Lektion 7.3

Photonen und Fotoeffekt

20 min Lesezeit

Eine Lichtschranke am Aufzug merkt, wenn du hindurchgehst. Dahinter steckt, dass Licht Elektronen aus einem Stoff lösen kann. Dabei zeigt sich etwas Überraschendes: Eine Zinkplatte verliert Elektronen im ultravioletten Licht, auch wenn die Lampe schwach ist. Sichtbares Licht löst dagegen keine Elektronen aus, so hell die Lampe auch ist.

Das Wellenbild des Lichts erklärt das nicht. Du lernst das Photonenmodell kennen und berechnest damit Energien, Spannungen und Impulse.

Definition

Äußerer lichtelektrischer Effekt (Fotoeffekt)

Eine negativ geladene Zinkplatte auf einem Elektroskop entlädt sich, wenn man sie mit ultraviolettem Licht bestrahlt: Elektronen verlassen die Platte (Hallwachs, 1888). Das heißt äußerer lichtelektrischer Effekt oder Fotoeffekt. Beim inneren Effekt, etwa in einer Solarzelle, bleiben die Elektronen im Material. (UV-Licht schädigt Augen und Haut: Solche Versuche macht die Lehrkraft mit Schutzbrille und Abschirmung.)

In einer Vakuumröhre mit belichteter Kathode und einer Anode zeigt sich:

  • Elektronen werden nur ausgelöst, wenn die Frequenz ff größer ist als eine Grenzfrequenz fGf_G, die vom Metall abhängt. Darunter passiert nichts, auch bei sehr großer Lichtstärke.
  • Oberhalb von fGf_G ist die Zahl der Elektronen (der Fotostrom) proportional zur Lichtstärke.
  • Die größte kinetische Energie der Elektronen hängt nicht von der Lichtstärke ab, sondern wächst mit ff.
  • Die Elektronen treten ohne messbare Verzögerung aus (kürzer als etwa eine Nanosekunde), auch bei schwachem Licht.

Im Wellenbild müsste ein Elektron bei schwachem Licht erst Energie sammeln, und stärkeres Licht müsste schnellere Elektronen liefern. Beides widerspricht den Beobachtungen.

Definition

Photonenmodell und Photonenenergie

Albert Einstein erklärte den Effekt 1905 mit dem Photonenmodell: Licht der Frequenz ff besteht aus Portionen, den Photonen. Jedes trägt die Energie E=h fE = h\,f. Die Lichtstärke bestimmt nur, wie viele Photonen pro Sekunde eintreffen. Ein Photon gibt seine Energie ganz an ein Elektron ab oder gar nicht.

Die Konstante h=6,626⋅10−34 J⋅sh = 6{,}626 \cdot 10^{-34}\,\text{J·s} heißt Plancksches Wirkungsquantum. In der Atomphysik nutzt man das Elektronenvolt: 1 eV=1,602⋅10−19 J1\,\text{eV} = 1{,}602 \cdot 10^{-19}\,\text{J} ist die Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen von 1 V1\,\text{V} gewinnt. Mit c=λfc = \lambda f ergibt sich E=hc/λE = h c / \lambda, und hch c beträgt etwa 1240 eV⋅nm1240\,\text{eV·nm}.

EPh=h f=h cλ(hc≈1240 eV⋅nm)E_{\text{Ph}} = h\,f = \frac{h\,c}{\lambda} \qquad (h c \approx 1240\,\text{eV·nm})
Definition

Photonenimpuls und Energie-Masse-Äquivalenz

Ein Photon hat keine Ruhemasse, aber Energie und Impuls. Nach der Energie-Masse-Äquivalenz E=m c2E = m\,c^2 entspricht jeder Energie eine Masse, für ein Photon m=hf/c2m = h f / c^2. Sein Impuls ist p=m c=E/cp = m\,c = E/c. Man sieht ihn im Lichtdruck: Eine Fläche, die Licht absorbiert, erfährt eine winzige Kraft.

p=EPhc=hλp = \frac{E_{\text{Ph}}}{c} = \frac{h}{\lambda}
Beispiel

Energie, Impuls und Masse eines Photons

Ein Laserpointer sendet grünes Licht mit λ=532 nm\lambda = 532\,\text{nm} und 5,0 mW5{,}0\,\text{mW}. Berechne Energie, Impuls und Masse eines Photons und die Zahl der Photonen pro Sekunde.

