Klassische Verschlüsselung
In der Klasse geht ein Zettel von Hand zu Hand. Ganz am Ende soll nur Jonas lesen, was darauf steht. Aber der Zettel geht durch viele Hände. Wie schreibst du ihn so, dass nur Jonas ihn versteht?
Dasselbe Problem hat das Netz: Deine Nachrichten laufen über viele Router und Server, und jeder könnte mitlesen. Schon vor etwa 2000 Jahren schickten die Römer geheime Befehle. Du lernst ein einfaches Verfahren kennen, das mit einem Schlüssel arbeitet, und du lernst, wie man es knackt.
Verschlüsseln, Klartext, Geheimtext und Schlüssel
Verschlüsseln heißt: Eine Nachricht so verändern, dass nur Berechtigte sie lesen können. Gründe sind der Schutz privater Daten, von Passwörtern und Bankgeschäften und von Geheimnissen vor Mitlesern. Die lesbare Nachricht heißt Klartext. Du verschlüsselst sie zum Geheimtext und entschlüsselst sie wieder.
Ein Verfahren besteht aus einer Vorschrift (einem Algorithmus) und einem Schlüssel. Der Schlüssel ist ein Wert, den nur Sender und Empfänger kennen, und er bestimmt, wie genau verschlüsselt wird. Benutzen beide denselben Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln, heißt das Verfahren symmetrisch. Man nimmt an, dass ein Angreifer das Verfahren kennt. Geheim bleibt nur der Schlüssel. Verschlüsseln ist etwas anderes als Codieren: Ein Code wie ASCII ist öffentlich, jeder kann ihn decodieren. Beim Verschlüsseln fehlt dem Mitleser der Schlüssel.
Substitution und Transposition
Es gibt zwei Grundideen:
- Bei der Substitution ersetzt du Zeichen durch andere. Die Stellen bleiben, die Zeichen ändern sich.
- Bei der Transposition vertauschst du die Stellen der Zeichen. Die Zeichen bleiben, ihre Reihenfolge ändert sich.
Eine Transposition mit einem Gitter
Eine Transposition mit einem Gitter
Verschlüssele HALLOWELT so: Schreibe den Text zeilenweise in ein Gitter mit 3 Spalten und lies es spaltenweise ab. Wie entschlüsselt man den Geheimtext wieder?
Das Gitter:
| Zeile | Spalte 1 | Spalte 2 | Spalte 3 |
|---|---|---|---|
| 1 | H | A | L |
| 2 | L | O | W |
| 3 | E | L | T |
Spalte 1 ergibt HLE, Spalte 2 ergibt AOL, Spalte 3 ergibt LWT. Der Geheimtext lautet HLEAOLLWT. Es sind dieselben Buchstaben wie vorher, nur umgestellt. Der Schlüssel ist die Zahl der Spalten, hier 3.
Zum Entschlüsseln schneidest du den Geheimtext in drei Stücke zu je 3 Buchstaben (HLE, AOL, LWT), legst sie als Spalten nebeneinander und liest zeilenweise: HAL, LOW, ELT. Das ergibt wieder HALLOWELT.
Cäsar-Verschlüsselung
Die Cäsar-Verschlüsselung ist eine Substitution mit fester Verschiebung. Jeder Buchstabe wird durch den Buchstaben ersetzt, der um k Stellen weiter im Alphabet steht. Die Zahl k ist der Schlüssel. Nach Z geht es bei A weiter, du denkst dir das Alphabet als Kreis. Sinnvoll sind Schlüssel von 1 bis 25, denn bei 0 und bei 26 bliebe der Text gleich. Beispiel mit k = 3:
| Klartext | A | B | C | D | E | ... | W | X | Y | Z |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Geheimtext | D | E | F | G | H | ... | Z | A | B | C |
Aus HALLO wird KDOOR. Zum Entschlüsseln gehst du um k Stellen zurück. Du schreibst in Großbuchstaben, ersetzt Ä, Ö, Ü und ß durch AE, OE, UE und SS und lässt die Leerzeichen weg.
