Überlagerung von Wellen: Interferenz und stehende Wellen
Zwei Steine fallen nebeneinander ins Wasser. Wo sich ihre Kreiswellen kreuzen, entsteht ein festes Muster: Stellen mit hohen Wellen und Stellen, an denen das Wasser fast ruhig bleibt. Hinter der Kreuzung laufen die Kreise weiter, als wäre nichts geschehen.
Ein Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung nimmt den Lärm auf und sendet ein passendes Gegensignal. Das Ergebnis ist Stille im Ohr, obwohl zwei Schallwellen ankommen. Eine Gitarrensaite klingt nur in bestimmten Tönen. Alle drei Beobachtungen beruhen darauf, dass sich Wellen überlagern. Du lernst, wie man das Ergebnis vorhersagt.
Superposition und Interferenz
Treffen zwei Wellen an einem Ort zusammen, addieren sich ihre Auslenkungen in jedem Augenblick (Superpositionsprinzip). Danach laufen beide ungestört weiter. Das gilt für Wellen mit kleiner Amplitude in guter Näherung.
Zwei Pulse auf einem Seil mit den Auslenkungen und nach oben ergeben beim Treffen . Hat der zweite Puls die Auslenkung (nach unten), ergibt sich nur . Bei gleich hohen, entgegengesetzten Pulsen ist das Seil für einen Augenblick glatt. Die Energie ist dann nicht verschwunden: Das Seil bewegt sich noch, und die Pulse laufen danach weiter.
Interferenz nennt man die Überlagerung von Wellen, die zu einem zeitlich stabilen Muster aus Verstärkung und Abschwächung führt.
Interferenz zweier Wellenerreger, Gangunterschied
Zwei Erreger und schwingen im gleichen Takt, also gleichzeitig mit Berg und Tal. Ein Punkt hat die Abstände und zu den Erregern. Der Gangunterschied ist .
- Ist ein ganzes Vielfaches der Wellenlänge , treffen in Berg auf Berg und Tal auf Tal: konstruktive Interferenz. Das Wasser schwingt mit doppelter Amplitude (Bauch).
- Ist ein ungerades Vielfaches von , kommt ein Berg zusammen mit einem Tal an: destruktive Interferenz. Das Wasser bleibt in Ruhe (Knoten).
Die Punkte gleichen Gangunterschieds liegen auf Hyperbeln, den Bauchlinien und den Knotenlinien. Der Gangunterschied ist höchstens so groß wie der Abstand der Erreger.
Kohärenz
Ein stabiles Interferenzmuster entsteht nur, wenn die Erreger kohärent sind: Sie haben dieselbe Frequenz und eine zeitlich konstante Phasenverschiebung. Zwei Stifte, die ein Motor gemeinsam antreibt, sind kohärent. Zwei verschiedene Glühlampen sind es nicht, denn jede sendet Licht in kurzen, voneinander unabhängigen Wellenzügen, deren Phase sich ständig ändert. Man sieht dann keine Streifen, sondern nur eine gleichmäßige Helligkeit. Kohärentes Licht erhält man mit einem Laser oder indem man das Licht einer Quelle auf zwei Spalte lenkt.
Schwingen die Erreger mit einer festen Phasenverschiebung von (der eine hat Berg, wenn der andere Tal hat), vertauschen Bauch- und Knotenlinien ihre Plätze.
Knoten und Bäuche zwischen zwei Quellen
Knoten und Bäuche zwischen zwei Quellen
Zwei gleichphasige Quellen im Abstand erzeugen in einer Wanne Wellen mit . a) Ein Punkt hat die Abstände und zu den Quellen. Liegt dort ein Knoten oder ein Bauch? b) Wie viele Knoten- und Bauchlinien gibt es?
a) . Das ist ein ungerades Vielfaches von : Dort liegt ein Knoten.
b) Es muss sein. Bauchlinien: ( ist zu groß). Das sind 5 Linien. Knotenlinien: . Das sind 6 Linien.
Stehende Welle
Überlagern sich zwei Wellen gleicher Frequenz und Amplitude, die in entgegengesetzte Richtungen laufen, entsteht eine stehende Welle. Das geschieht, wenn eine Welle an einem Ende reflektiert wird und der zurücklaufenden Welle begegnet. Es gibt feste Stellen ohne Schwingung, die Knoten, und Stellen mit maximaler Amplitude (doppelt so groß wie die der Einzelwelle), die Bäuche. Zwischen zwei Knoten schwingen alle Teilchen im Gleichtakt, im nächsten Abschnitt im Gegentakt. Wellenberge laufen nicht mehr fort.
