Lektion 2.3

Lebensräume und Nahrungsbeziehungen

17 min Lesezeit

Du gehst durch einen Wald. Unter den Bäumen ist es kühl und schattig. Auf der Wiese nebenan ist es hell und warm, und Heuschrecken zirpen. Am Teich quaken Frösche. An jedem Ort leben andere Pflanzen und Tiere. Warum?

Und noch eine Frage: Was würde passieren, wenn die Feldmäuse auf einer Wiese verschwänden? Wer wäre davon betroffen? Das hat mit der Frage zu tun, wer wen frisst.

Definition

Lebensraum und Lebensgemeinschaft

Ein Lebensraum ist ein Ort mit bestimmten Bedingungen, an dem Pflanzen und Tiere leben, zum Beispiel ein Wald, eine Wiese oder ein Teich. Alle Pflanzen, Tiere, Pilze und Kleinstlebewesen eines Lebensraums leben zusammen und hängen voneinander ab. Das ist eine Lebensgemeinschaft. Lebensraum und Lebensgemeinschaft zusammen heißen Ökosystem.

Definition

Heimische Lebensräume

Diese Lebensräume gibt es bei uns:

LebensraumMerkmaleTypische Lebewesen
WaldBäume bilden ein Blätterdach. Am Boden ist es schattig und feucht.Buche, Fichte, Reh, Eichhörnchen, Specht, Regenwurm
Wiese und Weide (Grünland)offen, sonnig, mit Gräsern und Kräutern. Sie bleibt nur Wiese, wenn sie gemäht wird oder wenn Tiere wie Kühe sie abfressen (Weide). Sonst wüchsen Sträucher und mit der Zeit Wald.Gräser, Klee, Heuschrecke, Feldmaus, Feldhase, Feldlerche
Gewässer (Teich)Uferzone mit Schilf, dann Seerosen auf der Wasserfläche, Unterwasserpflanzen im Wasser, offenes Wasser in der MitteSchilf, Seerose, Wasserpest, Frosch, Stockente, Libellenlarve, Stichling
Definition

Schichten im Wald

Ein Wald ist wie ein Haus mit Stockwerken. Jede Schicht hat andere Bedingungen:

SchichtPflanzen und TiereBesonderheit
BaumschichtBuche, Eiche, Fichte; Specht, Eichhörnchenoben, viel Licht
StrauchschichtHaselnuss, Holunder, Brombeereweniger Licht
KrautschichtBuschwindröschen, Farne, Gräser; Käfer, Schneckenwenig Licht
BodenschichtMoose, Pilze, Laub; Regenwurm, Asseldunkel und feucht
Definition

Abiotische Einflüsse

Wo ein Lebewesen leben kann, hängt von der unbelebten Natur ab. Das sind abiotische Einflüsse („nicht belebt“). Alles, was Lebewesen einander antun, etwa Fressen, ist biotisch („belebt“).

EinflussWirkungBeispiel
LichtPflanzen brauchen es für die Fotosynthese.Im Sommer ist es am Waldboden dunkel.
TemperaturBei Wärme sind viele Tiere aktiv, im Winter ruhen sie.Der Igel hält Winterschlaf.
WasserFeuchte Orte und trockene Orte haben verschiedene Pflanzen.Seerosen wachsen nur im Wasser.
BodenEr ist mal sandig, mal lehmig und mal reich an Mineralsalzen.Brennnesseln mögen nährstoffreichen Boden.
Definition

Jahreszeitliche Veränderungen im Wald

Ein Lebensraum sieht im Lauf des Jahres sehr verschieden aus. Beispiel Laubwald:

  • Frühling: Die Bäume haben noch keine Blätter, und Licht erreicht den Boden. Frühblüher wie das Buschwindröschen blühen jetzt. Ihre Vorräte liegen in Wurzelstock oder Knolle.
  • Sommer: Das Blätterdach ist dicht. Am Boden ist es dunkel. Die Tiere ziehen ihre Jungen groß.
  • Herbst: Die Bäume werfen Laub ab. Früchte und Samen reifen. Zugvögel fliegen weg.
  • Winter: Es ist kalt, und Nahrung ist knapp. Der Igel hält Winterschlaf, das Eichhörnchen zehrt von Vorräten.
Definition

Nahrungskette

Eine Nahrungskette zeigt, wer sich von wem ernährt. Jedes Glied wird vom nächsten gefressen. Du schreibst sie in Worten: „Gras wird gefressen von Hase, Hase wird gefressen von Fuchs.“ Kürzer schreibt man sie mit Pfeilen: Gras → Hase → Fuchs. Jeder Pfeil bedeutet „wird gefressen von“.

Die Glieder haben feste Rollen:

  • Produzenten: grüne Pflanzen. Sie bauen mit Licht ihre Nährstoffe selbst auf. Jede Kette beginnt mit einem Produzenten.
  • Konsumenten: Tiere. Pflanzenfresser stehen an zweiter Stelle, Fleischfresser danach.
  • Zersetzer: Pilze, Bakterien und Bodentiere wie Regenwurm und Assel. Sie bauen tote Pflanzen und Tiere ab. Dabei werden Mineralsalze frei, die Pflanzen wieder aufnehmen.

Je weiter hinten ein Tier in der Kette steht, desto weniger Tiere dieser Art gibt es meist. Es gibt mehr Mäuse als Bussarde.

Beispiel

Eine Nahrungskette im Wald und eine im Teich

Wald: Eichenblatt → Raupe → Kohlmeise → Sperber. Teich: Algen → Wasserfloh → Stichling → Hecht. Wir schreiben die Waldkette als Tabelle.

