Säure-Base-Gleichgewichte: Brønsted, Säurekonstanten und pH-Berechnung
Du hast zwei Flaschen. In beiden steckt eine Säure mit der Konzentration 0,10 mol/L: in der einen Salzsäure, in der anderen Essigsäure. Ein pH-Messgerät zeigt trotzdem 1,00 für die Salzsäure und 2,88 für die Essigsäure. In der Essigsäure sind etwa 76-mal weniger Oxonium-Ionen als in der Salzsäure.
Aus der Mittelstufe weißt du, dass es starke und schwache Säuren gibt. Jetzt rechnest du damit: Eine Konstante beschreibt, wie weit eine Säure ihr Proton abgibt, und aus ihr folgt der pH-Wert. Dazu brauchst du das Massenwirkungsgesetz.
Säure-Base-Gleichgewicht nach Brønsted
Nach Brønsted ist eine Säure ein Teilchen, das ein Proton abgeben kann, und eine Base ein Teilchen, das ein Proton aufnehmen kann. Beides gibt es nur zusammen: Eine Säure HA gibt ihr Proton nur ab, wenn eine Base es aufnimmt. In Wasser ist das Wasser selbst die Base. Aus der Säure wird ihre korrespondierende Base (das Teilchen ohne Proton), aus dem Wasser seine korrespondierende Säure, das Oxonium-Ion . Die beiden korrespondierenden Paare heißen HA/ und /. Protolyse nennt man die Abgabe oder Aufnahme eines Protons.
Die Reaktion ist umkehrbar, es stellt sich ein Gleichgewicht ein. Es liegt immer auf der Seite der schwächeren Säure und der schwächeren Base. Eine starke Säure protolysiert praktisch vollständig, eine schwache nur zu einem kleinen Teil.
Autoprotolyse und Ionenprodukt des Wassers
Wasser ist ein Ampholyt: Es kann Protonen abgeben und aufnehmen. Darum reagieren schon in reinem Wasser Moleküle miteinander, eines gibt ein Proton an ein anderes. Diese Reaktion heißt Autoprotolyse: . Sie läuft kaum ab: In einem Liter reinem Wasser bei 25 °C sind nur mol Oxonium-Ionen, aber etwa 55,5 mol Wassermoleküle.
Das Massenwirkungsgesetz liefert . Fast alle Wassermoleküle bleiben unverändert, deshalb ist praktisch konstant und wird in die Konstante einbezogen. Das Ergebnis ist das Ionenprodukt des Wassers . Es gilt in reinem Wasser und in jeder verdünnten wässrigen Lösung. Der Wert unten gilt bei 25 °C und hängt von der Temperatur ab.
pH-Wert und pOH-Wert
Die Konzentrationen sind sehr klein und umfassen viele Zehnerpotenzen. Deshalb nutzt man den Zehnerlogarithmus : Es gilt . Der pH-Wert ist der negative Zehnerlogarithmus der Oxonium-Konzentration, der pOH-Wert der von . Ein Logarithmus ist nur für Zahlen ohne Einheit erklärt, darum teilt man durch 1 mol/L. Im Text lassen wir das Teilen ab jetzt weg.
Aus folgt durch Logarithmieren (bei 25 °C). Bei pH 7 ist die Lösung neutral, darunter sauer, darüber alkalisch. Umgekehrt gilt mol/L. Eine pH-Einheit bedeutet den Faktor 10: Bei pH 3 sind zehnmal so viele Oxonium-Ionen in der Lösung wie bei pH 4.
Vom pH zur Konzentration und zurück
Vom pH zur Konzentration und zurück
a) Eine Lösung hat mol/L. Wie groß ist der pH-Wert? b) Eine andere Lösung hat pH 3,40. Wie groß sind und ?
a) Es ist , also .
b) mol/L mol/L. Für die Hydroxid-Ionen: , also mol/L mol/L.
Säurekonstante und Basenkonstante, pKs und pKb
Auf die Protolyse einer Säure HA in Wasser wendest du das Massenwirkungsgesetz an. Wie beim Wasser bezieht man die praktisch konstante Wasserkonzentration in die Konstante ein. So entsteht die Säurekonstante (Einheit mol/L). Für eine Base B, die mit Wasser zu und reagiert, entsteht entsprechend die Basenkonstante .
Je größer , desto weiter liegt das Gleichgewicht rechts und desto stärker ist die Säure. Wie beim pH nimmt man den negativen Logarithmus: und . Je kleiner der pKs-Wert, desto stärker die Säure. Dasselbe gilt für Basen mit pKb.
Für ein korrespondierendes Paar gilt: Multiplizierst du der Säure HA mit ihrer Base , kürzen sich und weg, und es bleibt . Eine starke Säure hat also eine schwache korrespondierende Base, und umgekehrt.
