Simulationen von Zufallsexperimenten
Nach dieser Lektion kannst du
ein Zufallsexperiment mit Zufallszahlen nachbilden und dabei jedem Ergebnis den richtigen Bereich von Zufallszahlen zuordnen
mit vielen Simulationsdurchläufen Wahrscheinlichkeiten und Erwartungswerte schätzen, die man nicht leicht ausrechnen kann
das Gesetz der großen Zahlen erklären und mit der Ungleichung von Tschebyschow begründen
einschätzen, wie genau ein Simulationsergebnis ist und wie viele Durchläufe man braucht
Wenn Rechnen zu schwer wird. Bei manchen Zufallsexperimenten ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung einfach: Für zwei Sechsen in zwei Würfen genügt die Pfadregel. Schon bei harmlos klingenden Fragen wird es aber schnell unübersichtlich. Wie oft muss man im Mittel würfeln, bis jede Augenzahl mindestens einmal gefallen ist? Wie viele Packungen muss man kaufen, bis man alle Sammelbilder einer Serie hat? Wie wahrscheinlich ist es, dass in einer Klasse von Personen zwei am selben Tag Geburtstag haben?
Statt zu rechnen, kann man das Experiment nachspielen: sehr oft, schnell und billig, mit einem Computer und Zufallszahlen. Die relative Häufigkeit aus vielen Durchläufen ist dann ein Schätzwert für die Wahrscheinlichkeit. Dieses Vorgehen heißt Simulation. Es ist heute in Physik, Wirtschaft, Medizin und Klimaforschung ein Standardwerkzeug, oft unter dem Namen Monte-Carlo-Methode, nach dem Spielcasino in Monaco.
Man würfelt so lange, bis jede Augenzahl von bis mindestens einmal gefallen ist. Wie viele Würfe braucht man im Mittel?
Probier es aus
Simulation
Eine Simulation bildet ein Zufallsexperiment mit Zufallszahlen nach. Sie läuft in vier Schritten ab:
1. Modell festlegen. Welche Ergebnisse gibt es, und mit welchen Wahrscheinlichkeiten? Welche Größe wird gezählt oder gemessen?
2. Zufallszahlen zuordnen. Jedem Ergebnis wird ein Bereich von Zufallszahlen zugeordnet, dessen Anteil genau der Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses entspricht.
3. Oft wiederholen. Das Experiment wird viele Male durchgespielt, jedes Mal mit neuen Zufallszahlen.
4. Auswerten. Die relative Häufigkeit eines Ereignisses schätzt seine Wahrscheinlichkeit, der Mittelwert einer Größe schätzt ihren Erwartungswert.
Zufallszahlen liefern Taschenrechner (Taste „Ran#“) und Tabellenkalkulationen: ergibt eine Zahl zwischen und , eine ganze Zahl von bis . Computer erzeugen sie mit einer festen Rechenvorschrift. Streng genommen sind es deshalb Pseudozufallszahlen, für Simulationen verhalten sie sich aber wie echter Zufall.
Zufallszahlen den Ergebnissen zuordnen
Zufallszahlen den Ergebnissen zuordnen
Eine Reißzwecke landet mit Wahrscheinlichkeit mit der Spitze nach oben. Ein Würfel zeigt jede Augenzahl mit . Wie simuliert man beides mit einer Zufallszahl zwischen und ?
Reißzwecke: Die Zahlen von bis in zwei Bereiche teilen, deren Längen den Wahrscheinlichkeiten entsprechen.
Eine Basketballspielerin trifft einen Freiwurf mit Wahrscheinlichkeit . Du simulierst mit einstelligen Zufallsziffern bis . Welche Zuordnung ist richtig?
Warum funktioniert das überhaupt? Eine Simulation liefert nie den exakten Wert. Nach Durchläufen kann die relative Häufigkeit noch deutlich danebenliegen. Dass sie sich mit mehr Durchläufen der Wahrscheinlichkeit nähert, ist eine der wichtigsten Tatsachen der Stochastik: das Gesetz der großen Zahlen. Im folgenden Versuch kannst du es selbst beobachten. Bei der Reißzwecke kennt man nicht im Voraus. Die Simulation tut hier so, als würdest du echte Würfe zählen.
