Lektion 10.3

Matrixpotenzen, Fixvektoren und Grenzmatrizen

40 min Lesezeit

Nach dieser Lektion kannst du

  • iterierte Übergänge als Anp⃗0A^n \vec{p}_0 schreiben,

  • einen Fixvektor aus Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q} bestimmen und als Gleichgewicht deuten,

  • bei stochastischen 2×22\times 2-Matrizen die Konvergenz gegen die Grenzverteilung sehen,

  • Fixvektor und Startvektor unterscheiden: Das Gleichgewicht hängt (hier) nicht vom Start ab, sobald AnA^n konvergiert.

Nach einem Jahr ist der Bestand Ap⃗A\vec{p}, nach zwei Jahren A(Ap⃗)=A2p⃗A(A\vec{p}) = A^2 \vec{p}. Die Matrixpotenz bündelt nn gleiche Übergänge.

Oft beruhigt sich das System: AnA^n nähert sich einer Matrix, deren Spalten alle gleich sind — dieselbe Verteilung, egal wo man startete. Diese Spalte ist ein Fixvektor: Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q}. Wer schon im Gleichgewicht ist, bleibt es.

Vermute zuerst

Ist q⃗=(1, 0)\vec{q} = (1,\,0) ein Fixvektor von A=(0,80,30,20,7)A = \begin{pmatrix} 0{,}8 & 0{,}3 \\ 0{,}2 & 0{,}7 \end{pmatrix}?

Gleichgewicht als Richtung, die AA nicht dreht

Fixvektor = Eigenvektor zum Eigenwert 11. Bei stochastischen Matrizen existiert er immer; bei 2×22\times 2 mit positiven Einträgen ist er (bis auf Vielfache) eindeutig.

Probier es aus

Definition

Fixvektor und Grenzmatrix

Ein Vektor q⃗≠0⃗\vec{q} \neq \vec{0} mit Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q} heißt Fixvektor von AA. Bei Übergangsmatrizen sucht man meist den mit Summennorm 11 (Anteile).

Die Potenz AnA^n entsteht durch nn-faches Multiplizieren. Konvergiert AnA^n gegen eine Matrix A∞A^{\infty}, deren Spalten alle gleich q⃗\vec{q} sind, dann gilt

lim⁡n→∞Anp⃗0=q⃗\displaystyle \lim_{n\to\infty} A^n \vec{p}_0 = \vec{q}

für jeden Start p⃗0\vec{p}_0 mit derselben Summe wie q⃗\vec{q}. Das Gleichgewicht „vergisst“ den Start.

Nicht jede Matrix konvergiert: Eine Vertauschung A=(0110)A = \begin{pmatrix} 0 & 1 \\ 1 & 0 \end{pmatrix} oszilliert, A2=IA^2 = I.

Schritt für Schritt

Gleichgewicht von A=(0,80,30,20,7)A = \begin{pmatrix} 0{,}8 & 0{,}3 \\ 0{,}2 & 0{,}7 \end{pmatrix}

Anteile qq in A, 1−q1-q in B. Dann Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q}.

  1. Erste Zeile: 0,8q+0,3(1−q)=q0{,}8 q + 0{,}3(1-q) = q. Also 0,3=0,5q0{,}3 = 0{,}5 q, q=0,6q = 0{,}6.

Schritt 1 von 3
Beispiel

Oszillation statt Grenze

A=(0110)A = \begin{pmatrix} 0 & 1 \\ 1 & 0 \end{pmatrix} tauscht die beiden Zustände jedes Jahr vollständig. AnA^n ist AA oder II, je nach Parität von nn. Keine Grenzmatrix.

A2=I,A3=AA^2 = I, \quad A^3 = A

Fixvektoren gibt es trotzdem: (1,1)(1,1) bleibt (beide Zustände gleich voll). Aber die Folge Anp⃗A^n \vec{p} pendelt, wenn der Start ungleich ist. Konvergenz braucht, dass nicht die ganze Masse jedes Mal umschlägt — typisch: alle Einträge von AA echt positiv.

Kurz geprüft

Wenn AnA^n gegen eine Matrix mit zwei identischen Spalten q⃗\vec{q} konvergiert, wovon hängt lim⁡Anp⃗0\lim A^n \vec{p}_0 ab?

Häufige Fehler

Fixvektor mit Startvektor verwechseln

Wer Ap⃗0A\vec{p}_0 einmal rechnet und das Ergebnis „Gleichgewicht“ nennt, hat nur das nächste Jahr. Gleichgewicht heißt: nochmal AA ändert nichts.

Auch: AnA^n als nn-faches der Einträge, naijn a_{ij}. Potenz ist wiederholtes Matrixprodukt.

Richtig ist

Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q} lösen, oder AnA^n für große nn ansehen. Einzelschritt ≠\neq Grenze.

Zusammenfassung

  • nn Übergänge: Anp⃗0A^n \vec{p}_0. Potenz = wiederholtes Produkt, nicht Einträge mal nn.

  • Fixvektor: Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q}. Bei stochastischem AA immer existent; normieren auf Summe 11.

  • Oft An→A^n \to Matrix mit gleichen Spalten q⃗\vec{q}: Start wird vergessen.

  • Oszillation möglich (Tauschmatrix). Positive Einträge machen Konvergenz wahrscheinlich.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Fixanteil in A für A=(0,50,50,50,5)A = \begin{pmatrix} 0{,}5 & 0{,}5 \\ 0{,}5 & 0{,}5 \end{pmatrix} (erste Komponente des Anteilsvektors).

Aufgabe 2Multiple Choice

A=(0110)A = \begin{pmatrix} 0 & 1 \\ 1 & 0 \end{pmatrix}. Was ist A2A^2?

Aufgabe 3Numerisch

Bei Aq⃗=q⃗A\vec{q} = \vec{q} und q⃗=(3,1)\vec{q} = (3,1) (Anzahlen): Welcher Anteil liegt im ersten Zustand, wenn man auf Summe 11 normiert?

Aufgabe 4Freitext

Warum gibt es bei einer spaltenstochastischen Matrix immer mindestens einen Fixvektor, auch ohne zu rechnen, dass A−IA-I singulär ist?