Elektromagnetisches Spektrum und Wechselwirkung von Strahlung und Materie
Dein Handy sendet und empfängt Signale, die du nicht siehst. Im Mikrowellenherd wird das Essen warm, obwohl im Inneren nichts glüht. Beim Zahnarzt entsteht ein Röntgenbild, und im Sommer schützt du dich mit Sonnencreme vor einer Strahlung, die du weder siehst noch spürst. Eine Wärmebildkamera zeigt dir im Dunkeln, wo ein Mensch steht.
Alle diese Strahlungen sind miteinander verwandt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Wellenlänge. Du ordnest sie ein und lernst, was geschieht, wenn Strahlung auf einen Stoff trifft.
Elektromagnetische Strahlung, Wellenlänge und Frequenz
Licht kennst du als Welle mit einer Wellenlänge, zum Beispiel 600 nm für Orange. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt der elektromagnetischen Strahlung. Sie besteht aus schwingenden elektrischen und magnetischen Feldern, die sich als Welle ausbreiten, auch durch das Vakuum. Sonnenlicht erreicht uns durch den leeren Raum. Zwei Größen beschreiben die Welle:
- Die Wellenlänge (Lambda) ist der Abstand zweier benachbarter Wellenberge.
- Die Frequenz ist die Zahl der Schwingungen pro Sekunde, also die Zahl der Wellenberge, die in einer Sekunde an einem Ort vorbeikommen. Ihre Einheit ist das Hertz (Hz): 1 Hz ist eine Schwingung pro Sekunde. Es gilt 1 kHz = 1000 Hz, 1 MHz = 10⁶ Hz, 1 GHz = 10⁹ Hz und 1 THz = 10¹² Hz.
Im Vakuum breiten sich alle elektromagnetischen Wellen mit derselben Geschwindigkeit aus, der Lichtgeschwindigkeit m/s (300 000 km/s). In einer Sekunde laufen Wellenberge mit je dem Abstand vorbei, die Welle legt also die Strecke zurück. Diese Strecke ist :
Vom Mobilfunk zur Wellenlänge
Vom Mobilfunk zur Wellenlänge
Ein Mobilfunknetz sendet mit der Frequenz 1,8 GHz. Wie groß ist die Wellenlänge?
Es ist 1,8 GHz = 1,8 · 10⁹ Hz. Nach aufgelöst gilt . Die Wellenlänge beträgt etwa 17 cm.
Vom Licht zur Frequenz
Vom Licht zur Frequenz
Orangefarbenes Licht hat die Wellenlänge 600 nm. Wie groß ist seine Frequenz?
Es ist 600 nm = 6,0 · 10⁻⁷ m. Nach aufgelöst gilt . Das sind 500 THz. Licht schwingt also 500 Billionen Mal pro Sekunde.
Das elektromagnetische Spektrum
Ordnest du die Strahlungen nach der Wellenlänge, erhältst du das elektromagnetische Spektrum. Die Grenzen sind Näherungen, die Bereiche gehen ineinander über:
| Bereich | Wellenlänge (etwa) | Frequenz (etwa) | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Radio- und Mobilfunkwellen | größer als 1 mm | unter 300 GHz | Radio, Mobilfunk, WLAN, Mikrowellenherd |
| Wärmestrahlung (Infrarot) | 750 nm bis 1 mm | 300 GHz bis 400 THz | warme Körper, Heizkörper |
| sichtbares Licht | 400 nm bis 750 nm | 400 THz bis 750 THz | Sonne, Lampen |
| ultraviolette Strahlung (UV) | 10 nm bis 400 nm | 750 THz bis 30 000 THz | Sonne, Solarium |
| Röntgenstrahlung | 0,01 nm bis 10 nm | 3 · 10¹⁶ bis 3 · 10¹⁹ Hz | Röntgenaufnahme |
| Gammastrahlung | kürzer als etwa 0,01 nm | über 3 · 10¹⁹ Hz | entsteht bei Vorgängen im Atomkern |
Von oben nach unten nimmt die Wellenlänge ab und die Frequenz zu. Je größer die Frequenz, desto mehr Energie trägt die Strahlung. Darum können UV-, Röntgen- und Gammastrahlung Zellen schädigen. Der Mobilfunk nutzt Frequenzen von etwa 0,7 bis 3,7 GHz, der Mikrowellenherd arbeitet bei 2,45 GHz.
Absorption, Transmission, Reflexion, Streuung und Emission
Trifft Strahlung auf einen Stoff, kann Folgendes geschehen, oft mehreres zugleich:
- Absorption: Der Stoff nimmt die Strahlungsenergie auf. Meist wird sie zu thermischer Energie, der Stoff erwärmt sich. Beispiele sind dunkler Asphalt in der Sonne und Wasser im Mikrowellenherd.
- Transmission: Die Strahlung geht durch den Stoff hindurch. Fensterglas lässt sichtbares Licht durch, Weichteile des Körpers lassen Röntgenstrahlung durch.
- Reflexion: Die Strahlung wird an einer glatten Fläche nach dem Reflexionsgesetz zurückgeworfen. Metall wirft Radiowellen zurück, darum arbeiten Radar und Satellitenschüsseln mit Metallflächen.
- Streuung: Die Strahlung wird an kleinen Teilchen in viele Richtungen abgelenkt. Blaues Licht (kurze Wellenlänge) wird von den Luftteilchen stärker gestreut als rotes. Deshalb ist der Himmel blau. Bei tiefstehender Sonne ist der Weg durch die Luft lang, das Blau wird herausgestreut, und Rot und Orange bleiben übrig: das Abendrot.
