Umweltchemie: Kreisläufe, Treibhauseffekt und Wasserhärte
Ein Auto verbrennt Benzin, und aus dem Auspuff kommt Kohlenstoffdioxid. Wohin geht es? Ein Teil löst sich im Meer, ein Teil wird von Pflanzen aufgenommen, ein Teil bleibt in der Luft und verändert das Klima.
Dazu kommen Alltagsfragen. Warum bildet sich im Wasserkocher ein weißer Belag aus Kalk? Warum nennt man Regen manchmal sauer? Alle Fragen hängen zusammen, weil Stoffe zwischen Luft, Wasser, Boden und Lebewesen wandern.
Umweltkompartimente
Die Umwelt gliedert sich in Kompartimente: die Atmosphäre (Luft), die Hydrosphäre (Meere, Seen, Flüsse, Grundwasser), die Lithosphäre (Gestein und Boden) und die Biosphäre (Lebewesen). Stoffe wandern zwischen ihnen und verändern sich dabei.
Ein Beispiel: Ein Kraftwerk gibt in die Luft ab. Regen löst es zu Säure. Der saure Regen fällt auf Boden und Wald und gelangt in einen See. Ein Stoff aus der Atmosphäre wirkt in drei weiteren Kompartimenten.
Kohlenstoffkreislauf
Kohlenstoff wird zwischen den Kompartimenten ausgetauscht.
- Fotosynthese bindet in Biomasse: .
- Atmung, Verwesung und Verbrennung setzen frei.
- Meerwasser nimmt auf und gibt es wieder ab.
- Aus Resten von Lebewesen entstehen über Jahrmillionen Kalkstein (), Kohle, Erdöl und Erdgas.
Der Austausch zwischen Pflanzen und Luft dauert Jahre, die Bildung fossiler Stoffe Jahrmillionen. Der Mensch verbrennt in Jahrzehnten, was die Natur in Jahrmillionen gebunden hat. Der -Gehalt der Luft stieg von etwa 280 ppm vor der Industrialisierung auf etwa 420 ppm (ppm: Teile pro Million). Etwa die Hälfte des freigesetzten bleibt in der Luft, der Rest geht in Meere und Pflanzen.
CO2 aus einem Kilogramm Benzin
CO2 aus einem Kilogramm Benzin
Benzin ist ein Gemisch. Rechne näherungsweise mit Oktan, (). Wie viel () entsteht beim Verbrennen von 1 kg?
. Aus 1 mol Oktan entstehen 8 mol , also . Die Masse ist . Es entstehen etwa 3,1 kg , denn der Sauerstoff stammt aus der Luft.
Natürlicher Treibhauseffekt
Die Sonne strahlt vor allem sichtbares Licht ein. Der Erdboden nimmt es auf, erwärmt sich und gibt die Energie als Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) wieder ab. Treibhausgase in der Atmosphäre absorbieren einen Teil davon und senden ihn in alle Richtungen aus, auch zurück zum Boden. Das ist der natürliche Treibhauseffekt. Ohne ihn läge die mittlere Temperatur bei etwa , tatsächlich liegt sie bei etwa .
Infrarotstrahlung regt Molekülschwingungen an, aber nur, wenn sich dabei die Ladungsverteilung ändert. ist in Ruhe unpolar, wird aber bei Knickschwingung und asymmetrischer Streckschwingung kurzzeitig polar und absorbiert Infrarot. und bestehen aus zwei gleichen Atomen und bleiben bei jeder Schwingung unpolar. Die Hauptbestandteile der Luft sind darum keine Treibhausgase.
Treibhausgase und anthropogener Treibhauseffekt
Anthropogen heißt vom Menschen verursacht. Der anthropogene Treibhauseffekt entsteht, weil der Mensch zusätzliche Treibhausgase freisetzt. Sie absorbieren mehr Strahlung, und die Erde erwärmt sich, bis sich bei höherer Temperatur ein neues Gleichgewicht einstellt.
| Gas | Menschliche Quellen (Beispiele) | Wirkung je Kilogramm über 100 Jahre, = 1 |
|---|---|---|
| Kohlenstoffdioxid | Verbrennung fossiler Stoffe, Abholzung | 1 |
| Methan | Rinderhaltung, Reisanbau, Erdgasförderung | etwa 28 |
| Lachgas | Stickstoffdüngung | etwa 270 |
Wasserdampf ist ein natürliches Treibhausgas und verstärkt jede Erwärmung, denn wärmere Luft nimmt mehr davon auf.
Klimawandel
Der Klimawandel ist die langfristige Veränderung des Klimas, hier durch den zusätzlichen Treibhauseffekt. Die globale Mitteltemperatur ist seit der vorindustriellen Zeit um etwa 1,2 °C gestiegen. Folgen sind steigende Meeresspiegel (warmes Wasser dehnt sich aus, Landeis schmilzt) und häufigere Hitzewellen. Rückkopplungen verstärken die Erwärmung: Wo helles Eis schmilzt, liegt dunkleres Wasser frei, das mehr Sonnenenergie aufnimmt.
Versauerung
Saurer Regen. Regenwasser ist durch gelöstes schwach sauer, der pH-Wert liegt bei etwa 5,6. Bei der Verbrennung von Kohle und Öl entsteht Schwefeldioxid, in Motoren und Feuerungen Stickstoffoxide. Sie reagieren, vereinfacht dargestellt, zu Säuren: und . Regen mit einem pH-Wert unter 5,6 heißt saurer Regen. Er versauert Böden und Seen.
