Regelungstechnik
Der Thermostat einer Heizung hält ein Zimmer auf 21 °C, obwohl es draußen kälter wird oder jemand das Fenster öffnet. Er misst die Temperatur, vergleicht sie mit dem Wunsch und schaltet die Heizung. Eine Steuerung ohne Messung könnte das nicht: Sie stellt die Heizung auf einen festen Wert und merkt nicht, wenn sich die Lage ändert.
Wie sieht ein solcher Wirkungskreis aus? Wie entscheidet der Regler, wann er eingreift, und wie genau trifft er den Wunschwert? Die Lektion klärt das für zwei einfache Regler. Der Teil für das Leistungsniveau (Sprungantwort, Streckentypen, I- und PI-Regler, Simulation) steht am Ende.
Regelkreis und Blockdiagramm
Beim Regeln misst man die Größe, die man beeinflussen will, vergleicht sie mit dem Wunsch und greift ein, bis beide übereinstimmen. Weil die Messung auf den Eingriff zurückwirkt, ist der Wirkungsablauf ein geschlossener Kreis (negative Rückkopplung). Bei einer Steuerung fehlt die Messung, eine Störung bleibt unbemerkt. Die Größen, am Beispiel der Raumheizung:
| Zeichen | Name | Beispiel |
|---|---|---|
| Führungsgröße (Sollwert) | gewünschte Temperatur 21 °C | |
| Regelgröße (Istwert) | gemessene Raumtemperatur | |
| Regelabweichung | Wunsch minus Messwert | |
| Stellgröße | Ventilöffnung, Heizleistung | |
| Störgröße | geöffnetes Fenster |
Im Blockdiagramm steht jeder Teil als Rechteck, Pfeile zeigen den Signalfluss. Der Regler erhält und gibt ab. Das Stellglied (Ventil) wirkt auf die Regelstrecke (den Teil der Anlage mit der Regelgröße, hier der Raum), auf die auch wirkt. Der Messfühler führt zum Vergleich zurück.
Zweipunktregler
Ein Zweipunktregler kennt nur zwei Stellgrößen: ein und aus. Er schaltet ein, wenn unter minus der halben Schaltdifferenz liegt, und aus, wenn über plus der halben Schaltdifferenz liegt. Dazwischen behält er den Zustand. Die Schaltdifferenz (Hysterese) verhindert, dass er bei ständig hin- und herschaltet. Die Regelgröße pendelt dadurch dauernd um den Sollwert. Vorteil: einfach und billig (Thermostat im Bügeleisen). Nachteil: Dauerschwingung und Verschleiß bei häufigem Schalten.
Raumthermostat
Raumthermostat
Sollwert 21 °C, Schaltdifferenz 1 K: Die Heizung schaltet bei 20,5 °C ein und bei 21,5 °C aus. Angenommen steigt die Temperatur bei eingeschalteter Heizung um 0,2 K je Minute und sinkt bei ausgeschalteter um 0,05 K je Minute. Wie lange dauert ein Schaltspiel, und wie viel Prozent der Zeit ist die Heizung an?
Aufheizen um 1 K: 1 K : 0,2 K/min = 5 min. Abkühlen um 1 K: 1 K : 0,05 K/min = 20 min. Ein Schaltspiel dauert 5 + 20 = 25 min, die Heizung ist 5/25 = 20 % der Zeit an. Bei einer Schaltdifferenz von 2 K wären es 50 min: Die Temperatur schwankt stärker, dafür schaltet die Heizung seltener.
P-Regler
Ein P-Regler gibt eine Stellgröße proportional zur Regelabweichung ab: mit dem Verstärkungsfaktor . Er stellt stetig statt zu schalten. Eine Strecke mit Ausgleich stellt sich bei konstanter Stellgröße auf einen festen Wert ein. Hier vereinfacht ohne Verzögerung: mit der Streckenverstärkung . Aus folgt nach aufgelöst die Regelabweichung unten. Sie ist nie null: Der P-Regler gibt nur dann eine Stellgröße ab, wenn ist. Diese bleibende Regelabweichung wird mit größerem kleiner. Bei Strecken mit Verzögerung kann ein zu großes den Kreis zum Schwingen bringen.
Bleibende Regelabweichung
Bleibende Regelabweichung
Eine Strecke hat , der Sollwert ist (Größen ohne Einheit). Berechne , und für und für .
Aus folgt . Für ist , also , , (Probe: ). Für ist , also , , (Probe: ). Ein größeres verkleinert , beseitigt es aber nicht.
