Brechungsgesetz und Linsengleichung
Das Objektiv einer Kamera muss für einen Gegenstand in 2 Metern Entfernung genau den richtigen Abstand zum Sensor haben, sonst wird das Bild unscharf. Und eine Glasfaser leitet Licht nur, wenn es unter einem Winkel auf ihre Wand trifft, der groß genug ist.
In Klasse 7 und 8 hast du gelernt, in welche Richtung Licht abknickt und welche Bilder eine Linse macht. Jetzt kommen die Formeln dazu: Du rechnest Winkel, Abstände und Vergrößerungen aus.
Lichtgeschwindigkeit in Stoffen und Brechzahl
Im Vakuum und fast ebenso in Luft läuft Licht mit m/s (300 000 km/s). In durchsichtigen Stoffen ist es langsamer, und das ist der Grund der Brechung. Das Verhältnis von zur Lichtgeschwindigkeit im Stoff heißt Brechzahl . Sie hat keine Einheit und ist größer als 1. Je größer , desto „optisch dichter“ der Stoff. Gerundete Werte für gelbes Licht:
| Stoff | Brechzahl | Lichtgeschwindigkeit |
|---|---|---|
| Luft | 1,00 | etwa 300 000 km/s |
| Wasser | 1,33 | etwa 226 000 km/s |
| Glas (je nach Sorte) | etwa 1,5 | etwa 200 000 km/s |
| Diamant | 2,42 | etwa 124 000 km/s |
Die Brechzahl berechnest du so:
Der Sinus eines Winkels
Für das Brechungsgesetz brauchst du den Sinus eines Winkels. Im rechtwinkligen Dreieck ist er das Verhältnis aus der Länge der Seite, die dem Winkel gegenüberliegt (Gegenkathete), und der Länge der längsten Seite (Hypotenuse). Praktisch holst du ihn mit der Taste sin deines Taschenrechners, der auf Grad (DEG) eingestellt sein muss. Es ist sin 0° = 0, sin 30° = 0,5 und sin 90° = 1. Zwischen 0° und 90° wächst der Sinus von 0 bis 1 und ist nie größer als 1. Mit der Taste sin⁻¹ (auch arcsin) findest du den Winkel zu einem Sinuswert zurück: sin⁻¹(0,5) = 30°.
Brechungsgesetz
Ein Lichtbündel trifft schräg auf die Grenzfläche von Stoff 1 (Brechzahl ) zu Stoff 2 (). Der Einfallswinkel ist , der Brechungswinkel , beide vom Lot aus gemessen. Die Wellenfront steht senkrecht zu den Strahlen. Ein Ende der Front erreicht die Grenzfläche zuerst und wird dort langsamer, das andere läuft noch im ersten Stoff. So dreht sich die Front. In derselben Zeit legt sie in Stoff 1 den Weg und in Stoff 2 den Weg zurück. Beide Wege sind Katheten rechtwinkliger Dreiecke mit demselben Stück der Grenzfläche als Hypotenuse und den Winkeln und . Also gilt und . Teilst du beide Gleichungen, kürzt sich weg: .
Das ist das Brechungsgesetz (nach Snellius):
Von der Luft ins Wasser
Von der Luft ins Wasser
Ein Lichtstrahl trifft unter aus Luft () auf Wasser (). Wie groß ist der Brechungswinkel?
Aus dem Brechungsgesetz folgt . Dann ist . Der Winkel ist kleiner als : Das Licht wird zum Lot hin gebrochen, wie es beim Übergang in den dichteren Stoff sein muss.
Grenzwinkel der Totalreflexion
Geht Licht in einen Stoff mit kleinerer Brechzahl über (), wird es vom Lot weg gebrochen, und es ist . Wächst , wächst auch , bis ist und der Strahl an der Grenzfläche entlangläuft. Das geschieht beim Grenzwinkel . Wegen liefert das Brechungsgesetz . Bei noch größerem wäre größer als 1. Das ist unmöglich: Es tritt kein Licht aus, und alles wird zurückgeworfen (Totalreflexion). Sie gibt es nur beim Übergang in einen Stoff mit kleinerer Brechzahl, und nur für . Der Grenzwinkel ist:
Grenzwinkel von Glas und Diamant
Grenzwinkel von Glas und Diamant
Berechne den Grenzwinkel für Licht, das aus Glas () und aus Diamant () in Luft übergeht.
Glas: , also . Diamant: , also .
Im Diamant wird Licht schon ab 24,4° total reflektiert und bleibt oft lange im Stein. Das macht das Funkeln. Ein Strahl, der im Glas unter 45° auf die Grenzfläche zur Luft trifft, wird total reflektiert, denn 45° ist größer als 41,8°. Darauf beruhen die Umkehrprismen im Fernglas.
Abbildungsmaßstab
Bei einer Linse sind die Gegenstandsgröße, die Bildgröße, die Gegenstandsweite und die Bildweite. Der Mittelpunktstrahl geht ungebrochen durch die Linse, wie bei der Lochkamera. Daraus folgt (Strahlensatz): Bild und Gegenstand verhalten sich wie ihre Abstände zur Linse. Das Verhältnis heißt Abbildungsmaßstab . Ist , ist das Bild vergrößert, bei verkleinert, bei gleich groß:
Abbildungsgleichung
Der Parallelstrahl läuft in der Höhe parallel zur Achse und geht hinter der Linse durch den Brennpunkt. Im Dreieck zwischen Brennpunkt und Bildebene gilt dann . Mit folgt , also . Teilst du durch , erhältst du die Abbildungsgleichung für dünne Sammellinsen:
Bild einer Sammellinse berechnen
Bild einer Sammellinse berechnen
Eine Sammellinse hat die Brennweite cm. Ein 4 cm hoher Gegenstand steht cm vor der Linse. Wo liegt das Bild, und wie hoch ist es?
