Lektion 1.3

Alkali-, Erdalkalimetalle und Halogene

18 min Lesezeit

Ein Stück Natrium ist so weich, dass du es mit dem Messer schneidest. Wirfst du es ins Wasser, schwimmt es zischend umher. Chlor ist ein gelbgrünes, giftiges Gas. Aus beiden entsteht Kochsalz, das du ungefährlich aufs Frühstücksei streust.

Lithium, Natrium und Kalium reagieren ähnlich, nur unterschiedlich heftig. Dasselbe gilt für Fluor, Chlor, Brom und Iod. Warum verhalten sich Elemente einer Gruppe so ähnlich, und warum nimmt die Heftigkeit nach unten in der Gruppe zu oder ab? Mit dem Atommodell aus der vorigen Lektion kannst du das erklären.

Definition

Elementfamilien

Elemente derselben Hauptgruppe haben gleich viele Valenzelektronen und verhalten sich ähnlich. Solche Gruppen heißen Elementfamilien.

FamilieGruppeElementeValenzelektronen
Alkalimetalle1 (I)Lithium Li, Natrium Na, Kalium K, Rubidium Rb, Caesium Cs1
Erdalkalimetalle2 (II)Beryllium Be, Magnesium Mg, Calcium Ca, Strontium Sr, Barium Ba2
Halogene17 (VII)Fluor F, Chlor Cl, Brom Br, Iod I7

Wasserstoff steht auch in Gruppe 1, ist aber kein Alkalimetall. Die schwersten Elemente der drei Gruppen sind radioaktiv und selten.

Definition

Alkalimetalle und ihre Reaktion mit Wasser

Alkalimetalle sind weich und glänzen frisch geschnitten silbrig. Die Schnittfläche läuft an der Luft sofort an. Sie haben eine kleine Dichte (Lithium, Natrium und Kalium schwimmen auf Wasser) und schmelzen früh (Natrium bei 98 °C). Man bewahrt sie unter Öl auf, weil sie mit Luft und Wasser reagieren.

Versuch (nur die Lehrkraft, mit Schutzbrille und Schutzscheibe, erbsengroßes Stück): Natrium schwimmt auf Wasser, schmilzt zu einer Kugel und zischt. Es entsteht ein farbloses Gas, Wasserstoff. Gibst du Universalindikator ins Wasser, wird er blau bis violett. Es entsteht eine Lauge, also eine alkalische Lösung mit Hydroxid-Ionen. Die Gleichung ist 2 Na+2 H2O→2 NaOH+H2\mathrm{2\,Na + 2\,H_2O \rightarrow 2\,NaOH + H_2}, in Ionen 2 Na+2 H2O→2 Na++2 OH−+H2\mathrm{2\,Na + 2\,H_2O \rightarrow 2\,Na^+ + 2\,OH^- + H_2}. Allgemein bilden Alkalimetalle M ein Metallhydroxid MOH und Wasserstoff.

Die Heftigkeit steigt in der Gruppe nach unten: Lithium reagiert ruhig, Natrium schmilzt, Kalium entzündet sich mit violetter Flamme, Rubidium und Caesium reagieren explosionsartig. Ein wichtiger Grund ist die sinkende Ionisierungsenergie (Li 520, Na 496, K 419 kJ/mol): Das Valenzelektron geht leichter ab.

Beispiel

Kalium und Wasser

Stelle die Reaktionsgleichung für die Reaktion von Kalium mit Wasser auf (Produkte: Kaliumhydroxid und Wasserstoff).

Ansatz: K+H2O→KOH+H2\mathrm{K + H_2O \rightarrow KOH + H_2}. Links stehen 2 H-Atome, rechts 1 + 2 = 3. Der Wasserstoff kommt als H2\mathrm{H_2} paarweise, also brauchst du 2 Wassermoleküle und 2 KOH. Nun stehen rechts 2 K, also braucht auch die linke Seite 2 K.

Gleichung: 2 K+2 H2O→2 KOH+H2\mathrm{2\,K + 2\,H_2O \rightarrow 2\,KOH + H_2}. Probe: links 2 K, 4 H, 2 O. Rechts 2 K, 2 O, 2 H in KOH und 2 H in H2\mathrm{H_2}, also 4 H.