Probier es aus
Gesetz der großen Zahlen (Bernoulli)
Ein Ereignis habe bei jedem Versuch die Wahrscheinlichkeit , die Versuche seien unabhängig. sei die relative Häufigkeit des Ereignisses nach Versuchen. Dann gilt für jede noch so kleine Abweichung :
Probier es aus
Wie genau ist eine Simulation?
Wie genau ist eine Simulation?
Der Anteil der Punkte im Viertelkreis ist eine relative Häufigkeit mit . Seine Standardabweichung ist . Der Schätzwert für ist viermal so groß, also auch seine Standardabweichung:
Mit Punkten ist . Nach der -Regel liegt der Schätzwert dann mit etwa Wahrscheinlichkeit zwischen und . Für eine weitere richtige Stelle muss zehnmal kleiner werden, also zehnmal größer und hundertmal größer. Für gibt es viel bessere Verfahren. Für Fragen ohne Formel ist die Simulation aber oft der einzige Weg, und dieselbe Abschätzung sagt, wie viele Durchläufe man braucht.
Eine Simulation schätzt eine Wahrscheinlichkeit von etwa . Wie viele Durchläufe braucht man ungefähr, damit die Standardabweichung der relativen Häufigkeit höchstens beträgt?
Probier es aus
Zu wenige Durchläufe
Zu wenige Durchläufe
Nach Durchläufen gibt man die relative Häufigkeit als Wahrscheinlichkeit an.
Bei ist die Standardabweichung der relativen Häufigkeit bis zu . Das Ergebnis kann leicht um danebenliegen. Man braucht hunderte oder tausende Durchläufe und gibt nur so viele Stellen an, wie die Genauigkeit erlaubt.
Ein Bereich zu viel oder zu wenig
Ein Bereich zu viel oder zu wenig
Für ordnet man mit zweistelligen Zufallszahlen bis dem Treffer zu.
Das sind Zahlen, also . Richtig ist bis . Bei jeder Zuordnung zählt man nach, ob die Anzahl stimmt.
Auf einen Ausgleich warten
Auf einen Ausgleich warten
Nach vielen Würfen ohne Sechs glaubt man, die Sechs sei jetzt „fällig“.
Unabhängige Versuche haben kein Gedächtnis. Die Wahrscheinlichkeit bleibt bei jedem Wurf . Das Gesetz der großen Zahlen macht eine Aussage über relative Häufigkeiten auf lange Sicht, nicht über den nächsten Wurf.
Zusammenfassung
Eine Simulation bildet ein Zufallsexperiment mit Zufallszahlen nach: Modell, Zuordnung, viele Wiederholungen, Auswertung.
Jedem Ergebnis wird ein Bereich der Zufallszahlen zugeordnet, dessen Anteil seiner Wahrscheinlichkeit entspricht.
Relative Häufigkeiten schätzen Wahrscheinlichkeiten, Mittelwerte schätzen Erwartungswerte.
Gesetz der großen Zahlen: . Es folgt aus der Ungleichung von Tschebyschow.
Die Genauigkeit wächst nur mit : Für eine weitere Stelle braucht man hundertmal so viele Durchläufe.
Abweichungen gleichen sich nicht aus. Sie verlieren nur bei wachsendem an Gewicht.
Übungen
Mit als Zufallszahl zwischen und : Welche Formel simuliert einen Würfel mit den Augenzahlen bis ?
Bei einer Simulation von Durchläufen tritt ein Ereignis -mal ein. Welchen Schätzwert für seine Wahrscheinlichkeit liefert die Simulation?
Wie viele Würfe braucht man im Mittel, bis zum ersten Mal eine Sechs fällt?
Eine Sammelserie hat verschiedene Figuren, jede Packung enthält eine zufällige davon, alle gleich wahrscheinlich. Wie viele Packungen braucht man im Mittel für die vollständige Serie? Gib zwei Nachkommastellen an.
Eine Münze wird -mal geworfen. Schätze mit der Ungleichung von Tschebyschow nach oben ab, wie wahrscheinlich die relative Häufigkeit von Wappen um mindestens von abweicht.
Bei einem Roulette fiel neunmal hintereinander Rot. Was gilt für den zehnten Wurf?
Beschreibe eine Simulation, mit der man die Wahrscheinlichkeit schätzen kann, dass in einer Klasse mit Personen mindestens zwei am selben Tag Geburtstag haben. Gib alle vier Schritte an und sage, wie viele Durchläufe für eine Genauigkeit von etwa sinnvoll sind.