DNA und Proteinbiosynthese
In jeder Zelle deines Körpers steckt der gesamte Bauplan für dich. Er liegt in einem Zellkern, der nur wenige Mikrometer groß ist. Aus diesem Bauplan entstehen Haarfarbe, Blutgruppe und die Enzyme, die dein Essen verdauen.
Wie kann so ein Plan aussehen, damit er in einen winzigen Kern passt? Wie wird er vor jeder Zellteilung kopiert? Und wie wird aus einem Abschnitt des Plans ein Protein, das ein Merkmal prägt?
Das ist der Weg von der DNA zum Merkmal.
Bau der DNA
Die DNA ist ein sehr langes, fadenförmiges Molekül. Ihre Bausteine heißen Nukleotide. Ein Nukleotid besteht aus drei Teilen: einem Phosphatrest, einem Zucker (Desoxyribose) und einer Base. Es gibt vier Basen: Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C).
Viele Nukleotide hängen wie Perlen an einer Schnur zu einem Strang zusammen. Die DNA besteht aus zwei Strängen, die durch ihre Basen verbunden sind. Dabei passt immer nur eine Base zu einer bestimmten anderen: A zu T und G zu C. Diese Regel heißt komplementäre Basenpaarung. Die Basenpaare halten die Stränge zusammen, ähnlich wie die Sprossen einer Leiter. Die Leiter ist zu einer Wendel verdreht: Das ist die Doppelhelix, die James Watson und Francis Crick 1953 als Modell aufgestellt haben.
Den Gegenstrang bestimmen
Den Gegenstrang bestimmen
Ein Strang einer DNA hat die Basenfolge ATGCCGTA. Wie lautet der Gegenstrang? In einer anderen DNA sind 18 Prozent der Basen Thymin. Wie viel Prozent sind Guanin?
Zu A passt T, zu T passt A, zu G passt C und zu C passt G. Aus ATGCCGTA wird TACGGCAT.
Zu jedem T gehört ein A. Es gibt also ebenfalls 18 Prozent Adenin. Zusammen sind das 36 Prozent. Die übrigen 100 − 36 = 64 Prozent sind Guanin und Cytosin. Beide sind gleich häufig, also 32 Prozent Guanin.
Speicherung der Erbinformation
Die Erbinformation steckt in der Reihenfolge der Basen. Sie ist wie ein Text, der mit nur vier Buchstaben geschrieben ist. Ein Gen ist ein Abschnitt dieser Reihenfolge, der den Bauplan für ein Protein enthält. Der einfache Chromosomensatz des Menschen hat etwa 3 Milliarden Basenpaare und rund 20.000 Gene. Ausgestreckt wäre die DNA einer Körperzelle etwa zwei Meter lang. Sie passt in den Zellkern, weil sie um Proteine gewickelt und vielfach gefaltet ist.
Identische Replikation
Vor jeder Zellteilung wird die DNA in der S-Phase der Interphase verdoppelt. Das heißt Replikation. Enzyme öffnen den Doppelstrang wie einen Reißverschluss. Jeder Einzelstrang dient nun als Vorlage. Das Enzym DNA-Polymerase setzt an jede Base die passende freie Base nach der Paarungsregel und verknüpft die neuen Nukleotide.
So entstehen zwei Doppelstränge, die untereinander und zur ursprünglichen DNA gleich sind. Jeder besteht aus einem alten und einem neuen Strang. Das ist die Grundlage der Erbgleichheit bei der Mitose. Gelegentlich geht beim Kopieren etwas schief. Meist werden solche Fehler repariert. Bleiben sie, ist eine Mutation entstanden.
