Pro- und eukaryotische Zelle und Zellinhaltsstoffe
Du schluckst eine Antibiotikatablette. Sie tötet Bakterien im Körper, deine eigenen Zellen bleiben unversehrt. Beides sind Zellen. Worin unterscheiden sie sich?
Kirschen platzen oft auf, wenn es lange regnet: Wasser wandert durch ihre dünne Haut. Und beim Braten wird das glasige Eiklar eines Spiegeleis weiß und fest, auch wenn es wieder abkühlt.
Du vergleichst zwei Bauarten von Zellen, lernst die Haut der Zellen kennen und siehst, woraus eine Zelle besteht.
Prokaryoten und Eukaryoten
Fast alle Zellen haben eine Zellmembran, Zellplasma, Ribosomen (winzige Körnchen, an denen Eiweiße gebaut werden) und Erbinformation in Form von DNA. Trotzdem gibt es zwei Bauarten.
Bei den Prokaryoten (griechisch: vor dem Kern) liegt die DNA ohne Hülle im Zellplasma, meist als Ring. Zu dieser Gruppe gehören die Bakterien. Viele haben zusätzlich kleine DNA-Ringe, die Plasmide. Ihre Zellwand besteht aus Murein, einem Stoff aus Zucker- und Eiweißbausteinen. Manche Antibiotika, etwa Penicillin, stören den Aufbau dieser Wand. Tierische Zellen haben keine Zellwand und bleiben unberührt.
Bei den Eukaryoten (echter Kern) liegt die DNA in einem Zellkern, den eine Kernhülle umgibt. Dazu kommen Zellorganellen: Zellbestandteile mit eigener Aufgabe, die eine Membran vom Zellplasma abgrenzt, zum Beispiel Mitochondrien. Pflanzen, Tiere, Pilze und viele Einzeller sind Eukaryoten.
Zellgrößen misst man in Mikrometern: 1 µm ist ein Tausendstel Millimeter.
| Merkmal | Prokaryotenzelle (Bakterium) | Eukaryotenzelle |
|---|---|---|
| Größe | meist 1 bis 5 µm | meist 10 bis 100 µm |
| DNA | meist ein Ring frei im Plasma, dazu Plasmide | in Chromosomen im Zellkern |
| Organellen mit Membran | fehlen | vorhanden |
| Zellwand | ja (Murein) | Pflanzen (Cellulose) und Pilze (Chitin) ja, Tiere nein |
Zellbestandteile im Licht- und im Elektronenmikroskop
Das Lichtmikroskop zeigt Einzelheiten bis etwa 0,2 µm. Du erkennst Zellkern, Zellwand, Vakuole und Chloroplasten, Mitochondrien nur als winzige Körnchen. Ein Elektronenmikroskop durchstrahlt das Präparat mit Elektronen statt mit Licht. Es zeigt viel kleinere Strukturen, aber nur tote Präparate in Graustufen.
| Zellbestandteil | Bau im Elektronenmikroskop | Aufgabe |
|---|---|---|
| Zellkern | Kernhülle mit Poren | enthält die DNA |
| Mitochondrium | zwei Membranen, die innere stark gefaltet | Zellatmung |
| Chloroplast | zwei Membranen, innen Membranstapel | Fotosynthese |
| Raues ER (endoplasmatisches Retikulum) | Membranschläuche, mit Ribosomen besetzt | Bau und Transport von Eiweißen |
| Golgi-Apparat | Stapel flacher Membransäckchen | verpackt Stoffe in Bläschen |
| Ribosom | Körnchen ohne Membran | baut Proteine zusammen |
Wie groß erscheint ein Bakterium?
Wie groß erscheint ein Bakterium?
Ein Bakterium ist 2 µm lang. Du betrachtest es bei 1000-facher Vergrößerung. Wie lang erscheint es? Wie viele solcher Bakterien passen hintereinander auf einen Millimeter?
Das Bild ist 2 µm mal 1000 = 2000 µm lang. Das sind 2 mm.
Ein Millimeter hat 1000 µm, und jedes Bakterium braucht 2 µm. 1000 : 2 = 500. Es passen etwa 500 Bakterien hintereinander auf einen Millimeter.
Kohlenhydrate
Kohlenhydrate bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Ihre Bausteine sind Zuckermoleküle.
- Einfachzucker (Monosaccharide): Glucose (Traubenzucker, ) und Fructose (Fruchtzucker).
