Lektion 3.4

Generator und Transformator

16 min Lesezeit

Aus der Steckdose kommen 230 V. Dein Handy-Ladegerät macht daraus etwa 5 V. Auf den Masten der Überlandleitungen liegen dagegen bis zu 380 000 Volt. Wie entsteht die Spannung im Kraftwerk? Und wie verändert man sie, ohne dass dabei Energie aus dem Nichts entsteht?

Du nutzt, was du über Induktion gelernt hast, und erklärst Generator, Wechselspannung und Transformator. Am Ende kannst du begründen, warum Strom über weite Strecken mit Hochspannung fließt.

Definition

Generatorprinzip und Wechselspannung

Ein Generator wandelt Bewegungsenergie in elektrische Energie um. Er arbeitet nach der Induktion: Eine Leiterschleife oder Spule dreht sich in einem Magnetfeld. Beim Drehen ändert sich ständig ihre wirksame Fläche, also die Zahl der Feldlinien durch sie. Deshalb wird eine Spannung induziert. Statt der Spule kann sich auch der Magnet drehen, wie im Fahrraddynamo. Im Kraftwerk treiben Dampf, Wasser oder Wind eine Turbine an, und die dreht den Generator. Der Generator ist die Umkehrung des Motors: Im Motor wird aus Strom Bewegung, im Generator aus Bewegung Spannung.

Bei gleichmäßiger Drehung ändert sich die Spannung so: Steht die Schleife quer zu den Feldlinien, tritt die größte Zahl von Feldlinien hindurch, sie ändert sich aber gerade nicht. Die Spannung ist null. Liegt die Schleife parallel zu den Feldlinien, ändert sich die Zahl am schnellsten, und die Spannung ist am größten. Nach jeder halben Umdrehung kehrt sich die Spannung um. Es entsteht eine Wechselspannung, die gegen die Zeit aufgetragen eine Wellenlinie ergibt. Die Frequenz ist die Zahl der Umdrehungen je Sekunde, in Hertz (Hz). Der Höchstwert der Spannung wächst mit der Drehzahl, der Windungszahl und der Stärke des Feldes. Die 230 V der Steckdose sind der Effektivwert: Eine Gleichspannung von 230 V brächte an einer Glühlampe dieselbe Leistung. Der Höchstwert beträgt etwa 325 V.

Definition

Wechselstromgenerator

Führt man die Enden der Spule zu zwei vollen Schleifringen, auf denen Kohlebürsten schleifen, bleibt die Spannung eine Wechselspannung. Ein Stromwender (Kommutator) wie im Gleichstrommotor würde sie dagegen so umpolen, dass sie nur noch pulsiert und ihr Vorzeichen behält. In großen Kraftwerksgeneratoren dreht sich ein Elektromagnet, der Läufer. Die Spulen, in denen die Spannung entsteht, stehen fest im Ständer. So muss der große Strom nicht über Schleifringe fließen.

Beispiel

Frequenz und Höchstwert

Eine Leiterschleife dreht sich in einem Magnetfeld 3000-mal in der Minute. Wie groß ist die Frequenz? Wie ändern sich Frequenz und Höchstwert (angenommen 20 V), wenn sich die Schleife nur noch 1500-mal in der Minute dreht?

3000 Umdrehungen je Minute sind 3000 : 60 = 50 Umdrehungen je Sekunde. Die Frequenz beträgt 50 Hz, das ist die Frequenz des Stromnetzes.

Bei 1500 Umdrehungen je Minute dreht sich die Schleife halb so schnell. Die Frequenz halbiert sich auf 25 Hz. Auch der Höchstwert der Spannung halbiert sich: Er beträgt dann 10 V.

Definition

Transformator und Spannungsübersetzung

Ein Transformator besteht aus zwei Spulen auf einem gemeinsamen, geschlossenen Eisenkern: der Primärspule mit N1N_1 Windungen (Eingang) und der Sekundärspule mit N2N_2 Windungen (Ausgang). Die Spulen sind nicht leitend verbunden. Eine Wechselspannung U1U_1 an der Primärspule erzeugt ein wechselndes Magnetfeld. Der Eisenkern führt es durch die Sekundärspule. Dort ändert sich die Zahl der Feldlinien ständig, und es wird die Wechselspannung U2U_2 induziert.

