Atombau, Orbitalmodell und Periodensystem
Eine Natriumdampflampe an der Landstraße leuchtet gelb, eine Leuchtreklame mit Neon rotorange. Streut man Kochsalz in eine Gasflamme, färbt sie sich gelb, Kupfersalze färben sie grün. Jedes Element sendet offenbar nur ganz bestimmte Farben aus.
Das Energiestufenmodell der Mittelstufe erklärt das nur zum Teil. Es kennt Hauptenergiestufen mit den Unterstufen s, p und d, sagt aber nicht, wie die Elektronen im Raum verteilt sind. Es erklärt auch nicht, warum die Perioden des Periodensystems 2, 8, 8, 18, 18, 32 und 32 Elemente lang sind.
In dieser Lektion erklärst du Spektren mit dem Bohr'schen Modell. Dann baust du mit dem Orbitalmodell die Elektronenhülle aller Elemente auf und liest daraus das Periodensystem ab.
Linienspektrum und Bohr'sches Modell
Zerlegt man das Licht einer glühenden Lampe mit einem Prisma, entsteht ein durchgehendes Farbband. Das Licht eines leuchtenden Gases besteht dagegen nur aus einzelnen Farblinien, einem Linienspektrum. Jedes Element hat sein eigenes Linienspektrum und lässt sich daran erkennen (Spektralanalyse).
Niels Bohr erklärte das 1913 für das Wasserstoffatom. Das Elektron hat nur bestimmte Energien mit und läuft ohne Energieverlust auf der zugehörigen Kreisbahn. Springt es von einer höheren Stufe auf eine tiefere Stufe , sendet das Atom ein Lichtteilchen (Photon) mit genau der Energiedifferenz aus. Je größer der Sprung, desto kürzer die Wellenlänge . Für Wasserstoff gilt, mit Energien in Elektronenvolt (eV) und (Planck-Konstante mal Lichtgeschwindigkeit):
Die rote Wasserstofflinie
Die rote Wasserstofflinie
Angeregter Wasserstoff sendet beim Übergang von nach eine Linie aus. Berechne ihre Wellenlänge.
und . Das Minus bedeutet: Das Elektron ist an den Kern gebunden, ist das freie Elektron. Die Differenz ist . Damit ist . Das ist rotes Licht. Aus dem Grundzustand braucht man , um das Elektron ganz zu lösen: die Ionisierungsenergie von Wasserstoff.
Orbital
Das Bohr'sche Modell gilt nur für Atome mit einem Elektron. Auch Bahnen gibt es streng genommen nicht: Nach der Quantenmechanik lassen sich Ort und Geschwindigkeit eines Elektrons nicht zugleich beliebig genau angeben. Das Orbitalmodell beschreibt deshalb nur, wo sich ein Elektron mit welcher Wahrscheinlichkeit aufhält.
Ein Orbital ist der Raumbereich um den Kern, in dem sich ein Elektron mit hoher Wahrscheinlichkeit aufhält (üblich gezeichnet: 90 %). Ein Orbital fasst höchstens zwei Elektronen. s-Orbitale sind kugelförmig. Die drei p-Orbitale sind hantelförmig und zeigen entlang der drei Raumachsen (, , ). Die fünf d-Orbitale und die sieben f-Orbitale haben Formen mit mehreren Keulen. Bei gleicher Form wird das Orbital mit wachsendem größer.
Quantenzahlen
Jedes Orbital und jedes Elektron wird durch Quantenzahlen beschrieben:
| Quantenzahl | Name | Werte | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Hauptquantenzahl | Energiestufe (Schale), Größe | ||
| Nebenquantenzahl | Unterstufe: s, p, d, f für | ||
| Magnetquantenzahl | Ausrichtung im Raum | ||
| Spinquantenzahl | oder | Eigendrehung (Spin) des Elektrons |
Zu einer Unterstufe gehören Orbitale (s: 1, p: 3, d: 5, f: 7), also Platz für 2, 6, 10 und 14 Elektronen. Auf der Stufe gibt es Unterstufen, Orbitale und Elektronen.
Die dritte Stufe
Die dritte Stufe
Gib für die Unterstufen, die Zahl der Orbitale und der Elektronen an. Gibt es ein 2d-Orbital?
Für gilt : Die Unterstufen sind 3s, 3p und 3d. Orbitale: . Elektronen: . Für ist höchstens , ein 2d-Orbital gibt es daher nicht.
Aufbauprinzip, Pauli-Prinzip und Hund'sche Regel
Im Grundzustand, dem Zustand niedrigster Energie, entsteht die Elektronenhülle nach drei Regeln.
- Aufbauprinzip: Die Orbitale werden von der niedrigsten Energie an besetzt: 1s, 2s, 2p, 3s, 3p, 4s, 3d, 4p, 5s, 4d, 5p, 6s, 4f, 5d, 6p, 7s, 5f, 6d, 7p. Merkhilfe: nach wachsender Summe ordnen, bei gleicher Summe zuerst das kleinere .
- Pauli-Prinzip: In einem Atom stimmen keine zwei Elektronen in allen vier Quantenzahlen überein. Ein Orbital enthält also höchstens zwei Elektronen, und sie haben entgegengesetzten Spin ().
