Photonen und Fotoeffekt
Eine Lichtschranke am Aufzug merkt, wenn du hindurchgehst. Dahinter steckt, dass Licht Elektronen aus einem Stoff lösen kann. Dabei zeigt sich etwas Überraschendes: Eine Zinkplatte verliert Elektronen im ultravioletten Licht, auch wenn die Lampe schwach ist. Sichtbares Licht löst dagegen keine Elektronen aus, so hell die Lampe auch ist.
Das Wellenbild des Lichts erklärt das nicht. Du lernst das Photonenmodell kennen und berechnest damit Energien, Spannungen und Impulse.
Äußerer lichtelektrischer Effekt (Fotoeffekt)
Eine negativ geladene Zinkplatte auf einem Elektroskop entlädt sich, wenn man sie mit ultraviolettem Licht bestrahlt: Elektronen verlassen die Platte (Hallwachs, 1888). Das heißt äußerer lichtelektrischer Effekt oder Fotoeffekt. Beim inneren Effekt, etwa in einer Solarzelle, bleiben die Elektronen im Material. (UV-Licht schädigt Augen und Haut: Solche Versuche macht die Lehrkraft mit Schutzbrille und Abschirmung.)
In einer Vakuumröhre mit belichteter Kathode und einer Anode zeigt sich:
- Elektronen werden nur ausgelöst, wenn die Frequenz größer ist als eine Grenzfrequenz , die vom Metall abhängt. Darunter passiert nichts, auch bei sehr großer Lichtstärke.
- Oberhalb von ist die Zahl der Elektronen (der Fotostrom) proportional zur Lichtstärke.
- Die größte kinetische Energie der Elektronen hängt nicht von der Lichtstärke ab, sondern wächst mit .
- Die Elektronen treten ohne messbare Verzögerung aus (kürzer als etwa eine Nanosekunde), auch bei schwachem Licht.
Im Wellenbild müsste ein Elektron bei schwachem Licht erst Energie sammeln, und stärkeres Licht müsste schnellere Elektronen liefern. Beides widerspricht den Beobachtungen.
Photonenmodell und Photonenenergie
Albert Einstein erklärte den Effekt 1905 mit dem Photonenmodell: Licht der Frequenz besteht aus Portionen, den Photonen. Jedes trägt die Energie . Die Lichtstärke bestimmt nur, wie viele Photonen pro Sekunde eintreffen. Ein Photon gibt seine Energie ganz an ein Elektron ab oder gar nicht.
Die Konstante heißt Plancksches Wirkungsquantum. In der Atomphysik nutzt man das Elektronenvolt: ist die Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen von gewinnt. Mit ergibt sich , und beträgt etwa .
Photonenimpuls und Energie-Masse-Äquivalenz
Ein Photon hat keine Ruhemasse, aber Energie und Impuls. Nach der Energie-Masse-Äquivalenz entspricht jeder Energie eine Masse, für ein Photon . Sein Impuls ist . Man sieht ihn im Lichtdruck: Eine Fläche, die Licht absorbiert, erfährt eine winzige Kraft.
Energie, Impuls und Masse eines Photons
Energie, Impuls und Masse eines Photons
Ein Laserpointer sendet grünes Licht mit und . Berechne Energie, Impuls und Masse eines Photons und die Zahl der Photonen pro Sekunde.
Energie: .
Impuls: .
Masse: .
Photonen pro Sekunde: .
Austrittsarbeit und Energiebilanz
Um ein Elektron aus dem Metall zu lösen, braucht man mindestens die Austrittsarbeit , die vom Material abhängt. Vom Photon bleibt dem schnellsten Elektron die Energie . Das sind Elektronen an der Oberfläche, die auf dem Weg nach außen nichts verlieren:
Einsteinsche Gerade, Gegenfeldmethode und Bestimmung von h
Trägt man gegen auf, entsteht die Einsteinsche Gerade mit der Steigung und dem Achsenabschnitt . Ihr Nullpunkt ist die Grenzfrequenz , die Grenzwellenlänge ist .
Bei der Gegenfeldmethode liegt zwischen Kathode und Anode eine Spannung , die die Elektronen bremst. Sie erreichen die Anode nur mit . Erhöht man , bis der Strom null ist, gilt und damit : eine Gerade mit der Steigung . Mit LEDs geht es näherungsweise: Leuchtet die LED bei der Spannung gerade auf, ist .
| Metall | Austrittsarbeit (etwa) | Grenzwellenlänge |
|---|---|---|
| Cäsium | 1,94 eV | 639 nm |
| Natrium | 2,28 eV | 544 nm |
| Zink | 4,34 eV | 286 nm |
| Platin | 5,65 eV | 219 nm |
Licht von 400 nm auf Cäsium und Zink
Licht von 400 nm auf Cäsium und Zink
Licht mit trifft auf Cäsium () und Zink (). Löst es Elektronen aus? Wie groß sind gegebenenfalls und die Gegenspannung?
