pH-Berechnung bei unvollständiger Protolyse und Puffersysteme
Dein Blut hat einen pH-Wert von etwa 7,4. Schon eine Abweichung um 0,3 Einheiten kann lebensgefährlich sein. Trotzdem bildest du im Stoffwechsel Säuren, ohne dass sich der pH-Wert merklich ändert. Ein Tropfen Salzsäure in einem Glas Wasser dagegen senkt dessen pH-Wert um mehrere Einheiten.
Zwei Fragen stehen an. Wie berechnest du den pH-Wert von Säuren und Basen, die nicht vollständig protolysieren? Und wie hält ein Gemisch den pH-Wert so stabil? Du brauchst dafür die Säurekonstante und das Ionenprodukt des Wassers aus der vorigen Lektion.
pH-Wert schwacher Säuren und Basen
Bei einer schwachen Säure HA mit der Anfangskonzentration ist nur ein kleiner Teil protolysiert. Sei die Konzentration der gebildeten Oxonium-Ionen. Die Oxonium-Ionen aus der Autoprotolyse des Wassers sind dagegen so wenige, dass du sie vernachlässigst. Zu jedem entsteht ein , also , und von HA bleibt . Eingesetzt in ergibt das .
Ist die Säure so schwach, dass nur ein kleiner Teil protolysiert ist, gilt . Faustregel: . Dann ist der Fehler in höchstens etwa 5 %, im pH-Wert also etwa 0,02. Es bleibt . Logarithmieren und Umstellen liefert die Formel unten. Gilt die Faustregel nicht, löst du als quadratische Gleichung. Bei schwachen Basen läuft alles gleich mit , und pOH.
Essigsäure und Ammoniak
Essigsäure und Ammoniak
Berechne den pH-Wert a) einer Essigsäure-Lösung mit mol/L () und b) einer Ammoniak-Lösung mit mol/L ().
a) mol/L, und mol/L ist viel kleiner als . Die Näherung gilt. . Das ist der Messwert aus der vorigen Lektion.
b) Auch hier gilt die Näherung. , also .
Mehrprotonige Säuren und Basen
Eine mehrprotonige Säure gibt ihre Protonen stufenweise ab, jede Stufe mit eigenem pKs-Wert. Kohlensäure (genauer: im Wasser gelöstes samt ) hat für und für . Phosphorsäure hat 2,16, 7,21 und 12,32. Jede weitere Stufe ist viel schwächer, denn ein Proton löst sich von einem negativ geladenen Teilchen schwerer.
Liegen die Stufen mehrere pKs-Einheiten auseinander, entstehen fast alle Oxonium-Ionen in der ersten Stufe. Du rechnest dann wie bei einer einprotonigen Säure mit . Bei Phosphorsäure () ist die erste Stufe zu stark für die Näherung, dort brauchst du die quadratische Gleichung. Mehrprotonige Basen behandelst du entsprechend: Das Carbonat-Ion nimmt zuerst ein Proton auf, mit .
Kohlensäure in Wasser
Kohlensäure in Wasser
Wasser ist bei 25 °C mit Kohlenstoffdioxid von 1 bar gesättigt. Angenommen, es enthält dann mol/L gelöstes . Welchen pH-Wert hat es?
Nur die erste Stufe zählt. mol/L ist winzig gegen , die Näherung gilt. .
Die zweite Stufe trägt nichts bei: Aus folgt mol/L.
pH-Wert von Salzlösungen
Löst du ein Salz, kann eines seiner Ionen als Säure oder Base reagieren. Du prüfst jedes Ion einzeln:
- Ionen starker Säuren oder Basen (, , , ) reagieren praktisch nicht mit Wasser.
- Das Anion einer schwachen Säure ist eine Base, zum Beispiel oder . Die Lösung ist alkalisch.
- Das Kation einer schwachen Base ist eine Säure, zum Beispiel . Die Lösung ist sauer.
Das reagierende Ion rechnest du wie eine schwache Base oder Säure. Für das Anion nutzt du der Säure HA. Daraus folgt die Formel unten (links von HA, rechts des Kations).
Natriumacetat und Ammoniumchlorid
Natriumacetat und Ammoniumchlorid
Berechne den pH-Wert von a) Natriumacetat-Lösung () und b) Ammoniumchlorid-Lösung (), jeweils mol/L.
a) reagiert nicht, das Acetat-Ion ist die Base der Essigsäure (). .
b) reagiert nicht, das Ammonium-Ion ist eine Säure mit . .
Puffersystem
Ein Puffer ist eine Lösung, deren pH-Wert sich bei Zugabe kleiner Mengen Säure oder Lauge und beim Verdünnen nur wenig ändert. Er enthält eine schwache Säure HA und ihre korrespondierende Base in vergleichbaren Mengen, zum Beispiel Essigsäure und Natriumacetat oder und .
