Lektion 2.2

Immunabwehr, Impfung und Antibiotika

15 min Lesezeit

Im Winter niest dein Sitznachbar den ganzen Tag. Eine Woche später hast du selbst Schnupfen, und nach ein paar Tagen bist du wieder gesund. Und wenn du dir das Knie aufschürfst, gelangen Bakterien in die Wunde, trotzdem wirst du meist nicht krank.

Dein Körper hat ein Abwehrsystem, das Eindringlinge erkennt und bekämpft. Du lernst, wie es arbeitet, wie Impfungen und Medikamente ihm helfen und warum manche Infektionen wie HIV so gefährlich sind.

Definition

Infektionskrankheit und ihr Verlauf

Dringen Krankheitserreger in den Körper ein und vermehren sich dort, heißt das Infektion. Wird man davon krank, ist es eine Infektionskrankheit. Erreger gelangen in Tröpfchen beim Husten, über schmutzige Hände, mit verdorbenen Lebensmitteln, über Blut oder durch Zeckenstiche in den Körper.

AbschnittWas geschieht
AnsteckungDie Erreger gelangen in den Körper.
InkubationszeitDie Erreger vermehren sich, du merkst noch nichts. Sie dauert je nach Krankheit Stunden bis Wochen. Bei manchen Krankheiten steckst du in dieser Zeit schon andere an.
AusbruchKrankheitszeichen wie Fieber, Husten oder Hautausschlag erscheinen.
HeilungDie Abwehr besiegt die Erreger. Nach manchen Krankheiten bleibt man lange oder lebenslang geschützt. Dieser Schutz heißt Immunität.
Definition

Äußere Barrieren

Der Körper hält Erreger zuerst mit äußeren Barrieren fern:

  • Die Haut ist eine dichte Hülle, die Erreger kaum durchdringen.
  • Die Schleimhäute in Nase und Atemwegen fangen Erreger im Schleim. Flimmerhärchen schieben ihn nach außen.
  • Die Magensäure tötet viele Erreger in der Nahrung.
  • Die Darmflora besteht aus nützlichen Bakterien im Darm. Sie nehmen Krankheitserregern den Platz weg.
Definition

Unspezifische Abwehr

Kommen Erreger doch durch, zum Beispiel durch eine Wunde, setzt sofort die unspezifische Abwehr ein. „Unspezifisch“ heißt: Sie bekämpft viele verschiedene Erreger auf dieselbe Weise, ohne sie genau zu kennen. Sie wird von den weißen Blutkörperchen getragen, die du als Teil des Bluts kennst. Die Fresszellen unter ihnen nehmen Erreger in sich auf und lösen sie auf.

An einer Wunde wird die Haut rot, warm, geschwollen und schmerzt. Das ist eine Entzündung. Das Blut bringt dorthin mehr Fresszellen. Auch Fieber gehört zur Abwehr: Bei einer Körpertemperatur über etwa 38 Grad Celsius vermehren sich viele Erreger langsamer, und die Abwehr arbeitet schneller. Hohes Fieber gehört aber zur Ärztin oder zum Arzt.

Definition

Spezifische Abwehr: Antigen und Antikörper

Die spezifische Abwehr bekämpft einen bestimmten Erreger gezielt. Jeder Erreger trägt an seiner Oberfläche Merkmale, an denen der Körper ihn als fremd erkennt. Ein solches Merkmal heißt Antigen. Bestimmte weiße Blutkörperchen, die Lymphozyten, bilden gegen ein Antigen Antikörper. Das sind Eiweißstoffe, die genau zu einem Antigen passen, so wie ein Schlüssel nur in ein bestimmtes Schloss passt. Antikörper heften sich an die Erreger, verklumpen sie und markieren sie, damit Fresszellen sie fressen.

Beim ersten Kontakt mit einem Erreger dauert es einige Tage, bis genug Antikörper da sind. Danach bleiben Gedächtniszellen zurück, das sind Lymphozyten, die sich den Erreger „merken“. Trifft er den Körper wieder, bilden sie sehr schnell viele passende Antikörper, und man wird nicht oder kaum krank. Das ist die Immunität.

