Biomembran und Stofftransport
Du streust Salz auf Gurkenscheiben. Nach einigen Minuten schwimmen sie in Wasser und sind schlaff. Das Wasser kam aus den Zellen. Eine Zelle muss ständig auswählen: Zucker und Ionen hinein, Abfall hinaus, Gifte draußen lassen und den Wasserhaushalt regeln.
Das leistet eine Membran von nur wenigen Nanometern Dicke. Wie wählt sie aus? Diese Lektion zeigt ihren Bau und die Wege, auf denen Stoffe sie überwinden.
Phospholipide und die Lipid-Doppelschicht
Ein Phospholipid besteht aus Glycerin, zwei Fettsäureresten und einer geladenen Phosphatgruppe mit weiterem Rest (dem Kopf). Der Kopf mischt sich mit Wasser: er ist hydrophil. Die zwei Fettsäureketten sind unpolar und meiden Wasser: sie sind hydrophob. Beides zusammen heißt amphiphil.
In Wasser lagern sich Phospholipide von selbst zu einer Doppelschicht zusammen: Die Köpfe zeigen nach außen zum Wasser, die Schwänze nach innen und berühren einander.
Membranmodelle und Fluid-Mosaik-Modell
Der Bau der Membran wurde schrittweise aufgeklärt:
- Gorter und Grendel (1925): Die Lipide roter Blutzellen bilden ausgebreitet einen Film, der die doppelte Fläche der Zelloberfläche hat (angenommen 0,80 m² bei 0,40 m²). Sie liegen in der Zelle also in zwei Lagen: eine Doppelschicht.
- Davson und Danielli (1935): Sandwich-Modell, eine Lipid-Doppelschicht zwischen zwei Proteinschichten.
- Singer und Nicolson (1972): Fluid-Mosaik-Modell. Elektronenmikroskopische Bilder von gebrochenen, tiefgefrorenen Zellen zeigten Proteine mitten in der Membran, was das Sandwich-Modell nicht erklärte.
Im Fluid-Mosaik-Modell ist die Doppelschicht fluide: Die Lipide bewegen sich seitlich. Die Proteine sind wie Mosaiksteine eingelagert: Integrale Membranproteine durchspannen die Doppelschicht, periphere sitzen an einer Seite. Kohlenhydratketten ragen nach außen (Glykokalyx). Als Beleg für die Beweglichkeit durchmischen sich nach der Verschmelzung einer Maus- und einer Menschenzelle die verschieden markierten Membranproteine nach kurzer Zeit.
Selektive Permeabilität
Permeabel heißt durchlässig. Eine Membran ist selektiv permeabel: Sie lässt Stoffe unterschiedlich leicht passieren.
- Kleine unpolare Moleküle (, ) und fettlösliche Stoffe durchqueren die Doppelschicht leicht.
- Wasser passiert sie in geringem Maß, schneller durch Wasserkanäle (Aquaporine).
- Ionen wie , , und große polare Moleküle wie Glucose werden vom wasserabweisenden Innern der Doppelschicht abgewiesen. Sie brauchen Transportproteine, die jeweils nur bestimmte Stoffe durchlassen.
Diffusion und Osmose
Teilchen in Flüssigkeiten und Gasen bewegen sich ständig ungeordnet. Dadurch mischen sie sich: Netto wandern mehr Teilchen vom Ort hoher zum Ort niedriger Konzentration (Konzentrationsgefälle) als umgekehrt, bis die Konzentration überall gleich ist. Diese Diffusion kostet keine Energie. Sie ist schneller bei größerer Fläche, größerem Gefälle und kürzerem Weg:
Osmose, Turgor, Plasmolyse und Deplasmolyse
Osmose ist die Diffusion von Wasser durch eine selektiv permeable Membran, die gelöste Teilchen nicht durchlässt. Wasser strömt dorthin, wo mehr gelöste Teilchen sind. Beim Vergleich zweier Lösungen heißt die mit mehr gelösten Teilchen hypertonisch, die mit weniger hypotonisch, bei gleicher Teilchenzahl isotonisch.
Eine Tierzelle platzt in hypotonischer Umgebung (rote Blutzellen in destilliertem Wasser) und schrumpft in hypertonischer. Eine Pflanzenzelle platzt nicht: Nimmt ihre Vakuole Wasser auf, drückt der Protoplast (Zellplasma mit Membran) gegen die feste Zellwand. Das ist der Turgor.
