Elektrizität im Haushalt: Gefahren, Sicherung, Gleich- und Wechselstrom
Du steckst Wasserkocher, Toaster und Mikrowelle in dieselbe Mehrfachsteckdose und schaltest alles gleichzeitig ein. Plötzlich ist das Licht in der ganzen Küche aus. Im Sicherungskasten ist ein Schalter umgefallen. Wozu ist die Sicherung da, und warum hat sie ausgelöst?
Außerdem weißt du: Eine Batterie ist ungefährlich, die Steckdose lebensgefährlich. Und aus der Steckdose kommt „Wechselstrom“, aus der Batterie „Gleichstrom“. Du lernst, wie Strom auf den Körper wirkt, was ein Kurzschluss ist, wie Sicherung und Schutzleiter schützen und was Wechselstrom von Gleichstrom unterscheidet.
Gefahren des elektrischen Stroms
Gefährlich ist der Strom, der durch den Körper fließt. Wie viel fließt, sagt das Ohmsche Gesetz: . Der Körper hat einen Widerstand. Er ist bei trockener Haut groß und bei nasser Haut viel kleiner. Bei gleicher Spannung fließt dann mehr Strom.
Ungefähre Werte für Wechselstrom aus der Steckdose. Die Wirkung hängt von der Person, vom Weg durch den Körper und von der Dauer ab:
| Stromstärke durch den Körper | Wirkung |
|---|---|
| ab etwa 1 mA | kribbelndes Gefühl (1 mA = 0,001 A) |
| ab etwa 10 mA | Die Muskeln verkrampfen, man kann nicht mehr loslassen. |
| ab etwa 30 mA | Das Herz kann aus dem Takt geraten. Das ist lebensgefährlich. |
Als Kleinspannung gelten Spannungen bis etwa 50 V Wechselspannung und etwa 120 V Gleichspannung. Unter normalen Bedingungen sind sie ungefährlich. Darum arbeiten Schulversuche mit Batterien und Netzgeräten, nie mit der Steckdose.
Wie viel Strom fließt durch den Körper?
Wie viel Strom fließt durch den Körper?
Nimm für den Körper bei nasser Haut angenommen 1000 Ω an. Wie groß ist die Stromstärke bei einer Taschenlampenbatterie mit 6 V und wie groß bei einer Steckdose mit 230 V?
Batterie: . Das sind 0,006 A = 6 mA. Das ist weit unter der Grenze von 30 mA.
Steckdose: . Das sind 0,23 A = 230 mA. Das ist mehr als das Siebenfache der Grenze von 30 mA und lebensgefährlich.
Kurzschluss und Überlastung
Ein Kurzschluss entsteht, wenn die beiden Leitungen einer Stromquelle ohne Verbraucher direkt verbunden werden. Das passiert zum Beispiel, wenn die Hülle eines Kabels beschädigt ist und sich die blanken Drähte berühren. Der Widerstand des Weges ist dann sehr klein, die Spannung bleibt aber gleich. Nach wird die Stromstärke sehr groß. Angenommen, der Widerstand ist 0,5 Ω: Bei 230 V fließen dann 230 / 0,5 = 460 A. Das ist mehr als tausendmal so viel wie durch eine Glühlampe mit 60 W. Die Leitungen werden heiß, und es droht ein Brand.
Eine Überlastung ist etwas anderes: Hier hängen zu viele Geräte an einem Stromkreis. Geräte im Haushalt sind parallel geschaltet, und nach der Knotenregel addieren sich ihre Stromstärken. Die Leitung muss dann mehr Strom führen, als sie verträgt, und wird zu heiß.
Sicherung
Eine Sicherung schützt die Leitung vor zu großem Strom. Sie ist in Reihe in den Stromkreis eingebaut, sodass der ganze Strom durch sie fließt. Wird der Strom größer als ihr Nennstrom, unterbricht sie den Stromkreis, bevor die Leitung zu heiß wird. Es gibt zwei Bauarten:
- Bei der Schmelzsicherung schmilzt ein dünner Draht durch. Danach muss man sie ersetzen.