- Zweifachzucker: Saccharose (Haushaltszucker) aus Glucose und Fructose.
- Vielfachzucker (Polysaccharide): Stärke, Glykogen und Cellulose. Alle drei bestehen aus sehr vielen Glucosebausteinen, die verschieden verknüpft sind.
Glucose liefert Energie. Stärke ist der Speicher der Pflanzen, Glykogen der Speicher in Leber und Muskeln. Cellulose baut die pflanzliche Zellwand auf. Der Mensch kann Stärke verdauen, Cellulose nicht.
Lipide
Lipide sind fettähnliche Stoffe. Sie lösen sich nicht in Wasser, aber in Öl. Ein Fett besteht aus einem Glycerinmolekül mit drei daran gebundenen Fettsäuren. Fette speichern Energie (etwa doppelt so viel je Gramm wie Kohlenhydrate), isolieren gegen Kälte und polstern Organe.
Ein Phospholipid hat nur zwei Fettsäuren. An der dritten Stelle sitzt ein Phosphatrest. Er bildet einen wasserliebenden (hydrophilen) Kopf, die zwei Fettsäuren bilden wasserabweisende (hydrophobe) Schwänze. Phospholipide bauen die Biomembranen auf.
Proteine, Peptidbindung und Denaturierung
Proteine (Eiweiße) bestehen aus Aminosäuren. In Proteinen kommen meist 20 verschiedene Aminosäuren vor. Jede hat eine Aminogruppe, eine Carboxygruppe und einen Rest, der für sie typisch ist. Zwei Aminosäuren verbindet die Peptidbindung: Die Carboxygruppe der einen reagiert mit der Aminogruppe der anderen, dabei wird ein Wassermolekül abgespalten:
Viele Aminosäuren ergeben eine Kette (Polypeptid). Die Reihenfolge der Aminosäuren bestimmt, wie sich die Kette faltet, und die Raumstruktur bestimmt die Aufgabe: Enzyme beschleunigen Reaktionen, Hämoglobin transportiert Sauerstoff, Antikörper wehren Erreger ab, Kanal- und Transportproteine sitzen in Membranen.
Bei der Denaturierung geht die Raumstruktur verloren. Auslöser sind Hitze (bei vielen Proteinen ab etwa 50 bis 60 °C), starke Säuren und Laugen, Alkohol und Schwermetalle. Die Peptidbindungen bleiben heil, nur die Faltung ändert sich. Meist lässt sich das nicht rückgängig machen. Darum wird Eiklar beim Braten fest, und ein Enzym wirkt nach dem Kochen nicht mehr.
Biomembran
Jede Zelle ist von einer Zellmembran umgeben. Auch die Organellen der Eukaryoten haben Membranen. Alle diese Biomembranen sind ähnlich gebaut. Phospholipide lagern sich im Wasser zu einer Doppelschicht zusammen: Die hydrophilen Köpfe zeigen nach außen zum Wasser, die hydrophoben Schwänze nach innen. In diese Schicht sind Proteine eingelagert, zum Beispiel Kanäle und Transporter.
Biomembranen sind teildurchlässig: Kleine, ungeladene Moleküle wie Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid kommen leicht hindurch. Geladene Teilchen und große Moleküle brauchen ein Transportprotein.
Diffusion und Osmose
Bei der Diffusion wandern Teilchen von selbst vom Ort mit hoher Konzentration zum Ort mit niedriger, bis sie gleichmäßig verteilt sind. Der Unterschied der Konzentration heißt Konzentrationsgefälle. Die Zelle braucht dafür keine Energie.
Osmose ist die Diffusion von Wasser durch eine teildurchlässige Membran, die gelöste Teilchen nicht durchlässt. Das Wasser wandert dorthin, wo mehr Teilchen gelöst sind, und verdünnt dort.
Eine Pflanzenzelle in reinem Wasser nimmt Wasser auf. Die Zellwand verhindert das Platzen, die Zelle wird prall (Turgor). In starker Salzlösung gibt sie Wasser ab, und die Zellmembran löst sich von der Zellwand (Plasmolyse). Tierische Zellen haben keine Zellwand: Rote Blutkörperchen platzen in reinem Wasser und schrumpfen in zu salziger Lösung. Darum nutzt man bei Infusionen eine Kochsalzlösung mit etwa 0,9 Prozent Salz.
