Einfluss des Menschen auf Ökosysteme: Nachhaltigkeit und Biodiversität
Ein entwässertes Moor setzt Kohlenstoff frei, der dort Jahrtausende gespeichert war. Fichtenwälder, die in Reinbeständen angepflanzt wurden, fallen nach Trockenjahren großflächig dem Borkenkäfer zum Opfer. Auf intensiv bewirtschafteten Feldern werden Feldlerche und Wildbienen seltener.
Treibhauseffekt, Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung kennst du aus der Mittelstufe. Jetzt fragst du genauer: Wie verändert der Mensch Ökosysteme, welche Ursachen und Folgen sind nachweisbar, und wie kann man gegensteuern?
Anthropogener Treibhauseffekt und Klimawandel
Die Erde wird von kurzwelliger Sonnenstrahlung erwärmt und gibt Wärme als langwellige Infrarotstrahlung ab. Treibhausgase (Wasserdampf, CO2, Methan, Distickstoffmonoxid) absorbieren einen Teil davon und strahlen ihn auch zur Erdoberfläche zurück. Der natürliche Treibhauseffekt hebt die mittlere Temperatur der Erdoberfläche um etwa 33 K auf rund 15 °C. Ohne ihn läge sie bei etwa −18 °C. Der anthropogene (menschengemachte) Treibhauseffekt verstärkt ihn: durch Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas (CO2), Rodung und Moorentwässerung (CO2), Viehhaltung und Reisanbau (Methan) sowie Düngung (Distickstoffmonoxid). Die CO2-Konzentration stieg von etwa 280 ppm vor der Industrialisierung auf über 420 ppm, die globale Mitteltemperatur um mehr als 1 °C.
Folgen sind steigende Meeresspiegel, mehr Extremwetter und verschobene Verbreitungsgebiete. Jahreszeitliche Abläufe geraten durcheinander: Schlüpfen Raupen früher, Jungvögel aber nicht, fehlt ihnen die Nahrung. Korallen bleichen bei Hitze, und das Meer versauert, weil CO2 mit Wasser Kohlensäure bildet. Auftauender Permafrost setzt Methan und CO2 frei und verstärkt die Erwärmung (positive Rückkopplung: Die Änderung verstärkt sich selbst).
Anstieg der CO2-Konzentration
Anstieg der CO2-Konzentration
Die CO2-Konzentration stieg von 280 ppm auf 420 ppm. Berechne den Anstieg in ppm und in Prozent.
Anstieg: 420 − 280 = 140 ppm. Anteil am Ausgangswert: 140 : 280 = 0,5, das sind 50 %. Die Konzentration ist also um die Hälfte gewachsen.
Ökosystemmanagement und nachhaltige Nutzung
Erhaltungsmaßnahmen sichern wertvolle Lebensräume. Magerrasen, Heiden und Streuobstwiesen entstanden durch Mahd oder Beweidung und verbuschen ohne Nutzung durch Sukzession, sie brauchen Pflege. Renaturierung stellt zerstörte Ökosysteme wieder her: Rückbau begradigter Flüsse mit Wiederanschluss der Auen, Wiedervernässung entwässerter Moore (Torf bindet Kohlenstoff, Entwässerung setzt ihn als CO2 frei). Nachhaltige Nutzung entnimmt nicht mehr, als nachwächst, damit Ressource und Ökosystem erhalten bleiben. Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft (von Carlowitz, 1713). Heute berücksichtigt er Ökologie, Wirtschaft und Soziales.
Biodiversität und Naturschutz
Biodiversität hat drei Ebenen: die genetische Vielfalt (Unterschiede im Erbgut innerhalb einer Art, Grundlage der Anpassung), die Artenvielfalt und die Ökosystemvielfalt (verschiedene Lebensräume). Sie hat einen Nutzwert (Nahrung, Medikamente, Rohstoffe), erbringt Ökosystemleistungen (Bestäubung, Wasserreinigung, Klimaregulation) und wird auch um ihrer selbst willen geschützt.
Hauptursachen des Verlusts sind Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen, Übernutzung (Überfischung), Klimawandel, Verschmutzung und invasive Arten (Neobiota). Kleine, isolierte Populationen verlieren genetische Vielfalt und werden anfälliger. Naturschutz nutzt Rote Listen (Gefährdungsgrade), Schutzgebiete (Nationalparks, Naturschutzgebiete, in der EU das Netz Natura 2000), Biotopverbund durch Hecken und Korridore sowie Artenschutz mit Zuchtprogrammen und Saatgutbanken.
Land-, Forst- und Wasserwirtschaft
| Bereich | Belastung | Nachhaltige Alternative |
|---|---|---|
| Landwirtschaft | Monokulturen, entfernte Hecken, Pestizide, Überdüngung | Fruchtfolge, Hecken und Blühstreifen, ökologischer Landbau, Nützlinge statt Insektizide |
| Forstwirtschaft | Nadelholz-Reinbestände, anfällig für Sturm, Borkenkäfer und Trockenheit | Mischwald aus standortgerechten Arten, Totholz belassen, Naturverjüngung |
| Wasserwirtschaft | Begradigung und Verbauung, Nährstoffeintrag | Renaturierung, Pufferstreifen, Kläranlagen mit Nährstoffentfernung |
Eutrophierung entsteht, wenn zu viel Nitrat und Phosphat aus Dünger und Abwasser in ein Gewässer gelangen. Algen wachsen massenhaft, sterbende Algen werden von Destruenten unter Sauerstoffverbrauch zersetzt, am Gewässergrund fehlt Sauerstoff, und Fische sterben.
