Lektion 5.4

Logarithmus und Logarithmengesetze

17 min Lesezeit

Ein Kapital wächst mit 5 Prozent pro Jahr. Wann hat es sich verdoppelt? Du suchst die Zahl xx mit 1,05x=21{,}05^x = 2. Durch Probieren weißt du, dass xx zwischen 14 und 15 liegt. Die Unbekannte steht im Exponenten. Das Wurzelziehen hilft nicht, denn es sucht die Basis und nicht den Exponenten.

Für diese Frage gibt es eine eigene Rechenart, den Logarithmus. In dieser Lektion lernst du, was ein Logarithmus ist und welche Gesetze für ihn gelten. Du lernst, wie du ihn mit dem Taschenrechner bestimmst, und wie die zugehörige Funktion aussieht.

Definition

Logarithmus

Der Logarithmus von aa zur Basis bb, geschrieben log⁡ba\log_b a, ist die Lösung der Gleichung bx=ab^x = a. Er ist also der Exponent, mit dem du bb potenzieren musst, um aa zu erhalten. Dabei sind b>0b > 0 und b≠1b \neq 1. Die Zahl aa heißt Argument des Logarithmus. Sie muss positiv sein, denn bxb^x ist nie negativ und nie 0. Dann hat die Gleichung genau eine Lösung. Beispiele sind log⁡28=3\log_2 8 = 3 (denn 23=82^3 = 8), log⁡101000=3\log_{10} 1000 = 3 und log⁡5125=−2\log_5 \frac{1}{25} = -2.

bx=a  ⟺  x=log⁡balog⁡b1=0,log⁡bb=1,blog⁡ba=ab^x = a \iff x = \log_b a \qquad \log_b 1 = 0, \quad \log_b b = 1, \quad b^{\log_b a} = a
Definition

Dekadischer und natürlicher Logarithmus

Zwei Basen haben eigene Namen und Tasten am Taschenrechner. Der dekadische Logarithmus hat die Basis 10. Du schreibst lg⁡a=log⁡10a\lg a = \log_{10} a, am Rechner meist „log“. Der natürliche Logarithmus hat die Basis ee. Du schreibst ln⁡a=log⁡ea\ln a = \log_e a. Die Eulersche Zahl e≈2,71828e \approx 2{,}71828 ist wie π\pi eine irrationale Zahl. Ihre besondere Rolle lernst du in der Oberstufe. Hier genügt: ee ist eine feste Basis, und ln⁡\ln ist ihre Taste. Es gilt zum Beispiel lg⁡1000=3\lg 1000 = 3, lg⁡2≈0,301\lg 2 \approx 0{,}301, ln⁡e=1\ln e = 1 und ln⁡2≈0,693\ln 2 \approx 0{,}693.

Definition

Logarithmengesetze

Weil Logarithmen Exponenten sind, folgen ihre Gesetze aus den Potenzgesetzen. Für b>0b > 0, b≠1b \neq 1, u>0u > 0, v>0v > 0 und jede reelle Zahl rr gilt:

GesetzName
log⁡b(u⋅v)=log⁡bu+log⁡bv\log_b (u \cdot v) = \log_b u + \log_b vProduktgesetz
log⁡buv=log⁡bu−log⁡bv\log_b \frac{u}{v} = \log_b u - \log_b vQuotientengesetz
log⁡b(ur)=r⋅log⁡bu\log_b (u^r) = r \cdot \log_b uPotenzgesetz
log⁡bu=log⁡culog⁡cb\log_b u = \frac{\log_c u}{\log_c b} mit c>0c > 0, c≠1c \neq 1Basiswechsel

Herleitung des Produktgesetzes: Sei x=log⁡bux = \log_b u und y=log⁡bvy = \log_b v. Dann ist u=bxu = b^x und v=byv = b^y, also u⋅v=bx⋅by=bx+yu \cdot v = b^x \cdot b^y = b^{x+y}. Das heißt log⁡b(u⋅v)=x+y\log_b (u \cdot v) = x + y. Quotienten- und Potenzgesetz folgen genauso aus bxby=bx−y\frac{b^x}{b^y} = b^{x-y} und (bx)r=brx(b^x)^r = b^{rx}. Beim Basiswechsel setzt du x=log⁡bux = \log_b u, also bx=ub^x = u, und bildest auf beiden Seiten den Logarithmus zur Basis cc. Nach dem Potenzgesetz ist x⋅log⁡cb=log⁡cux \cdot \log_c b = \log_c u. Teilen durch log⁡cb\log_c b gibt die Formel. Damit berechnest du jeden Logarithmus mit den Tasten lg⁡\lg oder ln⁡\ln.

