Zufallsgrößen, Erwartungswert und Varianz
Nach dieser Lektion kannst du
erklären, was eine Zufallsgröße ist, und ihre Wahrscheinlichkeitsverteilung als Tabelle und Diagramm angeben
den Erwartungswert berechnen und als langfristigen Mittelwert und als Schwerpunkt deuten
entscheiden, ob ein Spiel fair ist, und faire Einsätze bestimmen
Varianz und Standardabweichung berechnen und als Maß für das Risiko deuten
Lohnt sich das Spiel? Auf einem Schulfest wird ein Würfelspiel angeboten. Man zahlt Euro Einsatz und würfelt einmal. Bei einer Sechs bekommt man Euro ausgezahlt, bei einer Fünf bekommt man den Einsatz zurück, sonst nichts.
Ob man ein einzelnes Spiel gewinnt, ist Zufall. Aber wer oft spielt, wird ein Muster bemerken: Im Mittel gewinnt oder verliert man pro Spiel einen bestimmten Betrag. Um diesen Betrag zu berechnen, braucht man zwei Begriffe. Zuerst ordnet man jedem Ergebnis eine Zahl zu, hier den Gewinn. Diese Zuordnung heißt Zufallsgröße. Dann bildet man einen Mittelwert, bei dem jeder Gewinn so stark zählt, wie wahrscheinlich er ist. Das ist der Erwartungswert.
Zufallsgröße und Wahrscheinlichkeitsverteilung
Eine Zufallsgröße (auch Zufallsvariable) ordnet jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine reelle Zahl zu. Man schreibt Zufallsgrößen mit großen Buchstaben, ihre möglichen Werte mit kleinen: .
ist die Wahrscheinlichkeit, dass den Wert annimmt. Die Tabelle aller Werte mit ihren Wahrscheinlichkeiten heißt Wahrscheinlichkeitsverteilung von . Die Wahrscheinlichkeiten müssen sich zu addieren, denn irgendeinen Wert nimmt immer an.
Beim Würfelspiel ist der Gewinn (Auszahlung minus Einsatz) eine Zufallsgröße:
| Augenzahl | |||
|---|---|---|---|
| Gewinn | |||
Verschiedene Ergebnisse dürfen denselben Wert liefern: Die Augenzahlen bis führen alle zu , ihre Wahrscheinlichkeiten werden addiert.
Man zahlt Euro, bei einer Sechs gibt es Euro, bei einer Fünf den Einsatz zurück. Was passiert, wenn man sehr oft spielt?
Probier es aus
Erwartungswert
Nimmt die Werte mit den Wahrscheinlichkeiten an, dann heißt
der Erwartungswert von . Man schreibt auch (griechisch my).
Es gibt zwei Arten, ihn zu verstehen:
- Als langfristiger Mittelwert. Wiederholt man das Experiment sehr oft, nähert sich der Durchschnitt der beobachteten Werte dem Erwartungswert. Ein Wert, der mit Wahrscheinlichkeit kommt, macht auf lange Sicht etwa den Anteil aller Versuche aus. Der Durchschnitt ist dann .
- Als Schwerpunkt. Legt man an jede Stelle ein Gewicht , so ist der Punkt, an dem die Anordnung im Gleichgewicht ist.
Ein Spiel heißt fair, wenn der Erwartungswert des Gewinns ist.
Die faire Auszahlung bestimmen
Die faire Auszahlung bestimmen
Ein anderes Spiel: Einsatz Euro, ein Würfelwurf, nur bei einer Sechs wird der Betrag ausgezahlt. Wie groß muss sein, damit das Spiel fair ist?
Gewinn als Zufallsgröße aufschreiben:
Welchen Erwartungswert hat die Augenzahl beim Wurf eines fairen Würfels?
Gleicher Mittelwert, ganz anderes Risiko. Vergleiche zwei faire Spiele. Bei Spiel A gewinnt oder verliert man mit gleicher Wahrscheinlichkeit Euro. Bei Spiel B gewinnt man mit Wahrscheinlichkeit Euro, sonst verliert man Euro. Beide haben den Erwartungswert :
Trotzdem fühlen sie sich völlig verschieden an. Bei A bleibt man immer nah bei null. Bei B verliert man meistens ein bisschen und gewinnt selten sehr viel. Der Erwartungswert sagt nichts darüber, wie weit die Werte um ihn herum streuen. Dafür braucht man ein zweites Maß.
Varianz und Standardabweichung
Die Varianz von ist der Erwartungswert der quadrierten Abweichung vom Erwartungswert :
Die Standardabweichung ist ihre Wurzel: (griechisch sigma).