Versauerung der Meere. Meerwasser nimmt auf: . Die -Ionen verbrauchen Carbonat-Ionen (). Muscheln und Korallen brauchen Carbonat für ihre Kalkschalen. Der pH-Wert der Meeresoberfläche fiel von etwa 8,2 auf etwa 8,1. Weil gilt, stieg um den Faktor , also um etwa 26 %.
Emissionsminderung
Drei Wege verringern Emissionen:
- Vermeiden und ersetzen: Energie sparen, Kohle, Öl und Gas durch Wind, Sonne, Wasserkraft oder Wasserstoff ersetzen. So entsteht weniger .
- Abgase reinigen: Die Rauchgasentschwefelung bindet mit Kalkstein zu Gips: . Der Autokatalysator setzt giftige Gase um: . Beide erzeugen .
- Binden und speichern: Aufforstung, Abtrennen und unterirdisches Speichern von .
Wasserhärte
Die Wasserhärte ist die Konzentration der Calcium- und Magnesium-Ionen im Wasser. Sie stammen aus Kalkstein. Die Carbonathärte hat Hydrogencarbonat als Gegenion und lässt sich durch Kochen entfernen. Die Nichtcarbonathärte hat Sulfat und Chlorid als Gegenionen und bleibt. Die Summe ist die Gesamthärte, angegeben in mmol/L oder in Grad deutscher Härte (°dH). Es gilt 1 °dH 0,18 mmol/L (für beide Ionenarten zusammen).
Regenwasser löst Kalk, weil gelöstes Hydrogencarbonat bildet. Beim Erhitzen entweicht , die Reaktion läuft nach links, und Kalk fällt aus. Das ist der Belag im Wasserkocher:
Gesamthärte berechnen
Gesamthärte berechnen
Ein Wasser enthält 80 mg/L und 12 mg/L (, ). Wie groß ist die Gesamthärte?
Calcium: 80 mg : 40 mg/mmol = 2,0 mmol/L. Magnesium: 12 mg : 24 mg/mmol = 0,5 mmol/L. Gesamthärte: 2,5 mmol/L. Umrechnung: 2,5 : 0,18 ≈ 14, also etwa 14 °dH.
Kalkkreislauf
Der technische Kalkkreislauf hat drei Schritte:
- Brennen bei etwa 900 °C: . Die Reaktion nimmt Energie auf.
- Löschen: . Dabei wird viel Wärme frei.
- Abbinden: . Kalkmörtel nimmt aus der Luft auf und wird wieder zu Kalkstein.
Gebrannter und gelöschter Kalk sind ätzend: nur mit Schutzbrille und unter Aufsicht. In der Natur löst sich Kalkstein als Hydrogencarbonat und fällt anderswo wieder aus, zum Beispiel als Tropfstein.
Treibhauseffekt und Ozonloch verwechseln
Treibhauseffekt und Ozonloch verwechseln
„Das Ozonloch ist die Ursache des Klimawandels.“
Das sind zwei Vorgänge. Das Ozonloch betrifft die Ozonschicht, die UV-Strahlung der Sonne filtert. Der Treibhauseffekt beruht auf der Absorption von Infrarotstrahlung.
Der Treibhauseffekt ist selbst das Problem
Der Treibhauseffekt ist selbst das Problem
„Ohne Treibhauseffekt wäre es besser.“
Der natürliche Treibhauseffekt macht das Leben erst möglich. Das Problem ist der vom Menschen verstärkte Treibhauseffekt.
Zusammenfassung
Stoffe wandern zwischen Atmosphäre, Hydrosphäre, Lithosphäre und Biosphäre. Ein Eingriff in ein Kompartiment wirkt auf die anderen.
Verbrennen fossiler Stoffe setzt im Kohlenstoffkreislauf in kurzer Zeit frei, das die Natur in Jahrmillionen gebunden hat.
Treibhausgase (, , ) absorbieren Infrarotstrahlung. Der natürliche Treibhauseffekt hebt die Temperatur von etwa -18 °C auf etwa +15 °C, der anthropogene verstärkt ihn.
Der Klimawandel bringt höhere Temperaturen und steigende Meeresspiegel.
Saurer Regen entsteht aus und Stickstoffoxiden, die Meere versauern durch aufgenommenes .
Emissionen sinken durch Vermeiden und Ersetzen, Abgasreinigung und Binden von .
Wasserhärte ist die Konzentration von und . Der Kalkkreislauf ist Brennen, Löschen, Abbinden.
Übungen
Methan verbrennt nach . Wie viel Gramm entstehen aus 16 g Methan? (, )
Welcher Stoff absorbiert Infrarotstrahlung praktisch nicht und ist deshalb kein Treibhausgas?
Ein Wasser hat eine Gesamthärte von 3,6 mmol/L. Wie viel °dH sind das? Rechne mit 1 °dH = 0,18 mmol/L.
Welche Maßnahme senkt die -Emission?
Was geschieht beim Löschen von gebranntem Kalk?
Erkläre mit einer Reaktionsgleichung, warum sich in einem Wasserkocher bei hartem Wasser ein Kalkbelag bildet.