Mensch und Umwelt: Naturschutz, Klimawandel und Nachhaltigkeit
Am Ortsrand liegt eine feuchte Wiese. Die Gemeinde möchte dort ein Neubaugebiet planen, denn viele Familien suchen eine Wohnung. Der Landwirt, der die Wiese mäht, möchte sie behalten. Ein Naturschutzverein sagt, dort brüten seltene Vögel.
Alle drei haben gute Gründe. Wie entscheidet man in so einem Fall? In dieser Lektion lernst du, welche Folgen unsere Eingriffe in die Natur haben, wie man Arten und Lebensräume schützt, was beim Klimawandel geschieht und wie man begründet entscheidet.
Folgen menschlicher Eingriffe in Ökosysteme
Der Mensch verändert Ökosysteme, meist um Platz, Nahrung oder Energie zu gewinnen. Das hat Folgen:
| Eingriff | Folge |
|---|---|
| Bauen und Straßen | Lebensraum geht verloren, Straßen zerschneiden ihn. Regen versickert nicht mehr. |
| Überdüngung der Felder | Dünger gelangt ins Wasser, Algen wachsen stark, und das Gewässer kann Sauerstoffmangel bekommen. |
| Gifte gegen Schädlinge | Sie treffen oft auch andere Insekten und alle, die von ihnen leben. |
| Trockenlegen von Mooren, Roden von Wäldern | Lebensräume und Speicher für Kohlenstoff gehen verloren. |
| Überfischung und zu starke Jagd | Bestände schrumpfen, das Nahrungsnetz gerät durcheinander. |
| Müll und Plastik | Tiere verfangen sich oder fressen ihn. |
Biodiversität und der Wert der Artenvielfalt
Biodiversität (biologische Vielfalt) ist die Vielfalt des Lebens auf drei Ebenen: die Vielfalt der Arten, der Lebensräume und der Erbanlagen innerhalb einer Art.
Artenvielfalt ist aus mehreren Gründen wertvoll:
- Nutzen: Viele Arten liefern Nahrung, Holz, Fasern und Medikamente. Insekten bestäuben Blüten.
- Stabilität: Ein artenreiches Ökosystem steckt Störungen besser weg.
- Schutzleistung: Wälder, Moore und Auen speichern Kohlenstoff und Wasser und mildern Hochwasser.
- Eigenwert und Erholung: Viele Menschen finden, dass jede Art ein Recht auf Dasein hat, und die Natur dient der Erholung.
Welche Arten gefährdet sind, steht in den Roten Listen.
Neobiota
Neobiota sind Arten, die der Mensch nach 1492 (der Entdeckung Amerikas) in Gebiete gebracht hat, in denen sie vorher nicht heimisch waren, absichtlich oder aus Versehen. Bei Tieren heißen sie Neozoen, bei Pflanzen Neophyten. Beispiele sind Waschbär, Kartoffel, Mais und Riesen-Bärenklau.
Die meisten sind harmlos oder nützlich, denn Kartoffel und Mais werden angebaut und verwildern kaum. Nur wenige breiten sich so stark aus, dass sie heimische Arten verdrängen. Dann heißen sie invasiv. Der Signalkrebs überträgt die Krebspest, die heimische Flusskrebse tötet. Der Riesen-Bärenklau verdrängt Wiesenpflanzen. Sein Saft kann in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautverbrennungen verursachen. Fasse die Pflanze nicht an.
Biotopschutz, Artenschutz und Schutzgebiete
Beim Artenschutz schützt man einzelne gefährdete Arten, etwa durch Jagdverbote oder Zuchtprogramme. Beim Biotopschutz schützt man ihren Lebensraum, denn eine Art überlebt nur, wenn ihr Lebensraum bleibt. Dazu gehören Renaturierung (ein begradigter Bach bekommt wieder Kurven), Hecken, Blühstreifen und die Pflege von Feuchtwiesen.