Warum quadrieren? Die Abweichungen selbst haben immer den Mittelwert , denn die positiven und die negativen gleichen sich genau aus. Das ist ja gerade die Schwerpunkteigenschaft. Durch das Quadrieren werden alle Abweichungen positiv, große Abweichungen zählen dabei besonders stark. Weil die Varianz dann in „Euro zum Quadrat“ gemessen wird, zieht man die Wurzel: Die Standardabweichung hat wieder dieselbe Einheit wie und lässt sich als typischer Abstand vom Erwartungswert lesen.
Varianz für die Zahl der Wappen bei drei Münzwürfen
Varianz für die Zahl der Wappen bei drei Münzwürfen
Eine Münze wird dreimal geworfen, ist die Zahl der Wappen. Die Verteilung ist , , , .
Erwartungswert:
Probier es aus
Berechne die Standardabweichung von Spiel A (Gewinn oder Euro, je mit Wahrscheinlichkeit ) und von Spiel B ( Euro mit , sonst Euro). Gib die Standardabweichung von Spiel B an.
Verschiebungssatz
Oft rechnet sich die Varianz bequemer so: Man bildet den Erwartungswert von und zieht das Quadrat des Erwartungswerts ab.
Berechne die Varianz der Augenzahl beim fairen Würfel mit dem Verschiebungssatz. Gib das Ergebnis auf zwei Nachkommastellen an.
Lineare Umrechnung
Wird jeder Wert mit multipliziert und um verschoben, so gilt
Der Erwartungswert als wahrscheinlichster Wert
Der Erwartungswert als wahrscheinlichster Wert
Man glaubt, sei der Wert, der am häufigsten vorkommt, oder ein Wert, den annehmen kann.
Beim Würfel ist , und diesen Wert gibt es gar nicht. Beim Spiel B ist , aber man gewinnt oder verliert immer. Der Erwartungswert ist ein Mittelwert auf lange Sicht, keine Vorhersage für einen einzelnen Versuch.
Bei der Varianz das Gewichten vergessen
Bei der Varianz das Gewichten vergessen
Man addiert die quadrierten Abweichungen und teilt durch die Anzahl der Werte.
Das ist nur richtig, wenn alle Werte gleich wahrscheinlich sind. Im Allgemeinen wird jede quadrierte Abweichung mit ihrer Wahrscheinlichkeit multipliziert.
Auszahlung und Gewinn verwechseln
Auszahlung und Gewinn verwechseln
Bei einem Spiel mit Einsatz rechnet man mit den Auszahlungen und erhält einen positiven Erwartungswert.
Fair heißt: Der Erwartungswert des Gewinns ist , also der Erwartungswert der Auszahlung gleich dem Einsatz. Entweder man zieht den Einsatz von jeder Auszahlung ab oder man vergleicht mit dem Einsatz.
Zusammenfassung
Eine Zufallsgröße ordnet jedem Ergebnis eine Zahl zu. Ihre Verteilung gibt zu jedem Wert die Wahrscheinlichkeit an, die Summe ist .
Erwartungswert: . Er ist der langfristige Mittelwert und der Schwerpunkt der Verteilung.
Ein Spiel ist fair, wenn der erwartete Gewinn ist.
Varianz: . Standardabweichung: , ein typischer Abstand vom Erwartungswert.
und .
Übungen
Eine Zufallsgröße hat die Verteilung , , . Berechne .
Berechne die Varianz der Zufallsgröße aus Aufgabe 1.
Bei einem Glücksrad gewinnt man mit Wahrscheinlichkeit einen Betrag von Euro, mit einen Betrag von Euro, sonst nichts. Bei welchem Einsatz (in Euro) ist das Spiel fair?
Die Temperatur in Grad Celsius hat an einem Ort den Erwartungswert und die Standardabweichung . In Fahrenheit ist . Welche Werte gelten für ?
Zwei Würfel werden geworfen, ist die Augensumme. Berechne als Dezimalzahl auf drei Stellen.
Bei einem Spiel zieht man aus einer Urne mit roten und blauen Kugeln zwei Kugeln ohne Zurücklegen. Für jede rote Kugel bekommt man Euro. Berechne den Erwartungswert der Auszahlung.
Eine Versicherung verlangt für eine Handyversicherung Euro im Jahr. Mit Wahrscheinlichkeit muss sie einen Schaden von Euro bezahlen, mit einen kleinen Schaden von Euro. Berechne den erwarteten Gewinn der Versicherung pro Vertrag und erkläre, warum es für den Kunden trotzdem sinnvoll sein kann, die Versicherung abzuschließen.