Fotosynthese und Zellatmung
Du legst zwei Wochen lang ein Brett auf den Rasen. Danach ist das Gras darunter gelb und schwach. Ohne Licht kann eine grüne Pflanze nicht leben. Warum?
Dazu kommt ein Rätsel: Pflanzen geben bei Licht Sauerstoff ab, brauchen aber selbst auch welchen, so wie du. Wie passt das zusammen?
Fotosynthese mit Wort- und Summengleichung
Aus Klasse 5 und 6 kennst du den Grundgedanken: Grüne Pflanzen bauen mit Licht ihre Nährstoffe selbst auf. Das geschieht in den Chloroplasten der Blattzellen. Sie enthalten das Blattgrün (Chlorophyll), das Licht einfängt. Die Pflanze nimmt Kohlenstoffdioxid und Wasser auf, baut daraus Traubenzucker (Glucose) und gibt Sauerstoff ab. Die Lichtenergie steckt danach als chemische Energie im Traubenzucker. Aus ihm baut die Pflanze auch Stärke, ihren Speicherstoff.
Wortgleichung: Kohlenstoffdioxid + Wasser → Traubenzucker + Sauerstoff (mit Licht und Blattgrün).
Für die Summengleichung schreibt man jeden Stoff als Formel. Jeder Buchstabe steht für eine Sorte von Atomen (die kleinsten Bausteine der Stoffe): C für Kohlenstoff, H für Wasserstoff, O für Sauerstoff. Die tiefgestellte Zahl sagt, wie viele davon in einem Teilchen stecken: hat 1 C und 2 O. Die Zahl vor der Formel gibt die Zahl der Teilchen an.
Atome zählen
Atome zählen
Zeige, dass links und rechts der Summengleichung gleich viele Atome jeder Sorte stehen.
Links: 6 haben 6 C und 12 O, 6 haben 12 H und 6 O. Zusammen: 6 C, 12 H, 18 O.
Rechts: hat 6 C, 12 H, 6 O. 6 haben 12 O. Zusammen: 6 C, 12 H, 18 O. Beide Seiten stimmen überein: Die Atome werden nur neu angeordnet.
Einflussfaktoren und Nachweise
Wie schnell die Fotosynthese läuft, hängt von Einflussfaktoren ab:
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Licht | Mehr Licht, mehr Fotosynthese, bis zu einer Grenze |
| Kohlenstoffdioxid | Mehr in der Luft beschleunigt sie, ebenfalls bis zu einer Grenze. |
| Temperatur | Bis zu mittlerer Wärme schneller, bei großer Hitze langsamer |
| Wasser | Bei Mangel schließen sich die Spaltöffnungen, dann kommt kein ins Blatt. |
Ein knapper Faktor bremst die Fotosynthese, auch wenn alles andere reichlich da ist. Bei Versuchen änderst du nur einen Faktor.
| Stoff | Nachweis | Ergebnis |
|---|---|---|
| Sauerstoff | Glimmspanprobe (glimmender Holzspan) | Er flammt auf. |
| Stärke | Iod-Lösung | blauschwarz |
| Kohlenstoffdioxid | Kalkwasser (klar) | wird trüb |
Glimmspan, Iod-Lösung und Kalkwasser (reizt die Augen) gehören mit Schutzbrille in die Hand der Lehrkraft.
Wasserpest und Lichtstärke
Wasserpest und Lichtstärke
Eine Wasserpest steht unter einer kühlen LED-Lampe. Du zählst die Gasbläschen pro Minute (angenommene Werte): bei 10 cm Abstand 30, bei 20 cm 18, bei 30 cm 10, bei 40 cm 6. Wie wirkt der Abstand? Wie viele Bläschen sind es bei 20 cm in 5 Minuten?
Je größer der Abstand, desto weniger Licht kommt an und desto weniger Bläschen steigen auf. Das Gas ist Sauerstoff. Die kühle Lampe hält die Temperatur gleich, damit nur das Licht wirkt.
Bei 20 cm sind es 18 Bläschen je Minute, in 5 Minuten 5 mal 18 = 90 Bläschen.