Energie: E=hc/λ=6,626⋅10−34⋅3,00⋅108:5,32⋅10−7=3,74⋅10−19 J≈2,33 eVE = h c/\lambda = 6{,}626 \cdot 10^{-34} \cdot 3{,}00 \cdot 10^{8} : 5{,}32 \cdot 10^{-7} = 3{,}74 \cdot 10^{-19}\,\text{J} \approx 2{,}33\,\text{eV}.

Impuls: p=h/λ=6,626⋅10−34:5,32⋅10−7=1,25⋅10−27 kg⋅m/sp = h/\lambda = 6{,}626 \cdot 10^{-34} : 5{,}32 \cdot 10^{-7} = 1{,}25 \cdot 10^{-27}\,\text{kg·m/s}.

Masse: m=E/c2=3,74⋅10−19:9,0⋅1016=4,2⋅10−36 kgm = E/c^2 = 3{,}74 \cdot 10^{-19} : 9{,}0 \cdot 10^{16} = 4{,}2 \cdot 10^{-36}\,\text{kg}.

Photonen pro Sekunde: N=P/E=5,0⋅10−3 W:3,74⋅10−19 J≈1,3⋅1016N = P/E = 5{,}0 \cdot 10^{-3}\,\text{W} : 3{,}74 \cdot 10^{-19}\,\text{J} \approx 1{,}3 \cdot 10^{16}.

Definition

Austrittsarbeit und Energiebilanz

Um ein Elektron aus dem Metall zu lösen, braucht man mindestens die Austrittsarbeit WAW_A, die vom Material abhängt. Vom Photon bleibt dem schnellsten Elektron die Energie Ekin,maxE_{\text{kin,max}}. Das sind Elektronen an der Oberfläche, die auf dem Weg nach außen nichts verlieren:

h f=WA+Ekin,max⟺Ekin,max=h f−WAh\,f = W_A + E_{\text{kin,max}} \qquad\Longleftrightarrow\qquad E_{\text{kin,max}} = h\,f - W_A
Definition

Einsteinsche Gerade, Gegenfeldmethode und Bestimmung von h

Trägt man Ekin,maxE_{\text{kin,max}} gegen ff auf, entsteht die Einsteinsche Gerade mit der Steigung hh und dem Achsenabschnitt −WA-W_A. Ihr Nullpunkt ist die Grenzfrequenz fG=WA/hf_G = W_A / h, die Grenzwellenlänge ist λG=hc/WA\lambda_G = h c / W_A.

Bei der Gegenfeldmethode liegt zwischen Kathode und Anode eine Spannung UgU_g, die die Elektronen bremst. Sie erreichen die Anode nur mit Ekin>e UgE_{\text{kin}} > e\,U_g. Erhöht man UgU_g, bis der Strom null ist, gilt e Ug=Ekin,maxe\,U_g = E_{\text{kin,max}} und damit Ug=(h/e) f−WA/eU_g = (h/e)\,f - W_A/e: eine Gerade mit der Steigung h/eh/e. Mit LEDs geht es näherungsweise: Leuchtet die LED bei der Spannung USU_S gerade auf, ist e US≈hfe\,U_S \approx h f.

MetallAustrittsarbeit (etwa)Grenzwellenlänge
Cäsium1,94 eV639 nm
Natrium2,28 eV544 nm
Zink4,34 eV286 nm
Platin5,65 eV219 nm
Beispiel

Licht von 400 nm auf Cäsium und Zink

Licht mit 400 nm400\,\text{nm} trifft auf Cäsium (WA=1,94 eVW_A = 1{,}94\,\text{eV}) und Zink (4,34 eV4{,}34\,\text{eV}). Löst es Elektronen aus? Wie groß sind gegebenenfalls Ekin,maxE_{\text{kin,max}} und die Gegenspannung?

Photonenenergie: E=1240 eV⋅nm:400 nm=3,10 eVE = 1240\,\text{eV·nm} : 400\,\text{nm} = 3{,}10\,\text{eV}.

Cäsium: 3,10>1,943{,}10 > 1{,}94, es werden Elektronen ausgelöst. Ekin,max=3,10−1,94=1,16 eVE_{\text{kin,max}} = 3{,}10 - 1{,}94 = 1{,}16\,\text{eV}, also Ug=1,16 VU_g = 1{,}16\,\text{V}.