Ökologischer Fußabdruck (erhöhtes Niveau)
Der ökologische Fußabdruck ist die Fläche, die nötig ist, um den Verbrauch an Ressourcen dauerhaft zu decken und die Abfälle, vor allem CO2, aufzunehmen. Man gibt ihn in globalen Hektar (gha) an. Er wird mit der Biokapazität verglichen, der Fläche, die die Erde dauerhaft liefert. Ist er größer, lebt man auf Kosten künftiger Generationen. Angenommen, die Biokapazität liegt bei 1,6 gha je Person und ein Land verbraucht im Mittel 4,8 gha je Person. Dann gilt 4,8 : 1,6 = 3: Würden alle so leben, bräuchte man drei Erden.
Hormonartig wirkende Substanzen und Umweltgifte (erhöhtes Niveau)
Hormonartig wirkende Substanzen binden an Hormonrezeptoren und ahmen Hormone nach oder blockieren sie. Beispiele sind Bisphenol A aus Kunststoffen (östrogenähnlich), Hormonreste aus Antibabypillen im Abwasser und Tributylzinn aus Schiffsfarben, das bei Meeresschnecken Weibchen männliche Merkmale entwickeln lässt. Schon sehr geringe Mengen wirken: Unterhalb von Kläranlagen finden sich Fische mit verweiblichten Männchen.
Umweltgifte sind besonders gefährlich, wenn sie persistent (schwer abbaubar) und fettlöslich sind. Sie reichern sich im Fettgewebe an (Bioakkumulation) und steigen in der Nahrungskette von Stufe zu Stufe (Biomagnifikation), denn ein Räuber frisst viele belastete Beutetiere und scheidet den Stoff nicht aus. Beispiele sind DDT, PCB und Quecksilber in Raubfischen. DDT führte bei Greifvögeln wie dem Wanderfalken zu dünnen Eierschalen.
Gift in der Nahrungskette
Gift in der Nahrungskette
Angenommene Gehalte eines Umweltgifts: Plankton 0,04 mg je kg, Kleinfisch 0,5 mg je kg, Raubfisch 2 mg je kg, Fischadler 25 mg je kg. Um welchen Faktor ist der Gehalt beim Fischadler höher als im Plankton?
Je Stufe: 0,5 : 0,04 = 12,5, dann 2 : 0,5 = 4, dann 25 : 2 = 12,5. Zusammen 25 : 0,04 = 625. Der Fischadler trägt das 625-Fache des Planktons. Das Gift reichert sich mit jeder Stufe stärker an, weil es nicht abgebaut wird.
Ozonloch und Treibhauseffekt
Ozonloch und Treibhauseffekt
„Das Ozonloch verursacht den Klimawandel.“
Das Ozonloch ist ein Mangel an Ozon in der Stratosphäre, das UV-Strahlung abschirmt. Verursacht haben ihn vor allem FCKW. Der Treibhauseffekt entsteht durch Gase, die Infrarotstrahlung zurückhalten. Es sind zwei verschiedene Probleme, auch wenn FCKW bei beiden eine Rolle spielen.
Naturschutz heißt Natur sich selbst überlassen
Naturschutz heißt Natur sich selbst überlassen
„Am besten schützt man jeden Lebensraum, indem man ihn in Ruhe lässt.“
Viele Lebensräume der Kulturlandschaft brauchen Pflege. Ohne Mahd oder Beweidung verbuscht ein Magerrasen durch Sukzession, und seine Arten verschwinden. Nur in manchen Gebieten, etwa Teilen von Nationalparks, ist ungestörte Entwicklung das Ziel.
Zusammenfassung
Treibhausgase verstärken den natürlichen Treibhauseffekt. Der Mensch erhöht sie durch fossile Brennstoffe, Rodung, Landwirtschaft und Düngung. Folgen sind Erwärmung, Meeresspiegelanstieg, Versauerung und verschobene Lebensräume.
Erhaltung pflegt Lebensräume, Renaturierung stellt zerstörte wieder her, nachhaltige Nutzung entnimmt nicht mehr, als nachwächst.
Biodiversität umfasst genetische Vielfalt, Artenvielfalt und Ökosystemvielfalt. Hauptursache des Verlusts ist die Zerstörung von Lebensräumen.
Nachhaltige Land-, Forst- und Wasserwirtschaft setzt auf Vielfalt, Mischwald, Renaturierung und weniger Nährstoffeintrag, um Eutrophierung zu vermeiden.
Erhöhtes Niveau: Der Fußabdruck vergleicht Verbrauch und Biokapazität. Hormonartige Stoffe stören Hormonsysteme, persistente fettlösliche Gifte reichern sich in der Nahrungskette an.
Übungen
Angenommen, die CO2-Konzentration steigt von 300 ppm auf 390 ppm. Um wie viel Prozent ist sie gestiegen?
Welche Maßnahme ist eine Renaturierung?
Welches Beispiel beschreibt genetische Vielfalt?
Erhöhtes Niveau: Die Biokapazität beträgt angenommen 1,6 gha je Person, der Fußabdruck eines Landes 4,8 gha je Person. Wie viele Erden bräuchte man, wenn alle so lebten?
Erkläre, warum persistente, fettlösliche Gifte wie DDT bei Greifvögeln stärker wirken als bei Pflanzenfressern.