Lektion 5.1

Automatisierungstechnik: Sensoren, Aktoren, Logik und Steuerungen

22 min Lesezeit

Ein Garagentor soll auf Knopfdruck öffnen und schließen. Der Motor muss oben und unten anhalten, bei einem Hindernis sofort stoppen und weiterlaufen, auch wenn du den Taster längst losgelassen hast.

Woher weiß die Anlage, wo das Tor steht? Wie wird aus mehreren Bedingungen ein Schaltbefehl, und wie merkt sie ihn sich? Wie wird aus Helligkeit ein Signal? Und wie plant man eine ganze Anlage?

Definition

Digitale Sensoren und Aktoren

Automatisierung folgt dem Prinzip Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe. Sensoren erfassen den Zustand des Prozesses, die Steuerung verarbeitet die Signale, Aktoren greifen ein. Ein digitaler Sensor kennt nur zwei Zustände (logisch 0 und 1): Taster, Endschalter, Lichtschranke. Ein digitaler Aktor wird ein- oder ausgeschaltet: Signalleuchte, Magnetventil, Relais (ein durch eine Spule betätigter Schalter).

Eine logische 1 ist bei Mikrocontrollern etwa 3,3 V oder 5 V, bei Industriesteuerungen 24 V. Ein Mikrocontroller-Ausgang liefert nur kleine Ströme (typisch bis etwa 20 mA). Einen Motor schaltet er über eine Leistungsstufe (Transistor oder Relais).

Definition

Logik-Bausteine

Gatter verknüpfen digitale Signale: UND gibt 1, wenn alle Eingänge 1 sind, ODER, wenn mindestens ein Eingang 1 ist, NICHT kehrt um. Schreibweise: A⋅BA \cdot B (UND), A+BA + B (ODER), A‾\overline{A} (NICHT); der Malpunkt darf entfallen. Das Tor schließt, wenn der Taster ZU gedrückt ist (T=1T = 1), die Lichtschranke frei ist (L=1L = 1) und der untere Endschalter nicht anspricht (E=0E = 0). Ein Gatter hat kein Gedächtnis: Sein Ausgang hängt nur von den aktuellen Eingängen ab.

Mzu=T⋅L⋅E‾M_\text{zu} = T \cdot L \cdot \overline{E}
Definition

Speicher und Zähler

Der Motorbefehl muss bleiben, wenn der Taster losgelassen wird. Dafür braucht man einen Speicher: das SR-Flipflop. Ein Impuls an S (Setzen) macht den Ausgang QQ zu 1, ein Impuls an R (Rücksetzen) zu 0, sonst bleibt QQ gleich. Das gelingt durch Rückkopplung: Der Ausgang wirkt auf den Eingang zurück. In Steuerungen heißt das Selbsthaltung. Soll bei S und R zugleich der Stopp gewinnen, gilt die Gleichung unten (QQ rechts ist der Wert vom vorigen Durchlauf).

Ein Zähler besteht aus Flipflops hintereinander und zählt Impulse im Dualsystem: Mit nn Flipflops zählt er von 0 bis 2n−12^n - 1.

Q=(S+Q)⋅R‾Q = (S + Q) \cdot \overline{R}
Beispiel

Selbsthaltung beim Garagentor

S ist der Taster AUF, R ist STOPP oder der obere Endschalter, QQ ist der Motorbefehl. Prüfe Q=(S+Q)⋅R‾Q = (S + Q)\cdot\overline{R}:

SRQ vorherQ neu
1001
0011
0110
1100

Zeile 2: AUF ist wieder losgelassen, trotzdem gilt Q=(0+1)⋅1=1Q = (0 + 1)\cdot 1 = 1. Das ist der Speicher. Zeile 3: Der Endschalter macht R‾=0\overline{R} = 0, der Motor stoppt. Zeile 4: Der Stopp hat Vorrang.

Speicher aus zwei NOR-Gattern

Schalte S auf 1 und wieder auf 0: Q bleibt 1, die Schaltung hat sich den Wert gemerkt. Schalte R auf 1 und wieder auf 0: Q bleibt 0. Ein ? heißt: noch nichts gespeichert. S und R zugleich auf 1 ist bei dieser Schaltung verboten.

Definition

Optimierung digitaler Schaltungen

Optimieren heißt, dieselbe Funktion mit weniger Gattern zu bauen (das spart Platz, Geld und Energie). Zwei Hilfsmittel: Umformen mit den Regeln der Booleschen Algebra und das KV-Diagramm, eine Wahrheitstabelle, in der benachbarte Felder sich in genau einer Variablen unterscheiden. Benachbarte Einsen in Blöcken von 2, 4 oder 8 Feldern ergeben einen Term, in dem die Variablen entfallen, die sich im Block ändern. Beim Umformen gelten X+X‾=1X + \overline{X} = 1 und X+X=XX + X = X (ein Term darf mehrfach verwendet werden):

AB+AB‾=A (B+B‾)=AA B + A \overline{B} = A\,(B + \overline{B}) = A
Beispiel

Zwei-aus-drei-Auswahl vereinfachen

Drei Sensoren A, B, C überwachen denselben Druck. Die Abschaltung YY löst aus, wenn mindestens zwei ansprechen: Y=1Y = 1 für ABC=011,101,110,111ABC = 011, 101, 110, 111. Ein einzelner Fehler löst so nicht aus und verhindert die Abschaltung nicht (2-aus-3-Auswahl der Sicherheitstechnik). Vereinfache.