Bau des Laubblatts
Das Laubblatt ist ein Organ, das für die Fotosynthese gebaut ist. Im Querschnitt siehst du von oben nach unten:
| Schicht | Bau | Aufgabe |
|---|---|---|
| Obere Epidermis (Oberhaut) | eine Zellschicht ohne Chloroplasten, außen Wachsschicht | Schutz, Verdunstungsschutz |
| Palisadengewebe | lang gestreckte Zellen mit sehr vielen Chloroplasten | meiste Fotosynthese |
| Schwammgewebe | rundliche Zellen mit Luftlücken | Fotosynthese, Gasaustausch |
| Untere Epidermis | Zellschicht mit Spaltöffnungen | Gasaustausch |
Die Spaltöffnungen sind winzige Löcher, die zwei Schließzellen öffnen und schließen. Durch sie gelangen hinein und Sauerstoff und Wasserdampf hinaus.
Wasser- und Stofftransport
Als Adern ziehen sich Leitbündel durch das Blatt. Sie verbinden Blatt, Spross und Wurzel und enthalten zwei Arten von Röhren:
- Gefäße leiten Wasser mit gelösten Mineralsalzen von der Wurzel nach oben in die Blätter.
- Siebröhren leiten Zuckerlösung von den Blättern zu den Orten, wo sie gebraucht oder gespeichert wird, etwa in Wurzel, Früchte und Knollen.
Den Antrieb liefert die Verdunstung: Aus den Spaltöffnungen verdunstet ständig Wasser und zieht neues in den Gefäßen nach.
Diffusion und Osmose
Nach dem Teilchenmodell sind Teilchen ständig in Bewegung. Darum verteilen sie sich von selbst: Tinte färbt ein Glas Wasser nach und nach ganz, auch ohne Umrühren. Das heißt Diffusion. Teilchen wandern von Orten mit vielen Teilchen dorthin, wo wenige sind, bis sie gleichmäßig verteilt sind. So kommt ins Blatt: Innen wird es verbraucht, also ist dort weniger davon als draußen.
Die Zellmembran ist teildurchlässig: Sie lässt kleine Wasserteilchen durch, gelöste Teilchen wie Zucker und Salze aber kaum. Wandert Wasser durch eine solche Membran, heißt das Osmose. Es strömt dorthin, wo mehr Stoff im Wasser gelöst ist (höhere Konzentration), und verdünnt dort. Im Zellsaft der Wurzelhaarzellen ist viel gelöst, darum strömt Wasser aus dem Boden hinein und die Zelle wird prall. Fehlt Wasser, wird sie schlaff und die Pflanze welkt. Auch ein Kartoffelstück in starker Salzlösung verliert Wasser und wird weich, in Leitungswasser nimmt es Wasser auf und bleibt fest. Das Salz selbst kommt kaum durch die Membran.
Zellatmung
Jede Zelle braucht Energie für Wachstum, Bewegung und Wärme. Die Zelle setzt sie frei, indem sie Traubenzucker mit Sauerstoff abbaut. Das ist die Zellatmung. Sie läuft vor allem in den Mitochondrien ab, den Kraftwerken der Zelle, und zwar in fast allen Zellen von Pflanzen, Tieren und Pilzen. Ein Teil der Energie wird als Wärme frei. Darum wirst du beim Sport warm.
Wortgleichung: Traubenzucker + Sauerstoff → Kohlenstoffdioxid + Wasser + Energie.
Zusammenhang, Assimilation und Dissimilation
Die Endstoffe der einen Reaktion sind die Ausgangsstoffe der anderen:
| Fotosynthese | Zellatmung | |
|---|---|---|
| Ort | Chloroplasten | Mitochondrien |
| Wo und wann | grüne Pflanzenteile, nur bei Licht | fast alle Zellen, Tag und Nacht |
| Ausgangsstoffe | , Wasser | Traubenzucker, |
| Endstoffe | Traubenzucker, | , Wasser |
| Energie | wird gespeichert | wird frei |
| Art | Assimilation | Dissimilation |
Assimilation ist der Aufbau körpereigener Stoffe aus aufgenommenen Stoffen und braucht Energie. Dissimilation ist der Abbau von Stoffen, um Energie zu gewinnen. Dazu gehören Zellatmung und Gärung.
