Lektion 2.2

Reinstoffe, Gemische, Lösungen und Trennverfahren

15 min Lesezeit

Nach einem Strandtag steht ein Eimer Meerwasser mit etwas Sand auf dem Balkon. Du möchtest das Salz haben. Wie bekommst du es heraus? In der Küche läuft Kaffee durch einen Filter, und das Pulver bleibt zurück. Die Nudeln gießt du durch ein Sieb ab. Und in einem Salzwerk, der Saline, wird aus Salzwasser Speisesalz.

Fast alles um dich herum besteht aus mehreren Stoffen. Wie ordnet man das? Und wie holt man die Stoffe wieder auseinander? Das lernst du jetzt.

Definition

Reinstoff und Stoffgemisch

Ein Reinstoff besteht nur aus einer Stoffart, im Teilchenmodell also aus lauter gleichen Teilchen. Zucker, Eisen, Sauerstoff und destilliertes Wasser sind Reinstoffe. Ein Reinstoff hat feste Eigenschaften, zum Beispiel immer dieselbe Schmelz- und Siedetemperatur.

Ein Stoffgemisch besteht aus mehreren Stoffen. Luft, Milch, Mineralwasser, Müsli und Granit sind Gemische. Ihre Eigenschaften hängen davon ab, wie viel von jedem Stoff enthalten ist. Meerwasser gefriert zum Beispiel erst bei etwa −2 °C. Darum streut man im Winter Salz auf vereiste Straßen.

ReinstoffStoffgemisch
Teilchennur eine Artmehrere Arten
Schmelz- und Siedetemperaturfest, immer gleichnicht fest, hängt vom Mischungsverhältnis ab
BeispieleZucker, Eisen, destilliertes WasserLuft, Milch, Meerwasser, Müsli
Definition

Homogen und heterogen

Gemische unterscheidet man nach dem Aussehen. In einem homogenen Gemisch („gleichartig“) sieht es überall gleich aus. Du erkennst die Stoffe auch mit der Lupe nicht, zum Beispiel bei Zuckerwasser, Luft oder Mineralwasser. In einem heterogenen Gemisch („verschiedenartig“) siehst du die einzelnen Stoffe, manchmal erst unter der Lupe. Müsli, Sand mit Salz, Granit und Wasser mit Schlamm sind heterogen.

Manchmal braucht man ein Mikroskop. Milch sieht gleichmäßig weiß aus. Unter dem Mikroskop erkennst du winzige Fetttröpfchen im Wasser. Milch ist also heterogen.

Definition

Lösung, Lösemittel und Löslichkeit

Rührst du Zucker in Wasser, entsteht eine Lösung. Eine Lösung ist ein homogenes Gemisch, in dem sich die Teilchen des einen Stoffes zwischen die Teilchen des anderen verteilt haben. Sie ist klar, auch wenn sie gefärbt ist, wie Tee. Nichts setzt sich ab.

Der Stoff, der sich auflöst, heißt gelöster Stoff (hier Zucker). Der Stoff, in dem er sich löst, heißt Lösemittel (hier Wasser). Wasser ist das wichtigste Lösemittel. Aber Benzin löst zum Beispiel Fett, das sich in Wasser nicht löst.

Wie viel sich löst, hängt vom Stoff ab. Das sagt die Löslichkeit: die größte Menge in Gramm, die sich in 100 g Wasser löst. Ist die Grenze erreicht, ist die Lösung gesättigt. Alles, was du dann noch zugibst, sinkt als Bodensatz nach unten. Bei Wärme löst sich von Feststoffen meist mehr.

Stofflöst sich in 100 g Wasser von 20 °C
Zuckeretwa 200 g
Kochsalzetwa 36 g
Sandpraktisch nichts
Beispiel

Eine gesättigte Lösung

In 200 g Wasser von 20 °C gibst du 100 g Kochsalz und rührst lange. Wie viel Salz löst sich, und wie viel bleibt als Bodensatz?

36⋅2=72100−72=2836 \cdot 2 = 72 \qquad 100 - 72 = 28

In 100 g Wasser lösen sich höchstens 36 g Salz. Du hast 200 g Wasser, also doppelt so viel. Darum lösen sich 2 mal 36, das sind 72 g. Du hast 100 g zugegeben. 100 minus 72 ist 28. Es bleiben 28 g Salz als Bodensatz.

Definition

Trennverfahren

Ein Gemisch trennst du, indem du einen Unterschied zwischen den Stoffen nutzt: die Größe der Körner, Magnetismus, Löslichkeit oder die Siedetemperatur. Die wichtigsten Verfahren:

VerfahrenSo geht esGenutzter UnterschiedBeispiel
SortierenTeile von Hand oder mit einem Magneten auslesenAussehen, MagnetismusEisennägel aus Sand
SiebenGemisch durch ein Sieb schütteln, Kleines fällt durchKorngrößeSand und Kies
SedimentierenGemisch ruhig stehen lassen, der Feststoff sinkt abFeststoffe sinken in der FlüssigkeitSchlamm in Wasser
DekantierenFlüssigkeit über dem Bodensatz vorsichtig abgießenAbsetzenklares Wasser vom Schlamm
FiltrierenGemisch durch Filterpapier gießenKorngrößeKaffee
EindampfenLösung erhitzen, das Lösemittel verdampftSiedetemperaturSalz aus Meerwasser
DestillierenLösung erhitzen, den Dampf abkühlen und auffangenSiedetemperaturWasser aus Meerwasser
PapierchromatografieWasser steigt im Papier auf und nimmt Farbstoffe mitLöslichkeitFarben im Filzstift
Definition

Filtrieren, Destillieren und Chromatografie genauer

Filtrieren: Das Filterpapier hat winzige Löcher, die Poren. Die Flüssigkeit läuft hindurch und heißt Filtrat. Die Feststoffe sind zu groß und bleiben als Rückstand im Filter. Gelöste Stoffe sind zu klein und laufen mit durch.