Sprungantwort und Streckentypen
Das Zeitverhalten eines Gliedes (Strecke oder Regler) zeigt seine Sprungantwort: Der Eingang springt zur Zeit 0 von 0 auf den festen Wert , aufgezeichnet wird der Ausgang .
- P-Strecke: Der Ausgang folgt sofort, (etwa ein Spannungsteiler).
- PT1-Strecke (Verzögerung erster Ordnung): Der Ausgang nähert sich dem Endwert mit der Zeitkonstante , wie die Spannung beim Laden eines Kondensators. Nach sind etwa 63 % des Endwerts erreicht, nach etwa 95 %.
- I-Strecke: Der Ausgang wächst bei konstantem Eingang gleichmäßig, (Füllstand bei konstantem Zufluss). Sie stellt sich auf keinen festen Wert ein.
I-Regler und PI-Regler
Der I-Regler summiert die Regelabweichung auf, seine Stellgröße wächst, solange ist, und bleibt erst bei stehen. Im eingeschwungenen Zustand bleibt deshalb keine Regelabweichung. Dafür reagiert er langsam und neigt zum Schwingen. Der PI-Regler addiert beide Anteile: Der P-Anteil reagiert sofort, der I-Anteil beseitigt die Restabweichung. Seine Sprungantwort springt auf und steigt dann linear mit der Steigung .
Simulation eines Regelkreises
Eine Simulation rechnet den Regelkreis in kleinen Zeitschritten . Für eine PT1-Strecke gilt je Schritt : Man geht mit der momentanen Steigung ein Stück weiter. Je kleiner , desto genauer ist das. Ablauf (Pseudocode):
| Zeile | Einrückung | Anweisung |
|---|---|---|
| 1 | 0 | |
| 2 | 0 | |
| 3 | 1 | |
| 4 | 1 | |
| 5 | 1 |
Die ersten Schritte der Simulation
Die ersten Schritte der Simulation
PT1-Strecke mit und , P-Regler mit , , . Berechne die ersten drei Schritte.
Es ist . Schritt 1: , , . Schritt 2: , , . Schritt 3: , , . Der Wert nähert sich wie im Beispiel zur bleibenden Regelabweichung.
Der P-Regler erreicht den Sollwert
Der P-Regler erreicht den Sollwert
„Wenn ich lange genug warte, regelt der P-Regler genau auf den Sollwert.“
Er gibt nur dann eine Stellgröße ab, wenn eine Regelabweichung besteht. Wäre , wäre auch . Bei einer Strecke mit Ausgleich bleibt deshalb eine Restabweichung . Nur ein I-Anteil beseitigt sie.
Steuern und Regeln sind dasselbe
Steuern und Regeln sind dasselbe
„Ein Backofen mit fester Heizleistung regelt die Temperatur.“
Eine Steuerung wirkt ohne Messung der Wirkung: Öffnest du die Tür, merkt sie es nicht. Beim Regeln wird die Regelgröße gemessen und zurückgeführt, der Regler gleicht Störungen aus.
Zusammenfassung
Ein Regelkreis misst die Regelgröße , bildet und stellt so, dass die Störgröße ausgeglichen wird. Das Blockdiagramm zeigt Regler, Stellglied, Strecke und Rückführung.
Ein Zweipunktregler schaltet ein und aus. Die Schaltdifferenz verhindert Dauerschalten, die Regelgröße pendelt um den Sollwert.
Ein P-Regler stellt . An einer Strecke mit Ausgleich bleibt eine Regelabweichung , die mit sinkt.
Leistungskurs: Die Sprungantwort kennzeichnet P-, PT1- und I-Strecke. Der I-Anteil beseitigt die Regelabweichung, der PI-Regler verbindet schnelle Reaktion mit genauem Ergebnis.
Leistungskurs: Eine Simulation rechnet den Kreis in Zeitschritten.
Übungen
Welche Aussage über einen Zweipunktregler stimmt?
Ein Zweipunktregler hat eine Schaltdifferenz von 2 K. Bei eingeschalteter Heizung steigt die Temperatur um 0,25 K je Minute, bei ausgeschalteter sinkt sie um 0,05 K je Minute. Wie lange dauert ein Schaltspiel, in Minuten?
Ein P-Regler regelt eine Strecke ohne Verzögerung mit und . Der Sollwert ist 160. Wie groß ist die bleibende Regelabweichung?
Leistungskurs: Bei der Sprungantwort einer PT1-Strecke ist nach der Zeit etwa welcher Anteil des Endwerts erreicht?
Leistungskurs: Erkläre, warum ein PI-Regler im eingeschwungenen Zustand keine Regelabweichung hat, ein P-Regler an einer Strecke mit Ausgleich aber schon.