RNA
Die RNA ist ein zweites Nukleinsäuremolekül. Sie unterscheidet sich von der DNA in drei Punkten: Sie hat nur einen Strang, ihr Zucker ist Ribose, und statt Thymin hat sie die Base Uracil (U). Uracil paart mit Adenin. Es gibt mehrere RNA-Arten. Die mRNA (Boten-RNA) ist eine Kopie eines Gens, die den Bauplan zu den Ribosomen bringt. Die tRNA (Transfer-RNA) bringt Aminosäuren zum Ribosom. Die rRNA ist ein Baustoff der Ribosomen.
Genetischer Code
Der Bauplan eines Proteins ist eine Folge von Aminosäuren. Der genetische Code legt fest, welche Basenfolge welche Aminosäure bedeutet. Drei aufeinanderfolgende Basen der mRNA, ein Triplett oder Codon, stehen für eine Aminosäure. Aus vier Basen ergeben sich 4 mal 4 mal 4 = 64 mögliche Tripletts, für nur 20 Aminosäuren. Darum haben viele Aminosäuren mehrere Codons, aber kein Codon steht für zwei verschiedene Aminosäuren. Das Codon AUG steht für Methionin und ist das Startcodon. UAA, UAG und UGA stehen für keine Aminosäure und sind Stoppcodons. Der Code gilt bei fast allen Lebewesen.
| Codon | AUG | UUU | GGC | CUU | AAA | UAA |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bedeutung | Methionin (Met), Start | Phenylalanin (Phe) | Glycin (Gly) | Leucin (Leu) | Lysin (Lys) | Stopp |
Transkription und Translation
Die Proteinbiosynthese hat zwei Schritte.
- Transkription (im Zellkern): Ein Gen wird abgelesen. Die DNA öffnet sich an dieser Stelle. Das Enzym RNA-Polymerase baut an einem der beiden Stränge, dem Matrizenstrang, eine komplementäre mRNA zusammen. Die fertige mRNA verlässt den Zellkern durch die Kernporen.
- Translation (im Zellplasma am Ribosom): Das Ribosom liest die mRNA Codon für Codon. Jede tRNA trägt eine bestimmte Aminosäure und hat ein Antikodon, das zu einem Codon passt. Passt es, lagert die tRNA an, und die Aminosäure wird mit der vorherigen durch eine Peptidbindung verbunden. Bei einem Stoppcodon endet die Kette. Sie faltet sich zum Protein.
Vom Gen zum Peptid
Vom Gen zum Peptid
Der Matrizenstrang eines Gens hat die Basenfolge TAC AAA CCG GAA ATT. Wie lautet die mRNA, und welche Aminosäuren entstehen? (In Wirklichkeit laufen die Stränge gegenläufig. Hier lesen wir einfachheitshalber beide in derselben Richtung.)
Transkription: Zu jeder Base kommt die komplementäre Base, in der RNA mit U statt T. TAC wird AUG, AAA wird UUU, CCG wird GGC, GAA wird CUU und ATT wird UAA. Die mRNA lautet AUG UUU GGC CUU UAA.
Translation nach dem Code: AUG ist Methionin, UUU Phenylalanin, GGC Glycin, CUU Leucin, UAA ein Stoppcodon. Das Peptid ist Met - Phe - Gly - Leu mit vier Aminosäuren. Das Antikodon der ersten tRNA ist UAC.
Genwirkkette und Zusammenhang von Gen, Genprodukt und Merkmal
Ein Gen bestimmt ein Protein, das Genprodukt. Viele Proteine sind Enzyme, und Enzyme steuern Stoffwechselreaktionen. So kommt das Merkmal zustande: Gen, mRNA, Protein, Stoffwechselreaktion, Merkmal.
Oft folgen Reaktionen aufeinander, jede mit einem eigenen Enzym und einem eigenen Gen. Das ist eine Genwirkkette. Fällt ein Enzym aus, wird die Kette unterbrochen. Der Stoff davor häuft sich an, der Stoff danach fehlt. Beim Albinismus (Typ 1) fehlt ein funktionierendes Enzym für den Bau des Farbstoffs Melanin. Haut, Haare und Augen sind darum sehr hell. Ist ein Gen verändert, wie bei der Sichelzellenanämie, entsteht ein verändertes Protein und damit ein verändertes Merkmal. Viele Merkmale hängen von mehreren Genen und der Umwelt ab.