Gleichspannung funktioniert nicht, denn ihr Feld ändert sich nicht (nur kurz beim Ein- und Ausschalten). Jede Windung erhält denselben Anteil der Spannung, und die Anteile addieren sich. Für den idealen Transformator ohne Verluste gilt daher die Spannungsübersetzung:

U1U2=N1N2\frac{U_1}{U_2} = \frac{N_1}{N_2}
Definition

Hochtransformieren, Heruntertransformieren und Strom

Hat die Sekundärspule mehr Windungen, ist U2U_2 größer als U1U_1: Die Spannung wird hochtransformiert. Bei weniger Windungen wird sie heruntertransformiert. Die zweite Gleichung sagt: Die Leistung P=U⋅IP = U \cdot I ist auf beiden Seiten gleich, ein Transformator erzeugt keine Energie. Wird die Spannung größer, sinkt der Strom im gleichen Verhältnis. Es gilt I1I2=N2N1\frac{I_1}{I_2} = \frac{N_2}{N_1}. Reale Transformatoren verlieren durch Wärme etwas Energie. Große Transformatoren erreichen Wirkungsgrade von über 95 %.

Beispiel

Das Netzteil

Ein Netzteil macht aus 230 V eine kleine Spannung. Die Primärspule hat 1000 Windungen, die Sekundärspule 52. a) Welche Spannung liefert es? b) Es gibt 1 A ab. Wie groß ist der Strom auf der Primärseite (idealer Transformator)?

a) Aus der Übersetzung folgt U2=U1⋅N2N1=230 V⋅521000=11,96 VU_2 = U_1 \cdot \frac{N_2}{N_1} = 230 \text{ V} \cdot \frac{52}{1000} = 11{,}96 \text{ V}, also etwa 12 V.

b) Die Leistung auf der Sekundärseite ist etwa 12 V⋅1 A=12 W12 \text{ V} \cdot 1 \text{ A} = 12 \text{ W}. Beim idealen Transformator ist sie auf der Primärseite gleich: I1=12 W230 V≈0,052 AI_1 = \frac{12 \text{ W}}{230 \text{ V}} \approx 0{,}052 \text{ A}. Der Strom ist auf der Primärseite etwa 19-mal kleiner als auf der Sekundärseite. Um diesen Faktor ist dort auch die Spannung größer.

Transformator ausprobieren

Die Voreinstellung entspricht dem Netzteil aus dem Beispiel. Der Ablesesatz nennt „Übersetzung“ (das Verhältnis von primären zu sekundären Windungen), „Sekundärspannung“ und „Sekundärstrom“. Erhöhe die „Windungen sekundär“: Die Sekundärspannung wächst im gleichen Verhältnis. Ändere dann die „Primärspannung (effektiv)“ und vergleiche mit der Rechnung.

Definition

Hochspannungsleitung und Energieverlust

Elektrische Energie wird oft über viele Kilometer übertragen. Die Leitungen haben einen Widerstand RLR_L. Fließt der Strom II, fällt über der Leitung die Spannung RL⋅IR_L \cdot I ab (Ohmsches Gesetz), und die Leitung erwärmt sich. Die Verlustleistung ist PV=RL⋅I⋅I=RL⋅I2P_V = R_L \cdot I \cdot I = R_L \cdot I^2. Sie wächst mit dem Quadrat des Stroms: Halber Strom bedeutet ein Viertel der Verluste.

Zu übertragen ist die Leistung P=U⋅IP = U \cdot I mit der Spannung UU der Leitung. Bei gleicher Leistung bedeutet hohe Spannung einen kleinen Strom. Darum spannen Transformatoren die Spannung im Kraftwerk auf Hochspannung hoch, auf Überlandleitungen meist 110 kV bis 380 kV. Beim Verbraucher wird sie in mehreren Stufen auf 230 V heruntertransformiert. Das geht nur mit Wechselspannung. Für sehr lange Strecken gibt es zwar auch Gleichstromleitungen, hier betrachten wir das übliche Wechselstromnetz.

