Eindimensionaler Potenzialtopf, Pauli-Prinzip und Franck-Hertz-Versuch
Ein Elektron im Atom ist gebunden, und seine Energie kann nur bestimmte Werte annehmen. Warum eigentlich? Und warum sitzen in einem Atom mit vielen Elektronen nicht alle im Zustand tiefster Energie? Sonst gäbe es kein Periodensystem mit seinen Gruppen und Perioden.
In dieser Lektion rechnest du mit einem einfachen Modell, in dem man die erlaubten Energien ausrechnen kann: ein Elektron in einem Kasten. Dann lernst du das Pauli-Prinzip kennen und einen Versuch, der die Energiestufen direkt zeigt, ohne Spektrometer.
Eindimensionaler Potenzialtopf
Das einfachste Modell für ein gebundenes Quantenobjekt ist ein eindimensionaler Potenzialtopf mit unendlich hohen Wänden: Ein Elektron kann sich nur im Bereich aufhalten und niemals außerhalb. Seine Wellenfunktion ist an den Wänden null. In den Topf passen darum nur stehende Wellen, wie bei einer Saite mit festen Enden: . Die erlaubten Wellenlängen sind , der Impuls ist . Im Topf ist das Potenzial null, die Energie ist rein kinetisch:
Eigenschaften und Grenzen des Modells
Für ein Elektron ist , also . Daraus folgt:
- Die Energien sind diskret und wachsen mit . Je schmaler der Topf, desto größer sind und die Abstände der Niveaus ().
- Die niedrigste Energie ist größer als null. Wer das Elektron auf den Bereich einsperrt, legt seinen Ort fest und der Impuls muss streuen (Unbestimmtheitsrelation). Es kann nicht ruhen. Das ist die Nullpunktsenergie.
- Die Aufenthaltswahrscheinlichkeit hat Nullstellen im Topf. Bei ist sie in der Mitte null.
- Bei einem makroskopischen Topf (Murmel in einer Schachtel) liegen die Niveaus so dicht, dass man keine Stufen erkennt.
Grenzen: Reale Wände sind nicht unendlich hoch, die Wellenfunktion dringt in die Wand ein, und die Energien liegen tiefer als im Modell. Ein Atom ist dreidimensional und das Potenzial ähnelt statt einem Kasten, darum folgen dort die Energien statt . Auch die Abstoßung zwischen mehreren Elektronen fehlt. Als grobe Näherung taugt das Modell für Elektronen in sehr kleinen Strukturen, etwa langen Molekülen oder Quantenpunkten.
Elektron im Topf der Breite 0,50 nm
Elektron im Topf der Breite 0,50 nm
Ein Elektron befindet sich in einem Potenzialtopf mit unendlich hohen Wänden und der Breite . Berechne , , und die Wellenlänge des Photons beim Übergang .
.
und .
Übergang : . Das Photon hat , also ultraviolettes Licht.
Wasserstoffähnliche Atome und Quantenzahlen
Ein wasserstoffähnliches Atom besitzt nur ein Elektron, aber die Kernladung mit , zum Beispiel () oder (). Die Anziehung ist -mal so stark, die Energien sind -mal so groß. Für ein inneres Elektron schwerer Atome nimmt man näherungsweise eine verringerte Kernladung, das führt zum Moseleyschen Gesetz der nächsten Lektion.
Die Zustände eines Elektrons im Atom kennzeichnet man durch Quantenzahlen:
- Hauptquantenzahl : bestimmt beim Wasserstoff Energie und Größe des Orbitals.
- Nebenquantenzahl : bestimmt die Form (s für , p für , d für ).
- Magnetquantenzahl : bestimmt die Ausrichtung im Raum.
- Spinquantenzahl oder : gibt die Einstellung des Spins an, des Eigendrehimpulses des Elektrons.
Zu gehören mit einem und mit drei Werten von . Das sind Orbitale.
Das Ion He⁺
Das Ion He⁺
Berechne für die Ionisierungsenergie aus dem Grundzustand und die Wellenlänge des Übergangs .
Ionisierungsenergie: , also 54,4 eV.
Übergang : . Dann . Das Licht ist ultraviolett und viermal so energiereich wie bei Wasserstoff.
Pauli-Prinzip und Mehrelektronensysteme
Wolfgang Pauli formulierte 1925: In einem Atom stimmen zwei Elektronen nie in allen vier Quantenzahlen überein. Folgerungen:
- Ein Orbital nimmt höchstens zwei Elektronen auf, mit entgegengesetztem Spin.
- Die Schale mit der Hauptquantenzahl nimmt höchstens Elektronen auf: 2, 8, 18, 32, ...
- Im Grundzustand besetzen die Elektronen die Niveaus von unten nach oben.
In einem Atom mit mehreren Elektronen stoßen sich die Elektronen ab, und die inneren schirmen den Kern teilweise ab. Darum hängt die Energie auch von ab, 2s liegt tiefer als 2p, und es gibt keine einfache Formel mehr. Die Auffüllung folgt grob der Reihenfolge 1s, 2s, 2p, 3s, 3p, 4s, 3d. Das erklärt das Periodensystem: Natrium (11 Elektronen) hat 1s² 2s² 2p⁶ 3s¹. Das einzelne 3s-Elektron ist leicht abzulösen.
