Aufbauender Stoffwechsel: Fotosynthese
Im Herbst werden Blätter gelb und rot. Die gelben Farbstoffe sind schon im Sommer da, das Blattgrün überdeckt sie nur.
Licht ist die Energiequelle der Pflanze, doch das Blatt sieht grün aus. Welche Farben des Lichts nutzt es also? Und wie wird aus CO und Licht ein Zucker? Die Wortgleichung aus Klasse 7-8 kennt nur Anfang und Ende.
Blattaufbau und Feinbau des Chloroplasten
Im Blatt läuft die Fotosynthese vor allem im Palisaden- und Schwammgewebe. Die untere Epidermis trägt die Spaltöffnungen für den Gasaustausch. Die Zellen enthalten viele Chloroplasten mit zwei Hüllmembranen:
| Teil | Bau | Funktion |
|---|---|---|
| Stroma | Grundsubstanz mit Enzymen, Stärkekörnern, DNA | Sekundärreaktionen (Calvin-Zyklus) |
| Thylakoide | flache Membransäcke, in Stapeln (Grana) angeordnet | Primärreaktionen, hier liegen die Blattfarbstoffe |
| Thylakoidinnenraum | Raum im Inneren der Thylakoide | Sammelraum für Protonen |
Absorptionsspektrum und Wirkungsspektrum
Sichtbares Licht hat Wellenlängen von etwa 400 bis 700 Nanometern (nm). Ein Farbstoff absorbiert (verschluckt) nur bestimmte Wellenlängen. Das Absorptionsspektrum zeigt, wie viel Licht er bei jeder Wellenlänge absorbiert. Chlorophyll a absorbiert am stärksten im blauvioletten (etwa 430 nm) und im roten Bereich (etwa 660 nm), Chlorophyll b etwa bei 450 nm und 640 nm. Grünes Licht wird kaum absorbiert und zurückgeworfen, darum sieht das Blatt grün aus.
Das Wirkungsspektrum zeigt die Fotosyntheserate (zum Beispiel die O-Abgabe) je Wellenlänge. Es folgt dem Absorptionsspektrum, liegt aber im blaugrünen Bereich höher als das von Chlorophyll a, weil Chlorophyll b und Carotinoide dort Licht absorbieren und die Energie weitergeben.
Chromatografie der Blattfarbstoffe
Die Chromatografie trennt ein Farbstoffgemisch. Man trägt den Blattextrakt als Strich auf Chromatografiepapier auf und stellt es in ein Laufmittel (zum Beispiel Petroleumether und Aceton). Es steigt auf und nimmt die Farbstoffe verschieden weit mit: Je besser sich ein Farbstoff löst und je schwächer er am Papier haftet, desto weiter wandert er. Von oben nach unten findet man Carotin (gelborange), Xanthophylle (gelb), Chlorophyll a (blaugrün) und Chlorophyll b (gelbgrün). Der Rf-Wert kennzeichnet jeden Farbstoff:
Rf-Werte berechnen
Rf-Werte berechnen
Die Laufmittelfront hat 12,0 cm zurückgelegt. Die Farbstoffe stehen bei 11,4 cm (Carotin), 9,0 cm (Xanthophyll), 7,2 cm (Chlorophyll a) und 6,0 cm (Chlorophyll b). Berechne die Rf-Werte. Die Laufmittel sind brennbar und ihre Dämpfe schädlich: Der Versuch gehört unter den Abzug in die Hand der Lehrkraft.
Carotin: 11,4 : 12,0 = 0,95. Xanthophyll: 9,0 : 12,0 = 0,75. Chlorophyll a: 7,2 : 12,0 = 0,60. Chlorophyll b: 6,0 : 12,0 = 0,50. Je größer der Rf-Wert, desto weniger haftet der Farbstoff am Papier.
Primärreaktionen (lichtabhängige Reaktionen)
Sie laufen in der Thylakoidmembran ab, wo Fotosystem II (ein Proteinkomplex mit Chlorophyll), eine Elektronentransportkette, Fotosystem I und die ATP-Synthase sitzen:
Schritt 1: Licht regt das Chlorophyll in Fotosystem II an, es gibt Elektronen ab.
Schritt 2: Die Photolyse ersetzt sie: Wasser wird im Thylakoidinnenraum gespalten, . Der Sauerstoff der Fotosynthese stammt aus Wasser.
Schritt 3: Die Elektronen laufen durch die Transportkette zu Fotosystem I. Die Kette pumpt dabei Protonen aus dem Stroma in den Thylakoidinnenraum.