Die Alkalimetalle im Periodensystem

Die Alkalimetalle sind hervorgehoben, Natrium ist ausgewählt. Klicke nacheinander Lithium, Kalium, Rubidium und Caesium an. Unter "Elektronen je Schale" bleibt die letzte Zahl immer 1: ein Valenzelektron. Die Zahl der Schalen wächst nach unten, das Valenzelektron sitzt immer weiter außen. Unter "Aggregatzustand bei 20 °C" siehst du, dass alle fest sind.

Beispiel

Wasserstoff aus Natrium

2 Na+2 H2O→2 NaOH+H2\mathrm{2\,Na + 2\,H_2O \rightarrow 2\,NaOH + H_2}. Wie viel Liter Wasserstoff entstehen bei 20 °C (24 L/mol), wenn 2,3 g Natrium reagieren?

n(Na) = 2,3 g : 23 g/mol = 0,1 mol. Das Verhältnis Na : H2\mathrm{H_2} ist 2 : 1, also entstehen 0,05 mol H2\mathrm{H_2}. V = 0,05 mol mal 24 L/mol = 1,2 L.

Definition

Erdalkalimetalle

Erdalkalimetalle haben 2 Valenzelektronen und geben beide ab. Es entstehen Ionen mit zweifacher Ladung, Ca2+\mathrm{Ca^{2+}} zum Beispiel. Sie sind härter und schmelzen höher als die Alkalimetalle (Calcium bei 842 °C).

Mit Wasser reagieren sie ebenfalls (außer Beryllium), weniger heftig als das Alkalimetall derselben Periode. Magnesium reagiert mit kaltem Wasser kaum. Calcium reagiert ruhig: Ca+2 H2O→Ca(OH)2+H2\mathrm{Ca + 2\,H_2O \rightarrow Ca(OH)_2 + H_2}. Barium reagiert heftiger. Wie bei den Alkalimetallen steigt die Reaktionsfreudigkeit nach unten. Die Hydroxide lösen sich unterschiedlich: Magnesiumhydroxid fast gar nicht, Calciumhydroxid ein wenig (die Lösung heißt Kalkwasser), Bariumhydroxid gut.

Definition

Halogene, Metallhalogenide und Salze

Halogene heißen Salzbildner, denn sie bilden mit Metallen Salze. Sie bestehen aus zweiatomigen Molekülen: F2\mathrm{F_2}, Cl2\mathrm{Cl_2}, Br2\mathrm{Br_2}, I2\mathrm{I_2}.

HalogenZustand bei 20 °CFarbe
FluorGasblassgelb
ChlorGasgelbgrün
BromFlüssigkeitrotbraun
IodFeststoffgrauschwarz, Dampf violett

Halogene sind giftig und ätzend, Fluor und Chlor besonders. Man arbeitet damit nur unter dem Abzug.

Mit Metallen reagieren sie heftig. Natrium brennt in Chlor mit heller Flamme: 2 Na+Cl2→2 NaCl\mathrm{2\,Na + Cl_2 \rightarrow 2\,NaCl}. Das Halogenatom nimmt ein Elektron auf und wird zum Halogenid-Ion (Fluorid, Chlorid, Bromid, Iodid). Die Verbindung eines Metalls mit einem Halogen heißt Metallhalogenid. Sie ist ein Salz: eine Verbindung aus positiven und negativen Ionen in einem Ionengitter, hier aus Metall-Kationen und Halogenid-Ionen. Beispiele: NaCl, KBr, CaF2\mathrm{CaF_2}.

Die Reaktionsfreudigkeit sinkt von Fluor zu Iod. Fluor reagiert mit fast allem, Iod muss man mit Metallen oft erwärmen. In kleinen Atomen liegt die äußere Stufe nahe am Kern, das fehlende Elektron wird stark angezogen. In großen Atomen ist die Außenstufe weit entfernt und durch innere Elektronen abgeschirmt.

Beispiel

Calcium und Chlor

Calcium reagiert mit Chlor zu einem Salz. Welche Ionen entstehen, und wie lautet die Reaktionsgleichung?

Calcium (Gruppe 2) gibt 2 Elektronen ab: Ca2+\mathrm{Ca^{2+}}. Chlor (Gruppe 17) nimmt 1 Elektron auf: Cl−\mathrm{Cl^-}. Die Ladungen müssen sich ausgleichen: Ca2+\mathrm{Ca^{2+}} braucht 2 Cl−\mathrm{Cl^-}, das Salz ist CaCl2\mathrm{CaCl_2}.

