Kennst du das Innere eines Systems nicht, denkst du es als Black Box (schwarzer Kasten): Du probierst Eingaben aus, notierst die Ausgaben und schließt auf das Verhalten. Die Grenze: Du erfährst nur das Verhalten bei den getesteten Werten, nicht den inneren Aufbau.
Eine Black Box untersuchen
Eine Black Box untersuchen
Ein geschlossener Kasten hat zwei Buchsen. Du legst eine Gleichspannung an den Eingang und misst am Ausgang: 2 V ergeben 1 V, 4 V ergeben 2 V, 6 V ergeben 3 V. Welche Ausgangsspannung erwartest du bei 10 V? Was weißt du über das Innere?
Bei allen drei Messungen ist die Ausgangsspannung halb so groß wie die Eingangsspannung. Bei 10 V erwartest du also 5 V. Eine weitere Messung prüft das. Zeigt sie 5 V, ist die Vermutung gestützt, aber nicht bewiesen. Über das Innere weißt du nichts Sicheres: Es könnten zwei gleiche Widerstände in Reihe sein oder eine andere Schaltung mit demselben Verhalten.
Positive und negative Rückkopplung
Bei einer Rückkopplung wirkt die Ausgabe auf die Eingabe zurück. Es entsteht ein Kreis.
- Bei negativer Rückkopplung wirkt die Rückwirkung der Änderung entgegen und hält eine Größe stabil. Beispiel: Ein Thermostat am Heizkörper ist ein Ventil, das sich mit der Raumtemperatur öffnet oder schließt. Wird der Raum wärmer, schließt es, und es kommt weniger Wärme nach.
- Bei positiver Rückkopplung verstärkt die Rückwirkung die Änderung. Beispiel: Ein Mikrofon steht vor dem Lautsprecher. Der Lautsprecher gibt den Ton des Mikrofons wieder, das Mikrofon nimmt ihn lauter auf, der Lautsprecher gibt ihn noch lauter wieder. Es entsteht ein lautes Pfeifen.
"Positiv" und "negativ" bedeuten also nicht gut oder schlecht, sondern verstärkend oder abschwächend.
Gebrauchsanweisung und Symbole in der Dokumentation
Eine Gebrauchsanweisung beschreibt, wie man ein Produkt sicher und richtig benutzt. Sie enthält meist: wofür das Gerät gedacht ist, Sicherheitshinweise, Bedienung, Pflege, Hilfe bei Störungen und Entsorgung. Symbole ersetzen Text, damit die Anleitung in vielen Sprachen verstanden wird. Sicherheitszeichen haben nach internationaler Norm feste Form und Farbe:
| Art | Form und Farbe | Bedeutung |
|---|---|---|
| Verbotszeichen | roter Ring mit Querbalken | Das darfst du nicht tun. |
| Warnzeichen | gelbes Dreieck mit schwarzem Rand | Hier droht eine Gefahr. |
| Gebotszeichen | blauer Kreis | Das musst du tun, zum Beispiel Augenschutz tragen. |
| Rettungszeichen | grünes Rechteck | Hier ist ein Ausweg oder Hilfe. |
Arbeitsschutz am technischen System
Arbeitsschutz schützt Menschen vor Unfällen und Gesundheitsschäden. Wer ein System entwirft oder benutzt, sucht zuerst die Gefährdungen: Quetschen, Schneiden, Strom, Hitze, Lärm, Staub, Dämpfe. Dann wählt er Schutzmaßnahmen in dieser Rangfolge (TOP):
- Technisch: Die Gefahr wird am Gerät beseitigt oder abgeschirmt, zum Beispiel durch eine Schutzhaube oder einen Not-Aus-Schalter.
- Organisatorisch: Regeln und Abläufe, zum Beispiel Warnschilder, Einweisung, Zugang nur für Befugte.
- Persönlich: Schutzausrüstung wie Schutzbrille oder Gehörschutz.
Technische Maßnahmen stehen vorn, weil sie auch wirken, wenn jemand nicht aufpasst. Die Regeln für die Werkstatt folgen in der Lektion zu Fertigungsverfahren und Arbeitsschutz.
Bewertungskriterien: Energieeffizienz, Gütesiegel und Nachhaltigkeit
Wer ein Produkt bewertet, braucht Kriterien, also Maßstäbe, an denen er misst: Funktion, Sicherheit, Kosten, Energieeffizienz und Umweltwirkung.