- Emission: Der Stoff sendet selbst Strahlung aus. Jeder Körper sendet Wärmestrahlung aus, je heißer, desto mehr.
Was geschieht, hängt vom Stoff und von der Wellenlänge ab. Fensterglas ist für sichtbares Licht durchlässig, für langwellige Wärmestrahlung nicht. Die Lufthülle lässt sichtbares Licht durch und absorbiert einen großen Teil der UV-Strahlung (durch das Ozon) und der Infrarotstrahlung (durch Treibhausgase).
Die Wärmebildkamera hinter der Fensterscheibe
Die Wärmebildkamera hinter der Fensterscheibe
Du richtest eine Wärmebildkamera durch ein geschlossenes Fenster auf eine Person im Zimmer. Auf dem Bild siehst du nur die Scheibe. Warum?
Die Person sendet Wärmestrahlung aus, mit einer Wellenlänge von etwa 10 000 nm (10 µm). Fensterglas lässt sichtbares Licht durch, absorbiert aber diese lange Wellenlänge fast vollständig. Die Transmission ist also fast null, und die Strahlung der Person erreicht die Kamera nicht. Die Scheibe selbst nimmt sie auf, erwärmt sich ein wenig und sendet dann eigene Wärmestrahlung aus (Emission). Diese sieht die Kamera. Außerdem spiegelt die Scheibe Wärmestrahlung von Gegenständen auf deiner Seite.
Nicht sichtbare Strahlung und Sensoren
Dein Auge nimmt nur Licht von 400 nm bis 750 nm wahr. Für alles andere brauchst du Sensoren: Bauteile, die Strahlung absorbieren und ihre Energie in ein messbares Signal wie Spannung oder Strom umwandeln. Beispiele:
- Eine Antenne wandelt Radio- und Mobilfunkwellen in elektrische Wechselspannung um.
- Eine Wärmebildkamera misst Infrarotstrahlung und zeigt die Temperatur als Farbbild. Ein Bewegungsmelder reagiert, wenn ein warmer Körper die Infrarotstrahlung vor ihm ändert.
- Eine Infrarot-Fernbedienung sendet kurze unsichtbare Infrarotimpulse. Viele Handykameras sind dafür empfindlich: Du siehst die Sendediode auf dem Display leuchten.
- Ein UV-Sensor misst die UV-Strahlung der Sonne und liefert den UV-Index.
- Ein Röntgendetektor steht hinter dem Körper und misst, wie viel Strahlung ankommt. Knochen absorbieren viel, Weichteile wenig. Daraus entsteht das Bild.
Radiowellen sind Schallwellen
Radiowellen sind Schallwellen
„Das Radio empfängt die Schallwellen, die der Sender ausschickt.“
Radiowellen sind elektromagnetische Wellen. Sie brauchen keine Luft und laufen mit Lichtgeschwindigkeit. Schall braucht einen Stoff und ist in Luft mit etwa 340 m/s viel langsamer. Erst der Lautsprecher macht aus dem Funksignal Schall.
Nur heiße Körper senden Strahlung aus
Nur heiße Körper senden Strahlung aus
„Ein Eiswürfel strahlt nichts aus, nur glühende Körper tun das.“
Jeder Körper sendet Wärmestrahlung aus, auch Eis und dein eigener Körper. Je kälter er ist, desto schwächer ist sie. Darum sieht eine Wärmebildkamera Menschen und warme Gegenstände auch ohne Licht.
Zusammenfassung
Licht ist ein kleiner Teil der elektromagnetischen Strahlung. Sie breitet sich auch im Vakuum aus.
Wellenlänge λ und Frequenz f hängen zusammen: c = λ · f. Im Vakuum ist c für alle elektromagnetischen Wellen gleich, etwa 3,0 · 10⁸ m/s.
Das Spektrum reicht von Radio- und Mobilfunkwellen über Wärmestrahlung, sichtbares Licht und UV bis zu Röntgen- und Gammastrahlung. Mit kürzerer Wellenlänge steigen Frequenz und Energie.
Strahlung kann absorbiert, durchgelassen (Transmission), reflektiert oder gestreut werden. Ein Körper kann auch selbst Strahlung aussenden (Emission).
Was geschieht, hängt vom Stoff und von der Wellenlänge ab. Der Himmel ist blau, weil kurzwelliges Licht stärker gestreut wird.
Sensoren absorbieren Strahlung und wandeln sie in ein Signal um, zum Beispiel Antenne, Wärmebildkamera, UV-Sensor und Röntgendetektor.
Übungen
Ein Mikrowellenherd arbeitet mit der Frequenz 2,45 GHz. Wie groß ist die Wellenlänge, in Zentimetern? Rechne mit c = 3,0 · 10⁸ m/s.
Welche dieser Strahlungen hat die größte Frequenz?
Eine Strahlung hat die Frequenz 600 THz. Wie groß ist ihre Wellenlänge, in Nanometern? Rechne mit c = 3,0 · 10⁸ m/s.
Warum ist der Himmel am Tag blau?
Ein Funksignal läuft von der Erde zum Mond. Der Mond ist 384 000 km entfernt. Wie lange braucht das Signal, in Sekunden? Rechne mit c = 300 000 km/s.
Erkläre mit Absorption und Transmission, warum man auf einem Röntgenbild Knochen erkennt.