Stromstärke, Spannung und Stromkreismodelle
Auf deinem Handy-Ladegerät steht 5 V und 1 A. Auf der Taschenlampenbatterie steht 1,5 V, an der Steckdose 230 V. Was bedeuten diese Angaben? Warum ist die Batterie harmlos und die Steckdose gefährlich?
Und noch eine Frage: Du drückst den Schalter, und die Lampe leuchtet sofort. Dabei ist die Batterie weit weg. Wie schnell sind die Teilchen, die den Strom bilden?
Du lernst, was Stromstärke und Spannung bedeuten, wie du sie misst und wie du dir einen Stromkreis vorstellen kannst.
Elektronenleitung in Metallen
Ein Metall besteht aus Atomen, die fest an ihrem Platz sitzen. Von den Atomen lösen sich manche Elektronen und bewegen sich frei dazwischen, wie ein Gas. Man nennt das Elektronengas. Ohne Antrieb flitzen die Elektronen ungeordnet hin und her, ohne gemeinsame Richtung. Es fließt kein Strom.
Schließt du eine Stromquelle an, schiebt sie alle Elektronen gemeinsam in eine Richtung: außen vom Minuspol zum Pluspol. Dieses gerichtete Wandern geladener Teilchen ist der elektrische Strom. Als technische Stromrichtung hat man die Gegenrichtung festgelegt, vom Pluspol durch den Verbraucher zum Minuspol. Das geschah, bevor man die Elektronen kannte. Meistens rechnet man mit der technischen Stromrichtung.
Die Elektronen kommen im Draht nur langsam voran, höchstens wenige Millimeter pro Sekunde. Trotzdem leuchtet die Lampe sofort, denn die Elektronen sind schon überall im Draht. Es ist wie bei einem Gartenschlauch voller Wasser: Drehst du den Hahn auf, kommt vorn sofort Wasser heraus.
Stromstärke
Die Stromstärke gibt an, wie viel Ladung in jeder Sekunde durch einen Draht fließt. Fließen in 2 s insgesamt 6 C durch einen Querschnitt des Drahtes (C ist Coulomb, die Einheit der Ladung), sind es 6 C : 2 s = 3 C pro Sekunde. Allgemein teilst du die Ladung durch die Zeit .
Die Einheit ist das Ampere (A): 1 A = 1 C pro Sekunde. Für kleine Ströme nimmt man Milliampere: 1 mA = 0,001 A. Aus der Formel folgt . Bei 1 A fließen in jeder Sekunde etwa Elektronen durch den Draht.
Stromstärke und Ladung
Stromstärke und Ladung
a) In 5 s fließen 10 C durch eine Lampe. Wie groß ist die Stromstärke?
b) Durch eine Leuchtdiode fließen 20 mA. Wie viel Ladung fließt in einer Minute?
a) I = Q : t = 10 C : 5 s = 2 A.
b) Zuerst in Ampere: 20 mA = 0,020 A. Eine Minute sind 60 s. Q = I · t = 0,020 A · 60 s = 1,2 C.
Spannung und Spannungsquellen
Von allein bewegen sich die Elektronen nicht gemeinsam durch den Draht. Eine Spannungsquelle treibt sie an. Dazu zählen Batterie, Akku, Solarzelle, Generator und Netzgerät. Sie trennen Ladungen: Am Minuspol herrscht Elektronenüberschuss, am Pluspol Elektronenmangel. Dabei wandelt die Quelle Energie in elektrische Energie um, zum Beispiel chemische Energie in der Batterie.
Die Spannung gibt an, wie viel Energie jede Ladung bekommt und im Verbraucher wieder abgibt. Man teilt die Energie durch die Ladung . Die Einheit ist das Volt (V): 1 V = 1 J pro C. Eine 6-V-Batterie gibt jedem Coulomb 6 J mit.
Man spricht auch von einem Potenzialunterschied. Das Potenzial ist wie die Höhe eines Ortes, nur für Ladungen. Die Spannung ist der Unterschied zwischen zwei Orten, wie ein Höhenunterschied bei einem Wasserfall. Je größer er ist, desto mehr Energie gibt jedes Kilogramm Wasser beim Fallen ab.
Typische Spannungen: Batterie für die Taschenlampe 1,5 V, Handy-Akku etwa 3,7 V, Autobatterie 12 V, Steckdose 230 V, große Überlandleitungen bis zu 380 000 V.
Energie einer Ladung
Energie einer Ladung
Durch eine Lampe an einer 6-V-Batterie fließen 30 C. Wie viel Energie geben die Ladungen an die Lampe ab?
Jedes Coulomb gibt bei 6 V die Energie 6 J ab. Bei 30 C sind das 6 J · 30 = 180 J. Als Formel: Aus U = E : Q folgt E = U · Q = 6 V · 30 C = 180 J.
