Reinstoffe, Gemische, Lösungen und Trennverfahren
Nach einem Strandtag steht ein Eimer Meerwasser mit etwas Sand auf dem Balkon. Du möchtest das Salz haben. Wie bekommst du es heraus? In der Küche läuft Kaffee durch einen Filter, und das Pulver bleibt zurück. Die Nudeln gießt du durch ein Sieb ab. Und in einem Salzwerk, der Saline, wird aus Salzwasser Speisesalz.
Fast alles um dich herum besteht aus mehreren Stoffen. Wie ordnet man das? Und wie holt man die Stoffe wieder auseinander? Das lernst du jetzt.
Reinstoff und Stoffgemisch
Ein Reinstoff besteht nur aus einer Stoffart, im Teilchenmodell also aus lauter gleichen Teilchen. Zucker, Eisen, Sauerstoff und destilliertes Wasser sind Reinstoffe. Ein Reinstoff hat feste Eigenschaften, zum Beispiel immer dieselbe Schmelz- und Siedetemperatur.
Ein Stoffgemisch besteht aus mehreren Stoffen. Luft, Milch, Mineralwasser, Müsli und Granit sind Gemische. Ihre Eigenschaften hängen davon ab, wie viel von jedem Stoff enthalten ist. Meerwasser gefriert zum Beispiel erst bei etwa −2 °C. Darum streut man im Winter Salz auf vereiste Straßen.
| Reinstoff | Stoffgemisch | |
|---|---|---|
| Teilchen | nur eine Art | mehrere Arten |
| Schmelz- und Siedetemperatur | fest, immer gleich | nicht fest, hängt vom Mischungsverhältnis ab |
| Beispiele | Zucker, Eisen, destilliertes Wasser | Luft, Milch, Meerwasser, Müsli |
Homogen und heterogen
Gemische unterscheidet man nach dem Aussehen. In einem homogenen Gemisch („gleichartig“) sieht es überall gleich aus. Du erkennst die Stoffe auch mit der Lupe nicht, zum Beispiel bei Zuckerwasser, Luft oder Mineralwasser. In einem heterogenen Gemisch („verschiedenartig“) siehst du die einzelnen Stoffe, manchmal erst unter der Lupe. Müsli, Sand mit Salz, Granit und Wasser mit Schlamm sind heterogen.
Manchmal braucht man ein Mikroskop. Milch sieht gleichmäßig weiß aus. Unter dem Mikroskop erkennst du winzige Fetttröpfchen im Wasser. Milch ist also heterogen.
Lösung, Lösemittel und Löslichkeit
Rührst du Zucker in Wasser, entsteht eine Lösung. Eine Lösung ist ein homogenes Gemisch, in dem sich die Teilchen des einen Stoffes zwischen die Teilchen des anderen verteilt haben. Sie ist klar, auch wenn sie gefärbt ist, wie Tee. Nichts setzt sich ab.
Der Stoff, der sich auflöst, heißt gelöster Stoff (hier Zucker). Der Stoff, in dem er sich löst, heißt Lösemittel (hier Wasser). Wasser ist das wichtigste Lösemittel. Aber Benzin löst zum Beispiel Fett, das sich in Wasser nicht löst.
Wie viel sich löst, hängt vom Stoff ab. Das sagt die Löslichkeit: die größte Menge in Gramm, die sich in 100 g Wasser löst. Ist die Grenze erreicht, ist die Lösung gesättigt. Alles, was du dann noch zugibst, sinkt als Bodensatz nach unten. Bei Wärme löst sich von Feststoffen meist mehr.
| Stoff | löst sich in 100 g Wasser von 20 °C |
|---|---|
| Zucker | etwa 200 g |
| Kochsalz | etwa 36 g |
| Sand | praktisch nichts |
Eine gesättigte Lösung
Eine gesättigte Lösung
In 200 g Wasser von 20 °C gibst du 100 g Kochsalz und rührst lange. Wie viel Salz löst sich, und wie viel bleibt als Bodensatz?
In 100 g Wasser lösen sich höchstens 36 g Salz. Du hast 200 g Wasser, also doppelt so viel. Darum lösen sich 2 mal 36, das sind 72 g. Du hast 100 g zugegeben. 100 minus 72 ist 28. Es bleiben 28 g Salz als Bodensatz.
Trennverfahren
Ein Gemisch trennst du, indem du einen Unterschied zwischen den Stoffen nutzt: die Größe der Körner, Magnetismus, Löslichkeit oder die Siedetemperatur. Die wichtigsten Verfahren:
| Verfahren | So geht es | Genutzter Unterschied | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Sortieren | Teile von Hand oder mit einem Magneten auslesen | Aussehen, Magnetismus | Eisennägel aus Sand |
| Sieben | Gemisch durch ein Sieb schütteln, Kleines fällt durch | Korngröße | Sand und Kies |
| Sedimentieren | Gemisch ruhig stehen lassen, der Feststoff sinkt ab | Feststoffe sinken in der Flüssigkeit | Schlamm in Wasser |
| Dekantieren | Flüssigkeit über dem Bodensatz vorsichtig abgießen | Absetzen | klares Wasser vom Schlamm |
| Filtrieren | Gemisch durch Filterpapier gießen | Korngröße | Kaffee |
| Eindampfen | Lösung erhitzen, das Lösemittel verdampft | Siedetemperatur | Salz aus Meerwasser |
| Destillieren | Lösung erhitzen, den Dampf abkühlen und auffangen | Siedetemperatur | Wasser aus Meerwasser |
| Papierchromatografie | Wasser steigt im Papier auf und nimmt Farbstoffe mit | Löslichkeit | Farben im Filzstift |
Filtrieren, Destillieren und Chromatografie genauer
Filtrieren: Das Filterpapier hat winzige Löcher, die Poren. Die Flüssigkeit läuft hindurch und heißt Filtrat. Die Feststoffe sind zu groß und bleiben als Rückstand im Filter. Gelöste Stoffe sind zu klein und laufen mit durch.