Beispiel

Mit den Gesetzen rechnen

Berechne ohne Taschenrechner: a) log⁡28+log⁡24\log_2 8 + \log_2 4, b) lg⁡50+lg⁡2\lg 50 + \lg 2, c) log⁡354−log⁡32\log_3 54 - \log_3 2, d) 3⋅log⁡423 \cdot \log_4 2.

a)  log⁡2(8⋅4)=log⁡232=5b)  lg⁡(50⋅2)=lg⁡100=2c)  log⁡3542=log⁡327=3d)  3⋅log⁡42=log⁡423=log⁡48=32\begin{aligned} \text{a)}\; & \log_2 (8 \cdot 4) = \log_2 32 = 5 \\ \text{b)}\; & \lg (50 \cdot 2) = \lg 100 = 2 \\ \text{c)}\; & \log_3 \frac{54}{2} = \log_3 27 = 3 \\ \text{d)}\; & 3 \cdot \log_4 2 = \log_4 2^3 = \log_4 8 = \frac{3}{2} \end{aligned}

In a) und b) fasst das Produktgesetz zwei Logarithmen zu einem zusammen. Es entsteht eine Zahl, deren Logarithmus du kennst: 25=322^5 = 32 und 102=10010^2 = 100. In c) nutzt du das Quotientengesetz. In d) bringst du den Faktor 3 mit dem Potenzgesetz in den Exponenten. Dann ist log⁡48=32\log_4 8 = \frac{3}{2}, denn 432=(4)3=84^{\frac{3}{2}} = \left(\sqrt{4}\right)^3 = 8.

Beispiel

Mit dem Taschenrechner

Bestimme log⁡220\log_2 20. Dein Taschenrechner hat keine Taste für die Basis 2.

log⁡220=ln⁡20ln⁡2≈2,99570,6931≈4,322\log_2 20 = \frac{\ln 20}{\ln 2} \approx \frac{2{,}9957}{0{,}6931} \approx 4{,}322

Du nutzt den Basiswechsel mit der Taste ln⁡\ln. Mit lg⁡\lg geht es genauso: lg⁡20lg⁡2\frac{\lg 20}{\lg 2}. Zur Probe: 24=162^4 = 16 und 25=322^5 = 32, also muss das Ergebnis zwischen 4 und 5 liegen. Es ist die Lösung der Gleichung 2x=202^x = 20.

Beispiel

Terme umformen

Schreibe a) ln⁡(x2⋅y)\ln \left(x^2 \cdot y\right) als Summe und b) 3lg⁡a−lg⁡b3 \lg a - \lg b als einen Logarithmus. Es gilt x,y,a,b>0x, y, a, b > 0.

a)  ln⁡(x2⋅y)=ln⁡x2+ln⁡y=2ln⁡x+ln⁡yb)  3lg⁡a−lg⁡b=lg⁡a3−lg⁡b=lg⁡a3b\begin{aligned} \text{a)}\; & \ln \left(x^2 \cdot y\right) = \ln x^2 + \ln y = 2 \ln x + \ln y \\ \text{b)}\; & 3 \lg a - \lg b = \lg a^3 - \lg b = \lg \frac{a^3}{b} \end{aligned}

In a) trennt das Produktgesetz den Term, dann holt das Potenzgesetz die 2 nach vorn. In b) gehst du rückwärts: Erst wandert der Faktor 3 als Exponent in das Argument, dann fasst das Quotientengesetz die beiden Logarithmen zusammen.

Definition

Logarithmusfunktion

Die Funktion f(x)=log⁡bxf(x) = \log_b x mit b>0b > 0 und b≠1b \neq 1 heißt Logarithmusfunktion. Ihre Definitionsmenge ist x>0x > 0, ihre Wertemenge sind alle reellen Zahlen. Eine Wertetabelle für b=2b = 2 zeigt, wie sie mit 2x2^x zusammenhängt:

xx14\frac{1}{4}12\frac{1}{2}1248
log⁡2x\log_2 x-2-10123

Das ist die Wertetabelle von 2x2^x mit vertauschten Zeilen: 2−2=142^{-2} = \frac{1}{4} und 23=82^3 = 8. Der Graph entsteht aus dem Graphen von 2x2^x, wenn die Rollen von xx-Achse und yy-Achse vertauscht werden. Deshalb geht er durch (1 ∣ 0)(1\,|\,0) und (b ∣ 1)(b\,|\,1). Er steigt für b>1b > 1 und fällt für 0<b<10 < b < 1. Die yy-Achse ist senkrechte Asymptote. Der Graph steigt langsam: Für lg⁡x\lg x wird erst bei x=106x = 10^6 der Wert 6 erreicht.