GliedLebewesenRolle
1EichenblattProduzent
2RaupeKonsument, Pflanzenfresser
3KohlmeiseKonsument, frisst Raupen
4SperberKonsument, frisst kleine Vögel

In Worten: Das Eichenblatt wird gefressen von der Raupe, die Raupe wird gefressen von der Kohlmeise, die Kohlmeise wird gefressen vom Sperber. Im Teich ist es genauso: Die Algen, winzige Pflanzen im Wasser, sind die Produzenten. Wasserfloh, Stichling und Hecht sind drei Konsumenten.

Definition

Nahrungsnetz

In der Natur frisst ein Tier meist mehrere Arten und wird von mehreren gefressen. Viele Nahrungsketten sind darum zu einem Nahrungsnetz verknüpft. Hier ein Ausschnitt von einer Wiese:

Wer frisstWas er frisst
FeldhaseGräser, Klee, Kräuter
FeldmausGräser, Samen, Wurzeln
HeuschreckeGräser
FeldlercheHeuschrecken, Samen
FuchsFeldmäuse, Feldhasen, Heuschrecken
MäusebussardFeldmäuse
Beispiel

Was passiert, wenn die Feldmäuse fehlen?

Auf der Wiese verschwinden die Feldmäuse, zum Beispiel durch eine Krankheit. Wen trifft das? Wir lesen in der Tabelle, wer Feldmäuse frisst.

Das lesen wir ab:

  • Mäusebussard und Fuchs fressen Feldmäuse. Der Bussard hat weniger Futter. Der Fuchs jagt mehr Feldhasen und Heuschrecken.
  • Gibt es dadurch weniger Heuschrecken, findet die Feldlerche weniger Nahrung.
  • Die Feldmäuse fressen keine Gräser und Samen mehr. Es bleiben mehr davon übrig.

Wer etwas ändert, ändert viel im Netz. Je mehr Arten es gibt, desto besser kann das Netz einen Ausfall verkraften.

Definition

Einfluss des Menschen und Artenschutz

Der Mensch verändert Lebensräume stark:

  • Siedlungen und Straßen nehmen Fläche weg.
  • Moore und feuchte Wiesen werden trockengelegt.
  • Felder ohne Hecken bieten wenig Verstecke.
  • Dünger und Gifte verändern Pflanzen und töten auch Insekten.
  • Müll verschmutzt Wald, Wiese und Wasser.

Manche Arten werden dadurch selten. Sie sind gefährdet. Die Rote Liste zählt auf, welche Arten gefährdet sind. Artenschutz schützt solche Arten. Am besten gelingt das, wenn man ihren Lebensraum schützt, denn ein Tier braucht seine Nahrung, sein Versteck und seinen Brutplatz.

Das hilft: Naturschutzgebiete, Hecken und Blühstreifen, Wiesen nur ein- bis zweimal im Jahr mähen, Teiche anlegen, im Garten keine Gifte nutzen und keinen Müll liegen lassen.

Häufige Fehler

Der Pfeil zeigt vom Fresser zur Beute

„Fuchs → Hase, weil der Fuchs den Hasen frisst.“

Richtig ist

Der Pfeil bedeutet „wird gefressen von“. Er zeigt vom Gefressenen zum Fresser: Gras → Hase → Fuchs. Eine Nahrungskette beginnt darum immer mit einer Pflanze und nie mit einem Tier.

Häufige Fehler

Raubtiere sind schädlich

„Ohne Fuchs und Bussard ginge es den Mäusen und Hasen besser.“

Richtig ist

Ohne Räuber vermehren sich die Beutetiere stark. Sie fressen dann so viel, dass bald zu wenig für alle da ist. Die Räuber gehören zum Netz und halten es im Gleichgewicht.

Zusammenfassung

  • Ein Lebensraum ist ein Ort mit bestimmten Bedingungen. Die Lebewesen dort bilden eine Lebensgemeinschaft. Zusammen heißen sie Ökosystem.

  • Heimische Lebensräume sind Wald, Wiese und Weide (Grünland) und Gewässer. Der Wald hat vier Schichten: Baum, Strauch, Kraut und Boden.

  • Abiotische Einflüsse sind Licht, Temperatur, Wasser und Boden. Abiotisch bedeutet „nicht belebt“.

  • Lebensräume verändern sich mit den Jahreszeiten. Im Laubwald blühen Frühblüher, bevor die Bäume Blätter haben.

  • Eine Nahrungskette beginnt mit einem Produzenten, dann folgen Konsumenten. Zersetzer bauen Totes ab.

  • Mehrere Nahrungsketten bilden ein Nahrungsnetz. Fällt eine Art aus, trifft das viele andere.

  • Der Mensch gefährdet Arten durch Flächenverbrauch, Gifte und Müll. Artenschutz schützt am besten die Lebensräume.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Welche Nahrungskette ist richtig geschrieben?

Aufgabe 2Multiple Choice

Was ist ein abiotischer Einfluss?

Aufgabe 3Numerisch

Schau in die Tabelle zum Nahrungsnetz der Wiese. Wie viele der sechs Tiere in der linken Spalte fressen Gräser?

Aufgabe 4Numerisch

Die Nahrungskette im Teich lautet Algen → Wasserfloh → Stichling → Hecht. Wie viele Konsumenten hat sie?

Aufgabe 5Freitext

Auf der Wiese sterben durch ein Gift alle Heuschrecken. Nenne zwei Folgen im Nahrungsnetz.

Aufgabe 6Freitext

Nenne zwei Dinge, mit denen der Mensch Lebensräume bedroht, und eine Sache, die Lebensräume schützt.