| Schutzgebiet | Ziel |
|---|---|
| Naturschutzgebiet | Seltene Arten und Lebensräume werden streng geschützt. Besucher bleiben auf den Wegen. |
| Nationalpark | Große Fläche, auf der man die Natur weitgehend sich selbst überlässt, zum Beispiel das Wattenmeer. |
| Biosphärenreservat | Schutz und nachhaltige Nutzung durch Menschen gehen zusammen. |
| Naturpark | Erholung für Menschen und Schutz der Landschaft. |
Kohlenstoffkreislauf, Treibhauseffekt und Klimawandel
Im Kohlenstoffkreislauf nehmen Pflanzen auf, und Zellatmung und Zersetzung geben es wieder ab. Das war lange ungefähr im Gleichgewicht. Doch die Menschen verbrennen Kohle, Erdöl und Erdgas. Das sind Reste von Lebewesen, die vor sehr langer Zeit lebten, und deren Kohlenstoff lag lange im Boden. Er gelangt jetzt in kurzer Zeit als in die Luft. Das Roden von Wäldern und das Trockenlegen von Mooren verstärken das.
Das ist wichtig wegen des Treibhauseffekts. Das Sonnenlicht erwärmt die Erdoberfläche. Sie gibt Wärme als Wärmestrahlung ab. Treibhausgase wie und Methan () in der Luft halten einen Teil davon zurück und strahlen ihn zur Erde zurück. Das wirkt wie eine Decke oder das Glas eines Gewächshauses. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre die Erde im Durchschnitt etwa −18 °C kalt statt etwa 15 °C.
Mit mehr Treibhausgasen hält die Luft mehr Wärme zurück. Der Anteil von in der Luft ist seit etwa 200 Jahren von rund 0,028 Prozent auf über 0,04 Prozent gestiegen, um etwa die Hälfte. Die Erde ist dadurch im Durchschnitt mehr als 1 °C wärmer geworden. Das ist der Klimawandel. Klima ist das Wetter über viele Jahre gemittelt, Wetter der Zustand an einem Tag.
Klimafolgen sind unter anderem: Gletscher und Eis schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Hitzewellen, Dürren und Starkregen werden häufiger, und manche Arten müssen in andere Gebiete ausweichen oder sterben aus.
Nachhaltige Entwicklung und ökologischer Fußabdruck
Nachhaltig handelt, wer Rohstoffe und Natur so nutzt, dass auch spätere Generationen sie noch nutzen können. Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft: Man fällt nur so viel Holz, wie nachwächst. Nachhaltige Entwicklung verbindet drei Ziele: Natur schützen, wirtschaftlich leben können und gerecht zwischen Menschen und Generationen teilen.
Der ökologische Fußabdruck misst, wie viel Fläche die Erde braucht, um zu versorgen, was jemand verbraucht, und um seine Abfälle und sein aufzunehmen. Dazu zählen Nahrung, Wohnen, Verkehr, Energie und Konsum. Je größer der Fußabdruck, desto mehr Erde braucht man. Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, bräuchte man nach Schätzungen deutlich mehr als eine Erde.
Wie viel Kohlenstoffdioxid spart das Fahrrad?
Wie viel Kohlenstoffdioxid spart das Fahrrad?
Dein Schulweg ist 4 km lang. Wirst du mit dem Auto gefahren, entsteht angenommen 120 g je Kilometer. Wie viel sparst du, wenn du an 180 Schultagen hin und zurück mit dem Rad fährst?
Hin und zurück sind es 4 km mal 2 = 8 km am Tag. Das sind 8 mal 120 g = 960 g am Tag. Für 180 Tage: 180 mal 960 g = 172 800 g. Das sind 172,8 kg .
Das Rad erzeugt beim Fahren kein . Die Rechnung zeigt, dass kleine Gewohnheiten sich über ein Jahr summieren.
Kulturlandschaft
Eine Kulturlandschaft hat der Mensch durch Nutzung geformt: Felder, Wiesen, Weiden, Hecken, Streuobstwiesen und Forste. Ohne ihn wäre ein großer Teil Deutschlands von Wald bedeckt. Schonend genutzt kann sie sehr artenreich sein: Eine Streuobstwiese oder eine selten gemähte Blumenwiese bietet vielen Arten Raum. Intensive Nutzung mit viel Dünger, Gift und wenigen Hecken verarmt sie. Manche Lebensräume bleiben nur durch Pflege erhalten, die Wiese zum Beispiel durch Mähen.
