Magnetismus
Am Kühlschrank hängt ein Magnet und hält einen Zettel fest. Schiebst du ein zweites Blatt dazwischen, hält er immer noch. An der Holztür bleibt derselbe Magnet dagegen nicht hängen. Und hältst du zwei Magnete aneinander, ziehen sie sich an oder stoßen sich ab, je nachdem, wie du sie drehst.
Auch beim Kompass gibt es ein Rätsel. Seine Nadel zeigt immer nach Norden, egal wohin du dich drehst. Woher „weiß“ sie das?
Du lernst, wie Magnete wirken, welche Stoffe magnetisch sind, wie man sich das Innere eines Magneten vorstellen kann und warum sogar die ganze Erde auf einen Kompass wirkt.
Magnet, Pole, Anziehung und Abstoßung
Ein Dauermagnet ist ein Körper, der Gegenstände aus Eisen anzieht und diese Fähigkeit behält. Stabmagnete, Hufeisenmagnete und Kühlschrankmagnete sind Dauermagnete. Das Verhalten von Magneten heißt Magnetismus.
Die stärkste Wirkung geht von den beiden Enden aus. Sie heißen Pole. Ein Pol ist der Nordpol, meist rot gefärbt. Der andere ist der Südpol, meist grün oder weiß. In der Mitte wirkt der Magnet kaum.
Zwei Magnete beeinflussen sich so:
- Gleichnamige Pole stoßen sich ab: Nordpol und Nordpol, Südpol und Südpol.
- Ungleichnamige Pole ziehen sich an: Nordpol und Südpol.
Ein Magnet wirkt auch durch Papier, Holz, Glas und Luft hindurch. Je größer der Abstand, desto schwächer wirkt er.
Magnetisierbare Stoffe
Nicht alles, was aus Metall ist, wird von einem Magneten angezogen. Magnetisierbar sind nur wenige Stoffe: Eisen, Nickel und Kobalt. Stahl besteht hauptsächlich aus Eisen und ist deshalb meistens auch magnetisierbar. Büroklammern, Nägel, Schrauben und Konservendosen aus Stahlblech werden angezogen.
Nicht magnetisierbar sind zum Beispiel Aluminium (Alufolie), Kupfer, Gold, Silber, Holz, Glas, Kunststoff, Papier und Stoff.
Ein magnetisierbarer Körper wird in der Nähe eines Magneten selbst zum Magneten. Ein Eisennagel, der an einem Magneten hängt, zieht einen zweiten Nagel an. Das Ende des Nagels, das am Nordpol liegt, wird zum Südpol, und ungleichnamige Pole ziehen sich an. Weiches Eisen verliert den Magnetismus fast ganz, sobald der Magnet weg ist. Harter Stahl behält ihn. Darum bestehen Dauermagnete aus Stahl oder aus Mischungen mit Eisen, Nickel oder Kobalt.
Was zieht der Magnet an?
Was zieht der Magnet an?
Auf dem Tisch liegen eine Büroklammer aus Stahl, ein Stück Alufolie, ein Holzlöffel, ein Eisennagel, eine Glasmurmel und ein Kupferdraht. Du hältst einen Magneten daran. Was zieht er an?
Frage bei jedem Gegenstand: Aus welchem Stoff ist er? Ist es Eisen, Nickel, Kobalt oder Stahl?
- Büroklammer aus Stahl: ja, Stahl besteht hauptsächlich aus Eisen.
- Eisennagel: ja.
- Alufolie: nein. Aluminium ist ein Metall, aber nicht magnetisierbar.
- Kupferdraht: nein, Kupfer ist auch nicht magnetisierbar.
- Holzlöffel und Glasmurmel: nein.
Der Magnet zieht zwei Gegenstände an: die Büroklammer und den Nagel.
Elementarmagnetmodell
Warum wird ein Nagel zum Magneten? Und warum hat jeder Magnet zwei Pole? Zur Erklärung benutzt man ein Modell. Das ist ein Bild im Kopf, mit dem man Beobachtungen verständlich macht. Es heißt Elementarmagnetmodell:
In einem Stück Eisen stecken sehr viele winzige Magnete, die Elementarmagnete. Jeder hat einen Nordpol und einen Südpol.
- Nicht magnetisches Eisen: Die Elementarmagnete liegen wild durcheinander. Ihre Wirkungen heben sich auf, nach außen ist nichts zu spüren.
- Magnetisiertes Eisen: Die Elementarmagnete zeigen alle in dieselbe Richtung. Ihre Wirkungen verstärken sich. An einem Ende liegen lauter Nordpole, am anderen lauter Südpole.
Das Modell erklärt viele Beobachtungen:
- Magnetisieren: Streichst du mit einem Magneten mehrmals in dieselbe Richtung über eine Stahlnadel, richtet er die Elementarmagnete aus. Die Nadel wird zum Magneten.
- Entmagnetisieren: Starkes Erhitzen oder Hämmern bringt die Elementarmagnete wieder durcheinander. Der Magnet verliert seine Wirkung.
- Zerbrechen: Brichst du einen Stabmagneten durch, hast du zwei kleinere Magnete mit je einem Nordpol und einem Südpol. Einen einzelnen Pol gibt es nicht.
Magnetfeld und Feldlinienmodell
Ein Magnet wirkt auch auf Körper, die er nicht berührt. Den Raum um den Magneten, in dem man diese Wirkung spürt, nennt man Magnetfeld. Man sieht es nicht. Streust du aber Eisenfeilspäne, winzige Eisenstückchen, auf ein Blatt Papier über einem Magneten, ordnen sie sich in Linien an.