Definition

Aktive und passive Immunisierung, Impfung

Immunisierung heißt, den Körper vor einer Krankheit zu schützen, bevor er sie hat.

  • Bei der aktiven Immunisierung, der Impfung, bekommt der Körper einen Impfstoff. Er enthält abgeschwächte oder abgetötete Erreger oder Bruchstücke von ihnen. Sie machen nicht krank, tragen aber das Antigen. Der Körper bildet selbst Antikörper und Gedächtniszellen. Der Schutz baut sich in Tagen bis Wochen auf und hält lange.
  • Bei der passiven Immunisierung bekommt der Körper fertige Antikörper gespritzt, die andere gebildet haben. Sie wirken sofort, aber es entstehen keine Gedächtniszellen, und der Schutz hält nur Wochen bis Monate. Man nutzt sie, wenn keine Zeit bleibt, zum Beispiel gegen Wundstarrkrampf nach einer Verletzung ohne Impfschutz. Auch Neugeborene haben passiven Schutz durch Antikörper der Mutter, die über den Mutterkuchen und die Muttermilch zu ihnen gelangen.

Nach einer Impfung können die Stelle rot und schmerzhaft sein oder ein leichtes Fieber auftreten. Wenn viele Menschen geimpft sind, kann sich ein Erreger schlecht ausbreiten. Das schützt auch Menschen, die nicht geimpft werden können, zum Beispiel Babys.

Definition

Antibiotika und Resistenz

Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten oder ihre Vermehrung hemmen. Das erste, Penicillin, entdeckte Alexander Fleming 1928 bei einem Schimmelpilz, der Bakterien abtötete. Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, den man angreifen könnte, und sitzen in Körperzellen. Gegen Erkältung und Grippe helfen Antibiotika deshalb nicht.

Resistenz heißt: Ein Bakterium wird von einem Antibiotikum nicht mehr getroffen. Wie das kommt: Unter sehr vielen Bakterien gibt es zufällig einzelne, die ein Antibiotikum überstehen. Nimmt man es unnötig oder falsch, sterben die empfindlichen Bakterien, die unempfindlichen überleben und vermehren sich durch Zweiteilung schnell. Dann wirkt das Mittel nicht mehr. Darum nimmst du Antibiotika nur auf ärztlichen Rat und genau so lange, wie die Ärztin oder der Arzt es sagt. Sie töten auch nützliche Darmbakterien.

Definition

Blutgruppen und Organspende

Auf den roten Blutkörperchen sitzen Antigene. Beim AB0-System (gesprochen: A, B, Null) gibt es zwei, A und B. Danach unterscheidet man vier Blutgruppen. Im Blutplasma schwimmen Antikörper gegen die Antigene, die dem Menschen selbst fehlen.

BlutgruppeAntigene auf den roten BlutkörperchenAntikörper im Plasma
AAgegen B
BBgegen A
ABA und Bkeine
0keinegegen A und gegen B

Bei einer Bluttransfusion bekommt ein Mensch Spenderblut. Trägt es ein fremdes Antigen, greifen seine Antikörper die fremden Blutkörperchen an und verklumpen sie. Das kann lebensgefährlich sein. Darum wird vor der Transfusion die Blutgruppe bestimmt.

Bei einer Organspende bekommt ein schwer kranker Mensch ein gesundes Organ, zum Beispiel eine Niere, eine Leber oder ein Herz. Es stammt von einem Menschen, dessen Gehirn unumkehrbar ausgefallen ist (Hirntod), oder, bei der Niere, von einem Lebenden. Auch Zellen im Organ tragen Antigene. Erkennt die Abwehr sie als fremd, greift sie das Organ an. Das ist die Abstoßung. Darum vergleicht man Blutgruppe und Gewebemerkmale, und der Empfänger nimmt Medikamente, die die Abwehr dämpfen. Dadurch steigt die Infektionsgefahr. Jeder entscheidet selbst, ob er Organe spenden will.

Beispiel

Verträgt Anna fremdes Blut?