Eine Stoffwechselkette mit Mutanten
Eine Stoffwechselkette mit Mutanten
Ein Schimmelpilz bildet einen Farbstoff in der Kette A → B → C. Das Enzym E1 macht aus A den Stoff B, das Enzym E2 macht aus B den Stoff C (Farbstoff). Bei Mutante 1 fällt E1 aus, bei Mutante 2 fällt E2 aus. Wie verhalten sich die Mutanten, wenn man ihnen Stoff B gibt?
Mutante 1 kann kein B bilden. Gibt man ihr B, hat sie das Enzym E2 und macht daraus C. Sie bildet den Farbstoff.
Mutante 2 kann B bilden, aber nicht C. Gibt man ihr B, ändert das nichts: Es fehlt E2. Sie bleibt ohne Farbstoff, und B häuft sich an.
Replikation und Transkription sind dasselbe
Replikation und Transkription sind dasselbe
„Bei der Transkription wird die ganze DNA kopiert.“
Bei der Replikation wird die gesamte DNA zu neuer DNA kopiert, vor einer Zellteilung. Bei der Transkription wird nur ein Gen abgelesen, und es entsteht mRNA.
Jede Zelle hat andere Gene
Jede Zelle hat andere Gene
„Muskelzellen und Hautzellen sehen verschieden aus, weil sie verschiedene Gene haben.“
Fast alle Körperzellen eines Menschen haben dieselbe DNA. Sie unterscheiden sich, weil in jeder Zellart andere Gene abgelesen werden und darum andere Proteine entstehen.
Zusammenfassung
Die DNA ist eine Doppelhelix aus Nukleotiden mit den Basen A, T, G und C. A paart mit T, G mit C (komplementäre Basenpaarung).
Die Erbinformation steckt in der Reihenfolge der Basen. Ein Gen ist der Abschnitt, der den Bauplan eines Proteins enthält.
Bei der identischen Replikation dient jeder Strang als Vorlage. Es entstehen zwei gleiche Doppelstränge aus je einem alten und einem neuen Strang.
Die RNA hat einen Strang, Ribose und Uracil statt Thymin. mRNA trägt den Bauplan, tRNA die Aminosäuren.
Der genetische Code: Ein Triplett (Codon) steht für eine Aminosäure. AUG ist der Start, UAA, UAG und UGA sind Stopp.
Transkription schreibt ein Gen im Zellkern in mRNA um. Bei der Translation baut das Ribosom nach der mRNA eine Aminosäurekette.
Gen, Protein und Merkmal hängen zusammen. Fällt ein Enzym einer Genwirkkette aus, fehlt das Merkmal.
Übungen
In einem DNA-Doppelstrang sind 30 Prozent der Basen Adenin. Wie viel Prozent der Basen sind Cytosin?
Woraus besteht jeder der beiden Doppelstränge nach der Replikation?
Ein Peptid hat 12 Aminosäuren. Das Startcodon steht für die erste Aminosäure, das Stoppcodon steht für keine. Wie viele Basen hat der Abschnitt der mRNA vom Startcodon bis zum Ende des Stoppcodons?
Eine mRNA hat die Folge AUG GGC UUU UAA. Welche Aminosäurefolge entsteht? (Tabelle: AUG Met, GGC Gly, UUU Phe, UAA Stopp)
Wo bauen Eukaryotenzellen bei der Translation die Aminosäurekette zusammen?
Beim Albinismus fehlt ein Enzym für den Bau des Farbstoffs Melanin. Erkläre mit den Begriffen Gen, Protein und Merkmal, wie ein verändertes Gen zu hellen Haaren führt.