Löslichkeitsgleichgewichte
Lösliche Bariumsalze sind giftig. Trotzdem schluckt man vor einer Röntgenuntersuchung des Magens einen Brei aus Bariumsulfat , denn dieses Salz löst sich praktisch nicht. „Praktisch nicht“ ist aber nicht „gar nicht“: Ein winziger Rest an Ionen geht in Lösung. Auch Kalk in der Kaffeemaschine, Tropfsteine und der Sulfat-Nachweis mit Bariumchlorid beruhen darauf, dass die Löslichkeit eines Salzes eine feste Grenze hat.
Diese Grenze lässt sich als Gleichgewicht beschreiben und berechnen. Damit sagt man voraus, ob beim Mischen zweier Lösungen ein Niederschlag entsteht.
Löslichkeitsgleichgewicht
Gibt man mehr Salz in Wasser, als sich löst, bleibt ein Bodenkörper zurück, und die Lösung ist gesättigt. Dann gehen ebenso viele Ionen aus dem Gitter in Lösung, wie sich wieder anlagern: ein dynamisches Gleichgewicht, hier am Beispiel Silberchlorid. Die Löslichkeit ist die Stoffmenge, die sich je Liter höchstens löst, in mol/L (mit der molaren Masse umgerechnet in g/L).
Löslichkeitsprodukt
Auf dieses Gleichgewicht wendet man das Massenwirkungsgesetz an. Der Feststoff steht nicht im Term. Das Produkt der Ionenkonzentrationen in der gesättigten Lösung, jeweils mit den Koeffizienten als Exponenten, ist bei gegebener Temperatur konstant: das Löslichkeitsprodukt . Für ein Salz , das in Ionen und Ionen zerfällt:
Werte von
| Salz | bei 25 °C |
|---|---|
| mol²/L² | |
| mol²/L² | |
| mol³/L³ |
Gerundete Tabellenwerte. Die Einheit folgt aus dem Term.
Löslichkeit von Silberchlorid
Löslichkeit von Silberchlorid
Berechne die Löslichkeit von AgCl in reinem Wasser in mol/L und in mg/L ( g/mol).
Es lösen sich mol/L AgCl, es entstehen mol/L und mol/L . Also und mol/L. Masse: g/L g/L, das sind etwa 1,9 mg/L.
Löslichkeit von Silberchromat
Löslichkeit von Silberchromat
Berechne die Löslichkeit von in reinem Wasser und vergleiche sie mit der von AgCl, obwohl sein kleiner ist.
Es lösen sich mol/L; es entstehen mol/L und mol/L . Dann ist , also und mol/L. Das ist etwa fünfmal so viel wie bei AgCl, obwohl kleiner ist: Bei und muss man die Löslichkeiten vergleichen, nicht die -Werte.
Ionenprodukt und Fällungsreaktion
Das Ionenprodukt ist wie aufgebaut, enthält aber die tatsächlichen Konzentrationen. Es entscheidet:
- : ungesättigt, vorhandener Bodenkörper löst sich weiter.
- : gesättigt, Gleichgewicht.
- : Es fällt Niederschlag aus, bis gilt (Fällungsreaktion).
Mischt man zwei Lösungen, verdünnen sie sich gegenseitig. Man setzt die Konzentrationen nach dem Mischen ein. Fällungen nutzt man im Nachweis (Sulfat mit Barium-Ionen, Chlorid mit Silber-Ionen) und in der Wasserreinigung (Phosphat wird mit Eisen- oder Aluminiumsalzen gefällt).
Fällt Bariumsulfat aus?
Fällt Bariumsulfat aus?
50 mL Bariumchlorid-Lösung und 50 mL Natriumsulfat-Lösung mit derselben Konzentration werden gemischt. Fällt aus, (a) bei mol/L, (b) bei mol/L? ( mol²/L²)
Das Volumen verdoppelt sich, jede Konzentration halbiert sich: .
(a) mol/L, . Das ist weit größer als : Es fällt Niederschlag aus.
(b) mol/L, . Das ist kleiner als : Alles bleibt gelöst.
Gleichioniger Zusatz
Gleichioniger Zusatz
Berechne die Löslichkeit von in einer Natriumsulfat-Lösung mit mol/L und vergleiche sie mit der in reinem Wasser.
In reinem Wasser: mol/L. In der Lösung ist mol/L, denn das zusätzlich gelöste Sulfat ist dagegen winzig. Es gilt , also und mol/L. Die Löslichkeit sinkt auf etwa ein Zehntausendstel. Ein Ion, das schon in der Lösung ist (gleichioniger Zusatz), verschiebt das Gleichgewicht nach Le Chatelier zum Feststoff.
Kleineres heißt immer kleinere Löslichkeit
Kleineres heißt immer kleinere Löslichkeit
„ hat das kleinere als AgCl, löst sich also schlechter.“
Der Vergleich der -Werte gilt nur für Salze mit gleich aufgebauter Formel, etwa AgCl und . Bei verschiedenen Formeln rechnet man die Löslichkeiten aus: löst sich besser als AgCl.
Ein Niederschlag fällt, sobald beide Ionen da sind
Ein Niederschlag fällt, sobald beide Ionen da sind
„Sind Barium-Ionen und Sulfat-Ionen in einer Lösung, fällt Bariumsulfat aus.“
Es fällt nur aus, wenn ist, berechnet mit den Konzentrationen nach dem Mischen. Bei sehr verdünnten Lösungen bleibt alles gelöst, und auch in einer gesättigten Lösung ist stets etwas gelöst.
Zusammenfassung
In einer gesättigten Lösung steht der Bodenkörper im dynamischen Gleichgewicht mit den gelösten Ionen.
Löslichkeitsprodukt: ist das Produkt der Ionenkonzentrationen mit den Koeffizienten als Exponenten. Der Feststoff steht nicht im Term. Es hängt nur von der Temperatur ab.
Aus erhält man die Löslichkeit: bei Salzen , bei .
Es fällt Niederschlag aus, wenn das Ionenprodukt größer ist als . Beim Mischen muss man die Verdünnung beachten.
Ein gleichioniger Zusatz senkt die Löslichkeit, das Entfernen eines Ions erhöht sie.
Übungen
Ein Salz AB hat das Löslichkeitsprodukt K_L = 4,0·10⁻⁸ mol²/L². Berechne seine Löslichkeit in reinem Wasser. Gib die Zahl vor 10⁻⁴ mol/L an.
Angenommen, ein Salz AB2 löst sich in reinem Wasser bis zu L = 1,0·10⁻³ mol/L. Berechne K_L. Gib die Zahl vor 10⁻⁹ mol³/L³ an.
Je 50 mL Silbernitrat-Lösung und Natriumchlorid-Lösung mit c = 2,0·10⁻⁵ mol/L werden gemischt. K_L(AgCl) = 1,8·10⁻¹⁰ mol²/L². Was geschieht?
Wie groß ist die Löslichkeit von AgCl in einer Natriumchlorid-Lösung mit c(Cl⁻) = 0,010 mol/L? K_L = 1,8·10⁻¹⁰ mol²/L². Gib die Zahl vor 10⁻⁸ mol/L an.
Erkläre mit dem Löslichkeitsprodukt, warum sich Kalk (CaCO3) in Essigsäure oder Salzsäure löst, obwohl er sich in Wasser kaum löst.