Beispiel

Verlust auf der Leitung

Über eine Leitung mit RL=5 ΩR_L = 5\,\Omega (angenommen) werden 2 MW (2 000 000 W) übertragen. Wie groß ist die Verlustleistung bei a) 20 kV, b) 200 kV? (Vereinfacht gerechnet wie bei Gleichstrom.)

a) I=PU=2 000 000 W20 000 V=100 AI = \frac{P}{U} = \frac{2\,000\,000 \text{ W}}{20\,000 \text{ V}} = 100 \text{ A}. Die Verlustleistung beträgt PV=5 Ω⋅(100 A)2=50 000 W=50 kWP_V = 5\,\Omega \cdot (100 \text{ A})^2 = 50\,000 \text{ W} = 50 \text{ kW}. Das sind 2,5 % der übertragenen Leistung.

b) I=2 000 000 W200 000 V=10 AI = \frac{2\,000\,000 \text{ W}}{200\,000 \text{ V}} = 10 \text{ A}. Die Verlustleistung beträgt PV=5 Ω⋅(10 A)2=500 WP_V = 5\,\Omega \cdot (10 \text{ A})^2 = 500 \text{ W}. Das sind 0,025 %.

Die Spannung ist zehnmal so groß, der Strom ein Zehntel, der Verlust nur noch ein Hundertstel.

Häufige Fehler

Der Transformator erzeugt Leistung

„Ein Transformator, der die Spannung auf das Zehnfache erhöht, liefert zehnmal so viel Leistung.“

Richtig ist

Ein Transformator erzeugt keine Energie. Beim idealen Transformator bleibt die Leistung gleich: Steigt die Spannung auf das Zehnfache, sinkt der Strom auf ein Zehntel. Reale Transformatoren verlieren sogar etwas Energie.

Häufige Fehler

Hochspannung bedeutet hohe Verluste

„Bei Hochspannung ist der Strom besonders groß und damit auch der Verlust.“

Richtig ist

Bei gleicher Leistung bedeutet hohe Spannung einen kleinen Strom. Der Verlust hängt vom Strom ab, er ist RL⋅I2R_L \cdot I^2. Darum sind die Verluste bei Hochspannung klein.

Häufige Fehler

Der Transformator läuft auch an einer Batterie

„Ein Transformator funktioniert auch mit Gleichspannung aus einer Batterie.“

Richtig ist

Nur ein sich änderndes Feld induziert. Bei Gleichspannung ist das Feld konstant, und in der Sekundärspule entsteht nach dem Einschalten keine Spannung mehr.

Zusammenfassung

  • Ein Generator wandelt Bewegungsenergie durch Induktion in elektrische Energie um. Er ist die Umkehrung des Motors.

  • Eine gleichmäßig drehende Schleife im Magnetfeld liefert Wechselspannung. Die Frequenz ist die Zahl der Umdrehungen je Sekunde.

  • Ein Wechselstromgenerator hat Schleifringe. Im Kraftwerk dreht sich der Elektromagnet (Läufer), die Spulen stehen fest (Ständer).

  • Der Transformator hat zwei Spulen auf einem Eisenkern und braucht Wechselspannung. Es gilt U1 : U2 = N1 : N2.

  • Beim idealen Transformator ist die Leistung auf beiden Seiten gleich: Hohe Spannung bedeutet kleinen Strom.

  • Die Verlustleistung einer Leitung ist R mal I zum Quadrat. Darum überträgt man Energie bei hoher Spannung und kleinem Strom.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Welche Energieumwandlung findet im Generator statt?

Aufgabe 2Numerisch

Eine Leiterschleife dreht sich in einem Generator 1200-mal in der Minute. Wie groß ist die Frequenz der Wechselspannung, in Hertz?

Aufgabe 3Numerisch

Die Primärspule eines Transformators hat 600 Windungen und liegt an 230 V. Die Sekundärspule hat 30 Windungen. Wie groß ist die Sekundärspannung in Volt (idealer Transformator)?

Aufgabe 4Multiple Choice

Warum wird elektrische Energie über weite Strecken mit Hochspannung übertragen?

Aufgabe 5Numerisch

Eine Leitung mit 0,5 Ω überträgt 400 000 W bei 10 000 V. Wie groß ist die Verlustleistung in Watt?

Aufgabe 6Freitext

Warum funktioniert ein Transformator nur mit Wechselspannung und nicht mit Gleichspannung?