Messen von Stromstärke und Spannung
Die Stromstärke misst du mit dem Strommesser, Schaltzeichen: Kreis mit A. Du trennst den Stromkreis auf und setzt den Strommesser in die Leitung ein. Der Strom fließt dann durch ihn hindurch, wie das Wasser durch einen Wasserzähler im Rohr.
Die Spannung misst du mit dem Spannungsmesser, Schaltzeichen: Kreis mit V. Du legst seine zwei Anschlüsse an die beiden Seiten des Bauteils. Der Stromkreis bleibt dabei ganz. Der Spannungsmesser liegt neben dem Bauteil, wie ein Druckmesser zwischen zwei Stellen eines Rohrs.
Bei Zeigergeräten beginnst du mit dem größten Messbereich und schaltest herunter, bis der Zeiger gut ausschlägt. Der Strommesser darf nie allein an die Stromquelle, denn das wäre ein Kurzschluss. Messe nur an Batterien oder an einem Netzgerät, das deine Lehrkraft freigibt, nie an der Steckdose.
Ein Messgerät ablesen
Ein Messgerät ablesen
Ein Spannungsmesser hat den Messbereich 6 V. Die Skala hat 30 gleiche Teilstriche bis zum Endwert. Der Zeiger steht bei 18 Teilstrichen. Wie groß ist die Spannung?
Der Endwert 6 V gehört zu 30 Teilstrichen. Ein Teilstrich ist 6 V : 30 = 0,2 V. Der Zeiger steht bei 18 Teilstrichen: 18 · 0,2 V = 3,6 V.
Stromkreismodelle
Strom und Spannung sieht man nicht. Zwei Modelle helfen:
| Elektrik | Wassermodell | Elektronengasmodell |
|---|---|---|
| Spannungsquelle | Pumpe | schiebt die Elektronen an |
| Stromstärke | Wassermenge pro Sekunde | Zahl der Elektronen pro Sekunde |
| Spannung | Druckunterschied der Pumpe | Energie je Ladung, die die Elektronen mitnehmen |
| Lampe | Wasserrad | Elektronen stoßen an Atome und geben Energie ab |
| Schalter | Hahn | Weg für die Elektronen offen oder zu |
Beide Modelle zeigen: Der Strom fließt im Kreis und wird nicht verbraucht. Nur Energie wird abgegeben. Jedes Modell hat Grenzen. Im Wassermodell kann Wasser aus einem Leck laufen, im Stromkreis gibt es das nicht. Das Elektronengasmodell erklärt, warum sich ein Draht erwärmt: Die Elektronen stoßen an die Atome und bringen sie zum stärkeren Schwingen.
Die Spannung fließt durch den Draht
Die Spannung fließt durch den Draht
„Die Spannung fließt von der Batterie zur Lampe.“
Durch den Draht fließt der Strom, also die Ladung. Die Spannung liegt zwischen zwei Punkten, zum Beispiel zwischen den Polen der Batterie. Sie fließt nicht, so wie der Druck im Wasserrohr auch nicht fließt.
Die Elektronen rasen zur Lampe
Die Elektronen rasen zur Lampe
„Die Lampe leuchtet sofort, weil die Elektronen blitzschnell von der Batterie zur Lampe laufen.“
Die Elektronen wandern nur langsam. Sie sind aber schon überall im Draht, auch in der Lampe. Sobald der Schalter schließt, setzen sich alle gemeinsam in Bewegung.
Zusammenfassung
In Metallen bewegen sich frei bewegliche Elektronen. Eine Spannungsquelle schiebt sie in eine gemeinsame Richtung: Das ist der Strom. Die technische Stromrichtung geht von plus nach minus, die Elektronen wandern von minus nach plus.
Die Stromstärke I = Q : t ist die Ladung pro Zeit. Einheit: Ampere, 1 A = 1 C pro s.
Die Spannung U = E : Q ist die Energie je Ladung. Einheit: Volt, 1 V = 1 J pro C. Sie ist ein Potenzialunterschied.
Spannungsquellen trennen Ladungen und wandeln Energie in elektrische Energie um.
Den Strommesser setzt du in die Leitung ein, den Spannungsmesser legst du an das Bauteil.
Wassermodell und Elektronengasmodell helfen, Stromkreise zu verstehen. Beide haben Grenzen.
Übungen
Durch einen Draht fließt eine Stromstärke von 3 A. Wie viel Ladung fließt in 20 s durch den Draht, in Coulomb?
Durch eine Leuchtdiode fließen in 10 s insgesamt 0,5 C. Wie groß ist die Stromstärke in Milliampere?
Wie schließt du einen Spannungsmesser an, um die Spannung an einer Lampe zu messen?
Durch einen Verbraucher an einer 9-V-Batterie fließen 15 C. Wie viel Energie wird abgegeben, in Joule?
Welche Aussage über die Richtung des Stroms in einem Draht stimmt?
Erkläre mit dem Elektronengasmodell, warum eine Lampe sofort leuchtet, wenn du den Schalter schließt.