Sigma-Regeln und Prognoseintervall
Nach dieser Lektion kannst du
erklären, warum man bei vielen Versuchen nicht einen einzelnen Wert, sondern einen Bereich vorhersagt
mit den Sigma-Regeln abschätzen, in welchem Bereich um eine binomialverteilte Zufallsgröße mit bestimmter Wahrscheinlichkeit liegt
Prognoseintervalle für absolute und relative Häufigkeiten aufstellen und die Laplace-Bedingung prüfen
begründen, warum die Genauigkeit einer Prognose nur mit wächst
Wie viele Sechsen sind normal? Ein Würfel wird -mal geworfen. Im Mittel erwartet man Sechsen. Genau Sechsen kommen aber selten vor: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nur etwa . Mal sind es , mal . Jemand wirft -mal und erhält Sechsen. Ist das noch Zufall, oder ist der Würfel gezinkt?
Um das zu entscheiden, braucht man einen Bereich, in dem die Anzahl der Sechsen bei einem fairen Würfel fast immer liegt. Man könnte ihn mit der Binomialverteilung mühsam Wert für Wert ausrechnen. Es geht aber viel einfacher: Bei großem hängt die Antwort nur vom Erwartungswert und von der Standardabweichung ab. Das besagen die Sigma-Regeln.
Bei Würfen eines fairen Würfels: In welchem Bereich liegt die Zahl der Sechsen mit etwa Wahrscheinlichkeit?
Probier es aus
Sigma-Regeln
Ist binomialverteilt und gilt die Laplace-Bedingung , dann liegt ungefähr mit den folgenden Wahrscheinlichkeiten im Intervall :
| Intervall | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wahrscheinlichkeit |
Die ersten drei Werte sind leicht zu merken. Die letzten drei braucht man, wenn eine runde Wahrscheinlichkeit verlangt ist. Weil nur ganze Zahlen im Intervall zählen, weicht die genaue Wahrscheinlichkeit um einige Prozentpunkte ab. Für Abschätzungen ist das gut genug.
Prognoseintervall
Ist die Trefferwahrscheinlichkeit bekannt, so kann man vor dem Experiment vorhersagen, in welchem Bereich die Trefferzahl mit einer gewählten Wahrscheinlichkeit (griechisch gamma, zum Beispiel ) liegen wird. Dieser Bereich heißt Prognoseintervall zur Sicherheitswahrscheinlichkeit :
Weil nur ganze Zahlen annimmt, rundet man die Grenzen auf die ganzen Zahlen innerhalb des Intervalls: die untere Grenze auf, die obere ab.
Prognoseintervall für die Zahl der Sechsen
Prognoseintervall für die Zahl der Sechsen
Gesucht ist das -Prognoseintervall für die Zahl der Sechsen bei Würfen.
Erwartungswert und Standardabweichung:
Eine Münze wird -mal geworfen. Bestimme das -Prognoseintervall für die Zahl der Wappen. Gib die obere Grenze an (nach innen gerundet).
Von der Anzahl zum Anteil. Bei Umfragen interessiert nicht die Anzahl, sondern der Anteil. Wird eine Partei von der Wahlberechtigten gewählt und befragt man zufällig ausgewählte Personen, so ist die Zahl ihrer Wählerinnen und Wähler binomialverteilt mit und . Das -Prognoseintervall ist , also .
Teilt man durch , erhält man ein Intervall für die relative Häufigkeit : Sie liegt mit Wahrscheinlichkeit zwischen und . Eine Umfrage mit Befragten kann also um fast drei Prozentpunkte danebenliegen, ohne dass irgendjemand einen Fehler gemacht hat.
Prognoseintervall für die relative Häufigkeit
Mit Wahrscheinlichkeit von etwa liegt die relative Häufigkeit im Intervall
Probier es aus
Eine Umfrage mit Befragten hat ein -Prognoseintervall mit einer halben Breite von etwa Prozentpunkten. Wie viele Personen muss man befragen, damit die halbe Breite nur noch Prozentpunkte beträgt?
Vom Prognoseintervall zum Test
Vom Prognoseintervall zum Test
Ein Hersteller gibt an, dass seiner Samen keimen. In einer Stichprobe von Samen keimen nur . Passt das zur Angabe?
Das -Prognoseintervall ist . Der beobachtete Wert liegt deutlich darunter, sogar unter . Wenn die Angabe stimmt, kommt so ein Ergebnis sehr selten vor. Man wird die Angabe des Herstellers deshalb anzweifeln. Genau dieses Vorgehen wird beim Hypothesentest zu einem festen Verfahren ausgebaut.
Die Laplace-Bedingung nicht prüfen
Die Laplace-Bedingung nicht prüfen
Man verwendet die Sigma-Regeln für und .
Dann ist . Das Histogramm ist schief und besteht aus wenigen Säulen, die Prozentwerte stimmen nicht. In diesem Fall rechnet man direkt mit der Binomialverteilung.
Die Wurzel vergessen
Die Wurzel vergessen
Man glaubt, eine zehnmal größere Stichprobe mache die Prognose zehnmal genauer.
Die halbe Breite des Intervalls für den Anteil ist . Zehnmal mehr Versuche machen sie nur um den Faktor kleiner.
Prognose und Schätzung verwechseln
Prognose und Schätzung verwechseln
Aus „Mit liegt in “ macht man „Mit liegt in “.
Das Prognoseintervall setzt voraus, dass bekannt ist, und sagt die Stichprobe vorher. Der umgekehrte Weg, von einer beobachteten Stichprobe auf das unbekannte zu schließen, führt zum Konfidenzintervall. Er ist eng verwandt, aber die Rechnung und die Deutung sind anders.
Zusammenfassung
Bei binomialverteilten Zufallsgrößen mit gilt: Im Intervall liegen etwa , in etwa , in etwa der Fälle.
Für runde Wahrscheinlichkeiten: für , für , für .
Prognoseintervall: , die Grenzen nach innen auf ganze Zahlen gerundet.
Für den Anteil : . Die Breite schrumpft nur mit .
Liegt ein beobachteter Wert weit außerhalb des Prognoseintervalls, spricht das gegen das angenommene .
Übungen
Berechne für und die Standardabweichung der Binomialverteilung auf zwei Nachkommastellen.
Für welche Werte ist die Laplace-Bedingung erfüllt?
Ein Medikament wirkt bei der Patienten. Es wird an Patienten gegeben. Bestimme das -Prognoseintervall für die Zahl der Patienten, bei denen es wirkt. Gib die untere Grenze an (nach innen gerundet).
In einer Stadt nutzen der Haushalte Ökostrom. Wie groß ist die halbe Breite des -Prognoseintervalls für den Anteil in einer Stichprobe von Haushalten? Gib sie in Prozentpunkten auf eine Nachkommastelle an.
Wie viele Haushalte muss man in Aufgabe 4 mindestens befragen, damit die halbe Breite höchstens Prozentpunkte beträgt?
Bei Würfen eines Würfels fallen Sechsen. Was folgt daraus?
Ein Zeitungsartikel meldet: „Die Partei A ist von auf gestiegen.“ Die Umfrage hatte Befragte. Beurteile die Aussage mit einem Prognoseintervall.