- Hund'sche Regel: Orbitale gleicher Energie, etwa die drei 2p-Orbitale, werden zuerst einzeln mit Elektronen gleichen Spins besetzt. Erst danach bilden sich Paare, denn zwei Elektronen im selben Orbital stoßen sich stärker ab.
Die Konfiguration schreibt man wie in der Mittelstufe, zum Beispiel . Elektronen ohne Partner im Orbital heißen ungepaart.
Stickstoff und Eisen
Stickstoff und Eisen
Gib die Konfiguration von Stickstoff () und von Eisen () an. Wie viele ungepaarte Elektronen haben die Atome? Wie sind die Ionen und aufgebaut?
Stickstoff: (2 + 2 + 3 = 7). Die drei 2p-Elektronen besetzen nach Hund , und einzeln, alle mit gleichem Spin: drei ungepaarte Elektronen. Darum bildet Stickstoff drei Bindungen, zum Beispiel in .
Eisen: Bis Argon sind es 18 Elektronen, die man kurz als schreibt. Die übrigen 8 füllen zuerst 4s (2), dann 3d (6): . In 3d sitzt ein Paar, die anderen vier Elektronen sind einzeln: vier ungepaarte Elektronen. Bei der Ionenbildung gehen zuerst die 4s-Elektronen: ist und ist . Beim ist jedes der fünf d-Orbitale einfach besetzt, eine halb gefüllte Unterstufe ist besonders stabil.
Das vollständige Periodensystem: s-, p-, d- und f-Block
Das Periodensystem ordnet die Elemente nach der Ordnungszahl. Die Periode ist die Hauptquantenzahl der äußersten Schale (bei Palladium, , weicht das ab: Periode 5, aber höchstes besetztes ). Der Block nennt die Unterstufe, die zuletzt aufgefüllt wird:
| Block | zuletzt besetzt | Gruppen | Plätze je Periode |
|---|---|---|---|
| s-Block | s | 1 und 2 (und Helium) | 2 |
| p-Block | p | 13 bis 18 | 6 |
| d-Block | d | 3 bis 12 (Nebengruppen, Übergangsmetalle) | 10 |
| f-Block | f | Lanthanoide, Actinoide | 14 |
Die Länge der Perioden folgt aus dem Aufbauprinzip. Periode 2 und 3: s und p, . Periode 4 und 5: s, d und p, (4s, 3d, 4p). Periode 6 und 7: s, f, d und p, (6s, 4f, 5d, 6p). Die Hauptgruppen sind s- und p-Block, ihre Valenzelektronen sind die s- und p-Elektronen der äußersten Stufe.
Ein Element im Periodensystem finden
Ein Element im Periodensystem finden
Ein Atom hat die Konfiguration . Bestimme Periode, Block, Gruppe und Ordnungszahl.
Die höchste besetzte Hauptquantenzahl ist 5: Periode 5. Zuletzt wird 5p besetzt: p-Block. Die Valenzelektronen sind , also 5 Stück. Im p-Block heißt das Gruppe 15 (Gruppennummer minus 10 ergibt 5). Die Ordnungszahl ist (Krypton hat 36 Elektronen): Antimon.
Elektronen kreisen auf Bahnen
Elektronen kreisen auf Bahnen
„Ein Orbital ist die Bahn, auf der ein Elektron um den Kern kreist.“
Ein Orbital ist ein Raumbereich mit hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit, keine Bahn. Das Elektron hat keinen festen Weg. Auch das Bohr'sche Modell mit Bahnen reicht streng nur für Wasserstoff.
Was zuletzt besetzt wurde, geht zuerst verloren
Was zuletzt besetzt wurde, geht zuerst verloren
„Eisen füllt erst 4s und dann 3d. Bei der Ionenbildung verliert es daher zuerst die 3d-Elektronen.“
Sobald 3d besetzt ist, liegt 4s energetisch höher. Die 4s-Elektronen werden zuerst abgegeben: ist , nicht .
Zusammenfassung
Elemente senden Linienspektren aus. Nach Bohr entsteht eine Linie, wenn ein Elektron von einer höheren auf eine tiefere Energiestufe springt: .
Ein Orbital ist ein Raumbereich hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit und fasst höchstens zwei Elektronen. Das Bohr'sche Modell gilt nur für Wasserstoff.
Die Quantenzahlen , , und legen Größe, Form, Ausrichtung und Spin fest. Auf der Stufe gibt es Orbitale und Elektronen.
Aufbauprinzip (energieärmstes Orbital zuerst), Pauli-Prinzip (höchstens zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin) und Hund'sche Regel (erst einzeln besetzen) ergeben die Konfiguration.
Chrom und Kupfer weichen ab, weil eine halb oder ganz gefüllte d-Unterstufe günstig ist. Ionen verlieren zuerst die s-Elektronen der äußersten Stufe.
Periode und Block lassen sich aus der Konfiguration ablesen. Die Perioden sind 2, 8, 8, 18, 18, 32, 32 Elemente lang.
Übungen
Wie viele Orbitale gibt es insgesamt auf der Hauptenergiestufe ?
Welche Konfiguration hat Mangan () im Grundzustand?
Wasserstoff sendet beim Übergang von nach Licht aus. Berechne die Wellenlänge in Nanometern. Verwende und .
Wie viele ungepaarte Elektronen hat ein Chromatom im Grundzustand?
Erkläre mit dem Aufbauprinzip, warum die 4. Periode des Periodensystems 18 Elemente enthält.