- Ein Leitungsschutzschalter, auch Sicherungsautomat, schaltet bei zu großem Strom von selbst ab. Du schaltest ihn wieder ein, nachdem die Ursache beseitigt ist.
Der Nennstrom ist auf die Leitung abgestimmt. In Wohnungen sind Steckdosenstromkreise häufig mit 16 A abgesichert. Eine Sicherung darf man nie überbrücken oder durch einen Draht ersetzen, sonst schützt sie die Leitung nicht mehr.
Wann löst die Sicherung aus?
Wann löst die Sicherung aus?
Ein Stromkreis ist mit 16 A abgesichert, die Spannung ist 230 V. Wie viel Leistung darf höchstens gleichzeitig laufen? Dann schaltest du Wasserkocher (2000 W), Toaster (800 W) und Mikrowelle (1200 W) zugleich ein. Löst die Sicherung aus?
Höchstleistung: . Es sind 3680 W.
Die drei Geräte haben zusammen 2000 + 800 + 1200 = 4000 W. Die Stromstärke ist A. Das ist mehr als 16 A. Die Sicherung löst aus, weil die Leitung überlastet wäre.
Schutzleiter und FI-Schutzschalter
Manche Geräte haben ein Metallgehäuse, zum Beispiel Waschmaschine und Herd. Verliert im Inneren eine Leitung ihre Isolierung und berührt das Gehäuse, steht es unter Spannung. Wer es anfasst, bekommt einen Schlag.
Der Schutzleiter (grün-gelbe Ader) verbindet das Gehäuse mit der Erde. Er ist an den Schutzkontakt der Steckdose angeschlossen. Bei diesem Fehler fließt ein großer Strom durch den Schutzleiter ab, denn sein Widerstand ist viel kleiner als der deines Körpers. Beide Wege liegen parallel, und der Strom nimmt fast ganz den Weg mit dem kleinen Widerstand. Der große Strom lässt die Sicherung auslösen, und das Gehäuse ist wieder spannungsfrei. Viele Geräte mit Kunststoffgehäuse sind schutzisoliert und brauchen keinen Schutzleiter.
Der FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) vergleicht den Strom, der ins Gerät fließt, mit dem Strom, der zurückkommt. Nach der Knotenregel müssen sie gleich sein. Fließt ein Teil über einen Menschen zur Erde ab, schaltet der FI meist schon ab etwa 30 mA in einem Bruchteil einer Sekunde ab.
Haushaltsinstallation
Ein Stromkreis für Lampen und Steckdosen führt drei Leitungen:
- Der Außenleiter (Ader meist braun oder schwarz) hat gegenüber der Erde 230 V.
- Der Neutralleiter (blaue Ader) ist der Rückweg. Gegenüber der Erde hat er fast keine Spannung.
- Der Schutzleiter (grün-gelbe Ader) schützt, wie oben beschrieben.
Zwischen Außenleiter und Neutralleiter liegen 230 V. Berühre trotzdem keine der beiden Leitungen. Lampen, Steckdosen und Geräte sind parallel an diese beiden Leitungen angeschlossen. Jedes Gerät bekommt die volle Spannung, und ein ausgeschaltetes Gerät stört die anderen nicht. Der Schalter einer Lampe liegt in Reihe mit der Lampe, und zwar im Außenleiter. Dann ist die Fassung spannungsfrei, wenn der Schalter aus ist.
Das Haus hat mehrere Stromkreise, zum Beispiel für Küche und Wohnzimmer, jeder mit eigener Sicherung im Sicherungskasten. Löst eine aus, fällt nur ein Teil des Hauses aus.
Gleichstrom und Wechselstrom
Bei Gleichstrom fließt der Strom immer in dieselbe Richtung, und die Spannung bleibt gleich. Das liefern Batterien, Akkus und Solarzellen. Zeichnest du die Spannung gegen die Zeit, ergibt sich eine waagerechte Linie.