Photonenenergie: .
Cäsium: , es werden Elektronen ausgelöst. , also .
Zink: , das Photon hat zu wenig Energie. Es werden keine Elektronen ausgelöst. Erst ab geht es.
Plancksches Wirkungsquantum aus einer Messreihe
Plancksches Wirkungsquantum aus einer Messreihe
Eine Kathode wird mit Licht verschiedener Frequenz bestrahlt. Man misst die Gegenspannung, bei der der Fotostrom null wird (angenommene Messwerte):
| in Hz | 5,0 | 6,0 | 7,0 | 8,0 |
|---|---|---|---|---|
| in V | 0,13 | 0,54 | 0,96 | 1,37 |
Bestimme , die Grenzfrequenz und die Austrittsarbeit.
Die Punkte liegen auf einer Geraden. Steigung: . Das ist . Also ist .
Grenzfrequenz (dort ist ): .
Austrittsarbeit: . Das passt zu Cäsium.
Compton-Effekt und Röntgenbremsspektrum
Beim Compton-Effekt (Compton, 1922/23) streut Röntgenstrahlung an nahezu freien, ruhenden Elektronen. Die gestreute Strahlung hat eine größere Wellenlänge, die Zunahme hängt nur vom Streuwinkel ab. Das Wellenbild sagt eine unveränderte Wellenlänge voraus. Das Photonenmodell erklärt es als Stoß: Das Photon gibt Energie und Impuls an das Elektron ab. Die Compton-Wellenlänge beträgt .
Im Röntgenbremsspektrum treffen Elektronen, die mit der Spannung beschleunigt wurden, auf eine Anode und werden gebremst. Die Photonen haben eine kontinuierliche Verteilung der Energie. Die größte Photonenenergie (kleinste Wellenlänge ) entsteht, wenn ein Elektron seine ganze Energie auf ein Photon überträgt: . Das ist die Umkehrung des Fotoeffekts.
Streuung und Bremsstrahlung
Streuung und Bremsstrahlung
a) Röntgenstrahlung mit wird unter gestreut. Welche Wellenlänge hat sie danach? b) Welche kleinste Wellenlänge hat die Strahlung einer Röntgenröhre bei ?
a) , also .
b) Die Elektronen haben : .
Mehr Licht, schnellere Elektronen
Mehr Licht, schnellere Elektronen
„Mit hellerem Licht lösen sich auch bei kleiner Frequenz Elektronen aus dem Metall, und sie werden schneller.“
Jedes Photon wirkt einzeln. Ist kleiner als , löst es kein Elektron aus, egal wie viele eintreffen. Oberhalb von erhöht mehr Licht nur die Zahl der Elektronen.
Alle Elektronen haben dieselbe Energie
Alle Elektronen haben dieselbe Energie
„Jedes ausgelöste Elektron hat genau die Energie .“
Das ist der größte mögliche Wert. Elektronen aus tieferen Schichten verlieren unterwegs Energie und sind langsamer.
Zusammenfassung
Beim Fotoeffekt lösen Photonen Elektronen aus einem Metall. Es gibt eine Grenzfrequenz, und mit der Lichtstärke wächst die Zahl der Elektronen, nicht ihre Energie.
Ein Photon hat die Energie und den Impuls . Es hat keine Ruhemasse, seine Energie entspricht aber nach einer Masse.
Es gilt und . Die Einsteinsche Gerade hat die Steigung und den Achsenabschnitt .
Mit der Gegenfeldmethode ist , und die Steigung von ist . Auch mit LEDs lässt sich näherungsweise bestimmen.
Leistungskurs: Compton-Effekt und Bremsspektrum mit .
Übungen
Wie groß ist die Photonenenergie von rotem Licht mit der Wellenlänge 620 nm in eV? Rechne mit h·c = 1240 eV·nm.
Licht der Wellenlänge 400 nm fällt auf Natrium (Austrittsarbeit 2,28 eV). Bei welcher Gegenspannung in V wird der Fotostrom null?
Licht hat eine Frequenz kleiner als die Grenzfrequenz einer Kathode. Die Lichtstärke wird verzehnfacht. Was geschieht?
Die Austrittsarbeit von Kalium beträgt 2,25 eV. Wie groß ist die Grenzwellenlänge in nm (h·c = 1240 eV·nm)?
Wie groß ist der Impuls eines Photons mit λ = 500 nm, in Einheiten von 10^-27 kg·m/s (auf zwei Nachkommastellen gerundet, h = 6,626 · 10^-34 J·s)?
Erkläre, warum das Wellenbild nicht erklärt, dass rotes Licht aus Zink keine Elektronen auslöst, ultraviolettes aber schon.