Zink: 3,10<4,343{,}10 < 4{,}34, das Photon hat zu wenig Energie. Es werden keine Elektronen ausgelöst. Erst ab λG≈286 nm\lambda_G \approx 286\,\text{nm} geht es.

Fotoeffekt ausprobieren

Wähle bei "Kathode" Cäsium und stelle "Wellenlänge" auf 400 nm. Stelle die "Spannung" auf negative Werte (Gegenspannung): Ab etwa −1,2 V kommt kein Elektron mehr an, wie im Beispiel. Wähle "Zink": Bei 400 nm gibt es keine Elektronen.

Beispiel

Plancksches Wirkungsquantum aus einer Messreihe

Eine Kathode wird mit Licht verschiedener Frequenz bestrahlt. Man misst die Gegenspannung, bei der der Fotostrom null wird (angenommene Messwerte):

ff in 101410^{14} Hz5,06,07,08,0
UgU_g in V0,130,540,961,37

Bestimme hh, die Grenzfrequenz und die Austrittsarbeit.

Die Punkte liegen auf einer Geraden. Steigung: (1,37−0,13) V:(3,0⋅1014 Hz)=4,13⋅10−15 V⋅s(1{,}37 - 0{,}13)\,\text{V} : (3{,}0 \cdot 10^{14}\,\text{Hz}) = 4{,}13 \cdot 10^{-15}\,\text{V·s}. Das ist h/eh/e. Also ist h=1,602⋅10−19 C⋅4,13⋅10−15 V⋅s=6,62⋅10−34 J⋅sh = 1{,}602 \cdot 10^{-19}\,\text{C} \cdot 4{,}13 \cdot 10^{-15}\,\text{V·s} = 6{,}62 \cdot 10^{-34}\,\text{J·s}.

Grenzfrequenz (dort ist Ug=0U_g = 0): fG=5,0⋅1014 Hz−0,13 V:4,13⋅10−15 V⋅s≈4,7⋅1014 Hzf_G = 5{,}0 \cdot 10^{14}\,\text{Hz} - 0{,}13\,\text{V} : 4{,}13 \cdot 10^{-15}\,\text{V·s} \approx 4{,}7 \cdot 10^{14}\,\text{Hz}.

Austrittsarbeit: WA=hfG=e⋅4,13⋅10−15 V⋅s⋅4,7⋅1014 Hz≈e⋅1,9 V=1,9 eVW_A = h f_G = e \cdot 4{,}13 \cdot 10^{-15}\,\text{V·s} \cdot 4{,}7 \cdot 10^{14}\,\text{Hz} \approx e \cdot 1{,}9\,\text{V} = 1{,}9\,\text{eV}. Das passt zu Cäsium.

Definition

Compton-Effekt und Röntgenbremsspektrum

Beim Compton-Effekt (Compton, 1922/23) streut Röntgenstrahlung an nahezu freien, ruhenden Elektronen. Die gestreute Strahlung hat eine größere Wellenlänge, die Zunahme Δλ\Delta\lambda hängt nur vom Streuwinkel θ\theta ab. Das Wellenbild sagt eine unveränderte Wellenlänge voraus. Das Photonenmodell erklärt es als Stoß: Das Photon gibt Energie und Impuls an das Elektron ab. Die Compton-Wellenlänge λC=h/(mec)\lambda_C = h/(m_e c) beträgt 2,43 pm2{,}43\,\text{pm}.

Im Röntgenbremsspektrum treffen Elektronen, die mit der Spannung UBU_B beschleunigt wurden, auf eine Anode und werden gebremst. Die Photonen haben eine kontinuierliche Verteilung der Energie. Die größte Photonenenergie (kleinste Wellenlänge λmin⁡\lambda_{\min}) entsteht, wenn ein Elektron seine ganze Energie auf ein Photon überträgt: hfmax⁡=e UBh f_{\max} = e\,U_B. Das ist die Umkehrung des Fotoeffekts.