Zwei Kartoffelwürfel
Zwei Kartoffelwürfel
Zwei Kartoffelwürfel wiegen je 10,0 g. Würfel A liegt eine Stunde in Leitungswasser, Würfel B in starker Salzlösung. Danach wiegt A 10,6 g und B 9,3 g. Erkläre die Änderungen.
Die Zellen der Kartoffel enthalten viele gelöste Stoffe, Leitungswasser kaum. Das Wasser wandert durch die Zellmembranen in die Zellen. Würfel A nimmt 10,6 − 10,0 = 0,6 g Wasser auf.
Die Salzlösung hat mehr gelöste Teilchen als der Zellsaft. Das Wasser wandert aus den Zellen in die Lösung. Würfel B verliert 10,0 − 9,3 = 0,7 g. Das Salz kommt kaum durch die Membran.
Passiver und aktiver Transport
Beim passiven Transport wandert ein Stoff mit dem Konzentrationsgefälle durch die Membran, ohne dass die Zelle Energie einsetzt. Das ist Diffusion: entweder direkt durch die Lipidschicht (Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid) oder durch Kanal- und Trägerproteine (Ionen, Glucose).
Beim aktiven Transport pumpen Transportproteine einen Stoff gegen das Konzentrationsgefälle. Dafür braucht die Zelle Energie in Form von ATP, dem Energieträger der Zelle, der bei der Zellatmung entsteht. Beispiel: Wurzelhaarzellen nehmen Mineralstoffe auf, auch wenn im Zellsaft schon mehr davon ist als im Boden.
Bakterien haben keine Erbinformation
Bakterien haben keine Erbinformation
„Bakterien haben keinen Zellkern, also haben sie auch keine DNA.“
Bakterien haben DNA. Sie liegt nur nicht in einem Zellkern, sondern frei im Zellplasma, meist als Ring.
Bei der Osmose wandert das Salz
Bei der Osmose wandert das Salz
„Bei der Osmose strömt das Salz in die Zelle, bis es überall gleich viel davon gibt.“
Bei der Osmose wandert Wasser. Die Membran lässt die gelösten Teilchen nicht oder kaum hindurch. Das Wasser strömt dorthin, wo mehr Teilchen gelöst sind.
Denaturieren heißt zerlegen
Denaturieren heißt zerlegen
„Beim Kochen wird das Eiweiß in seine Aminosäuren zerlegt.“
Beim Kochen bleibt die Aminosäurekette ganz, nur die Faltung geht verloren. Zerlegt werden Proteine erst bei der Verdauung, wenn Enzyme die Peptidbindungen spalten.
Zusammenfassung
Prokaryoten (Bakterien) haben keinen Zellkern, ihre DNA liegt im Plasma. Eukaryoten haben einen Zellkern und Organellen mit Membran.
Das Elektronenmikroskop zeigt Feinbau, den das Lichtmikroskop nicht auflöst: ER, Golgi-Apparat, Ribosomen und die Faltung der Mitochondrienmembran.
Kohlenhydrate liefern Energie und sind Speicher (Stärke, Glykogen) oder Baustoff (Cellulose). Lipide speichern Energie, Phospholipide bauen Membranen auf.
Proteine bestehen aus Aminosäuren, die durch Peptidbindungen verknüpft sind. Die Raumstruktur bestimmt die Aufgabe, und die Denaturierung zerstört sie.
Biomembranen sind eine Doppelschicht aus Phospholipiden mit eingelagerten Proteinen und lassen nur bestimmte Stoffe durch.
Diffusion und Osmose (Wasser durch eine teildurchlässige Membran) brauchen keine Energie. Aktiver Transport pumpt gegen das Gefälle und braucht ATP.
Übungen
Welche Aussage passt zu einer Bakterienzelle?
Eine Zelle ist 50 µm lang. Auf dem Foto eines Elektronenmikroskops ist sie 10 cm lang. Wie stark ist sie vergrößert? Schreibe die Zahl ohne Punkt.
Eine Pflanzenzelle liegt in stark salzigem Wasser. Was geschieht?
Eine Kette besteht aus 150 Aminosäuren. Wie viele Wassermoleküle wurden beim Aufbau der Kette abgespalten?
Erkläre, warum das Eiklar eines Spiegeleis beim Braten fest wird und nach dem Abkühlen nicht wieder flüssig.