Anna hat Blutgruppe A. Kann sie Blut der Gruppe B bekommen? Und Blut der Gruppe 0?

Anna hat Antigen A auf den roten Blutkörperchen und Antikörper gegen B im Plasma.

  • Gruppe B: Die roten Blutkörperchen tragen Antigen B. Annas Antikörper gegen B greifen sie an. Das geht nicht.
  • Gruppe 0: Die roten Blutkörperchen tragen weder A noch B. Es gibt nichts, was Annas Antikörper angreifen könnten. Das geht.
Definition

HIV und sexuell übertragbare Infektionen

HIV ist ein Virus, das bestimmte weiße Blutkörperchen befällt, die die Abwehr steuern, und sie zerstört. Die Abwehr wird nach und nach schwächer. Ohne Behandlung entsteht nach Jahren AIDS: Der Körper wehrt auch harmlose Erreger nicht mehr ab, und es kommt zu schweren Infektionen. HIV steckt in Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und Muttermilch. Man steckt sich vor allem bei ungeschütztem Sex oder durch gemeinsam benutzte Spritzen an. Beim Anfassen, Umarmen, Küssen, Anhusten, Teilen eines Glases oder auf der Toilette wird HIV nicht übertragen. HIV ist nicht heilbar, aber mit Medikamenten gut behandelbar. Bei wirksamer Behandlung ist so wenig Virus im Blut, dass es beim Sex nicht mehr übertragen wird.

Sexuell übertragbare Infektionen werden bei sexuellem Kontakt weitergegeben. Dazu gehören neben HIV Chlamydien, Tripper, Syphilis, Herpes und HPV. Chlamydien, Tripper und Syphilis lösen Bakterien aus, Antibiotika helfen. HIV, Herpes und HPV lösen Viren aus, Antibiotika helfen nicht. Viele verursachen keine Beschwerden und werden unbemerkt weitergegeben. Unbehandelte Chlamydien können unfruchtbar machen. Ein Kondom schützt vor vielen, aber nicht vor allen. Gegen HPV und Hepatitis B gibt es Impfungen.

Häufige Fehler

Antibiotika helfen bei jeder Infektion

„Ich habe Grippe, ich brauche ein Antibiotikum.“

Richtig ist

Grippe und Erkältung lösen Viren aus, und Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Wer sie unnötig nimmt, fördert Resistenzen und schädigt seine Darmbakterien.

Zusammenfassung

  • Eine Infektion verläuft in Ansteckung, Inkubationszeit, Ausbruch und Heilung.

  • Äußere Barrieren wie Haut, Schleimhaut und Magensäure halten Erreger fern. Die unspezifische Abwehr nutzt Fresszellen, Entzündung und Fieber.

  • Die spezifische Abwehr bildet gegen Antigene passende Antikörper. Gedächtniszellen sorgen für Immunität.

  • Bei der aktiven Impfung bildet der Körper selbst Antikörper, der Schutz hält lange. Bei der passiven Immunisierung bekommt er fertige Antikörper, die nur kurz wirken.

  • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Falsche Anwendung fördert resistente Bakterien.

  • Antigene auf den roten Blutkörperchen bestimmen die Blutgruppe. Bei Transfusionen und Organspenden müssen die Merkmale passen.

  • HIV schwächt die Abwehr. Ein Kondom schützt vor HIV und vielen anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Was ist ein Antigen?

Aufgabe 2Multiple Choice

Du verletzt dich, und du hast keinen Schutz gegen Wundstarrkrampf. Die Ärztin spritzt dir fertige Antikörper. Wie heißt das?

Aufgabe 3Numerisch

Du steckst dich am 5. eines Monats an. Die Inkubationszeit beträgt 12 Tage. Am wievielten Tag desselben Monats erscheinen die ersten Krankheitszeichen?

Aufgabe 4Multiple Choice

Eine Patientin hat Blutgruppe 0. Welche roten Blutkörperchen verträgt sie nach den Regeln aus der Lektion?

Aufgabe 5Freitext

Erkläre, warum ein Antibiotikum bei einer Grippe nichts nützt. Warum soll man Antibiotika nicht unnötig nehmen?