Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft und der Zyklus
Aus einer einzigen Zelle wird in neun Monaten ein Baby. Wie geht das? Der Körper einer Frau verändert sich im Rhythmus von etwa vier Wochen. Wer steuert das? Und wie kann ein Paar entscheiden, ob und wann es ein Kind bekommen will?
Zur Sexualität gehören aber nicht nur Körper und Fortpflanzung. Es geht auch um Gefühle, Nähe und die Frage, wer man ist und zu wem man sich hingezogen fühlt. Diese Lektion erklärt das sachlich. Fragen kannst du auch Menschen stellen, denen du vertraust, einer Ärztin oder einem Arzt, einer Beratungsstelle wie pro familia oder der Nummer gegen Kummer, 116 111.
Von der Befruchtung zur Geburt
Die befruchtete Eizelle teilt sich mehrfach, während sie durch den Eileiter zur Gebärmutter wandert. Etwa eine Woche nach der Befruchtung nistet sich der kleine Zellhaufen in der Gebärmutterschleimhaut ein. Ab da besteht eine Schwangerschaft. In den ersten acht Wochen nach der Befruchtung heißt das Kind Embryo, in dieser Zeit werden die Organe angelegt. Danach heißt es Fötus. Es wächst, und die Organe reifen.
Das Kind liegt in der Fruchtblase im Fruchtwasser. Es ist über die Nabelschnur mit dem Mutterkuchen verbunden. Im Mutterkuchen liegen die Blutgefäße von Mutter und Kind dicht beieinander, ohne dass sich ihr Blut mischt. Durch die dünne Wand gehen Sauerstoff und Nährstoffe zum Kind, Kohlenstoffdioxid und Abfallstoffe zur Mutter. Über den Mutterkuchen gelangen auch Alkohol, Nikotin und manche Medikamente zum Kind. Darum sind sie in der Schwangerschaft gefährlich.
Gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung dauert eine Schwangerschaft etwa 40 Wochen, ab der Befruchtung etwa 38 Wochen. Zur Geburt ziehen sich die Muskeln der Gebärmutter in Wellen zusammen, das sind die Wehen. Die Fruchtblase platzt, und die Wehen schieben das Kind durch die Scheide nach draußen. Die Nabelschnur wird durchtrennt, später kommt der Mutterkuchen als Nachgeburt. Ein Neugeborenes trinkt Muttermilch. Sie enthält Nährstoffe und Antikörper der Mutter.
Hormone steuern den Zyklus
Der Menstruationszyklus wird durch Hormone gesteuert. Das sind Botenstoffe, die das Blut transportiert. Im Eierstock reifen Eizellen in kleinen Bläschen, den Follikeln. Die Hirnanhangdrüse am Boden des Gehirns und der Eierstock melden sich gegenseitig durch Hormone.
| Hormon | Gebildet in | Wirkung |
|---|---|---|
| FSH | Hirnanhangdrüse | lässt Follikel mit einer Eizelle reifen |
| Östrogen | Follikel | baut die Gebärmutterschleimhaut auf. Ein hoher Spiegel löst die Ausschüttung von LH aus. |
| LH | Hirnanhangdrüse | löst den Eisprung aus |
| Gestagen | Gelbkörper | erhält die Schleimhaut, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann |
Der Ablauf bei einem Zyklus von 28 Tagen:
| Zeit | Eierstock und Hormone | Gebärmutterschleimhaut |
|---|---|---|
| Tag 1 bis 13 | FSH lässt einen Follikel reifen. Er bildet immer mehr Östrogen. | wird nach der Menstruation neu aufgebaut |
| Tag 14 | Viel Östrogen, die Hirnanhangdrüse schüttet LH aus: Eisprung | dick und gut durchblutet |
| Tag 15 bis 28 | Der leere Follikel wird zum Gelbkörper und bildet Gestagen. | bleibt aufnahmebereit |
| Ende des Zyklus | Ohne Befruchtung bildet sich der Gelbkörper zurück, die Hormonspiegel sinken. | wird abgebaut: Menstruation, ein neuer Zyklus beginnt |
Kommt es zur Schwangerschaft, bildet der Embryo das Hormon hCG. Es hält den Gelbkörper am Leben, und der Eierstock bildet weiter Gestagen. Die Menstruation bleibt aus. Ein Schwangerschaftstest weist hCG im Urin nach.
