Automatisierungstechnik: Sensoren, Aktoren, Logik und Steuerungen
Ein Garagentor soll auf Knopfdruck öffnen und schließen. Der Motor muss oben und unten anhalten, bei einem Hindernis sofort stoppen und weiterlaufen, auch wenn du den Taster längst losgelassen hast.
Woher weiß die Anlage, wo das Tor steht? Wie wird aus mehreren Bedingungen ein Schaltbefehl, und wie merkt sie ihn sich? Wie wird aus Helligkeit ein Signal? Und wie plant man eine ganze Anlage?
Digitale Sensoren und Aktoren
Automatisierung folgt dem Prinzip Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe. Sensoren erfassen den Zustand des Prozesses, die Steuerung verarbeitet die Signale, Aktoren greifen ein. Ein digitaler Sensor kennt nur zwei Zustände (logisch 0 und 1): Taster, Endschalter, Lichtschranke. Ein digitaler Aktor wird ein- oder ausgeschaltet: Signalleuchte, Magnetventil, Relais (ein durch eine Spule betätigter Schalter).
Eine logische 1 ist bei Mikrocontrollern etwa 3,3 V oder 5 V, bei Industriesteuerungen 24 V. Ein Mikrocontroller-Ausgang liefert nur kleine Ströme (typisch bis etwa 20 mA). Einen Motor schaltet er über eine Leistungsstufe (Transistor oder Relais).
Logik-Bausteine
Gatter verknüpfen digitale Signale: UND gibt 1, wenn alle Eingänge 1 sind, ODER, wenn mindestens ein Eingang 1 ist, NICHT kehrt um. Schreibweise: (UND), (ODER), (NICHT); der Malpunkt darf entfallen. Das Tor schließt, wenn der Taster ZU gedrückt ist (), die Lichtschranke frei ist () und der untere Endschalter nicht anspricht (). Ein Gatter hat kein Gedächtnis: Sein Ausgang hängt nur von den aktuellen Eingängen ab.
Speicher und Zähler
Der Motorbefehl muss bleiben, wenn der Taster losgelassen wird. Dafür braucht man einen Speicher: das SR-Flipflop. Ein Impuls an S (Setzen) macht den Ausgang zu 1, ein Impuls an R (Rücksetzen) zu 0, sonst bleibt gleich. Das gelingt durch Rückkopplung: Der Ausgang wirkt auf den Eingang zurück. In Steuerungen heißt das Selbsthaltung. Soll bei S und R zugleich der Stopp gewinnen, gilt die Gleichung unten ( rechts ist der Wert vom vorigen Durchlauf).
Ein Zähler besteht aus Flipflops hintereinander und zählt Impulse im Dualsystem: Mit Flipflops zählt er von 0 bis .
Selbsthaltung beim Garagentor
Selbsthaltung beim Garagentor
S ist der Taster AUF, R ist STOPP oder der obere Endschalter, ist der Motorbefehl. Prüfe :
| S | R | Q vorher | Q neu |
|---|---|---|---|
| 1 | 0 | 0 | 1 |
| 0 | 0 | 1 | 1 |
| 0 | 1 | 1 | 0 |
| 1 | 1 | 0 | 0 |
Zeile 2: AUF ist wieder losgelassen, trotzdem gilt . Das ist der Speicher. Zeile 3: Der Endschalter macht , der Motor stoppt. Zeile 4: Der Stopp hat Vorrang.
Optimierung digitaler Schaltungen
Optimieren heißt, dieselbe Funktion mit weniger Gattern zu bauen (das spart Platz, Geld und Energie). Zwei Hilfsmittel: Umformen mit den Regeln der Booleschen Algebra und das KV-Diagramm, eine Wahrheitstabelle, in der benachbarte Felder sich in genau einer Variablen unterscheiden. Benachbarte Einsen in Blöcken von 2, 4 oder 8 Feldern ergeben einen Term, in dem die Variablen entfallen, die sich im Block ändern. Beim Umformen gelten und (ein Term darf mehrfach verwendet werden):
Zwei-aus-drei-Auswahl vereinfachen
Zwei-aus-drei-Auswahl vereinfachen
Drei Sensoren A, B, C überwachen denselben Druck. Die Abschaltung löst aus, wenn mindestens zwei ansprechen: für . Ein einzelner Fehler löst so nicht aus und verhindert die Abschaltung nicht (2-aus-3-Auswahl der Sicherheitstechnik). Vereinfache.