Beispiel

Werte der Logarithmusfunktion

Berechne für f(x)=log⁡3xf(x) = \log_3 x die Werte f(1)f(1), f(3)f(3), f(81)f(81) und f(19)f\left(\frac{1}{9}\right). Gibt es f(−3)f(-3)?

f(1)=0denn 30=1f(3)=1denn 31=3f(81)=4denn 34=81f(19)=−2denn 3−2=19\begin{aligned} f(1) &= 0 \quad \text{denn } 3^0 = 1 \\ f(3) &= 1 \quad \text{denn } 3^1 = 3 \\ f(81) &= 4 \quad \text{denn } 3^4 = 81 \\ f\left(\tfrac{1}{9}\right) &= -2 \quad \text{denn } 3^{-2} = \tfrac{1}{9} \end{aligned}

Du fragst jedes Mal, mit welchem Exponenten du 3 potenzieren musst. Zahlen zwischen 0 und 1 haben einen negativen Logarithmus. f(−3)f(-3) gibt es nicht: Die Potenz 3x3^x ist nie negativ, also hat 3x=−33^x = -3 keine Lösung. Das passt zur Definitionsmenge x>0x > 0.

Der Graph des Logarithmus zur Basis 2

Fahre mit der Maus am Graphen entlang. Lies ab, bei welchem x der Wert 1 und der Wert 2 erreicht wird, und vergleiche mit der Wertetabelle oben. Was passiert, wenn x gegen 0 geht? Mit „−“ vergrößerst du den Ausschnitt, sodass auch x = 8 zu sehen ist. Wie langsam steigt der Graph?

Häufige Fehler

Logarithmus einer Summe

Jemand rechnet log⁡2(4+4)=log⁡24+log⁡24=2+2=4\log_2 (4 + 4) = \log_2 4 + \log_2 4 = 2 + 2 = 4.

Richtig ist

Für eine Summe im Argument gibt es kein Gesetz. Richtig ist log⁡2(4+4)=log⁡28=3\log_2 (4 + 4) = \log_2 8 = 3. Das Produktgesetz gilt für ein Produkt: log⁡2(4⋅4)=log⁡24+log⁡24=4\log_2 (4 \cdot 4) = \log_2 4 + \log_2 4 = 4, und das ist log⁡216\log_2 16.

Häufige Fehler

Quotient der Logarithmen

Jemand rechnet log⁡28log⁡24=log⁡284=log⁡22=1\frac{\log_2 8}{\log_2 4} = \log_2 \frac{8}{4} = \log_2 2 = 1.

Richtig ist

Das Quotientengesetz betrifft den Logarithmus eines Quotienten, nicht den Quotienten zweier Logarithmen. Richtig ist log⁡28log⁡24=32=1,5\frac{\log_2 8}{\log_2 4} = \frac{3}{2} = 1{,}5. Dagegen stimmt log⁡28−log⁡24=3−2=1=log⁡284\log_2 8 - \log_2 4 = 3 - 2 = 1 = \log_2 \frac{8}{4}.

Zusammenfassung

  • log⁡ba\log_b a ist die Lösung der Gleichung bx=ab^x = a, also der Exponent, mit dem du bb potenzieren musst, um aa zu erhalten. Es gilt b>0b > 0, b≠1b \neq 1 und a>0a > 0.

  • Dekadischer Logarithmus: lg⁡a=log⁡10a\lg a = \log_{10} a. Natürlicher Logarithmus: ln⁡a=log⁡ea\ln a = \log_e a mit e≈2,71828e \approx 2{,}71828.

  • Produktgesetz: log⁡b(u⋅v)=log⁡bu+log⁡bv\log_b (u \cdot v) = \log_b u + \log_b v. Quotientengesetz: log⁡buv=log⁡bu−log⁡bv\log_b \frac{u}{v} = \log_b u - \log_b v. Potenzgesetz: log⁡b(ur)=r⋅log⁡bu\log_b (u^r) = r \cdot \log_b u.

  • Basiswechsel: log⁡bu=ln⁡uln⁡b=lg⁡ulg⁡b\log_b u = \frac{\ln u}{\ln b} = \frac{\lg u}{\lg b}. So berechnest du jeden Logarithmus mit dem Taschenrechner.

  • Die Logarithmusfunktion log⁡bx\log_b x ist für x>0x > 0 definiert und hat alle reellen Zahlen als Wertemenge. Ihr Graph geht durch (1 ∣ 0)(1\,|\,0) und (b ∣ 1)(b\,|\,1), die yy-Achse ist Asymptote.

  • Für eine Summe log⁡b(u+v)\log_b (u + v) gibt es kein Gesetz.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Berechne log⁡381\log_3 81.

Aufgabe 2Numerisch

Berechne lg⁡4+lg⁡25\lg 4 + \lg 25.

Aufgabe 3Multiple Choice

Welcher Term ist für x,y>0x, y > 0 gleich log⁡b(x3⋅y)\log_b (x^3 \cdot y)?

Aufgabe 4Multiple Choice

Welcher Punkt liegt auf dem Graphen von f(x)=log⁡4xf(x) = \log_4 x?

Aufgabe 5Numerisch

Berechne log⁡5100\log_5 100 mit dem Taschenrechner und runde auf drei Stellen nach dem Komma.

Aufgabe 6Freitext

Begründe, warum es log⁡2(−4)\log_2 (-4) nicht gibt.