In hypertonischer Lösung gibt die Vakuole Wasser ab, und der Protoplast löst sich von der Zellwand: Plasmolyse. Die Zellwand ist durchlässig, der Spalt füllt sich mit Außenlösung. Kommt die lebende Zelle zurück in Wasser, legt sich der Protoplast wieder an: Deplasmolyse. Sind 50 % der Zellen plasmolysiert, spricht man von Grenzplasmolyse, und die Außenlösung ist etwa isotonisch zum Zellsaft.
Zwiebelzellen in Zuckerlösung
Zwiebelzellen in Zuckerlösung
Zellen der Zwiebelhaut liegen in Saccharoselösungen verschiedener Konzentration. Du zählst den Anteil der Zellen mit Plasmolyse:
| Konzentration in mol/L | 0,10 | 0,20 | 0,30 | 0,40 | 0,50 |
|---|---|---|---|---|---|
| plasmolysierte Zellen | 0 % | 10 % | 50 % | 90 % | 100 % |
Bestimme die Konzentration, die dem Zellsaft entspricht, und beschreibe die Zellen bei 0,10 und 0,40 mol/L.
Grenzplasmolyse (50 %) liegt bei 0,30 mol/L. Der Zellsaft hat also etwa die Teilchenkonzentration einer 0,30-molaren Saccharoselösung. Bei 0,10 mol/L ist die Lösung hypotonisch: Wasser strömt ein, die Zellen sind prall (turgeszent). Bei 0,40 mol/L ist sie hypertonisch: Wasser strömt aus den Vakuolen, 90 % der Zellen sind plasmolysiert.
Passiver und aktiver Transport
Der passive Transport folgt dem Gefälle und braucht keine Energie der Zelle. Der aktive Transport befördert Stoffe gegen das Gefälle, die Energie liefert meist ATP (sie wird beim Abspalten einer Phosphatgruppe frei). Kanalproteine sind Poren für bestimmte Ionen. Carrier binden den Stoff, ändern ihre Form und geben ihn auf der anderen Seite frei. Sind alle Carrier besetzt, ist die Transportrate am Maximum (Sättigung), die einfache Diffusion dagegen nimmt mit dem Gefälle immer weiter zu.
| Transportart | Richtung | Energie | Beispiel |
|---|---|---|---|
| einfache Diffusion | mit dem Gefälle | nein | , |
| erleichterte Diffusion über Kanal- oder Carrierprotein | mit dem Gefälle | nein | Glucose in rote Blutzellen |
| aktiver Transport über Carrier (Pumpen) | gegen das Gefälle | ja | Natrium-Kalium-Pumpe (siehe unten) |
Beim sekundär aktiven Transport nutzt ein Carrier das Gefälle, das eine Pumpe aufgebaut hat: Darmzellen nehmen Glucose gemeinsam mit auf.
Natrium-Kalium-Pumpe
Die Natrium-Kalium-Pumpe ist ein Carrierprotein, das ATP spaltet. Ein Arbeitsgang:
Schritt 1: Drei binden von innen an das Protein.
Schritt 2: ATP überträgt eine Phosphatgruppe, das Protein ändert seine Form, die gelangen nach außen.
Schritt 3: Zwei binden von außen, die Phosphatgruppe fällt ab, das Protein klappt zurück, die gelangen nach innen.
So bleibt die -Konzentration innen niedrig (etwa 10 mmol/L, außen etwa 145 mmol/L) und die -Konzentration innen hoch (etwa 140 mmol/L, außen etwa 5 mmol/L). Je Arbeitsgang wird eine positive Ladung mehr hinaus als hinein befördert.
Endo- und Exocytose
Große Teilchen und Makromoleküle passen durch kein Transportprotein. Dann transportiert die Zelle sie in Vesikeln.
- Endocytose: Die Membran stülpt sich ein und schnürt ein Vesikel nach innen ab. Bei der Phagocytose nimmt die Zelle feste Partikel auf (Fresszellen nehmen Bakterien auf), bei der Pinocytose Flüssigkeitströpfchen.
- Exocytose: Ein Vesikel, zum Beispiel vom Dictyosom, verschmilzt mit der Zellmembran und entleert seinen Inhalt nach außen, etwa Verdauungsenzyme oder Hormone.
Beide Vorgänge brauchen Energie. Endocytose verkleinert die Zellmembran, Exocytose vergrößert sie, im Mittel bleibt die Fläche gleich.