Y=A‾BC+AB‾C+ABC‾+ABC=(A‾BC+ABC)+(AB‾C+ABC)+(ABC‾+ABC)=BC+AC+ABY = \overline{A}BC + A\overline{B}C + AB\overline{C} + ABC = (\overline{A}BC + ABC) + (A\overline{B}C + ABC) + (AB\overline{C} + ABC) = BC + AC + AB

Der Term ABCABC gehört zu allen drei Paaren benachbarter Einsen und wird dreimal verwendet. Jedes Paar wird ausgeklammert, etwa A‾BC+ABC=BC(A‾+A)=BC\overline{A}BC + ABC = BC(\overline{A} + A) = BC. Vorher 8 Gatter (3 NICHT, 4 UND, 1 ODER), nachher 4 (3 UND, 1 ODER).

Definition

Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS)

Bei einer verbindungsprogrammierten Steuerung steckt die Funktion in der Verdrahtung, eine Änderung heißt Umbau. Eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) ist ein Rechner für Anlagen, dessen Funktion als Programm im Speicher steht. Sie hat Eingabebaugruppen (Sensorsignale), eine Zentraleinheit mit Programmspeicher und Ausgabebaugruppen (Aktoren). Auch ein Mikrocontroller arbeitet speicherprogrammiert.

Das Programm läuft zyklisch: Eingänge einlesen und in einem Speicherbereich (Prozessabbild) festhalten, Programm einmal von oben nach unten abarbeiten, Ausgänge schreiben, von vorn (oft nach wenigen Millisekunden). Programmiert wird im Kontaktplan (wie ein Stromlaufplan), im Funktionsplan (mit Gattersymbolen) oder textuell.

Definition

Messwertaufnehmer und Spannungsteiler

Ein Messwertaufnehmer wandelt eine physikalische Größe in eine elektrische um. Drei einfache ändern ihren Widerstand:

  • Fotowiderstand (LDR): bei mehr Licht niederohmiger.
  • Heißleiter (NTC): bei höherer Temperatur niederohmiger, misst Temperaturen.
  • Kaltleiter (PTC): bei höherer Temperatur hochohmiger (bei Keramik erst oberhalb einer Schalttemperatur stark), schützt vor Überhitzung.

Eine Steuerung braucht eine Spannung. Ein Spannungsteiler macht sie aus der Widerstandsänderung: R1R_1 und R2R_2 liegen in Reihe an U0U_0, abgegriffen wird die Spannung über R2R_2. Ist R2R_2 der Messwertaufnehmer, folgt UaU_\text{a} der Messgröße. Der Abgriff darf nur wenig Strom liefern.

Ua=U0⋅R2R1+R2U_\text{a} = U_0 \cdot \frac{R_2}{R_1 + R_2}
Beispiel

Dämmerungsschalter mit Mikrocontroller

Ein Spannungsteiler liegt an U0=5 VU_0 = 5\,\text{V}, oben R1=10 kΩR_1 = 10\,\text{k}\Omega, unten ein Fotowiderstand R2R_2 mit angenommen 1 kΩ1\,\text{k}\Omega (hell) und 100 kΩ100\,\text{k}\Omega (dunkel). Berechne UaU_\text{a} und die Zahl, die ein 10-Bit-Analog-Digital-Umsetzer im Mikrocontroller liest (0 V bis 5 V ergeben 0 bis 1023).

Hell: Ua=5 V⋅110+1≈0,45 VU_\text{a} = 5\,\text{V} \cdot \frac{1}{10 + 1} \approx 0{,}45\,\text{V}. Der Umsetzer liest 1023⋅Ua/5 V=1023/11=931023 \cdot U_\text{a} / 5\,\text{V} = 1023/11 = 93. Dunkel: Ua=5 V⋅100110≈4,55 VU_\text{a} = 5\,\text{V} \cdot \frac{100}{110} \approx 4{,}55\,\text{V}, Zahl 1023⋅10/11=9301023 \cdot 10/11 = 930. Das Programm schaltet die Lampe ein, wenn der Wert über einer Schwelle dazwischen liegt, etwa 500.

Definition

Blockdiagramm, Messvorrichtung und Leiterplatte

Ein Blockdiagramm zeigt ein System als Rechtecke (Funktionseinheiten) und Pfeile (Signalfluss). Es sagt, was jeder Block tut, nicht, wie er innen gebaut ist. Der Dämmerungsschalter ist eine Messvorrichtung mit Mikrocontroller. Die Blöcke in Signalrichtung:

BlockAusgangssignal
Fotowiderstand mit SpannungsteilerSpannung 0 V bis 5 V
Analog-Digital-UmsetzerZahl 0 bis 1023
Mikrocontroller (Vergleich mit Schwelle)0 oder 1
Leistungsstufe mit Lampe (Aktor)Licht

Aufgebaut wird die Schaltung auf einer Leiterplatte: Auf Isolierstoff verbinden Kupferleiterbahnen die Bauteile, die durch Bohrungen gesteckt oder als oberflächenmontierte Bauteile (SMD) aufgelötet werden. Löten nur mit Einweisung: Die Lötspitze ist mehrere hundert Grad heiß.