Der Term gehört zu allen drei Paaren benachbarter Einsen und wird dreimal verwendet. Jedes Paar wird ausgeklammert, etwa . Vorher 8 Gatter (3 NICHT, 4 UND, 1 ODER), nachher 4 (3 UND, 1 ODER).
Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS)
Bei einer verbindungsprogrammierten Steuerung steckt die Funktion in der Verdrahtung, eine Änderung heißt Umbau. Eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) ist ein Rechner für Anlagen, dessen Funktion als Programm im Speicher steht. Sie hat Eingabebaugruppen (Sensorsignale), eine Zentraleinheit mit Programmspeicher und Ausgabebaugruppen (Aktoren). Auch ein Mikrocontroller arbeitet speicherprogrammiert.
Das Programm läuft zyklisch: Eingänge einlesen und in einem Speicherbereich (Prozessabbild) festhalten, Programm einmal von oben nach unten abarbeiten, Ausgänge schreiben, von vorn (oft nach wenigen Millisekunden). Programmiert wird im Kontaktplan (wie ein Stromlaufplan), im Funktionsplan (mit Gattersymbolen) oder textuell.
Messwertaufnehmer und Spannungsteiler
Ein Messwertaufnehmer wandelt eine physikalische Größe in eine elektrische um. Drei einfache ändern ihren Widerstand:
- Fotowiderstand (LDR): bei mehr Licht niederohmiger.
- Heißleiter (NTC): bei höherer Temperatur niederohmiger, misst Temperaturen.
- Kaltleiter (PTC): bei höherer Temperatur hochohmiger (bei Keramik erst oberhalb einer Schalttemperatur stark), schützt vor Überhitzung.
Eine Steuerung braucht eine Spannung. Ein Spannungsteiler macht sie aus der Widerstandsänderung: und liegen in Reihe an , abgegriffen wird die Spannung über . Ist der Messwertaufnehmer, folgt der Messgröße. Der Abgriff darf nur wenig Strom liefern.
Dämmerungsschalter mit Mikrocontroller
Dämmerungsschalter mit Mikrocontroller
Ein Spannungsteiler liegt an , oben , unten ein Fotowiderstand mit angenommen (hell) und (dunkel). Berechne und die Zahl, die ein 10-Bit-Analog-Digital-Umsetzer im Mikrocontroller liest (0 V bis 5 V ergeben 0 bis 1023).
Hell: . Der Umsetzer liest . Dunkel: , Zahl . Das Programm schaltet die Lampe ein, wenn der Wert über einer Schwelle dazwischen liegt, etwa 500.
Blockdiagramm, Messvorrichtung und Leiterplatte
Ein Blockdiagramm zeigt ein System als Rechtecke (Funktionseinheiten) und Pfeile (Signalfluss). Es sagt, was jeder Block tut, nicht, wie er innen gebaut ist. Der Dämmerungsschalter ist eine Messvorrichtung mit Mikrocontroller. Die Blöcke in Signalrichtung:
| Block | Ausgangssignal |
|---|---|
| Fotowiderstand mit Spannungsteiler | Spannung 0 V bis 5 V |
| Analog-Digital-Umsetzer | Zahl 0 bis 1023 |
| Mikrocontroller (Vergleich mit Schwelle) | 0 oder 1 |
| Leistungsstufe mit Lampe (Aktor) | Licht |
Aufgebaut wird die Schaltung auf einer Leiterplatte: Auf Isolierstoff verbinden Kupferleiterbahnen die Bauteile, die durch Bohrungen gesteckt oder als oberflächenmontierte Bauteile (SMD) aufgelötet werden. Löten nur mit Einweisung: Die Lötspitze ist mehrere hundert Grad heiß.