Benachbarte Knoten haben den Abstand , ein Knoten und der nächste Bauch den Abstand .
Das Ende bestimmt, was bei der Reflexion geschieht. Am festen Ende (Seil an einer Wand befestigt) kommt ein Berg als Tal zurück, die Phase springt um , und das Ende ist ein Knoten. Am losen Ende (frei bewegliches Seilende, offenes Rohrende für Schall) gibt es keinen Phasensprung, und das Ende ist ein Bauch. Ein geschlossenes Rohrende wirkt für Schall wie ein festes Ende: Die Luft kann dort nicht schwingen.
Eigenschwingungen
Ist ein Seil, eine Saite oder eine Luftsäule begrenzt, bleiben nur stehende Wellen übrig, die an jedem Ende zur Bedingung (Knoten am festen, Bauch am losen Ende) passen. Mit der Länge gilt:
- Beide Enden fest (Saite) oder beide lose (offene Pfeife): In die Länge passen halbe Wellenlängen, mit
- Ein Ende fest, ein Ende lose (gedackte Pfeife): . Die Grundschwingung () hat also .
Mit ergeben sich die möglichen Frequenzen, die Eigenfrequenzen. Regt man mit genau so einer Frequenz an, schwingt das System kräftig.
Wellenlänge und Geschwindigkeit aus einer stehenden Welle
Wellenlänge und Geschwindigkeit aus einer stehenden Welle
Ein Seil wird mit 30 Hz erregt und schwingt als stehende Welle. Vom 1. bis zum 5. Knoten sind es . Bestimme die Wellenlänge und die Ausbreitungsgeschwindigkeit.
Vom 1. bis zum 5. Knoten liegen 4 Abstände zu je , also . Daraus folgt . Die Geschwindigkeit ist . Der Abstand mehrerer Knoten ergibt genauere Werte als der eines einzelnen Knotenpaares.
Gedackte Pfeife
Gedackte Pfeife
Eine gedackte Pfeife ist lang. Welche Frequenz hat der Grundton, und welche hat die nächste Eigenschwingung? ()
Grundschwingung: , also und . Die nächste Schwingung () hat . Ihre Frequenz ist . Eine gedackte Pfeife hat nur ungerade Vielfache des Grundtons.
Bei Auslöschung geht Energie verloren
Bei Auslöschung geht Energie verloren
„Wenn sich zwei Wellen auslöschen, ist ihre Energie weg.“
Die Energie wird umverteilt. An den Bäuchen ist die Schwingung stärker, an den Knoten schwächer. Insgesamt bleibt die Energie erhalten.
Am Knoten kommt keine Welle an
Am Knoten kommt keine Welle an
„An einer Knotenlinie ist das Wasser ruhig, weil dort keine Welle ankommt.“
Von beiden Quellen kommt eine Welle an. Sie haben dort den Gangunterschied und heben sich gegenseitig auf.
Zusammenfassung
Bei der Superposition addieren sich die Auslenkungen: . Danach laufen die Wellen unverändert weiter.
Der Gangunterschied entscheidet bei gleichphasigen Erregern: gibt Verstärkung, gibt Auslöschung.
Ein stabiles Interferenzmuster erfordert kohärente Erreger: gleiche Frequenz und konstante Phasenverschiebung.
Eine stehende Welle entsteht aus zwei gegenläufigen Wellen. Knoten und Bäuche liegen fest, benachbarte Knoten haben den Abstand .
Am festen Ende ist ein Knoten (Phasensprung ), am losen Ende ein Bauch (kein Phasensprung).
Saite und offene Pfeife: . Gedackte Pfeife: .
Aus dem Knotenabstand folgt die Wellenlänge, aus dann die Geschwindigkeit.
Übungen
Zwei gleichphasige Erreger senden Wellen mit λ = 0,20 m. Ein Punkt hat 1,20 m Abstand zum ersten und 1,50 m zum zweiten Erreger. Was liegt dort vor?
Zwei gleichphasige Quellen haben den Abstand 7,0 cm und senden Wellen mit λ = 2,0 cm. Wie viele Bauchlinien gibt es?
Eine Saite der Länge 0,80 m schwingt in der Grundschwingung (beide Enden fest) mit 220 Hz. Wie groß ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle in der Saite in m/s?
Eine gedackte Pfeife ist 0,25 m lang (c = 343 m/s). Wie groß ist die Frequenz des Grundtons in Hz?
Warum sieht man zwischen zwei verschiedenen Glühlampen kein Interferenzmuster?
Erkläre, wie sich die Reflexion an einem festen und an einem losen Seilende unterscheidet und welche Stelle am Ende der stehenden Welle jeweils liegt.