Aus der Abbildungsgleichung folgt . Also ist cm. Der Abbildungsmaßstab ist , die Bildhöhe cm cm. Das Bild ist reell, umgekehrt und vergrößert, wie es für sein muss.
Wird , kommt negativ heraus: Das Bild ist virtuell und liegt auf der Seite des Gegenstands (Lupe).
Die Kamera scharf stellen
Die Kamera scharf stellen
Ein Objektiv hat die Brennweite 50 mm. Ein Gegenstand steht 2,0 m vor dem Objektiv. In welchem Abstand muss der Sensor stehen?
Es ist mm. Dann gilt , also mm. Der Sensor steht 1,3 mm weiter hinten als bei einem sehr weit entfernten Gegenstand ( mm). Darum fährt das Objektiv beim Scharfstellen auf nahe Gegenstände nach vorn.
Strahlengang am Fernrohr
Ein Fernrohr (nach Kepler) hat zwei Sammellinsen: das Objektiv mit großer Brennweite und das Okular mit kleiner Brennweite . Der Gegenstand ist sehr weit entfernt, also ist fast null und . Das Objektiv erzeugt ein reelles, umgekehrtes Zwischenbild in seiner Brennebene (die Ebene durch den Brennpunkt, senkrecht zur Achse). Die Linsen stehen so weit auseinander, dass dieses Zwischenbild im Brennpunkt des Okulars liegt. Für das Okular ist dann und : Das Licht verlässt es als paralleles Bündel, und das Auge sieht ein Bild im Unendlichen, ohne sich anzustrengen. Es steht auf dem Kopf.
Die Vergrößerung ist ein Verhältnis von Winkeln. Vom Objektiv aus gesehen füllt das Zwischenbild den Sehwinkel , unter dem der Gegenstand ohne Fernrohr erscheint. Durch das Okular sieht das Auge das Zwischenbild aus dem Abstand unter dem größeren Winkel . Für kleine Winkel sind Winkel und Abstand umgekehrt proportional, also gilt . Vergrößerung und Rohrlänge (Abstand der Linsen) sind:
Die Winkel stehen im Verhältnis der Brechzahlen
Die Winkel stehen im Verhältnis der Brechzahlen
„Bei Glas mit n = 1,5 ist der Brechungswinkel der Einfallswinkel geteilt durch 1,5. Bei 45° sind das 30°.“
Nicht die Winkel, sondern ihre Sinuswerte stehen im Verhältnis. Richtig ist , also . Bei kleinen Winkeln ist der Unterschied gering, bei großen deutlich.
Den Kehrwert vergessen
Den Kehrwert vergessen
„Aus 1/b = 1/f − 1/g folgt b = f − g. Für f = 10 cm und g = 15 cm ist b = −5 cm.“
Die Gleichung gibt , nicht . Zuerst Brüche mit gemeinsamem Nenner subtrahieren: . Dann den Kehrwert bilden: cm.
Zusammenfassung
Die Brechzahl n = c : v sagt, wie viel langsamer das Licht im Stoff ist als im Vakuum. Je größer n, desto optisch dichter der Stoff.
Brechungsgesetz: n₁ · sin α = n₂ · sin β, mit Winkeln vom Lot aus. Nicht die Winkel, sondern ihre Sinuswerte stehen im Verhältnis.
Beim Übergang in einen Stoff mit kleinerer Brechzahl gibt es den Grenzwinkel: sin α_G = n₂ : n₁. Für größere Einfallswinkel tritt Totalreflexion auf.
Abbildungsmaßstab: A = B : G = b : g. Ist A größer als 1, ist das Bild vergrößert.
Abbildungsgleichung: 1/f = 1/g + 1/b. Für g = f gibt es kein Bild, für g kleiner als f ein virtuelles.
Beim Fernrohr bilden Objektiv (f₁) und Okular (f₂) im Abstand f₁ + f₂ ein Paar. Die Vergrößerung ist V = f₁ : f₂, das Bild steht auf dem Kopf.
Übungen
Glas hat die Brechzahl 1,5. Wie groß ist die Lichtgeschwindigkeit im Glas, in Kilometern pro Sekunde? Rechne mit c = 300 000 km/s. Schreibe die Zahl ohne Punkt.
Ein Lichtstrahl trifft unter 45° aus Luft auf Glas (n = 1,5). Wie groß ist der Brechungswinkel, in Grad? Runde auf eine Stelle nach dem Komma.
Licht läuft im Glas (n = 1,5) und trifft unter 45° auf die Grenzfläche zur Luft (n = 1,0). Was geschieht?
Eine Sammellinse hat die Brennweite 15 cm. Ein Gegenstand steht 60 cm vor der Linse. Wie groß ist die Bildweite, in Zentimetern?
Ein Fernrohr soll 40-fach vergrößern. Sein Objektiv hat die Brennweite 120 cm. Wie lang ist das Rohr, also der Abstand zwischen Objektiv und Okular, in Zentimetern?
Ein Gegenstand steht genau im Brennpunkt einer Sammellinse (g = f). Zeige mit der Abbildungsgleichung, dass hinter der Linse kein Bild entsteht.