Entscheidungskonflikte
Oft stehen Ziele gegeneinander: Wohnraum gegen Natur, billige Energie gegen Klimaschutz, ein Windrad gegen Vögel und Fledermäuse. Eine begründete Entscheidung fällst du in Schritten:
| Schritt | Frage |
|---|---|
| 1 | Worum geht es? Was ist das Problem? |
| 2 | Wer ist beteiligt, und was will jeder? |
| 3 | Welche Möglichkeiten gibt es? |
| 4 | Welche Folgen hat jede Möglichkeit für Natur, Wirtschaft und Menschen, jetzt und später? |
| 5 | Was entscheidest du, und warum? Gibt es einen Kompromiss? |
Eine einzige richtige Lösung gibt es oft nicht. Wichtig ist, dass du deine Entscheidung mit Gründen erklärst.
Neubaugebiet auf der Feuchtwiese
Neubaugebiet auf der Feuchtwiese
Wende die Schritte auf das Beispiel vom Anfang an.
Schritt 1: Eine Feuchtwiese soll Bauland werden.
Schritt 2: Die Gemeinde möchte Wohnraum, der Landwirt seine Wiese, die Naturschützer die Brutplätze.
Schritt 3: bauen, nicht bauen oder leere Grundstücke im Ort nutzen.
Schritt 4: Bauen schafft Wohnungen, zerstört aber Lebensraum, den man kaum ersetzen kann. Nicht bauen schützt die Vögel, aber Familien finden keine Wohnung. Leere Grundstücke im Ort schonen die Wiese, sind aber nicht immer verfügbar.
Schritt 5: Ein Kompromiss könnte sein, zuerst Lücken im Ort zu nutzen und die Wiese als Brutgebiet zu erhalten. Wichtig ist die Begründung.
Ein kalter Winter widerlegt den Klimawandel
Ein kalter Winter widerlegt den Klimawandel
„Heute liegt Schnee und es sind −5 °C. Wo bleibt der Klimawandel?“
Wetter ist der Zustand an einem Tag, Klima ist das Wetter über viele Jahre gemittelt. Ein kalter Tag sagt über den Durchschnitt von Jahrzehnten nichts aus.
Der Treibhauseffekt ist an sich schädlich
Der Treibhauseffekt ist an sich schädlich
„Der Treibhauseffekt ist das Problem. Ohne ihn wäre alles gut.“
Ohne den natürlichen Treibhauseffekt wäre es auf der Erde im Durchschnitt etwa −18 °C kalt. Das Problem ist der verstärkte Treibhauseffekt durch zusätzliche Treibhausgase.
Zusammenfassung
Bauen, Überdüngung, Gifte, Trockenlegen von Mooren, Überfischung und Müll verändern Ökosysteme und gefährden Arten.
Biodiversität ist die Vielfalt der Arten, Lebensräume und Erbanlagen. Sie liefert Nutzen, stabilisiert Ökosysteme und hat einen Eigenwert.
Neobiota sind seit 1492 durch den Menschen eingebrachte Arten. Nur wenige, die invasiven, verdrängen heimische Arten.
Artenschutz schützt Arten, Biotopschutz ihren Lebensraum. Schutzgebiete sind Naturschutzgebiet, Nationalpark, Biosphärenreservat und Naturpark.
Beim Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas entsteht zusätzliches . Treibhausgase halten Wärme zurück, die Erde erwärmt sich, und das Klima wandelt sich.
Nachhaltig heißt, Natur so zu nutzen, dass sie auch später noch da ist. Der ökologische Fußabdruck misst, wie viel Fläche man dafür braucht.
Bei Entscheidungskonflikten sammelst du Beteiligte, Möglichkeiten und Folgen und entscheidest mit Begründung.
Übungen
Welche Gase gehören zu den Treibhausgasen?
Ein Auto stößt angenommen 150 g Kohlenstoffdioxid je Kilometer aus. Wie viel Kilogramm sind es auf 400 km?
Welches Tier ist in Deutschland ein Neozoon?
Ein Wanderer sieht Schnee im April und sagt: „Der Klimawandel ist widerlegt.“ Was ist richtig?
Eine Gemeinde plant einen Windpark am Waldrand. Nenne ein Argument dafür und eines dagegen.