Destillieren: Du erhitzt die Lösung in einem Glasgefäß, dem Kolben, bis zur Siedetemperatur des Lösemittels. Der Dampf steigt in ein gekühltes Rohr, kondensiert und tropft in ein Gefäß. Das aufgefangene Wasser heißt Destillat. Der gelöste Stoff bleibt im Kolben, denn er siedet erst bei viel höherer Temperatur. Beim Eindampfen geht der Dampf in die Luft, und du erhältst nur den Feststoff.
Sicherheit: Eindampfen und Destillieren machst du nur mit der Lehrkraft und mit Schutzbrille. Erhitze nie bis zur Trockne, denn heißes Glas kann springen und Spritzer verbrennen die Haut. Probiere beides nicht zu Hause aus.
Papierchromatografie: Auf einen Papierstreifen setzt du einen Punkt mit einem wasserlöslichen Filzstift. Der Streifen taucht mit dem unteren Rand in Wasser, der Punkt bleibt darüber. Das Wasser steigt im Papier auf und nimmt die Farbstoffe mit. Gut lösliche Farbstoffe wandern weit, schlecht lösliche wenig. So teilt sich zum Beispiel schwarze Tinte in mehrere Farben.
Drei Stoffe trennen
Drei Stoffe trennen
Du hast ein Gemisch aus Eisenspänen, Sand und Kochsalz. Wie gewinnst du alle drei Stoffe einzeln?
Wir suchen für jeden Schritt einen Unterschied.
| Schritt | Verfahren | Unterschied | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1 | Mit einem Magneten sortieren | nur Eisen ist magnetisch | Eisenspäne |
| 2 | Wasser zugeben und rühren | Salz löst sich, Sand nicht | Sand und Salzlösung |
| 3 | Filtrieren | Sandkörner sind größer als die Poren | Sand im Filter, Salzlösung im Filtrat |
| 4 | Das Filtrat eindampfen | Wasser verdampft, Salz bleibt | Salz |
Jeder Schritt nutzt einen anderen Unterschied. Du wählst das Verfahren also nach den Eigenschaften der Stoffe.
Klares Wasser ist ein Reinstoff
Klares Wasser ist ein Reinstoff
„Mineralwasser ist klar und sauber, also ist es ein Reinstoff.“
Klar heißt nur homogen. Mineralwasser ist eine Lösung, also ein Gemisch. Es enthält gelöste Mineralstoffe, die man nicht sieht. „Rein“ heißt hier nur: eine einzige Stoffart. Mit „sauber“ oder „gesund“ hat es nichts zu tun. Destilliertes Wasser ist ein Reinstoff, aber als Getränk schmeckt es fade.
Salzwasser lässt sich filtrieren
Salzwasser lässt sich filtrieren
„Ich gieße Salzwasser durch einen Kaffeefilter, dann bleibt das Salz im Filter.“
Das Salz ist gelöst, seine Teilchen sind viel kleiner als die Poren im Filter. Sie laufen mit dem Wasser hindurch, und das Filtrat schmeckt noch salzig. Salz aus Salzwasser gewinnst du durch Eindampfen.
Zusammenfassung
Ein Reinstoff besteht aus einer Stoffart und hat feste Schmelz- und Siedetemperaturen. Ein Stoffgemisch besteht aus mehreren Stoffen.
In einem homogenen Gemisch sieht man die Stoffe nicht einzeln, in einem heterogenen schon.
Eine Lösung ist ein homogenes Gemisch aus gelöstem Stoff und Lösemittel. Die Löslichkeit sagt, wie viel Gramm sich in 100 g Wasser höchstens lösen. Danach ist die Lösung gesättigt.
Sortieren, Sieben, Sedimentieren, Dekantieren und Filtrieren trennen Feststoffe, Eindampfen und Destillieren trennen Lösungen. Die Papierchromatografie trennt Farbstoffe.
Beim Filtrieren bleibt der Rückstand im Filter, das Filtrat läuft hindurch. Beim Destillieren fängst du das Destillat auf.
Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach einem Unterschied zwischen den Stoffen, zum Beispiel Korngröße, Löslichkeit oder Siedetemperatur.
Übungen
Welcher dieser Stoffe ist ein Reinstoff?
Welches Gemisch ist heterogen?
In 100 g Wasser von 20 °C lösen sich höchstens 36 g Kochsalz. Wie viele Gramm Kochsalz lösen sich höchstens in 300 g Wasser?
Das Wasser eines Meeres enthält etwa 35 g Salz in 1000 g Meerwasser. Du dampfst 2000 g Meerwasser vollständig ein. Wie viele Gramm Salz bleiben ungefähr übrig?
Du willst aus Salzwasser das Wasser zurückgewinnen und nicht nur das Salz. Welches Verfahren wählst du?
Du lässt einen Löffel Mineralwasser auf einem Teller verdunsten. Es bleibt ein weißer Rand zurück. Was zeigt das über Mineralwasser?