Funktionsklassen und Eigenschaften von Funktionen
Nach dieser Lektion kannst du
die geläufigen Funktionsklassen am Graphen und am Term unterscheiden,
Definitionsbereich, Nullstellen und -Achsenabschnitt einer Funktion bestimmen,
gerade und ungerade Funktionen an der Symmetrie des Graphen erkennen,
beschreiben, wie Streckung und Verschiebung den Graphen verändern.
In der Mittelstufe hast du schon viele Graphen gezeichnet: Geraden, Parabeln, die Hyperbel . Jede dieser Kurven gehört zu einer Familie. Alle Geraden sehen im Grunde gleich aus, nur steiler oder flacher, höher oder tiefer. Alle nach oben geöffneten Parabeln haben denselben Bauplan, nur der Scheitel sitzt woanders.
In der Oberstufe brauchst du eine Sprache, mit der du jede Funktion beschreiben kannst, auch solche, die du noch nicht kennst. Die Sprache besteht aus ein paar Fragen, die man einem Graphen stellen kann:
- Wo darf überhaupt stehen? (Definitionsbereich)
- Wo schneidet der Graph die Achsen?
- Ist er symmetrisch?
- Wird er nach rechts hin immer steiler, oder flacht er ab?
Diese Lektion sammelt die Antworten. Danach kannst du einen unbekannten Graphen lesen, statt ihn nur anzuschauen.
Drei Größen wachsen mit der Zeit : die Höhe einer Kerze nimmt gleichmäßig ab, die Fläche eines Quadrats wächst mit der Seitenlänge quadratisch, eine Bakterienkultur verdoppelt sich in gleichen Abständen. Welche der drei Beschreibungen passt zu einer Exponentialfunktion?
Probier es aus
Funktionsklasse
Eine Funktionsklasse ist eine Familie von Funktionen, die denselben Bauplan haben. Der Bauplan ist ein Term mit Parametern; setzt man für die Parameter Zahlen ein, erhält man ein konkretes Mitglied der Familie.
Die Klassen, die in der Oberstufe ständig vorkommen:
| Klasse | Bauplan | typischer Graph |
|---|---|---|
| linear | Gerade | |
| quadratisch | Parabel | |
| ganzrational | glatte Kurve ohne Lücken | |
| gebrochen-rational | Hyperbeläste, Lücken | |
| Wurzelfunktion | halbe liegende Parabel | |
| Exponentialfunktion | flach, dann steil (oder umgekehrt) | |
| Logarithmus | steil, dann flach | |
| trigonometrisch | Welle |
„Ganzrational“ heißt: nur Potenzen mit nichtnegativen ganzzahligen Exponenten, plus Zahlen. „Gebrochen-rational“ heißt: ein ganzrationaler Term geteilt durch einen anderen.
Definitionsbereich und Wertebereich
Der Definitionsbereich einer Funktion ist die Menge aller , für die der Term einen reellen Wert hat. Der Wertebereich ist die Menge aller Zahlen, die als Funktionswert wirklich vorkommen.
Drei Verbote legen in der Schule fast immer fest:
1. Durch null teilen ist nicht definiert. Bei fehlt .
2. Die Wurzel aus einer negativen Zahl ist in den reellen Zahlen nicht definiert. Bei gilt .
3. Der natürliche Logarithmus ist nur für positive Zahlen definiert. Bei gilt .
Den Wertebereich liest man oft am Graphen ab: Welche -Höhen werden erreicht, welche nie? Die Gerade erreicht jede Höhe, die Parabel nur .
Definitionsbereich von
Definitionsbereich von
Zwei Bedingungen müssen gleichzeitig gelten: Der Radikand darf nicht negativ sein, und der Nenner darf nicht null sein.
Aus der ersten Bedingung folgt . Die zweite streicht den Punkt (der sowieso rechts von liegt). Also ist . An hat der Graph eine Lücke, bei beginnt er, weil dort die Wurzel null wird.
Welcher Definitionsbereich gehört zu ?
Nullstelle und -Achsenabschnitt
Eine Zahl heißt Nullstelle von , wenn ist. Im Graphen ist das ein Schnittpunkt mit der -Achse.
Der -Achsenabschnitt ist der Wert , falls im Definitionsbereich liegt. Im Graphen ist das der Schnittpunkt mit der -Achse.
Beides sind Antworten auf dieselbe Frage, nur an verschiedenen Achsen: Wo ist ? Wo ist ?