Ein Cl2\mathrm{Cl_2}-Molekül nimmt insgesamt 2 Elektronen auf, genau die zwei, die ein Calciumatom abgibt. Gleichung: Ca+Cl2→CaCl2\mathrm{Ca + Cl_2 \rightarrow CaCl_2}. Probe: links 1 Ca und 2 Cl, rechts 1 Ca und 2 Cl.

Definition

Flammenfärbung

Salze der Alkali- und Erdalkalimetalle färben eine Brennerflamme. Im Versuch hältst du eine Probe an einem Stäbchen in die Brennerflamme, nur mit Schutzbrille und mit der Lehrkraft. Bariumsalze sind giftig.

MetallFlammenfarbe
Lithiumkarminrot
Natriumgelb
Kaliumviolett
Calciumziegelrot
Bariumgrün

Die Wärme hebt ein Valenzelektron auf eine höhere Energiestufe. Fällt es zurück, gibt es die Energiedifferenz als Licht ab. Jede Differenz hat eine eigene Farbe, darum ist die Farbe typisch für das Metall. So weist man das Metall nach (nicht das Halogen). Auch Feuerwerk beruht darauf.

Häufige Fehler

Natrium unter Wasser aufbewahren

„Natrium lagert man am besten in Wasser, damit es nicht an der Luft anläuft.“

Richtig ist

Natrium reagiert heftig mit Wasser. Man bewahrt es unter Öl auf, denn so kommt weder Luft noch Wasser heran.

Häufige Fehler

Kochsalz enthält giftiges Chlor

„Im Kochsalz steckt Chlor, ein giftiges Gas.“

Richtig ist

Das Gas Cl2\mathrm{Cl_2} besteht aus Chloratomen mit 7 Valenzelektronen. Im Kochsalz stecken Chlorid-Ionen Cl−\mathrm{Cl^-} mit Argonkonfiguration. Sie haben ganz andere Eigenschaften und sind harmlos.

Häufige Fehler

Alle Gruppen werden nach unten reaktiver

„Wie bei den Alkalimetallen wird auch Iod reaktiver als Fluor.“

Richtig ist

Der Trend ist gegenläufig. Alkalimetalle geben Elektronen ab und werden nach unten reaktiver. Halogene nehmen Elektronen auf und werden nach unten weniger reaktiv.

Zusammenfassung

  • Elemente einer Hauptgruppe haben gleich viele Valenzelektronen und bilden eine Elementfamilie: Alkalimetalle (1), Erdalkalimetalle (2), Halogene (17).

  • Alkalimetalle reagieren mit Wasser zu einer Lauge (Metallhydroxid) und Wasserstoff: 2 M+2 H2O→2 MOH+H2\mathrm{2\,M + 2\,H_2O \rightarrow 2\,MOH + H_2}. Die Heftigkeit steigt nach unten, weil die Ionisierungsenergie sinkt.

  • Erdalkalimetalle geben 2 Elektronen ab (zum Beispiel Ca2+\mathrm{Ca^{2+}}) und reagieren weniger heftig als die Alkalimetalle.

  • Halogene bestehen aus zweiatomigen Molekülen und nehmen ein Elektron auf. Ihre Reaktionsfreudigkeit sinkt von Fluor zu Iod.

  • Metallhalogenide sind Salze aus Metall-Kationen und Halogenid-Ionen, zum Beispiel NaCl.

  • Salze der Alkali- und Erdalkalimetalle färben die Flamme, weil Elektronen angeregt werden und beim Zurückfallen Licht abgeben.

  • Das Reaktionsverhalten folgt aus dem Atombau: Wenige Valenzelektronen werden abgegeben, fast volle Außenstufen nehmen Elektronen auf.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Ein Element hat 7 Valenzelektronen und ist bei 20 °C eine rotbraune Flüssigkeit. Welches ist es?

Aufgabe 2Numerisch

2 Na + 2 H2O → 2 NaOH + H2. Wie viel Mol Wasserstoff entstehen aus 0,4 mol Natrium?

Aufgabe 3Multiple Choice

Ein Salz färbt die Brennerflamme violett. Welches Metall enthält es?

Aufgabe 4Numerisch

2 Na + Cl2 → 2 NaCl. Wie viel Gramm Natriumchlorid entstehen aus 4,6 g Natrium mit überschüssigem Chlor? (M(Na) = 23 g/mol, M(NaCl) = 58,5 g/mol)

Aufgabe 5Multiple Choice

Welche Aussage ist richtig?

Aufgabe 6Freitext

Erkläre, warum die Reaktionsfreudigkeit der Halogene von Fluor zu Iod abnimmt.