Δλ=λC (1−cos⁡θ),λmin⁡=h ce UB\Delta\lambda = \lambda_C\,(1 - \cos\theta), \qquad \lambda_{\min} = \frac{h\,c}{e\,U_B}
Beispiel

Streuung und Bremsstrahlung

a) Röntgenstrahlung mit λ=71,1 pm\lambda = 71{,}1\,\text{pm} wird unter 90∘90^\circ gestreut. Welche Wellenlänge hat sie danach? b) Welche kleinste Wellenlänge hat die Strahlung einer Röntgenröhre bei UB=30 kVU_B = 30\,\text{kV}?

a) Δλ=2,43 pm⋅(1−cos⁡90∘)=2,43 pm\Delta\lambda = 2{,}43\,\text{pm} \cdot (1 - \cos 90^\circ) = 2{,}43\,\text{pm}, also λ′=71,1+2,43=73,5 pm\lambda' = 71{,}1 + 2{,}43 = 73{,}5\,\text{pm}.

b) Die Elektronen haben 30 keV30\,\text{keV}: λmin⁡=1240 eV⋅nm:30 000 eV=0,0413 nm=41,3 pm\lambda_{\min} = 1240\,\text{eV·nm} : 30\,000\,\text{eV} = 0{,}0413\,\text{nm} = 41{,}3\,\text{pm}.

Häufige Fehler

Mehr Licht, schnellere Elektronen

„Mit hellerem Licht lösen sich auch bei kleiner Frequenz Elektronen aus dem Metall, und sie werden schneller.“

Richtig ist

Jedes Photon wirkt einzeln. Ist hfh f kleiner als WAW_A, löst es kein Elektron aus, egal wie viele eintreffen. Oberhalb von fGf_G erhöht mehr Licht nur die Zahl der Elektronen.

Häufige Fehler

Alle Elektronen haben dieselbe Energie

„Jedes ausgelöste Elektron hat genau die Energie hf−WAh f - W_A.“

Richtig ist

Das ist der größte mögliche Wert. Elektronen aus tieferen Schichten verlieren unterwegs Energie und sind langsamer.

Zusammenfassung

  • Beim Fotoeffekt lösen Photonen Elektronen aus einem Metall. Es gibt eine Grenzfrequenz, und mit der Lichtstärke wächst die Zahl der Elektronen, nicht ihre Energie.

  • Ein Photon hat die Energie E=hf=hc/λE = h f = h c / \lambda und den Impuls p=E/c=h/λp = E / c = h / \lambda. Es hat keine Ruhemasse, seine Energie entspricht aber nach E=mc2E = m c^2 einer Masse.

  • Es gilt hf=WA+Ekin,maxh f = W_A + E_{\text{kin,max}} und fG=WA/hf_G = W_A / h. Die Einsteinsche Gerade hat die Steigung hh und den Achsenabschnitt −WA-W_A.

  • Mit der Gegenfeldmethode ist e Ug=Ekin,maxe\,U_g = E_{\text{kin,max}}, und die Steigung von Ug(f)U_g(f) ist h/eh/e. Auch mit LEDs lässt sich hh näherungsweise bestimmen.

  • Leistungskurs: Compton-Effekt Δλ=λC (1−cos⁡θ)\Delta\lambda = \lambda_C\,(1 - \cos\theta) und Bremsspektrum mit λmin⁡=hc/(eUB)\lambda_{\min} = h c / (e U_B).

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Wie groß ist die Photonenenergie von rotem Licht mit der Wellenlänge 620 nm in eV? Rechne mit h·c = 1240 eV·nm.

Aufgabe 2Numerisch

Licht der Wellenlänge 400 nm fällt auf Natrium (Austrittsarbeit 2,28 eV). Bei welcher Gegenspannung in V wird der Fotostrom null?

Aufgabe 3Multiple Choice

Licht hat eine Frequenz kleiner als die Grenzfrequenz einer Kathode. Die Lichtstärke wird verzehnfacht. Was geschieht?

Aufgabe 4Numerisch

Die Austrittsarbeit von Kalium beträgt 2,25 eV. Wie groß ist die Grenzwellenlänge in nm (h·c = 1240 eV·nm)?

Aufgabe 5Numerisch

Wie groß ist der Impuls eines Photons mit λ = 500 nm, in Einheiten von 10^-27 kg·m/s (auf zwei Nachkommastellen gerundet, h = 6,626 · 10^-34 J·s)?

Aufgabe 6Freitext

Erkläre, warum das Wellenbild nicht erklärt, dass rotes Licht aus Zink keine Elektronen auslöst, ultraviolettes aber schon.