Einzelspalt, Interferometer und Bragg-Beugung
Ein Laserstrahl fällt auf einen sehr engen Spalt. Man erwartet einen schmalen hellen Streifen, doch auf der Wand erscheint ein breites Muster mit hellem Mittelstreifen und blassen Streifen daneben. Je enger der Spalt, desto breiter das Muster.
Mit Interferenz lassen sich außerdem Längen messen, die kleiner sind als eine Lichtwellenlänge, und mit Röntgenstrahlen kann man die Anordnung der Atome in einem Kristall bestimmen. Diese Lektion behandelt beides.
Einzelspalt und Intensitätsverteilung
Paralleles, einfarbiges Licht der Wellenlänge trifft senkrecht auf einen Spalt der Breite . Nach Huygens ist jeder Punkt im Spalt Ausgangspunkt einer Elementarwelle. Wir betrachten die Richtung unter dem Winkel . Teilt man den Spalt in zwei Hälften, haben zwei Elementarwellen, die um versetzt starten, den Gangunterschied . Ist er , löschen sich alle Paare aus den beiden Hälften aus: Das erste Minimum liegt bei . Mit vier, sechs, … gleich großen Teilen ergeben sich die weiteren Minima.
In der Mitte () schwingen alle Elementarwellen im Gleichtakt: Dort liegt das hellste Maximum, das Zentralmaximum. Zwischen den Minima liegen Nebenmaxima, die schnell schwächer werden. Das erste hat nur etwa 5 % der Intensität des Zentralmaximums. Das Zentralmaximum ist doppelt so breit wie ein Nebenmaximum. Die Intensität folgt mit . Ist , gibt es kein Minimum: Das Licht breitet sich in den ganzen Halbraum aus.
Kleinwinkelnäherung
Auf einem Schirm im Abstand gilt für den Abstand des -ten Minimums von der Mitte. Für kleine Winkel (etwa unter , der Fehler liegt dann unter ) sind , und (im Bogenmaß) praktisch gleich. Dann folgt eine einfache Formel. Das Zentralmaximum hat die Breite . Je schmaler der Spalt, desto breiter das Zentralmaximum.
Breite des Zentralmaximums
Breite des Zentralmaximums
Ein Helium-Neon-Laser () beleuchtet einen Spalt der Breite . Der Schirm steht entfernt. Wie breit ist das Zentralmaximum?
Es ist , also : Die Kleinwinkelnäherung gilt. Dann ist . Das Zentralmaximum ist breit. Mit wäre es doppelt so breit, also .
Wellengleichung und Überlagerung zweier Teilwellen
Eine harmonische Welle, die in -Richtung läuft, beschreibt man durch mit und der Wellenzahl . Legt eine Welle den Weg zurück, ändert sich ihre Phase um . Ein Wegunterschied führt deshalb zu einer Phasendifferenz . Die Intensität einer Welle ist proportional zum Quadrat ihrer Amplitude.
Überlagerung zweier gleich starker Teilwellen
Zwei Teilwellen gleicher Amplitude und Frequenz treffen sich in einem Punkt, nachdem sie die Wege und zurückgelegt haben. Die resultierende Welle hat die Amplitude mit . Für die Intensität gilt mit der größten Intensität :
Michelson- und Mach-Zehnder-Interferometer
Ein Interferometer teilt einen Lichtstrahl in zwei Teilstrahlen, schickt sie auf verschiedenen Wegen und überlagert sie wieder. Beim Michelson-Interferometer teilt ein halbdurchlässiger Spiegel (Strahlteiler) den Strahl. Beide Teilstrahlen laufen zu je einem Spiegel, kehren zurück und treffen am Strahlteiler wieder zusammen. Verschiebt man einen Spiegel um , wird der Weg dieses Teilstrahls um länger (hin und zurück). Pro Verschiebung um durchläuft die Helligkeit einmal Maximum, Minimum und wieder Maximum. Zählt man Maxima, gilt .
Beim Mach-Zehnder-Interferometer werden die Teilstrahlen an einem ersten Strahlteiler getrennt, laufen über zwei Spiegel und werden an einem zweiten Strahlteiler vereint. Es gibt zwei Ausgänge: Ist es an einem hell, ist es am anderen dunkel (Energieerhaltung). Bringt man in einen Arm ein Stück Material der Dicke und der Brechzahl , passen dort statt Wellenlängen. Der Unterschied ist , und um so viele Streifen verschiebt sich das Muster. So misst man Brechzahlen und kleinste Dichteänderungen.