Stärke von Säuren und Basen im Vergleich
Werte bei 25 °C:
| Säure | korrespondierende Base | pKs | pKb |
|---|---|---|---|
| HCl | etwa −6 | etwa 20 | |
| 1,92 | 12,08 | ||
| HF | 3,14 | 10,86 | |
| 4,76 | 9,24 | ||
| HCN | 9,21 | 4,79 | |
| 9,25 | 4,75 |
Als Faustregel gilt: Säuren mit pKs unter 0 sind stark, sie protolysieren in Wasser praktisch vollständig. Zwischen 0 und etwa 4 nennt man sie mittelstark, darüber schwach. Die Grenzen sind Verabredung. Das Chlorid-Ion ist eine so schwache Base, dass es in Wasser kein Proton aufnimmt.
Säurekonstante aus einer pH-Messung
Säurekonstante aus einer pH-Messung
Eine Essigsäure-Lösung mit der Anfangskonzentration mol/L (so viel Säure wurde eingewogen) hat den pH-Wert 2,88. Berechne und der Essigsäure und den pKb-Wert des Acetat-Ions.
Aus dem pH folgt mol/L mol/L. Zu jedem entsteht genau ein Acetat-Ion (die Oxonium-Ionen aus dem Wasser sind vernachlässigbar), also mol/L. Dieselbe Menge Essigsäure ist verbraucht: mol/L.
Eingesetzt: mol/L mol/L, also (Tabellenwert 4,76). Nur etwa 1,3 % der Moleküle sind protolysiert. Das erklärt den hohen pH-Wert aus der Einleitung. Mit dem Tabellenwert folgt für das Acetat-Ion .
pH-Wert bei vollständiger Protolyse
Bei einer starken Säure sind praktisch alle Moleküle protolysiert: Aus jedem Molekül HA wird ein . Mit der Anfangskonzentration gilt für eine Säure, die ein Proton abgibt (HCl, ), . Eine starke Base wie NaOH oder besteht schon als Feststoff aus Hydroxid-Ionen, sie gehen beim Lösen in die Lösung. Dann ist , wobei die Zahl der Hydroxid-Ionen je Formeleinheit ist (NaOH: 1, : 2). Aus dem pOH folgt der pH-Wert mit .
Die Rechnung gilt für Konzentrationen von etwa bis 1 mol/L.
pH-Wert von Laugen
pH-Wert von Laugen
Berechne den pH-Wert von a) Natronlauge mit mol/L und b) Calciumhydroxid-Lösung mit mol/L.
a) mol/L, also und .
b) mol/L, also und .
Eine sehr verdünnte Säure ist alkalisch
Eine sehr verdünnte Säure ist alkalisch
„Salzsäure mit mol/L hat den pH-Wert 8.“
Verdünnen macht aus einer Säure keine Base. Bei so kleiner Konzentration stammen fast alle Oxonium-Ionen vom Wasser selbst ( mol/L). Beides zusammen ergibt mol/L, also pH 6,98. Die einfache Formel gilt nur, wenn die Säure deutlich mehr Oxonium-Ionen liefert als das Wasser.
Neutral ist immer pH 7
Neutral ist immer pH 7
„pH + pOH = 14, also ist reines Wasser immer bei pH 7.“
Die 14 gelten nur bei 25 °C. wächst mit der Temperatur: Bei 37 °C hat reines Wasser etwa pH 6,8 und ist trotzdem neutral, denn neutral heißt .
Zusammenfassung
Eine Säure gibt ein Proton ab, eine Base nimmt es auf. In Wasser stellt sich ein Gleichgewicht ein, das auf der Seite der schwächeren Säure und Base liegt.
Das Ionenprodukt des Wassers ist bei 25 °C.
Der pH-Wert ist , und bei 25 °C gilt . Eine pH-Einheit ist der Faktor 10.
Je kleiner der pKs-Wert, desto stärker die Säure. Für ein korrespondierendes Paar gilt und .
Bei vollständiger Protolyse gilt für starke einprotonige Säuren. Bei starken Basen berechnest du zuerst pOH aus .
Übungen
Wie groß ist der pH-Wert von Salpetersäure (, starke Säure) mit der Anfangskonzentration 0,0010 mol/L?
Säure A hat pKs = 3,2, Säure B hat pKs = 4,8. Was stimmt?
Bariumhydroxid, , liegt in Lösung vollständig als und vor. Wie groß ist der pH-Wert einer Lösung mit mol/L bei 25 °C?
In einer Lösung ist mol/L. Wie groß ist der pH-Wert bei 25 °C?
Erkläre mit der Säurekonstante, warum Essigsäure mit mol/L einen höheren pH-Wert hat als Salzsäure derselben Konzentration.