Lektion 1.3

Temperatur, Thermometer und Wärmeausdehnung

13 min Lesezeit

Du hast Halsschmerzen. Deine Mutter legt die Hand auf deine Stirn und steckt dir ein Fieberthermometer in den Mund. Es zeigt 38,6 Grad. Jetzt weiß sie es genau: Du hast Fieber. In einem Thermometer mit Flüssigkeit steigt ein dünner, farbiger Faden im Röhrchen nach oben, wenn es wärmer wird. Warum?

Ähnliche Fragen gibt es überall. Warum haben Brücken kleine Lücken in der Fahrbahn? Warum hängen Stromleitungen im Sommer tiefer durch? Und warum kann eine volle Wasserflasche im Gefrierfach platzen? Alles hat mit der Temperatur zu tun.

Definition

Temperatur und Celsius-Skala

Die Temperatur sagt, wie warm oder kalt ein Körper ist. Du misst sie mit einem Thermometer in Grad Celsius, Zeichen °C. Die Celsius-Skala hat zwei feste Punkte:

  • 0 °C ist die Temperatur von Eiswasser, bei der Eis schmilzt und Wasser gefriert.
  • 100 °C ist die Temperatur von kochendem Wasser (in der Nähe des Meeresspiegels).

Der Abstand dazwischen ist in 100 gleiche Abschnitte geteilt. Jeder ist ein Grad. So kalibriert man ein Thermometer. Unter 0 °C schreibt man ein Minuszeichen: Bei −5 °C ist es 5 Grad kälter als 0 °C.

In einem Flüssigkeitsthermometer steckt gefärbter Alkohol in einem dünnen Röhrchen. Wird es wärmer, dehnt sich die Flüssigkeit aus und steigt. Wird es kälter, zieht sie sich zusammen und sinkt. Warte beim Messen, bis sich der Stand nicht mehr ändert. Das Thermometer muss erst die Temperatur der Umgebung annehmen.

Beispiel

Temperaturunterschiede berechnen

Am Morgen sind es −3 °C, mittags 4 °C. Um wie viel Grad ist es wärmer geworden?

3+4=73 + 4 = 7

Teile den Weg in zwei Stücke. Von −3 °C bis 0 °C sind es 3 Grad. Von 0 °C bis 4 °C kommen 4 Grad dazu. 3 plus 4 ist 7. Es ist um 7 Grad wärmer geworden. Liegen die Temperaturen auf verschiedenen Seiten von 0 °C, gehst du über die 0 und zählst beide Stücke zusammen.

Definition

Schmelztemperatur und Siedetemperatur

Die Schmelztemperatur ist die Temperatur, bei der ein fester Stoff flüssig wird. Bei derselben Temperatur wird er beim Abkühlen wieder fest. Die Siedetemperatur ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit kocht und gasförmig wird. Beim Sieden steigen Blasen im ganzen Inneren der Flüssigkeit auf. Für jeden Stoff sind die Werte anders (hier gerundet):

StoffSchmelztemperaturSiedetemperatur
Wasser0 °C100 °C
Alkohol (Ethanol)−114 °C78 °C
Blei327 °C1750 °C

Unter der Schmelztemperatur ist der Stoff fest. Zwischen Schmelz- und Siedetemperatur ist er flüssig. Über der Siedetemperatur ist er gasförmig.

Beispiel

Den Zustand bei einer Temperatur bestimmen

In welchem Zustand sind Alkohol bei 20 °C, Blei bei 400 °C und Wasser bei 120 °C?

Alkohol: 20 liegt zwischen −114 und 78. Alkohol ist flüssig.

Blei: 400 ist größer als 327 und kleiner als 1750. Blei ist flüssig.

Wasser: 120 ist größer als 100. Wasser ist gasförmig, also Wasserdampf.

Definition

Das Temperatur-Zeit-Diagramm

Misst du beim Erwärmen in gleichen Abständen die Temperatur, kannst du die Werte in einer Tabelle eintragen und als Punkte in ein Diagramm zeichnen. Auf der waagerechten Achse steht die Zeit, auf der senkrechten die Temperatur. Beispiel: Wasser von 20 °C steht auf einer heißen Herdplatte.

Zeit (min)Temperatur (°C)
020
240
460
680
8100
10100

Zuerst steigen die Punkte gleichmäßig nach oben. Ab 8 Minuten liegen sie auf einer waagerechten Linie: Die Temperatur bleibt bei 100 °C, obwohl die Platte weiter heizt. Das Wasser siedet. Die Wärme wird jetzt gebraucht, um die Teilchen voneinander zu lösen. Dasselbe geschieht beim Schmelzen: Die Temperatur bleibt bei 0 °C, bis das ganze Eis geschmolzen ist.

Beispiel

Ein Temperatur-Zeit-Diagramm lesen

Nimm die Tabelle von eben. Um wie viel Grad pro Minute steigt die Temperatur? Wie warm ist das Wasser nach 5 Minuten?

100−20=8080:8=1020+5⋅10=70100 - 20 = 80 \qquad 80 : 8 = 10 \qquad 20 + 5 \cdot 10 = 70

In 8 Minuten steigt die Temperatur von 20 °C auf 100 °C. 100 minus 20 ist 80 Grad. 80 geteilt durch 8 ergibt 10 Grad pro Minute. Nach 5 Minuten sind es 5 mal 10, also 50 Grad mehr als am Anfang. 20 plus 50 ist 70. Das Wasser hat nach 5 Minuten 70 °C. Das passt zur Tabelle: nach 4 Minuten 60 °C, nach 6 Minuten 80 °C.