Definition

Technische Prozesse darstellen und optimieren

Ein technischer Prozess ist eine Folge von Schritten, die Stoffe, Energie oder Information umformen. Man stellt ihn dar, etwa als Ablaufplan (Rechtecke für Schritte, Rauten für Entscheidungen, Pfeile für die Reihenfolge), und zerlegt ihn in Teilprozesse, die man einzeln plant und testet. Zum Optimieren entwirft man Varianten und vergleicht sie nach Taktzeit (Zeit zwischen zwei fertigen Teilen), Durchsatz (Teile je Minute), Kosten und Ausschuss. Arbeiten die Teilprozesse wie am Fließband gleichzeitig, bestimmt der langsamste die Taktzeit: der Engpass. Eine Variante wird getestet (Normalfall, Grenz- und Fehlerfälle) und bewertet: Messwerte und Kosten gegen die Anforderung.

Beispiel

Abfüllanlage verbessern

Vier Teilprozesse: Zuführen 4 s, Befüllen 10 s, Verschließen 6 s, Etikettieren 5 s (Transport vernachlässigt). Vergleiche (A) eine Flasche nach der anderen, (B) Fließbetrieb, (C) Fließbetrieb mit einer zweiten Füllstation, die abwechselnd mit der ersten arbeitet. Wie groß sind Taktzeit und Durchsatz?

(A) 4 + 10 + 6 + 5 = 25 s je Flasche, also 60 : 25 = 2,4 Flaschen je Minute. (B) Engpass ist das Befüllen: Taktzeit 10 s, 6 Flaschen je Minute. (C) Zwei Füllstationen liefern zusammen alle 5 s eine Flasche. Nun ist das Verschließen der Engpass: Taktzeit 6 s, 10 Flaschen je Minute. Bewertet wird gegen die Kosten (zweite Station angenommen 8000 Euro), getestet auch mit Fehlerfällen wie einer fehlenden Flasche.

Häufige Fehler

Ein Gatter kann sich etwas merken

„Mit einem UND-Gatter halte ich den Motorbefehl, auch wenn der Taster losgelassen wird.“

Richtig ist

Ein Gatter ohne Rückkopplung hat kein Gedächtnis. Speichern kann erst die Rückführung des Ausgangs auf den Eingang, wie im Flipflop.

Häufige Fehler

Die SPS reagiert sofort

„Eine SPS reagiert in jedem Moment auf jede Änderung eines Eingangs.“

Richtig ist

Sie liest die Eingänge einmal je Zyklus ein. Ein Impuls, der kürzer ist als ein Zyklus, kann unbemerkt bleiben.

Zusammenfassung

  • Digitale Sensoren und Aktoren kennen zwei Zustände. Größere Lasten schaltet ein Mikrocontroller über eine Leistungsstufe.

  • Gatter haben kein Gedächtnis. Ein Flipflop speichert durch Rückkopplung (Selbsthaltung), ein Zähler aus nn Flipflops zählt bis 2n−12^n - 1.

  • Optimieren heißt: gleiche Funktion mit weniger Gattern, durch Umformen oder im KV-Diagramm.

  • Eine SPS arbeitet zyklisch (einlesen, abarbeiten, ausgeben) und ist per Programm änderbar. Messwertaufnehmer wie der Fotowiderstand liefern über einen Spannungsteiler eine Spannung, die ein Umsetzer in eine Zahl wandelt.

  • Ein Blockdiagramm zeigt Funktionseinheiten und Signalfluss. Bei einem Prozess bestimmt der Engpass die Taktzeit; Varianten werden getestet und bewertet.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Bei welchem Bauteil steigt der Widerstand, wenn die Temperatur steigt?

Aufgabe 2Numerisch

An 12 V liegt ein Spannungsteiler aus R1=6 kΩR_1 = 6\,\text{k}\Omega (oben) und einem Fotowiderstand R2R_2 (unten) mit 18 kΩ18\,\text{k}\Omega bei Dunkelheit. Welche Spannung liegt am Fotowiderstand, in Volt?

Aufgabe 3Numerisch

Ein Zähler soll Flaschen von 0 bis 100 zählen. Wie viele Flipflops braucht er mindestens?

Aufgabe 4Numerisch

Vier Stationen arbeiten im Fließbetrieb mit 3 s, 8 s, 5 s und 4 s. Die langsamste Station wird verdoppelt, die zweite arbeitet abwechselnd mit der ersten. Wie groß ist der Durchsatz dann, in Teilen je Minute?

Aufgabe 5Freitext

Vereinfache Y=ABC+ABC‾+A‾BC+A‾BC‾Y = ABC + AB\overline{C} + \overline{A}BC + \overline{A}B\overline{C} und nenne die benutzten Regeln.