Destillieren: Du erhitzt die Lösung in einem Glasgefäß, dem Kolben, bis zur Siedetemperatur des Lösemittels. Der Dampf steigt in ein gekühltes Rohr, kondensiert und tropft in ein Gefäß. Das aufgefangene Wasser heißt Destillat. Der gelöste Stoff bleibt im Kolben, denn er siedet erst bei viel höherer Temperatur. Beim Eindampfen geht der Dampf in die Luft, und du erhältst nur den Feststoff.

Sicherheit: Eindampfen und Destillieren machst du nur mit der Lehrkraft und mit Schutzbrille. Erhitze nie bis zur Trockne, denn heißes Glas kann springen und Spritzer verbrennen die Haut. Probiere beides nicht zu Hause aus.

Papierchromatografie: Auf einen Papierstreifen setzt du einen Punkt mit einem wasserlöslichen Filzstift. Der Streifen taucht mit dem unteren Rand in Wasser, der Punkt bleibt darüber. Das Wasser steigt im Papier auf und nimmt die Farbstoffe mit. Gut lösliche Farbstoffe wandern weit, schlecht lösliche wenig. So teilt sich zum Beispiel schwarze Tinte in mehrere Farben.

Beispiel

Drei Stoffe trennen

Du hast ein Gemisch aus Eisenspänen, Sand und Kochsalz. Wie gewinnst du alle drei Stoffe einzeln?

Wir suchen für jeden Schritt einen Unterschied.

SchrittVerfahrenUnterschiedErgebnis
1Mit einem Magneten sortierennur Eisen ist magnetischEisenspäne
2Wasser zugeben und rührenSalz löst sich, Sand nichtSand und Salzlösung
3FiltrierenSandkörner sind größer als die PorenSand im Filter, Salzlösung im Filtrat
4Das Filtrat eindampfenWasser verdampft, Salz bleibtSalz

Jeder Schritt nutzt einen anderen Unterschied. Du wählst das Verfahren also nach den Eigenschaften der Stoffe.

Häufige Fehler

Klares Wasser ist ein Reinstoff

„Mineralwasser ist klar und sauber, also ist es ein Reinstoff.“

Richtig ist

Klar heißt nur homogen. Mineralwasser ist eine Lösung, also ein Gemisch. Es enthält gelöste Mineralstoffe, die man nicht sieht. „Rein“ heißt hier nur: eine einzige Stoffart. Mit „sauber“ oder „gesund“ hat es nichts zu tun. Destilliertes Wasser ist ein Reinstoff, aber als Getränk schmeckt es fade.

Häufige Fehler

Salzwasser lässt sich filtrieren

„Ich gieße Salzwasser durch einen Kaffeefilter, dann bleibt das Salz im Filter.“

Richtig ist

Das Salz ist gelöst, seine Teilchen sind viel kleiner als die Poren im Filter. Sie laufen mit dem Wasser hindurch, und das Filtrat schmeckt noch salzig. Salz aus Salzwasser gewinnst du durch Eindampfen.

Zusammenfassung

  • Ein Reinstoff besteht aus einer Stoffart und hat feste Schmelz- und Siedetemperaturen. Ein Stoffgemisch besteht aus mehreren Stoffen.

  • In einem homogenen Gemisch sieht man die Stoffe nicht einzeln, in einem heterogenen schon.

  • Eine Lösung ist ein homogenes Gemisch aus gelöstem Stoff und Lösemittel. Die Löslichkeit sagt, wie viel Gramm sich in 100 g Wasser höchstens lösen. Danach ist die Lösung gesättigt.

  • Sortieren, Sieben, Sedimentieren, Dekantieren und Filtrieren trennen Feststoffe, Eindampfen und Destillieren trennen Lösungen. Die Papierchromatografie trennt Farbstoffe.

  • Beim Filtrieren bleibt der Rückstand im Filter, das Filtrat läuft hindurch. Beim Destillieren fängst du das Destillat auf.

  • Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach einem Unterschied zwischen den Stoffen, zum Beispiel Korngröße, Löslichkeit oder Siedetemperatur.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Welcher dieser Stoffe ist ein Reinstoff?

Aufgabe 2Multiple Choice

Welches Gemisch ist heterogen?

Aufgabe 3Numerisch

In 100 g Wasser von 20 °C lösen sich höchstens 36 g Kochsalz. Wie viele Gramm Kochsalz lösen sich höchstens in 300 g Wasser?

Aufgabe 4Numerisch

Das Wasser eines Meeres enthält etwa 35 g Salz in 1000 g Meerwasser. Du dampfst 2000 g Meerwasser vollständig ein. Wie viele Gramm Salz bleiben ungefähr übrig?

Aufgabe 5Multiple Choice

Du willst aus Salzwasser das Wasser zurückgewinnen und nicht nur das Salz. Welches Verfahren wählst du?

Aufgabe 6Freitext

Du lässt einen Löffel Mineralwasser auf einem Teller verdunsten. Es bleibt ein weißer Rand zurück. Was zeigt das über Mineralwasser?