Gleichmäßig beschleunigte Bewegung und freier Fall
An der Ampel wird es grün. Das Auto springt nicht gleich auf 50 km/h, sondern wird Sekunde für Sekunde schneller. Der Tacho zeigt nach 1 s etwa 10 km/h, nach 2 s etwa 20 km/h, nach 3 s etwa 30 km/h. Die Geschwindigkeit wächst gleichmäßig.
Ein Stein, den du vom Balkon fallen lässt, wird auch immer schneller. Wie schnell ist er nach 2 s? Und wie weit ist er dann gefallen?
In dieser Lektion misst du, wie stark sich die Geschwindigkeit ändert, leitest die Gesetze für gleichmäßig wachsende Geschwindigkeit her und wendest sie auf den freien Fall an.
Beschleunigung
Die Beschleunigung sagt, wie stark sich die Geschwindigkeit pro Zeit ändert. Sie ist die Geschwindigkeitsänderung geteilt durch die dafür nötige Zeit . Die Einheit ergibt sich aus der Rechnung: Meter pro Sekunde durch Sekunde, geschrieben m/s². 2 m/s² heißt: In jeder Sekunde wächst die Geschwindigkeit um 2 m/s.
Wird der Körper langsamer, ist negativ und damit auch . Bleibt konstant, nennt man die Bewegung gleichmäßig beschleunigt. Beschleunigung und Geschwindigkeit sind verschiedene Größen: Ein Flugzeug, das gleichmäßig mit 250 m/s fliegt, hat die Beschleunigung null.
Beschleunigen und Bremsen
Beschleunigen und Bremsen
Ein Auto beschleunigt in 8,0 s von 0 auf 100 km/h. Wie groß ist a? Danach bremst es in 5,0 s von 20 m/s auf 0. Wie groß ist a dabei?
100 km/h : 3,6 ≈ 27,8 m/s. Also .
Beim Bremsen ist m/s. Also . Das Minus zeigt: Die Geschwindigkeit nimmt ab.
Geschwindigkeit bei gleichmäßiger Beschleunigung
Zu Beginn () hat der Körper die Anfangsgeschwindigkeit und den Anfangsort . Diese Werte heißen Anfangsbedingungen. Aus folgt: Nach der Zeit ist die Geschwindigkeit um gewachsen. Im -Diagramm ist das eine Gerade mit der Steigung .
Weg bei gleichmäßiger Beschleunigung
Der Weg ist die Fläche unter der Linie im -Diagramm. Sie besteht aus einem Rechteck der Höhe und der Breite , also , und einem Dreieck darüber mit der Grundseite und der Höhe . Das Dreieck hat den Flächeninhalt . Mit dem Anfangsort ergibt sich:
Rechnen ohne Zeit
Oft ist die Zeit nicht gegeben. Löse nach auf und setze das in die Wegformel ein (mit ). Nach kurzer Umformung bleibt eine Formel ohne . Für den zurückgelegten Weg gilt:
Die drei Diagramme im Überblick
Bei konstanter positiver Beschleunigung sehen die Diagramme so aus:
| Diagramm | Aussehen | Steigung bedeutet | Fläche darunter bedeutet |
|---|---|---|---|
| waagerechte Gerade | wird nicht gebraucht | Geschwindigkeitsänderung | |
| Gerade mit der Steigung | Beschleunigung | Weg | |
| nach oben gekrümmte Kurve (Parabel) | Geschwindigkeit | wird nicht gebraucht |
Wegen im Weggesetz wächst der Weg aus der Ruhe schneller als die Zeit: Bei doppelter Zeit ist der Weg viermal so groß.
Anfahren aus der Ruhe
Anfahren aus der Ruhe
Ein Auto fährt aus der Ruhe mit m/s² an. a) Welche Geschwindigkeit und welchen Weg hat es nach 5,0 s? b) Wann hat es 100 m zurückgelegt, und wie schnell ist es dann?
a) m/s, das sind 36 km/h. m. Kontrolle mit dem Dreieck im -Diagramm: m.
b) , also s. Dann ist m/s (72 km/h). Die doppelte Zeit brachte den vierfachen Weg: 25 m und 100 m.
Freier Fall
Lässt du einen Körper los, fällt er. Wirkt nur die Anziehung der Erde und keine Luftreibung, spricht man vom freien Fall. Messungen zeigen: Alle Körper fallen gleich schnell, ganz gleich welche Masse sie haben. In einer Röhre ohne Luft fallen eine Feder und eine Metallkugel gleich schnell. In Luft bremst der Luftwiderstand die Feder oder ein Blatt viel stärker als einen Stein.