Wellenlänge mit dem Michelson-Interferometer
Wellenlänge mit dem Michelson-Interferometer
Ein Spiegel wird um verschoben, dabei zählt man 474 Maxima. Wie groß ist ?
Aus folgt .
Röntgenbeugung und Braggsche Gleichung
Röntgenstrahlung ist elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen um . Das entspricht dem Abstand der Atome in einem Kristall. In einem Kristall liegen die Atome auf parallelen Netzebenen im Abstand . Jede Ebene reflektiert einen kleinen Teil der einfallenden Strahlung. Der Glanzwinkel wird zwischen dem Strahl und der Netzebene gemessen, nicht zum Lot. Der Strahl, der an der nächsten Ebene reflektiert wird, legt den Umweg zurück. Die reflektierten Strahlen verstärken sich, wenn dieser Gangunterschied ein ganzes Vielfaches von ist (Max von Laue 1912, W. H. und W. L. Bragg 1913):
Reflexe an einem Natriumchlorid-Kristall
Reflexe an einem Natriumchlorid-Kristall
Röntgenstrahlung mit trifft auf Netzebenen von Natriumchlorid (). Bei welchen Glanzwinkeln gibt es Intensitätsmaxima?
Aus folgt . Für : . Für : und . Für : und . Für wäre . Es gibt also drei Reflexe.
Enger Spalt, schmales Muster
Enger Spalt, schmales Muster
„Je enger der Spalt ist, desto schmaler ist das Beugungsmuster.“
Es ist umgekehrt: Aus folgt, dass das Zentralmaximum mit kleinerem breiter wird. Je näher die Spaltbreite an kommt, desto stärker ist die Beugung.
Glanzwinkel wie beim Reflexionsgesetz
Glanzwinkel wie beim Reflexionsgesetz
„Den Winkel in der Braggschen Gleichung misst man zum Lot, wie beim Reflexionsgesetz.“
Der Glanzwinkel ist der Winkel zwischen Strahl und Netzebene. Zum Lot gemessen wäre es . Wer zum Lot misst, setzt in den falschen Winkel ein.
Zusammenfassung
Für die Minima eines Einzelspalts gilt mit . Das Zentralmaximum ist am hellsten und doppelt so breit wie die schwachen Nebenmaxima.
In Kleinwinkelnäherung ist . Ein schmalerer Spalt gibt ein breiteres Muster.
Eine harmonische Welle hat die Form . Ein Wegunterschied bedeutet eine Phasendifferenz . Zwei gleich starke Teilwellen ergeben .
Im Michelson-Interferometer ändert sich der Gangunterschied bei Spiegelverschiebung um um . Es gilt .
Im Mach-Zehnder-Interferometer verschiebt eine Probe der Dicke und Brechzahl das Muster um Streifen.
Bei der Röntgenbeugung am Kristall gilt die Braggsche Gleichung . Der Glanzwinkel wird zur Netzebene gemessen.
Übungen
Licht mit 500 nm fällt auf einen Spalt der Breite 0,20 mm. Der Schirm ist 4,0 m entfernt. Wie breit ist das Zentralmaximum (Abstand der beiden ersten Minima) in mm?
Der Spalt wird bei sonst gleichen Bedingungen schmaler. Was passiert mit dem Zentralmaximum?
Ein Spiegel im Michelson-Interferometer wird um 0,080 mm verschoben, dabei zählt man 253 Maxima. Wie groß ist die Wellenlänge in nm?
In einem Arm eines Mach-Zehnder-Interferometers steht ein Glasplättchen (Dicke 20 µm, Brechzahl 1,50). Die Wellenlänge ist 500 nm. Um wie viele Streifen verschiebt sich das Muster?
Röntgenstrahlung mit λ = 0,154 nm trifft auf Netzebenen mit dem Abstand 0,200 nm. Unter welchem Glanzwinkel liegt das erste Maximum (in Grad, auf Zehntel gerundet)?
Warum verwendet man für die Beugung am Kristall Röntgenstrahlung und nicht sichtbares Licht?