Bei Wechselstrom wechselt der Strom ständig seine Richtung, und die Spannung wechselt zwischen Plus und Minus. Zeichnest du sie gegen die Zeit, ergibt sich eine Wellenlinie. Die Steckdose liefert Wechselstrom mit 50 Hz. Hertz (Hz) heißt „je Sekunde“. 50 Hz bedeuten 50 Hin-und-Her-Schwingungen in jeder Sekunde. Der Strom wechselt dabei in jeder Sekunde 100-mal die Richtung. Die Elektronen im Draht schwingen hin und her und kommen kaum voran. Die Energie gelangt trotzdem zum Gerät.
Die 230 V sind ein Rechenwert für die Heizwirkung. Der Höchstwert der Spannung ist größer, etwa 325 V. Ein Handy braucht Gleichstrom. Das Ladegerät wandelt den Wechselstrom aus der Steckdose darum in Gleichstrom um. Das Stromnetz nutzt Wechselstrom, weil sich seine Spannung mit einem Transformator leicht verändern lässt. Das lernst du später.
Die Sicherung schützt vor Stromschlägen
Die Sicherung schützt vor Stromschlägen
„Wenn ich einen Schlag bekomme, löst die Sicherung aus, und mir passiert nichts.“
Die Sicherung schützt die Leitung vor Überhitzung, nicht den Menschen. Sie löst erst bei 16 A aus. Für den Menschen sind aber schon etwa 30 mA gefährlich. Schutz bieten der Schutzleiter und der FI-Schutzschalter, der schon bei etwa 30 mA abschaltet. Verlass dich nie darauf, dass etwas auslöst.
Kurzschluss ist dasselbe wie Überlastung
Kurzschluss ist dasselbe wie Überlastung
„Ein Kurzschluss entsteht, wenn zu viele Geräte an der Steckdose hängen.“
Zu viele Geräte ergeben eine Überlastung. Ein Kurzschluss bedeutet, dass der Strom fast ohne Widerstand von einem Pol der Quelle zum anderen fließt, ohne Verbraucher dazwischen. In beiden Fällen ist der Strom zu groß, aber die Ursache ist verschieden.
Zusammenfassung
Für den Körper kommt es auf die Stromstärke an: Ab etwa 30 mA wird es lebensgefährlich. Sie folgt aus , und nasse Haut hat einen kleinen Widerstand.
Bei einem Kurzschluss ist der Widerstand fast null, und die Stromstärke wird sehr groß. Bei einer Überlastung addieren sich die Ströme vieler Geräte.
Die Sicherung liegt in Reihe und unterbricht den Strom, wenn er den Nennstrom überschreitet. Sie schützt die Leitung.
Der Schutzleiter führt bei einem Fehler den Strom vom Gehäuse zur Erde, die Sicherung löst aus. Der FI-Schutzschalter schützt Menschen schon bei etwa 30 mA.
Im Haus sind die Geräte parallel an Außen- und Neutralleiter angeschlossen und haben je 230 V. Schalter und Sicherung liegen in Reihe im Außenleiter.
Gleichstrom fließt in eine Richtung (Batterie), Wechselstrom wechselt die Richtung. Die Steckdose liefert Wechselstrom mit 50 Hz.
Übungen
Angenommen, der Körper hat bei nasser Haut 2000 Ω. Wie viele Milliampere (mA) fließen bei 230 V durch den Körper?
Ein Stromkreis ist mit 10 A abgesichert, die Spannung ist 230 V. Wie viel Leistung darf höchstens gleichzeitig laufen, in Watt? Schreibe die Zahl ohne Punkt.
Wozu dient eine Sicherung im Hausstromkreis?
Welche Quelle liefert Gleichstrom?
Der Wechselstrom aus der Steckdose hat 50 Hz. Wie oft wechselt er in einer Sekunde die Richtung? Zähle jeden Wechsel einzeln.
Das Metallgehäuse einer Waschmaschine steht durch einen Fehler unter Spannung. Erkläre, wie der Schutzleiter dich schützt.