Der freie Fall ist eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung aus der Ruhe mit der Fallbeschleunigung . In Deutschland ist m/s², auf dem Mond etwa 1,6 m/s². Zum Überschlagen reicht 10 m/s². Das ist derselbe Zahlenwert wie beim Ortsfaktor 9,81 N/kg. Die nächste Lektion zeigt, warum. Zählt man die Richtung nach unten positiv, gilt mit der Fallstrecke :
Der Stein vom Turm
Der Stein vom Turm
Ein Stein fällt aus der Ruhe von einem 20 m hohen Turm. Die Luftreibung wird vernachlässigt. Wie lange fällt er, wie schnell trifft er auf, und wie weit ist er nach 1 s gefallen?
Fallzeit: s.
Aufprallgeschwindigkeit: m/s, das sind etwa 71 km/h. Kontrolle: m/s.
Nach 1 s: m.
Der Bremsweg
Der Bremsweg
Ein Auto fährt mit 72 km/h und bremst gleichmäßig mit m/s² bis zum Stillstand. Wie lange dauert das, und wie lang ist der Bremsweg? Wie lang wäre er bei 144 km/h?
Anfangsgeschwindigkeit m/s. Aus folgt s. Bremsweg: m.
Mit der Formel ohne Zeit: , also m.
144 km/h sind 40 m/s: m. Bei doppelter Geschwindigkeit ist der Bremsweg viermal so lang, denn geht quadratisch ein.
Schwere Körper fallen schneller
Schwere Körper fallen schneller
„Eine Eisenkugel fällt schneller als eine Holzkugel, weil sie schwerer ist.“
Ohne Luftreibung fallen beide gleich schnell. Der Unterschied im Alltag kommt von der Luft: Sie bremst leichte, große Körper wie Federn und Blätter stärker.
Beschleunigung und Geschwindigkeit verwechseln
Beschleunigung und Geschwindigkeit verwechseln
„Das Auto fährt konstant 100 km/h, also hat es eine große Beschleunigung.“
Die Beschleunigung misst die Änderung der Geschwindigkeit, nicht die Geschwindigkeit selbst. Bei konstanter Geschwindigkeit ist , auch wenn groß ist. Beim Bremsen ist nicht null, sondern negativ.
Zusammenfassung
Die Beschleunigung ist die Geschwindigkeitsänderung pro Zeit, a = Δv : Δt, in m/s². Beim Bremsen ist sie negativ.
Bei konstanter Beschleunigung gilt v = v₀ + a · t und s = s₀ + v₀ · t + ½ · a · t². Die Anfangsbedingungen sind v₀ und s₀.
Ohne Zeit rechnet man mit v² = v₀² + 2 · a · s.
Im v(t)-Diagramm ist die Steigung die Beschleunigung und die Fläche der Weg. Im s(t)-Diagramm ist die Kurve eine Parabel. Im a(t)-Diagramm ist die Linie waagerecht.
Im freien Fall ohne Luftreibung fallen alle Körper gleich, mit g = 9,81 m/s².
Verdoppelt sich die Zeit, vervierfacht sich der Weg aus der Ruhe. Verdoppelt sich die Anfangsgeschwindigkeit, vervierfacht sich der Bremsweg.
Übungen
Ein Zug beschleunigt in 40 s gleichmäßig von 0 auf 20 m/s. Wie groß ist seine Beschleunigung in m/s²?
Ein Körper wird aus der Ruhe gleichmäßig beschleunigt. Wie sieht seine Linie im s(t)-Diagramm aus?
Eine Radfahrerin fährt aus der Ruhe mit a = 1,5 m/s² an. Wie weit ist sie nach 4,0 s gekommen, in Metern?
Ein Stein fällt in einen Brunnen und schlägt nach 3,0 s auf dem Wasser auf. Rechne mit g = 9,81 m/s² und ohne Luftreibung und Schalllaufzeit. Wie tief ist der Brunnen, gerundet auf ganze Meter?
Ein Auto fährt mit 54 km/h und bremst gleichmäßig mit a = −4,5 m/s² bis zum Stillstand. Wie lang ist der Bremsweg in Metern?
In einer luftleeren Röhre fallen eine Feder und eine Münze gleich schnell. Warum fällt die Feder in Luft langsamer?