Wann ist der Eisprung?
Wann ist der Eisprung?
Die Zeit vom Eisprung bis zur nächsten Regelblutung ist bei den meisten Frauen ziemlich gleich lang, etwa 14 Tage. Bei einem Zyklus von 28 Tagen ist der Eisprung also am Tag 14. An welchem Tag ist er bei einem Zyklus von 30 Tagen? Wann ist eine Schwangerschaft möglich?
Bei 30 Tagen: 30 − 14 = 16. Der Eisprung ist etwa am Tag 16.
Die Eizelle ist nach dem Eisprung nur etwa einen Tag befruchtungsfähig. Spermienzellen überleben in der Frau mehrere Tage, bis zu etwa fünf. Eine Schwangerschaft ist darum etwa vom Tag 11 bis zum Tag 17 möglich.
Stress, Krankheit oder Reisen können den Eisprung verschieben, und viele Zyklen sind unregelmäßig. Darum ist das Zählen der Tage keine sichere Verhütung.
Empfängnisverhütung
Empfängnisverhütung verhindert, dass eine Schwangerschaft entsteht. Sie ist Sache beider Partner.
| Mittel | So wirkt es | Schützt es vor Infektionen? |
|---|---|---|
| Kondom | dünne Hülle, meist aus Gummi, über dem Penis. Spermienzellen gelangen nicht in die Scheide. | ja, vor vielen |
| Pille | Östrogen und Gestagen halten die Hormonspiegel gleichmäßig. Die Hirnanhangdrüse gibt kaum FSH und LH ab, und es gibt keinen Eisprung. Man nimmt sie täglich nach Rezept. | nein |
| Spirale | kleiner Körper, den eine Ärztin in die Gebärmutter einsetzt. Er verhindert, dass sich eine Eizelle einnistet. | nein |
| Ring, Pflaster, Hormonstäbchen im Oberarm | Hormone ähnlich wie bei der Pille | nein |
Keine Methode ist zu 100 Prozent sicher, auch bei richtiger Anwendung nicht. Wer die Pille vergisst oder erbricht, ist nicht geschützt. Wenn ein Kondom gerissen ist oder Verhütung vergessen wurde, gibt es die Pille danach. Du bekommst sie in der Apotheke. Sie verhindert den Eisprung, wirkt umso besser, je früher man sie nimmt, und beendet keine Schwangerschaft, die schon besteht.
Infektionsschutz: Nur das Kondom schützt gleichzeitig vor Schwangerschaft und vor vielen sexuell übertragbaren Infektionen, die du aus der Lektion zur Immunabwehr kennst. Gegen HPV und Hepatitis B kann man sich impfen lassen. Hast du Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss oder Bläschen, geh zur Ärztin oder zum Arzt. Viele Infektionen machen aber gar keine Beschwerden.
Ungewollte Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch
Eine ungewollte Schwangerschaft ist eine schwierige Lage. Die Frau kann das Kind austragen, es behalten oder zur Adoption freigeben, oder sie kann die Schwangerschaft abbrechen. Beim Schwangerschaftsabbruch beendet eine Ärztin oder ein Arzt die Schwangerschaft mit Medikamenten oder einem kleinen Eingriff.
In Deutschland regelt das Strafgesetzbuch den Abbruch. Er bleibt unter bestimmten Bedingungen straffrei, zum Beispiel nach einer Beratung in einer anerkannten Beratungsstelle und in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis. Die genauen Regeln können sich ändern, die Beratungsstelle kennt sie. Ein Abbruch kann seelisch und körperlich belasten. Menschen bewerten ihn ethisch unterschiedlich. Wichtig ist, dass die Frau gut beraten wird und selbst entscheidet.
Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und Partnerschaft
Die Geschlechtsidentität ist das innere Wissen, welches Geschlecht man hat: Mädchen oder Frau, Junge oder Mann, beides oder keines von beiden. Bei den meisten Menschen passt sie zu dem Geschlecht, das bei der Geburt eingetragen wurde. Bei manchen passt sie nicht dazu, sie nennen sich zum Beispiel trans. Jeder Mensch soll respektiert werden, wie er sich fühlt.
Die sexuelle Orientierung sagt, zu wem man sich hingezogen fühlt. Wer sich zu anderen Geschlechtern hingezogen fühlt, ist heterosexuell. Wer sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt, ist homosexuell, bei Frauen auch lesbisch, bei Männern auch schwul. Wer sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlt, ist bisexuell. Die Orientierung ist keine Krankheit und keine Entscheidung. Viele merken sie in der Pubertät, bei manchen dauert es länger.
Eine gute Partnerschaft lebt von Vertrauen, Respekt und Gleichberechtigung. Zärtlichkeit und Sexualität sind nur in Ordnung, wenn beide es wollen. Das Nein eines Menschen gilt immer. Druck, Drohungen oder Gewalt haben in einer Partnerschaft keinen Platz.
Beim ersten Mal wird man nicht schwanger
Beim ersten Mal wird man nicht schwanger
„Beim ersten Mal kann nichts passieren, und man braucht keine Verhütung.“
Eine Schwangerschaft ist bei jedem Geschlechtsverkehr möglich, auch beim ersten Mal. Entscheidend ist nur, ob bald ein Eisprung stattfindet, und das merkt man meist nicht. Auch Infektionen kann man sich beim ersten Mal holen.
Die Pille schützt vor allem
Die Pille schützt vor allem
„Ich nehme die Pille, also brauche ich kein Kondom.“
Die Pille verhindert den Eisprung, mehr nicht. Sie schützt nicht vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Dafür braucht man ein Kondom.
Zusammenfassung
Die befruchtete Eizelle teilt sich und nistet sich nach etwa einer Woche in der Gebärmutter ein. Bis zur achten Woche heißt das Kind Embryo, danach Fötus.
Über Mutterkuchen und Nabelschnur versorgt die Mutter das Kind, ohne dass sich ihr Blut mit dem des Kindes mischt. Die Schwangerschaft dauert ab der Befruchtung etwa 38 Wochen.
FSH lässt einen Follikel reifen, Östrogen baut die Schleimhaut auf, LH löst den Eisprung aus, Gestagen erhält die Schleimhaut. Ohne Befruchtung sinken die Hormone, und die Menstruation beginnt.
Die Pille verhindert den Eisprung durch Hormone. Das Kondom hält die Spermienzellen zurück und ist das einzige Mittel, das auch vor vielen Infektionen schützt.
Bei einer ungewollten Schwangerschaft hilft eine Beratungsstelle. Der Abbruch ist gesetzlich geregelt und bleibt unter Bedingungen straffrei.
Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung sind verschieden und keine Krankheit. In einer Partnerschaft gelten Respekt und Freiwilligkeit.
Übungen
Wie verhindert die Pille eine Schwangerschaft?
Der Zyklus einer Frau dauert 32 Tage. Der Eisprung liegt etwa 14 Tage vor der nächsten Regelblutung. An welchem Zyklustag ist der Eisprung?
Welches Mittel schützt zugleich vor einer Schwangerschaft und vor vielen sexuell übertragbaren Infektionen?
Eine Schwangerschaft dauert ab der Befruchtung etwa 38 Wochen. Wie viele Tage sind das? Eine Woche hat 7 Tage.
Erkläre, was im Körper einer Frau hormonell geschieht, wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, und wie die Menstruation entsteht.