Zum Zeichnen benutzt man das Feldlinienmodell. Feldlinien sind gedachte Linien. Sie zeigen an jeder Stelle, in welche Richtung eine kleine Kompassnadel zeigen würde. Dafür gelten drei Regeln:
- Außerhalb des Magneten verlaufen die Feldlinien vom Nordpol zum Südpol.
- Wo die Linien dicht liegen, wirkt der Magnet stark, nämlich an den Polen. Wo sie weit auseinander liegen, wirkt er schwach.
- Feldlinien kreuzen sich nie.
Feldlinien gibt es in Wirklichkeit nicht. Sie sind ein Hilfsmittel zum Zeichnen. Stehen sich ein Nordpol und ein Südpol gegenüber, laufen die Linien direkt vom einen zum anderen. Stehen sich gleichnamige Pole gegenüber, biegen die Linien auseinander.
Erdmagnetfeld und Kompass
Auch die Erde hat ein Magnetfeld, das Erdmagnetfeld. Sie wirkt wie ein riesiger Stabmagnet. Die Ursache ist flüssiges Eisen tief im Inneren der Erde. Die Pole dieses Magneten liegen in der Nähe der geografischen Pole, aber nicht genau dort.
Ein Kompass nutzt das Erdmagnetfeld. Seine Magnetnadel ist ein kleiner Magnet, der auf einer Spitze sitzt und sich frei drehen kann. Im Erdmagnetfeld richtet sie sich aus. Das Ende der Nadel, das nach Norden zeigt, heißt Nordpol der Nadel. Meist ist es rot.
Dazu passt die Regel von eben: Ungleichnamige Pole ziehen sich an. Der Nordpol der Nadel zeigt zum geografischen Norden. Also liegt dort ein Südpol des Erdmagneten.
So benutzt du einen Kompass: Halte ihn flach in der Hand und warte, bis die Nadel ruhig steht. Drehe dann das Gehäuse, bis das N der Skala unter dem Nordpol der Nadel liegt. Nun kannst du Norden (N), Osten (O), Süden (S) und Westen (W) ablesen. Halte den Kompass fern von Magneten, Eisenteilen und Handys, denn sie lenken die Nadel ab.
Mit dem Kompass die Richtung bestimmen
Mit dem Kompass die Richtung bestimmen
Du stehst im Wald und hältst den Kompass flach in der Hand. Der Nordpol der Nadel zeigt genau auf deine rechte Hand. In welche Himmelsrichtung blickst du? Wie musst du dich drehen, um nach Süden zu schauen?
Die Nadel zeigt nach Norden. Norden liegt also rechts von dir.
Überlege, wie die Richtungen um dich liegen. Blickst du nach Norden, ist Osten rechts, Süden hinten und Westen links. Du bist aber so gedreht, dass Norden rechts liegt. Das passt, wenn du nach Westen blickst: Vorn ist Westen, rechts Norden, hinten Osten, links Süden.
Süden liegt links von dir. Um nach Süden zu blicken, drehst du dich eine Vierteldrehung nach links.
Alle Metalle sind magnetisch
Alle Metalle sind magnetisch
„Alufolie ist aus Metall, also zieht ein Magnet sie an.“
Nur Eisen, Nickel, Kobalt und Stoffe mit diesen Metallen sind magnetisierbar. Aluminium, Kupfer, Gold und Silber werden nicht angezogen.
Man kann Nordpol und Südpol trennen
Man kann Nordpol und Südpol trennen
„Ich breche den Magneten in der Mitte durch. Dann habe ich einen Nordpol und einen Südpol getrennt.“
Jedes Bruchstück hat wieder einen Nordpol und einen Südpol. Die Elementarmagnete sind ja noch da. Einen Magneten mit nur einem Pol gibt es nicht.
Der Nordpol der Erde ist ein Nordpol
Der Nordpol der Erde ist ein Nordpol
„Die Kompassnadel zeigt nach Norden. Also sitzt am geografischen Nordpol ein magnetischer Nordpol.“
Der Nordpol der Nadel wird von einem ungleichnamigen Pol angezogen. In der Nähe des geografischen Nordpols liegt deshalb ein magnetischer Südpol der Erde.
Zusammenfassung
Ein Magnet hat zwei Pole, Nordpol und Südpol. Gleichnamige Pole stoßen sich ab, ungleichnamige Pole ziehen sich an.
Magnetisierbar sind Eisen, Nickel, Kobalt und Stahl. Aluminium, Kupfer, Holz, Glas und Kunststoff nicht.
Im Elementarmagnetmodell besteht Eisen aus winzigen Magneten. Zeigen sie alle in dieselbe Richtung, ist das Stück ein Magnet.
Zerbricht man einen Magneten, hat jedes Stück wieder zwei Pole.
Das Magnetfeld ist der Raum um den Magneten, in dem er wirkt. Feldlinien zeigen es im Modell: vom Nordpol zum Südpol, dicht an den Polen.
Die Erde hat ein Magnetfeld. Die Magnetnadel des Kompasses richtet sich darin aus, ihr Nordpol zeigt nach Norden.
Übungen
Du hältst den Nordpol eines Stabmagneten an den Nordpol eines zweiten Stabmagneten. Was geschieht?
Welcher Gegenstand wird von einem Magneten nicht angezogen?
Ein Stabmagnet wird in 4 Stücke gebrochen. Wie viele Nordpole haben die 4 Stücke zusammen?
Du zeichnest die Feldlinien eines Stabmagneten. Wo liegen sie am dichtesten?
Warum zeigt der Nordpol einer Kompassnadel nach Norden?
Ein Eisennagel hängt an einem Magneten und hält eine Büroklammer fest. Nimmst du den Magneten weg, fällt die Büroklammer ab. Erkläre das mit den Elementarmagneten.