Kommt Oxonium dazu, nimmt die Base es auf: . Kommt Hydroxid dazu, gibt die Säure ein Proton ab: . Das zugesetzte Teilchen wird so in ein schwach wirkendes umgewandelt, und es verschiebt sich nur das Verhältnis der beiden Komponenten.
Henderson-Hasselbalch-Gleichung
Löse die Säurekonstante nach auf: . Beide Seiten mit ergeben die Henderson-Hasselbalch-Gleichung. Im Puffer drängt das viele die Protolyse von HA zurück, und reagiert kaum mit Wasser. Darum darfst du für und die eingesetzten Konzentrationen nehmen. Das Volumen kürzt sich, du kannst auch Stoffmengen einsetzen. Bei gleichen Mengen ist der Logarithmus 0, dann gilt .
Pufferbereich und Pufferkapazität
Der pH-Wert hängt nur vom Verhältnis ab. Liegt es zwischen 1 : 10 und 10 : 1, liegt der pH-Wert zwischen und . Das ist der Pufferbereich. Außerhalb ist eine Komponente fast aufgebraucht, und der Puffer fängt eine Sorte nicht mehr gut ab. Die Pufferkapazität ist die Stoffmenge an Säure oder Lauge, die ein Puffer aufnehmen kann, bevor sich der pH-Wert deutlich ändert. Sie ist bei einem Verhältnis von 1 : 1 am größten und wächst mit der Gesamtkonzentration.
Acetatpuffer und Säurezugabe
Acetatpuffer und Säurezugabe
Ein Liter Puffer enthält je 0,10 mol Essigsäure und Natriumacetat (). a) Welchen pH-Wert hat er? b) Du gibst 0,010 mol HCl zu, das Volumen bleibt gleich. Wie ändert sich der pH-Wert? Vergleiche mit 1 Liter Wasser (pH 7), dem du dieselbe Menge HCl zusetzt.
a) Gleiche Mengen, also .
b) Die 0,010 mol reagieren mit Acetat. sinkt auf 0,090 mol, steigt auf 0,110 mol. . Der pH-Wert sinkt nur um 0,09.
Im Wasser entsteht mol/L, also pH 2.
Der pH-Wert einer schwachen Säure ist der negative Logarithmus von c0
Der pH-Wert einer schwachen Säure ist der negative Logarithmus von c0
„Essigsäure mit 0,10 mol/L hat den pH-Wert 1.“
Die Formel gilt nur bei vollständiger Protolyse. Bei einer schwachen Säure ist viel kleiner als . Für Essigsäure mit 0,10 mol/L rechnest du mit und erhältst pH 2,88.
Ein Puffer hält den pH-Wert unbegrenzt konstant
Ein Puffer hält den pH-Wert unbegrenzt konstant
„Ein Puffer kann beliebig viel Säure abfangen, ohne dass sich der pH-Wert ändert.“
Der pH-Wert ändert sich auch im Puffer, nur wenig. Und nur so lange, wie beide Komponenten vorhanden sind. Im Acetatpuffer aus dem Beispiel ist nach 0,10 mol zugesetzter HCl das gesamte Acetat verbraucht. Dann fällt der pH-Wert so stark wie in einer Lösung der Essigsäure allein.
Zusammenfassung
Bei schwachen Säuren gilt , wenn ist. Bei schwachen Basen gilt .
Bei mehrprotonigen Säuren bestimmt meist die erste Stufe den pH-Wert.
Reagiert nur das Anion einer schwachen Säure (Acetat), ist die Salzlösung alkalisch. Reagiert nur das Kation einer schwachen Base (Ammonium), ist sie sauer.
Ein Puffer enthält eine schwache Säure und ihre korrespondierende Base. Die Base fängt zugesetzte Säure ab, die Säure zugesetzte Lauge.
Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung lautet . Bei gleichen Mengen ist .
Der Pufferbereich ist . Die Pufferkapazität ist begrenzt und bei 1 : 1 am größten.
Übungen
Wie groß ist der pH-Wert einer Essigsäure-Lösung mit mol/L ()?
Welche der Lösungen (jeweils 0,1 mol/L) reagiert sauer?
Ein Puffer enthält 0,050 mol/L Essigsäure und 0,15 mol/L Natriumacetat (). Wie groß ist sein pH-Wert?
Ein Puffer enthält eine Säure mit . In welchem pH-Bereich puffert er gut?
Beschreibe mit Reaktionsgleichung, was in einem Acetatpuffer geschieht, wenn du Natronlauge zugibst, und erkläre, warum sich der pH-Wert dabei nur wenig ändert.