- Energieeffizienz heißt: Wie viel Nutzen bekommt man für die eingesetzte Energie? Für viele Haushaltsgeräte hängt in der EU ein Energielabel mit einer Skala von A (sparsam) bis G (hoher Verbrauch) am Gerät. Dazu steht der Verbrauch in kWh, bei Kühlgeräten je Jahr.
- Ein Gütesiegel trägt ein Produkt, das eine unabhängige Stelle nach festen Kriterien geprüft hat, zum Beispiel das GS-Zeichen (geprüfte Sicherheit) oder der Blaue Engel (geringe Umweltbelastung). Das CE-Zeichen ist kein Gütesiegel: Mit ihm erklärt der Hersteller meist selbst, dass sein Produkt die EU-Vorschriften einhält.
- Nachhaltigkeit heißt, Produkte so zu gestalten und zu nutzen, dass auch spätere Generationen gut leben können. Man betrachtet Umwelt (Rohstoffe, Energie, Abfall), Wirtschaft (Kosten über die ganze Nutzungszeit) und Soziales (faire Arbeitsbedingungen). Für ein Gerät heißt das: lange Lebensdauer, Reparierbarkeit, geringer Verbrauch, gut recycelbare Stoffe.
Wann lohnt sich das sparsamere Gerät?
Wann lohnt sich das sparsamere Gerät?
Zwei Kühlschränke bieten gleich viel Platz. Gerät A kostet 450 Euro und verbraucht 150 kWh im Jahr. Gerät B kostet 520 Euro und verbraucht 100 kWh im Jahr. Angenommen, eine kWh kostet 0,35 Euro. Nach wie vielen Jahren hat B den höheren Preis ausgeglichen?
Mehrpreis von B: 520 − 450 = 70 Euro. Ersparnis im Jahr: 50 kWh, das sind 50 · 0,35 = 17,50 Euro. 70 : 17,50 = 4. Nach 4 Jahren ist der Mehrpreis ausgeglichen. Die Rechnung betrachtet nur Kosten. Reparierbarkeit, Rohstoffe und Entsorgung sind weitere Kriterien.
CE-Zeichen bedeutet geprüfte Qualität
CE-Zeichen bedeutet geprüfte Qualität
„Das Produkt trägt ein CE-Zeichen, also hat eine Prüfstelle seine Qualität bestätigt.“
Das CE-Zeichen zeigt, dass der Hersteller erklärt, die EU-Vorschriften einzuhalten. Es sagt nichts darüber, wie gut oder sparsam das Produkt ist. Ein Gütesiegel wie das GS-Zeichen setzt eine Prüfung durch eine unabhängige Stelle voraus.
Zusammenfassung
Ein technisches System besteht aus Funktionselementen, die zusammenwirken. Die Systemgrenze legt fest, was dazugehört, Teilsysteme haben selbst eine Funktion.
Über die Grenze fließen Energie, Stoffe und Informationen. Der Wirkungsgrad ist Nutzen geteilt durch zugeführte Energie.
Das EVA-Prinzip beschreibt Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe. Eine Black Box untersucht man nur über Ein- und Ausgaben.
Negative Rückkopplung wirkt der Änderung entgegen und stabilisiert, positive verstärkt sie.
Gebrauchsanweisungen nutzen genormte Symbole. Schutzmaßnahmen folgen der Rangfolge technisch, organisatorisch, persönlich.
Produkte bewertet man nach Kriterien wie Energieeffizienz, Gütesiegeln und Nachhaltigkeit. Das CE-Zeichen ist kein Gütesiegel.
Übungen
Welches Beispiel ist eine negative Rückkopplung?
Ein Elektromotor nimmt 500 J elektrische Energie auf und gibt 400 J als Bewegungsenergie ab. Wie groß ist sein Wirkungsgrad in Prozent?
An einer Maschine hängt ein blauer Kreis mit einem weißen Symbol für Gehörschutz. Was bedeutet das?
Ein Gerät verbraucht 80 kWh im Jahr. Angenommen, eine kWh kostet 0,30 Euro. Wie viel Euro kostet der Strom in 10 Jahren?
Beschreibe einen Toaster als System: Nenne die Systemgrenze, einen Energiestrom und einen Informationsstrom.