Stofftransport zwischen Kompartimenten und die Zelle als offenes System
Kompartimente tauschen Stoffe auf zwei Wegen aus. Entweder durch Transportproteine: Carrier im Mitochondrium tauschen ATP gegen ADP aus. Oder durch Vesikel: Ein Protein entsteht am rauen ER, geht im Vesikel zum Dictyosom, wird dort verändert und in einem weiteren Vesikel zur Zellmembran oder zum Lysosom geschickt.
Eine Zelle ist ein offenes System: Sie tauscht Stoffe und Energie mit der Umgebung aus. Ihr Zustand bleibt dennoch gleich, wie der Wasserstand in einer Badewanne mit Zulauf und Ablauf. Das heißt Fließgleichgewicht. Es besteht nur, solange die Zelle Energie einsetzt, etwa für Pumpen. Würden sich alle Konzentrationsunterschiede ausgleichen, wäre die Zelle tot.
Signaltransduktion und Zell-Zell-Erkennung
Viele Signalstoffe, etwa Hormone, können die Membran nicht durchqueren. Sie binden außen an einen Rezeptor, ein Membranprotein mit passender Bindestelle. Die Signaltransduktion hat drei Schritte:
Schritt 1, Signalaufnahme: Der Signalstoff (erster Botenstoff) bindet an den Rezeptor, der seine Form ändert.
Schritt 2, Signalübertragung: Im Zellinnern aktiviert der Rezeptor Proteine, oft entsteht ein zweiter Botenstoff wie cAMP, der viele Enzyme aktiviert (Verstärkung).
Schritt 3, Zellantwort: Ein Enzym wird aktiv, ein Transport läuft an oder ein Gen wird abgelesen.
Beispiel: Adrenalin bindet an Rezeptoren von Leberzellen, über cAMP wird Glucose freigesetzt. Zur Zell-Zell-Erkennung tragen Zellen Kohlenhydratketten der Glykokalyx wie einen Ausweis. Die Blutgruppen des AB0-Systems beruhen auf verschiedenen Zuckerketten der roten Blutzellen.
Bei der Osmose wandert das Salz
Bei der Osmose wandert das Salz
„Bei der Osmose wandert das Salz durch die Membran, bis auf beiden Seiten gleich viel ist.“
Bei der Osmose passiert nur das Wasser die Membran, die gelösten Teilchen bleiben zurück. Das Wasser strömt zur Seite mit mehr gelösten Teilchen und verdünnt sie.
Zusammenfassung
Die Biomembran ist eine fluide Doppelschicht aus Phospholipiden (Kopf hydrophil, Schwänze hydrophob) mit eingelagerten Proteinen (Fluid-Mosaik-Modell).
Sie ist selektiv permeabel: Kleine unpolare Moleküle passieren leicht, Ionen und große polare Moleküle brauchen Transportproteine.
Osmose ist Diffusion von Wasser durch eine selektiv permeable Membran zur höheren Teilchenkonzentration. Pflanzenzellen zeigen Turgor, Plasmolyse und Deplasmolyse.
Passiver Transport folgt dem Gefälle, aktiver geht dagegen und braucht meist ATP. Die Natrium-Kalium-Pumpe befördert 3 Natrium-Ionen hinaus und 2 Kalium-Ionen hinein.
Große Stoffe wandern in Vesikeln (Endocytose, Exocytose). Die Zelle ist ein offenes System im Fließgleichgewicht und braucht dafür Energie.
Signaltransduktion: Rezeptor, Signalübertragung, Zellantwort. Glykokalyx-Zuckerketten dienen der Zell-Zell-Erkennung.
Übungen
Ein Kartoffelstück wiegt 4,0 g. Nach zwei Stunden in destilliertem Wasser wiegt es 4,6 g. Um wie viel Prozent hat seine Masse zugenommen?
Eine rote Blutzelle kommt in destilliertes Wasser. Was geschieht?
Eine Natrium-Kalium-Pumpe führt angenommen 40 Arbeitsgänge pro Sekunde aus. Wie viele Natrium-Ionen befördert sie in 10 Sekunden aus der Zelle? Schreibe die Zahl ohne Punkt.
Erkläre mit dem Fluid-Mosaik-Modell, warum Ionen die Membran nicht ohne Proteine durchqueren, und was „fluid“ und „Mosaik“ bedeuten.