Mit der Cäsar-Verschlüsselung arbeiten
Mit der Cäsar-Verschlüsselung arbeiten
a) Verschlüssele ZUG mit k = 3. b) Entschlüssele MFQQT, wenn k = 5 war.
a) Z geht drei Stellen weiter: A, B, C. Also wird Z zu C. U wird X und G wird J. Der Geheimtext lautet CXJ.
b) Du gehst bei jedem Buchstaben 5 Stellen zurück: M wird H, F wird A, Q wird L, Q wird L, T wird O. Der Klartext lautet HALLO.
Monoalphabetische Verschlüsselung
Bei der monoalphabetischen Verschlüsselung bekommt jeder Buchstabe einen frei gewählten anderen Buchstaben, und jeder Ersatzbuchstabe kommt genau einmal vor. Der Schlüssel ist die ganze Tabelle. „Mono“ heißt „ein“: Es gibt nur ein Ersatz-Alphabet für den ganzen Text, derselbe Klartextbuchstabe wird immer zum selben Geheimtextbuchstaben. Die Cäsar-Verschlüsselung ist ein Sonderfall mit verschobener Tabelle. Ein Beispiel für einen Schlüssel ist die Reihenfolge der Tastatur:
| Klartext | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Geheimtext | Q | W | E | R | T | Z | U | I | O | P | A | S | D |
| Klartext | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Geheimtext | F | G | H | J | K | L | Y | X | C | V | B | N | M |
Aus HALLO wird IQSSG. Wie viele Schlüssel gibt es? Für A hast du 26 Möglichkeiten, für B noch 25, für C noch 24 und so weiter. Multipliziert ergibt das etwa Schlüssel. Bei Cäsar sind es nur 25.
Angriff durch Ausprobieren (Brute Force)
Ein Angreifer fängt einen Geheimtext ab und will ihn lesen. Die einfachste Methode heißt Brute Force (englisch für „rohe Gewalt“): Er probiert alle möglichen Schlüssel aus und prüft, ob lesbarer Text entsteht. Der Aufwand hängt von der Zahl der Schlüssel ab. Bei Cäsar sind es nur 25, das schafft ein Mensch in Minuten. Ein Computer ist noch viel schneller.
Cäsar durch Ausprobieren knacken
Cäsar durch Ausprobieren knacken
Du fängst den Geheimtext KDOOR ab. Du weißt, dass es eine Cäsar-Verschlüsselung ist. Knacke ihn durch Ausprobieren.
Du probierst die Schlüssel der Reihe nach, jeden Buchstaben um k Stellen zurück. k = 1 ergibt JCNNQ, kein Wort. k = 2 ergibt IBMMP, kein Wort. k = 3 ergibt HALLO, ein Wort. Der Schlüssel ist 3, der Klartext lautet HALLO. Im ungünstigsten Fall hättest du alle 25 Schlüssel probiert.
Häufigkeitsanalyse
Bei monoalphabetischer Verschlüsselung hilft Ausprobieren nicht, denn es gibt viel zu viele Schlüssel. Es gibt aber einen Schwachpunkt: Jeder Buchstabe wird immer gleich ersetzt, und in einem Text kommen Buchstaben unterschiedlich oft vor. In deutschen Texten ist E mit etwa 17 von 100 Buchstaben der häufigste, danach folgen N, I, S, R, A und T. Bei der Häufigkeitsanalyse zählst du die Buchstaben im Geheimtext. Der häufigste steht vermutlich für E. Bei Cäsar kennst du damit schon den Schlüssel. Bei einer monoalphabetischen Verschlüsselung bekommst du so die ersten Buchstaben, den Rest erschließt du aus häufigen Buchstabenpaaren wie ER, EN und CH und aus dem, was Sinn ergibt. Je länger der Text, desto zuverlässiger klappt es.