Nullstellen von
Nullstellen von
Ein Produkt ist null, wenn einer der Faktoren null ist. Also oder , das heißt oder . Der -Achsenabschnitt ist .
Probe: und . Zwischen den Nullstellen, etwa bei , liegt der Graph unter der Achse. Links von und rechts von liegt er darüber. Dieses Vorzeichenwechsel-Bild brauchst du später bei der Kurvendiskussion ständig.
Die Parabel hat wie viele Nullstellen?
Falten und drehen. Manche Graphen sehen links von der -Achse genauso aus wie rechts. Andere sehen aus, als hätte man sie um den Ursprung um gedreht. Diese beiden Symmetrien haben Namen, und man erkennt sie am Term, ohne zu zeichnen.
Gerade und ungerade Funktionen
Eine Funktion heißt gerade, wenn für alle im Definitionsbereich auch darin liegt und gilt. Der Graph ist dann achsensymmetrisch zur -Achse. Beispiele: , , .
Eine Funktion heißt ungerade, wenn gilt. Der Graph ist punktsymmetrisch zum Ursprung: Stellt man ihn auf den Kopf und spiegelt ihn an der -Achse, sieht er gleich aus. Beispiele: , , .
Die Namen kommen von den Potenzen: ist gerade, wenn gerade ist, und ungerade, wenn ungerade ist. Die meisten Funktionen sind weder das eine noch das andere, etwa .
Symmetrie am Term prüfen
Symmetrie am Term prüfen
Man ersetzt durch und vergleicht mit und mit .
Gegeben . Bilde :
Welche Aussage über ist richtig?
Bauen durch Verschieben. Hat man den Graphen von im Kopf, braucht man für kein neues Bild: Die Parabel ist um nach rechts und um nach oben geschoben. Dieselbe Idee gilt für jede Funktion.
Probier es aus
Verschiebung und Streckung
Sei eine beliebige Funktion. Aus ihrem Graphen entstehen neue Graphen durch vier Grundbewegungen:
- schiebt um nach oben (negatives : nach unten),
- schiebt um nach rechts (negatives : nach links),
- mit streckt senkrecht; streckt und spiegelt an der -Achse,
- mit staucht waagerecht (der Graph wird schmaler), streckt waagerecht.
Die Reihenfolge ist nicht egal. Üblich ist, von innen nach außen zu lesen: zuerst die innere Verschiebung , dann die Streckung, zuletzt die äußere Verschiebung.
Von zu
Von zu
Man baut in drei Schritten aus :
1. schiebt den Graphen um nach links (weil ). Der Startpunkt wandert von nach .
2. streckt mit Faktor und spiegelt an der -Achse. Der Graph zeigt nach unten.
3. schiebt um nach oben. Der Startpunkt liegt bei .
Der Definitionsbereich bleibt , nur verschoben.
nach links schieben
nach links schieben
Häufig wird um nach links geschoben, „weil da ein Minus steht“. Das Minus gehört zum : Damit dasselbe Argument wie vorher entsteht, muss um größer sein. Der Graph wandert nach rechts.
Probe mit einer Nullstelle. Hat eine Nullstelle bei , so hat eine Nullstelle bei , denn . Die Nullstelle ist nach rechts gewandert.
liegt um weiter rechts als . liegt um weiter oben.
Zusammenfassung
Eine Funktionsklasse ist ein Bauplan mit Parametern. Geraden, Parabeln, Hyperbeln, Wurzeln, Exponential- und Logarithmusfunktionen und Wellen sind die Klassen der Oberstufe.
Der Definitionsbereich ist die Menge der erlaubten : nicht durch null teilen, unter der Wurzel nicht negativ, im Logarithmus echt positiv.
Nullstellen sind die mit . Der -Achsenabschnitt ist .
Gerade Funktionen sind achsensymmetrisch zur -Achse (), ungerade punktsymmetrisch zum Ursprung ().
verschiebt um nach rechts und um nach oben. Der Faktor in streckt senkrecht und spiegelt für .
Übungen
Zu welcher Klasse gehört ?
Gib den Definitionsbereich von als Ungleichung für an.
Wie viele Nullstellen hat ?
Die Funktion ist
Der Graph von wird um nach rechts und um nach unten geschoben. Wie lautet der neue Term?
Erkläre, warum ungerade ist, und was das für den Graphen heißt.