Schritt 4: Fotosystem I wird durch Licht angeregt. Seine Elektronen reduzieren NADP zu NADPH.
Schritt 5: Die Protonen strömen durch die ATP-Synthase ins Stroma zurück und bilden ATP aus ADP und P. Die Lichtenergie steckt nun in ATP und NADPH.
Lichtsammelkomplex und energetisches Modell (erhöhtes Niveau)
Ein Lichtsammelkomplex besteht aus einigen Hundert Pigmentmolekülen (Chlorophyll a und b, Carotinoide) um ein Reaktionszentrum. Sie fangen Licht breit ein und leiten die Anregungsenergie zum Reaktionszentrum, einem Chlorophyll-a-Paar (P680 in Fotosystem II, P700 in Fotosystem I). Erst dort wird ein Elektron abgegeben.
Das energetische Modell (Z-Schema) trägt die Energieniveaus der Elektronen als Redoxpotenziale auf. Wasser (+0,82 V) gibt Elektronen auf tiefem Niveau ab. Licht hebt sie in Fotosystem II hoch, sie fallen durch die Transportkette abwärts und treiben die Protonenpumpe an. Fotosystem I hebt sie ein zweites Mal, bis sie NADP (−0,32 V) reduzieren. Der Weg hat die Form eines Z. Ein Elektronenpaar wird insgesamt um 1,14 V angehoben:
Sekundärreaktionen: der Calvin-Zyklus
Im Stroma bindet der Calvin-Zyklus CO und baut mit ATP und NADPH Zucker auf. Er hat drei Phasen:
Schritt 1, Fixierung: Das Enzym Rubisco verbindet CO mit Ribulose-1,5-bisphosphat (RuBP, 5 C-Atome). Das Produkt zerfällt in zwei Moleküle 3-Phosphoglycerat (3 C-Atome).
Schritt 2, Reduktion: Mit ATP und NADPH wird 3-Phosphoglycerat zu Glycerinaldehyd-3-phosphat (G3P, 3 C-Atome) reduziert. G3P ist ein Zucker, Ausgangsstoff für Glucose und Stärke.
Schritt 3, Regeneration: Von je sechs gebildeten G3P verlässt eines den Zyklus. Die übrigen fünf werden mit ATP wieder zu RuBP umgebaut.
Bilanz für ein Molekül Glucose
Bilanz für ein Molekül Glucose
Für eine Glucose (6 C-Atome) müssen 6 CO fixiert werden. Wie viele ATP und NADPH braucht der Calvin-Zyklus dafür?
Fixierung: 6 CO und 6 RuBP (30 C) ergeben 36 C, das sind 12 Moleküle 3-Phosphoglycerat. Reduktion: 12 ATP und 12 NADPH ergeben 12 G3P. Zwei G3P (6 C) werden zur Glucose, die übrigen 10 G3P (30 C) werden mit 6 ATP zu 6 RuBP (30 C) regeneriert. Summe: 12 + 6 = 18 ATP und 12 NADPH. Je CO sind das 3 ATP und 2 NADPH.
Fotosyntheserate und abiotische Faktoren
Die Fotosyntheserate misst man als O-Abgabe oder CO-Aufnahme je Zeit und Blattfläche. Gemessen wird die Nettorate, denn die Zellatmung verbraucht gleichzeitig O und setzt CO frei: Nettorate = Bruttorate minus Atmung. Der Lichtkompensationspunkt ist die Lichtstärke, bei der Fotosynthese und Atmung gleich groß sind und die Nettorate null ist.
- Licht und CO: Die Rate steigt mit beiden, dann folgt eine Sättigung, weil ein anderer Faktor begrenzt.
- Temperatur: Die Enzyme des Calvin-Zyklus haben ein Optimum, bei hoher Temperatur sinkt die Rate.
- Wasser: Bei Trockenheit schließen sich die Spaltöffnungen, und es kommt weniger CO ins Blatt.
Der knappste Faktor heißt begrenzender Faktor und bestimmt die Rate.
Lichtkompensationspunkt aus Messwerten
Lichtkompensationspunkt aus Messwerten
Angenommene Netto-CO-Aufnahme in µmol je m² und s (negativ heißt Abgabe):
| Lichtstärke in klx | 0 | 1 | 2 | 5 | 10 | 20 | 40 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nettorate | −2 | −1 | 0 | 3 | 7 | 9 | 9 |
Wo liegt der Kompensationspunkt, wie groß ist die Bruttorate bei 10 klx, und warum bleibt die Rate bei 40 klx gleich?