Bei viel Licht überwiegt im Blatt die Fotosynthese, und die Pflanze gibt Sauerstoff ab. Nachts läuft nur die Zellatmung, und die Pflanze nimmt Sauerstoff auf.
Alkoholische Gärung
Fehlt Sauerstoff, kann Hefe (ein einzelliger Pilz) Traubenzucker auch ohne ihn abbauen. Das ist die alkoholische Gärung. Wortgleichung: Traubenzucker → Alkohol (Ethanol) + Kohlenstoffdioxid + Energie. Es wird viel weniger Energie frei als bei der Zellatmung, denn im Alkohol steckt noch viel Energie.
Das lässt Brotteig aufgehen, der Alkohol verdampft beim Backen. Bei Wein und Bier nutzt man den Alkohol. Im Versuch bläht Hefe in handwarmem Zuckerwasser (nie heiß, es verbrüht dich) einen Luftballon auf.
Nutzpflanzen
Nutzpflanzen liefern Nahrung, Futter und Rohstoffe. Weizen speichert Stärke in den Körnern, die Zuckerrübe Zucker in der Wurzel, der Raps Öl in den Samen. Ihr Ertrag hängt von der Fotosynthese ab. Darum düngt und bewässert man und pflanzt mit Abstand, damit sich die Blätter nicht beschatten. In Gewächshäusern steuert man Licht und Wärme.
Pflanzen atmen nur nachts
Pflanzen atmen nur nachts
„Pflanzen machen Sauerstoff, deshalb brauchen sie selbst keinen. Atmen tun sie nur nachts.“
Die Zellatmung läuft Tag und Nacht in den lebenden Zellen, auch in der Wurzel. Bei Licht macht die Fotosynthese mehr Sauerstoff, als die Zellatmung verbraucht. Darum fällt die Atmung am Tag nicht auf.
Zellatmung ist dasselbe wie Atmen
Zellatmung ist dasselbe wie Atmen
„Zellatmung heißt, dass wir Luft ein- und ausatmen.“
Beim Atmen gelangt Sauerstoff in den Körper und hinaus. Die Zellatmung ist der Abbau von Traubenzucker in den Zellen, und sie verbraucht den Sauerstoff, den das Atmen bringt. Auch Pflanzen haben Zellatmung, aber keine Lunge.
Zusammenfassung
Die Fotosynthese läuft in den Chloroplasten: , mit Licht als Energiequelle.
Licht, Kohlenstoffdioxid, Temperatur und Wasser beeinflussen sie. Sauerstoff weist man mit dem Glimmspan nach, Stärke mit Iod-Lösung.
Das Palisadengewebe des Laubblatts leistet die meiste Fotosynthese. Gase gehen durch die Spaltöffnungen, Gefäße leiten Wasser, Siebröhren Zuckerlösung.
Diffusion verteilt Teilchen gleichmäßig. Osmose ist die Wanderung von Wasser durch eine teildurchlässige Membran zur höheren Konzentration.
Die Zellatmung baut Traubenzucker mit Sauerstoff in den Mitochondrien ab. Es entstehen Kohlenstoffdioxid, Wasser und Energie.
Fotosynthese ist Assimilation (Aufbau), Zellatmung und Gärung sind Dissimilation (Abbau, Energie wird frei).
Übungen
Wo in der Pflanzenzelle läuft die Fotosynthese ab?
Eine Möhre liegt in sehr salziger Lösung. Was geschieht?
Welche Gleichung beschreibt die Zellatmung?
In der Summengleichung der Fotosynthese stehen links 6 und rechts 6 . Wie viele entstehen, wenn 30 mit genug Wasser und Licht reagieren?
Eine Pflanze nimmt nachts Sauerstoff auf und gibt Kohlenstoffdioxid ab. Erkläre, warum.