Definition

Wärmeausdehnung und Teilchenbewegung

Fast alle Stoffe dehnen sich beim Erwärmen aus und ziehen sich beim Abkühlen zusammen. Das heißt Wärmeausdehnung. Feste Körper werden länger, Flüssigkeiten und Gase brauchen mehr Platz. Eine Stahlschiene von 30 m Länge wird im Sommer etwa 2 cm länger als im Winter (das ist nur eine grobe Größenordnung). Darum haben Brücken Dehnungsfugen, kleine Lücken in der Fahrbahn, sonst würden sie sich verbiegen. Ältere Gleise hatten kleine Lücken zwischen den Schienen. Moderne Gleise sind lückenlos verschweißt. Bei gleicher Erwärmung dehnen sich Gase am stärksten aus, feste Körper am wenigsten.

Das Teilchenmodell erklärt es: Je höher die Temperatur, desto schneller bewegen sich die Teilchen. Ein Tintentropfen verteilt sich in warmem Wasser schneller als in kaltem. Schnellere Teilchen brauchen mehr Platz. Ihr Abstand wird größer, und der Körper dehnt sich aus. Die Teilchen selbst werden nicht größer. Beim Abkühlen werden sie langsamer, der Abstand schrumpft, und der Körper zieht sich zusammen.

Definition

Die Anomalie des Wassers

Wasser macht eine Ausnahme von der Regel. Man nennt das Anomalie des Wassers. Kühlst du Wasser von 20 °C ab, zieht es sich zuerst zusammen. Bei 4 °C hat es das kleinste Volumen. Kühlst du weiter bis 0 °C ab, dehnt es sich wieder etwas aus. Beim Gefrieren wird das Volumen noch einmal deutlich größer. Als Faustregel gilt: Aus 11 Litern Wasser werden etwa 12 Liter Eis.

Eis braucht also mehr Platz als gleich viel Wasser. Ein Eisklotz ist deshalb leichter als ein gleich großer Wasserklotz, und Eis schwimmt auf dem Wasser. Auf einem See bildet sich das Eis oben, und das 4 °C warme Wasser sinkt auf den Grund. Deshalb frieren tiefe Seen nicht ganz zu, und Fische überleben. Eine volle Flasche im Gefrierfach oder ein Wasserrohr bei starkem Frost kann platzen.

Häufige Fehler

Beim Erwärmen werden die Teilchen größer

Viele meinen, ein Körper dehne sich aus, weil seine Teilchen größer werden.

Richtig ist

Die Teilchen bleiben gleich groß. Sie bewegen sich schneller und brauchen mehr Platz. Dadurch wird nur der Abstand zwischen ihnen größer.

Häufige Fehler

Beim Kochen steigt die Temperatur immer weiter

Viele denken: Wenn der Herd weiter heizt, wird das kochende Wasser immer heißer.

Richtig ist

Solange das Wasser siedet, bleibt die Temperatur bei 100 °C. Die Wärme wird gebraucht, um die Teilchen voneinander zu lösen. Beim Schmelzen von Eis bleibt sie genauso bei 0 °C, bis alles geschmolzen ist.

Zusammenfassung

  • Die Temperatur misst du mit dem Thermometer in °C. 0 °C ist die Temperatur von Eiswasser, 100 °C die von kochendem Wasser.

  • Im Flüssigkeitsthermometer dehnt sich die Flüssigkeit beim Erwärmen aus und steigt im Röhrchen.

  • Jeder Stoff hat eine eigene Schmelz- und Siedetemperatur. Darunter ist er fest, dazwischen flüssig, darüber gasförmig.

  • Im Temperatur-Zeit-Diagramm bleibt die Temperatur beim Schmelzen und Sieden gleich, obwohl Wärme zugeführt wird.

  • Fast alle Stoffe dehnen sich beim Erwärmen aus. Bei höherer Temperatur bewegen sich die Teilchen schneller und haben mehr Abstand. Die Teilchen selbst bleiben gleich groß.

  • Wasser ist bei 4 °C am kleinsten und dehnt sich beim Gefrieren aus. Darum schwimmt Eis auf Wasser.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Nachts sind es −4 °C, mittags 6 °C. Um wie viel Grad ist es mittags wärmer?

Aufgabe 2Multiple Choice

Blei schmilzt bei 327 °C und siedet bei 1750 °C. In welchem Zustand ist Blei bei 300 °C?

Aufgabe 3Numerisch

Wasser hat 15 °C und wird auf der Herdplatte jede Minute um 8 Grad wärmer. Wie viel °C hat es nach 6 Minuten? Es siedet bis dahin noch nicht.

Aufgabe 4Multiple Choice

Warum haben lange Brücken Dehnungsfugen, also kleine Lücken zwischen den Teilen der Fahrbahn?

Aufgabe 5Numerisch

In einer Flasche sind 550 ml Wasser. Sie wird eingefroren. Benutze die Faustregel: Aus 11 Teilen Wasser werden 12 Teile Eis. Wie viel Platz in ml braucht das Eis?

Aufgabe 6Freitext

Erkläre mit dem Teilchenmodell, warum die Flüssigkeit im Thermometer steigt, wenn es wärmer wird.