Auch im Potenzialtopf gilt Pauli: In jedes Niveau passen zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin.
Franck-Hertz-Versuch
James Franck und Gustav Hertz zeigten 1914 direkt, dass Atome nur bestimmte Energien aufnehmen. Eine Röhre enthält Quecksilberdampf von geringem Druck, eine Glühkathode K, ein Gitter G und eine Auffängerelektrode A. Zwischen K und G liegt die einstellbare Beschleunigungsspannung , zwischen G und A eine kleine Gegenspannung von etwa 1 bis 2 V. (Quecksilberdampf ist giftig, die Röhre ist heiß und zerbrechlich. Den Versuch führt die Lehrkraft mit einer geschlossenen Röhre durch.)
Beobachtung: Der Auffängerstrom steigt mit , bricht bei etwa 4,9 V stark ein, steigt wieder, bricht bei etwa 9,8 V erneut ein und so fort. Die Einbrüche liegen 4,9 V auseinander.
Erklärung: Bei kleiner Energie stoßen die Elektronen elastisch mit den schweren Quecksilberatomen und verlieren kaum Energie. Erreicht ein Elektron 4,9 eV, kann es ein Atom anregen (unelastischer Stoß) und gibt dabei fast seine ganze Energie ab. Dann überwindet es die Gegenspannung nicht mehr, und der Strom bricht ein. Bei höherem geschieht der Stoß früher, das Elektron wird erneut beschleunigt und kann ein zweites Mal anregen. Die angeregten Atome senden ultraviolettes Licht aus. Das Atom nimmt bei diesen Stößen also genau 4,9 eV auf, keine Zwischenwerte. Franck und Hertz erhielten dafür 1925 den Nobelpreis.
Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilber
Franck-Hertz-Versuch mit Quecksilber
Die Einbrüche des Auffängerstroms liegen 4,9 V auseinander. a) Welche Wellenlänge hat das Licht, das die angeregten Atome aussenden? b) Wie viele unelastische Stöße kann ein Elektron bei 22 V Beschleunigungsspannung höchstens erleiden (Kontaktspannung vernachlässigt)?
a) Die Anregungsenergie ist 4,9 eV. Beim Zurückfallen sendet das Atom ein Photon mit dieser Energie aus: . Das ist ultraviolett und passt zu einer gemessenen Quecksilberlinie bei etwa 254 nm.
b) , also höchstens 4 Stöße. Der Strom bricht dann bei etwa 4,9 V, 9,8 V, 14,7 V und 19,6 V ein.
Im Grundzustand ruht das Elektron im Topf
Im Grundzustand ruht das Elektron im Topf
„Im Grundzustand hat ein Elektron im Potenzialtopf die Energie null, es ruht.“
Die niedrigste Energie ist . Der Zustand gäbe eine Wellenfunktion, die überall null ist, also kein Elektron. Wer den Ort einsperrt, bekommt einen streuenden Impuls (Nullpunktsenergie).
Pauli: Nie zwei Elektronen im selben Orbital
Pauli: Nie zwei Elektronen im selben Orbital
„Nach dem Pauli-Prinzip darf jedes Orbital nur ein Elektron haben.“
Ein Orbital darf zwei Elektronen aufnehmen, wenn ihr Spin entgegengesetzt ist. Sie unterscheiden sich dann in . Ein drittes Elektron passt nicht mehr hinein.
Zusammenfassung
Im unendlich hohen Potenzialtopf gilt . Für Elektronen ist das . Es gibt eine Nullpunktsenergie .
Grenzen des Modells: unendlich hohe Wände, nur eine Dimension, kein Coulomb-Potenzial, keine Abstoßung zwischen Elektronen.
Wasserstoffähnliche Atome haben . Die Zustände kennzeichnen die Quantenzahlen , , und .
Pauli-Prinzip: Zwei Elektronen stimmen nie in allen vier Quantenzahlen überein. Ein Orbital nimmt zwei Elektronen auf, eine Schale .
In Mehrelektronenatomen hängt die Energie auch von ab. Das erklärt den Aufbau des Periodensystems.
Im Franck-Hertz-Versuch bricht der Strom alle 4,9 V ein (Quecksilber). Die Atome nehmen nur die Energie 4,9 eV auf, das belegt diskrete Energiestufen.
Übungen
Wie groß ist die Grundenergie eines Elektrons in einem unendlich hohen Potenzialtopf der Breite 0,25 nm, in eV? Rechne mit .
Ein Elektron im Potenzialtopf der Breite 0,50 nm geht vom Niveau in das Niveau über. Welche Wellenlänge hat das ausgesandte Photon, in Nanometern? (, )
Wie viele Elektronen können sich nach dem Pauli-Prinzip höchstens in der Schale mit der Hauptquantenzahl befinden?
Wie groß ist die Ionisierungsenergie des Ions (, ein Elektron) aus dem Grundzustand, in eV?
Eine Franck-Hertz-Röhre mit Quecksilber hat die Anregungsenergie 4,9 eV. Wie viele unelastische Stöße kann ein Elektron bei einer Beschleunigungsspannung von 22 V höchstens erleiden? (Die Kontaktspannung wird vernachlässigt.)
Erkläre, warum der Strom im Franck-Hertz-Versuch bei 4,9 V einbricht und nicht schon bei 2 V, und warum er danach wieder ansteigt.