Bei 0 klx wird nur geatmet, die Atmung beträgt 2 µmol je m² und s. Bei 2 klx ist die Nettorate 0: Das ist der Kompensationspunkt. Bei 10 klx ist die Bruttorate 7 + 2 = 9 µmol je m² und s. Von 20 auf 40 klx steigt die Rate nicht mehr, ein anderer Faktor begrenzt sie.
C3- und C4-Pflanzen (erhöhtes Niveau)
Rubisco bindet neben CO auch O. Diese Photorespiration verschwendet Energie, vor allem bei Hitze und Trockenheit, wenn die Spaltöffnungen schließen und CO im Blatt knapp wird. C3-Pflanzen (Weizen, Reis, Kartoffel) fixieren CO nur mit Rubisco. Ihr erstes stabiles Produkt hat 3 C-Atome.
C4-Pflanzen (Mais, Zuckerrohr) trennen die Schritte räumlich. In den Mesophyllzellen bindet die PEP-Carboxylase CO an Phosphoenolpyruvat zu Oxalacetat (4 C-Atome), das zu Malat wird. Malat gibt in den Bündelscheidenzellen CO wieder ab, sodass Rubisco dort in CO-reicher Umgebung arbeitet. Der Preis ist ein höherer ATP-Verbrauch, der Vorteil eine hohe Rate bei Hitze, viel Licht und wenig Wasser.
Tracer-Methode (erhöhtes Niveau)
Bei der Tracer-Methode markiert man Stoffe mit Isotopen und verfolgt sie. Ruben und Kamen boten Grünalgen 1941 Wasser oder CO mit dem schweren Sauerstoffisotop O an. Nur bei markiertem Wasser enthielt der freigesetzte Sauerstoff das Isotop. Calvin bot Grünalgen radioaktives CO an und trennte die Stoffe nach kurzer Zeit durch Chromatografie. Als Erstes war 3-Phosphoglycerat markiert.
Der Sauerstoff stammt aus dem Kohlenstoffdioxid
Der Sauerstoff stammt aus dem Kohlenstoffdioxid
„Die Pflanze spaltet CO und gibt den Sauerstoff ab.“
Der Sauerstoff entsteht bei der Photolyse aus Wasser, das zeigt der Versuch mit schwerem Sauerstoff. Der Kohlenstoff des CO landet im Zucker.
Die Sekundärreaktionen laufen im Dunkeln
Die Sekundärreaktionen laufen im Dunkeln
„Es heißt Dunkelreaktion, also läuft der Calvin-Zyklus nachts.“
Der Calvin-Zyklus braucht ATP und NADPH aus den Primärreaktionen. Ohne Licht steht er bald still, und mehrere seiner Enzyme werden nur im Licht aktiviert.
Zusammenfassung
Primärreaktionen laufen in der Thylakoidmembran des Chloroplasten, Sekundärreaktionen im Stroma.
Das Absorptionsspektrum zeigt, welches Licht ein Farbstoff aufnimmt, das Wirkungsspektrum die Fotosyntheserate je Wellenlänge. Die Chromatografie trennt die Blattfarbstoffe.
Primärreaktionen: Photolyse von Wasser (O), Elektronentransportkette, Protonengradient, ATP-Synthase und NADPH.
Calvin-Zyklus: Fixierung mit Rubisco, Reduktion zu G3P, Regeneration von RuBP. Eine Glucose braucht 18 ATP und 12 NADPH.
Licht, CO, Temperatur und Wasser beeinflussen die Rate, der knappste Faktor begrenzt sie. Am Kompensationspunkt sind Fotosynthese und Atmung gleich.
Leistungskurs: Lichtsammelkomplexe, Z-Schema, C4-Pflanzen (weniger Photorespiration) und Tracer als Methode.
Übungen
Woher stammt der Sauerstoff, den eine Pflanze bei der Fotosynthese abgibt?
Wie viele ATP-Moleküle verbraucht der Calvin-Zyklus insgesamt, um ein Molekül Glucose aufzubauen?
Eine Pflanze atmet im Dunkeln mit einer Rate von 3 Einheiten. Bei einer bestimmten Lichtstärke misst man eine Netto-CO-Aufnahme von 9 Einheiten. Wie groß ist die Bruttofotosynthese in Einheiten?
Warum arbeiten C4-Pflanzen wie Mais bei Hitze und Trockenheit besser als C3-Pflanzen? (erhöhtes Niveau)
Erkläre, warum Blätter grün aussehen, obwohl Licht die Energiequelle der Pflanze ist.