Technische Prozesse darstellen und optimieren
Ein technischer Prozess ist eine Folge von Schritten, die Stoffe, Energie oder Information umformen. Man stellt ihn dar, etwa als Ablaufplan (Rechtecke für Schritte, Rauten für Entscheidungen, Pfeile für die Reihenfolge), und zerlegt ihn in Teilprozesse, die man einzeln plant und testet. Zum Optimieren entwirft man Varianten und vergleicht sie nach Taktzeit (Zeit zwischen zwei fertigen Teilen), Durchsatz (Teile je Minute), Kosten und Ausschuss. Arbeiten die Teilprozesse wie am Fließband gleichzeitig, bestimmt der langsamste die Taktzeit: der Engpass. Eine Variante wird getestet (Normalfall, Grenz- und Fehlerfälle) und bewertet: Messwerte und Kosten gegen die Anforderung.
Abfüllanlage verbessern
Abfüllanlage verbessern
Vier Teilprozesse: Zuführen 4 s, Befüllen 10 s, Verschließen 6 s, Etikettieren 5 s (Transport vernachlässigt). Vergleiche (A) eine Flasche nach der anderen, (B) Fließbetrieb, (C) Fließbetrieb mit einer zweiten Füllstation, die abwechselnd mit der ersten arbeitet. Wie groß sind Taktzeit und Durchsatz?
(A) 4 + 10 + 6 + 5 = 25 s je Flasche, also 60 : 25 = 2,4 Flaschen je Minute. (B) Engpass ist das Befüllen: Taktzeit 10 s, 6 Flaschen je Minute. (C) Zwei Füllstationen liefern zusammen alle 5 s eine Flasche. Nun ist das Verschließen der Engpass: Taktzeit 6 s, 10 Flaschen je Minute. Bewertet wird gegen die Kosten (zweite Station angenommen 8000 Euro), getestet auch mit Fehlerfällen wie einer fehlenden Flasche.
Ein Gatter kann sich etwas merken
Ein Gatter kann sich etwas merken
„Mit einem UND-Gatter halte ich den Motorbefehl, auch wenn der Taster losgelassen wird.“
Ein Gatter ohne Rückkopplung hat kein Gedächtnis. Speichern kann erst die Rückführung des Ausgangs auf den Eingang, wie im Flipflop.
Die SPS reagiert sofort
Die SPS reagiert sofort
„Eine SPS reagiert in jedem Moment auf jede Änderung eines Eingangs.“
Sie liest die Eingänge einmal je Zyklus ein. Ein Impuls, der kürzer ist als ein Zyklus, kann unbemerkt bleiben.
Zusammenfassung
Digitale Sensoren und Aktoren kennen zwei Zustände. Größere Lasten schaltet ein Mikrocontroller über eine Leistungsstufe.
Gatter haben kein Gedächtnis. Ein Flipflop speichert durch Rückkopplung (Selbsthaltung), ein Zähler aus Flipflops zählt bis .
Optimieren heißt: gleiche Funktion mit weniger Gattern, durch Umformen oder im KV-Diagramm.
Eine SPS arbeitet zyklisch (einlesen, abarbeiten, ausgeben) und ist per Programm änderbar. Messwertaufnehmer wie der Fotowiderstand liefern über einen Spannungsteiler eine Spannung, die ein Umsetzer in eine Zahl wandelt.
Ein Blockdiagramm zeigt Funktionseinheiten und Signalfluss. Bei einem Prozess bestimmt der Engpass die Taktzeit; Varianten werden getestet und bewertet.
Übungen
Bei welchem Bauteil steigt der Widerstand, wenn die Temperatur steigt?
An 12 V liegt ein Spannungsteiler aus (oben) und einem Fotowiderstand (unten) mit bei Dunkelheit. Welche Spannung liegt am Fotowiderstand, in Volt?
Ein Zähler soll Flaschen von 0 bis 100 zählen. Wie viele Flipflops braucht er mindestens?
Vier Stationen arbeiten im Fließbetrieb mit 3 s, 8 s, 5 s und 4 s. Die langsamste Station wird verdoppelt, die zweite arbeitet abwechselnd mit der ersten. Wie groß ist der Durchsatz dann, in Teilen je Minute?
Vereinfache und nenne die benutzten Regeln.