Cäsar mit Häufigkeitsanalyse knacken
Cäsar mit Häufigkeitsanalyse knacken
Der Geheimtext IVAIMWWHIRAIKDYQWII stammt aus einer Cäsar-Verschlüsselung. Bestimme den Schlüssel mit einer Häufigkeitsanalyse und entschlüssele den Text.
Du zählst: I kommt 6-mal vor, W 3-mal, A 2-mal, alle anderen Buchstaben je einmal. Am häufigsten ist I, also steht I vermutlich für E. Von E nach I sind es 4 Stellen (F, G, H, I), also ist k = 4.
Du gehst bei jedem Buchstaben 4 Stellen zurück: I wird E, V wird R, A wird W, I wird E, M wird I, W wird S, W wird S, H wird D, I wird E, R wird N, A wird W, I wird E, K wird G, D wird Z, Y wird U, Q wird M, W wird S, I wird E, I wird E. Das ergibt ERWEISSDENWEGZUMSEE, also ER WEISS DEN WEG ZUM SEE. Bei so einem kurzen Text hatten wir Glück, denn in kurzen Texten muss E nicht am häufigsten sein.
Ein geheimes Verfahren ist sicherer
Ein geheimes Verfahren ist sicherer
„Je geheimer das Verfahren, desto sicherer ist die Verschlüsselung.“
Man nimmt an, dass der Angreifer das Verfahren kennt. Ein Verfahren kann nur sicher sein, wenn der Schlüssel geheim bleibt und es sehr viele Schlüssel gibt. Ein Verfahren, das nur durch Geheimhaltung schützt, ist wertlos, sobald es verraten wird.
Viele Schlüssel bedeuten Sicherheit
Viele Schlüssel bedeuten Sicherheit
„Die monoalphabetische Verschlüsselung hat etwa Schlüssel. Niemand kann alle ausprobieren, also ist sie sicher.“
Man muss gar nicht alle Schlüssel ausprobieren. Die Häufigkeitsanalyse nutzt, dass jeder Buchstabe immer gleich ersetzt wird und Buchstaben unterschiedlich oft vorkommen. Heutige Verfahren verstecken solche Muster und arbeiten auf Bits mit sehr langen Schlüsseln.
Zusammenfassung
Man verschlüsselt, damit Mitleser eine Nachricht nicht lesen können. Aus dem Klartext wird der Geheimtext, und mit dem Schlüssel entschlüsselt man ihn wieder.
Bei einem symmetrischen Verfahren benutzen Sender und Empfänger denselben Schlüssel. Geheim bleibt nur der Schlüssel, das Verfahren darf bekannt sein.
Substitution ersetzt Zeichen, Transposition vertauscht ihre Stellen.
Bei der Cäsar-Verschlüsselung verschiebt man jeden Buchstaben um k Stellen im Alphabet. Der Schlüssel ist k.
Bei der monoalphabetischen Verschlüsselung ordnet eine Tabelle jedem Buchstaben einen anderen zu. Es gibt etwa Schlüssel.
Brute Force probiert alle Schlüssel aus. Bei Cäsar sind es nur 25.
Die Häufigkeitsanalyse knackt monoalphabetische Verschlüsselung, weil jeder Buchstabe immer gleich ersetzt wird und das E am häufigsten vorkommt.
Übungen
Mit k = 2 wird BALL nach Cäsar verschlüsselt. Wie lautet der Geheimtext?
Der Klartext XAVER wird mit einer Cäsar-Verschlüsselung zu CFAJW. Welchen Schlüssel k von 1 bis 25 hat man benutzt?
Ein Angreifer probiert bei einem Cäsar-Geheimtext alle Schlüssel von 1 bis 25 aus. Wie viele Versuche braucht er höchstens?
Aus HALLO wird OLLAH. Um welche Art von Verschlüsselung handelt es sich?
Ein Freund sagt: „Die monoalphabetische Verschlüsselung hat so viele Schlüssel, die knackt niemand.“ Widersprich ihm mit der Häufigkeitsanalyse.