Computer, Netzwerke, Datenübertragung und Datensicherheit
Du schickst einer Freundin eine Sprachnachricht. Deine Stimme ist Schall in der Luft. Wenig später kommt sie als Schall aus dem Lautsprecher ihres Handys, vielleicht in einer anderen Stadt. Dazwischen liegen Mikrofon, Prozessor, Funkwellen, Kabel und Server. Zu Hause schaltest du außerdem mit einer App das Licht ein, und der Heizkörper regelt sich von selbst.
Wie wird Schall zu Zahlen und wieder zu Schall? Wie finden die Daten ihren Weg? Und wie verhinderst du, dass Fremde mitlesen? Diese Lektion beantwortet das aus Sicht der Technik.
Information, Daten und Signale
Information ist das, was du aus einer Nachricht erfährst, zum Beispiel "Der Bus kommt in 3 Minuten". Daten sind Zeichen und Zahlen, mit denen man Information darstellt, speichert und verarbeitet. Dieselbe Information lässt sich mit verschiedenen Daten darstellen, etwa als Zahl, als Text oder als Bild.
Damit Daten durch Kabel, Luft oder Glasfaser kommen, braucht man ein Signal: eine physikalische Größe, die sich ändert und so die Daten trägt, zum Beispiel eine elektrische Spannung, ein Lichtblitz oder eine Funkwelle. Ein analoges Signal kann jeden Wert in einem Bereich annehmen. Die Spannung eines Mikrofons folgt dem Schall stufenlos. Ein digitales Signal kennt nur feste Stufen, meist zwei, also 0 und 1. Ein Bit ist eine solche Ziffer, ein Byte sind 8 Bit.
EVA-S-Prinzip
Jedes Gerät, das Daten verarbeitet, arbeitet nach dem EVA-S-Prinzip: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe, Speicherung. Beim Smartphone liefern Touchfläche und Mikrofon die Eingabe, der Prozessor verarbeitet, Display und Lautsprecher geben aus, und der Speicher hält Daten dauerhaft. Das Prinzip gilt für einen PC genauso wie für eine Waschmaschine mit Display.
Datenübertragung
Eine Datenübertragung hat fünf Glieder. Der Sender erzeugt die Nachricht. Die Codierung wandelt sie in Signale um. Der Kanal ist der Übertragungsweg. Die Dekodierung macht aus den Signalen wieder die Nachricht, und der Empfänger nimmt sie auf. Auf dem Kanal wirken Störungen wie Rauschen, fremde Sender oder abschirmende Wände. Digitale Signale sind robust: Solange man noch erkennt, ob 0 oder 1 gemeint war, kommt die Nachricht unverändert an. Mit Prüfsummen (aus Klasse 7-8) findet man übrige Fehler.
| Übertragungsweg | Signal | Eigenschaften |
|---|---|---|
| akustisch | Schall in Luft | einfach, nur kurze Strecken, Lärm stört (Türklingel, Ultraschall-Einparkhilfe) |
| Kupferkabel | elektrische Spannung | zuverlässig, Zugriff nur über die Leitung |
| Glasfaser | Licht, im Faserkern total reflektiert | sehr hohe Datenrate, große Entfernungen |
| drahtlos | Funkwellen (WLAN, Bluetooth, Mobilfunk) oder Infrarot (Fernbedienung) | bequem, Reichweite begrenzt, Wände dämpfen, jeder in Reichweite kann mithören |
Wie groß ist eine Sprachnachricht?
Wie groß ist eine Sprachnachricht?
Das Mikrofonsignal wird 8000-mal pro Sekunde gemessen (Abtastung). Jeder Messwert wird als Zahl aus 8 Bit gespeichert. Wie viele Bit entstehen pro Sekunde, und wie groß ist eine Nachricht von 10 Sekunden in Byte?
Pro Sekunde fallen 8000 Messwerte zu je 8 Bit an: 8000 mal 8 = 64 000 Bit. Ein Byte sind 8 Bit, also entstehen 8000 Byte pro Sekunde. In 10 Sekunden sind das 80 000 Byte, also 80 kB (1 kB = 1000 Byte).
Der Weg: Schall (Sender), Mikrofon (analoge Spannung), Analog-Digital-Wandler (Bits), Funk (Kanal), Digital-Analog-Wandler (Dekodierung), Lautsprecher, Ohr (Empfänger).
Codes und Dateiformate
Ein Code ordnet jedem Zeichen oder Wert eine Bitfolge zu: ASCII und Unicode für Buchstaben, Barcode und QR-Code für Waren und Internetadressen. Ein Dateiformat legt fest, wie die Bits einer Datei zu lesen sind: txt für Text, PNG und JPG für Bilder, WAV und MP3 für Ton. PNG und WAV bewahren alle Daten. JPG und MP3 lassen Details weg, die man kaum bemerkt, und sparen Speicher. Ein Bild mit 1920 mal 1080 Bildpunkten und 3 Byte je Punkt hat unkomprimiert 6 220 800 Byte, etwa 6,2 MB.
Netzwerk, Topologie und Protokoll
Ein Netzwerk verbindet Geräte (Knoten), damit sie Daten austauschen. Die Topologie beschreibt, wie sie verbunden sind.
| Topologie | Aufbau | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Stern | alle Geräte hängen an einem Verteiler (Switch oder Router) | ein Geräteausfall stört die anderen nicht | fällt die Mitte aus, steht das Netz |
| Bus | alle Geräte hängen an einer gemeinsamen Leitung | wenig Kabel | ein Kabelbruch kann das Netz teilen |
| Ring | jedes Gerät hat genau zwei Nachbarn, die Daten laufen im Kreis | geordneter Ablauf | ein Ausfall unterbricht den Ring |
| Masche | Geräte sind mehrfach verbunden | fällt ein Weg aus, nimmt man einen anderen | viele Leitungen, hohe Kosten |
Ein Heimnetz ist meist ein Stern, das Internet ist vermascht. Ein Protokoll ist die Vereinbarung, wie Geräte miteinander reden: Aufbau der Nachricht, Reihenfolge, Fehlerbehandlung. Beispiele sind HTTP für Webseiten (HTTPS verschlüsselt), SMTP für E-Mail-Versand und IP für Adressen im Internet. Das Internet zerlegt Daten in Pakete mit Absender, Empfänger und Nummer. Der Empfänger setzt sie nach den Nummern zusammen und fordert fehlende neu an.
Wie viele Leitungen braucht ein Netz?
Wie viele Leitungen braucht ein Netz?
Ein Büro hat 6 Rechner. Wie viele Leitungen braucht man im Stern, und wie viele, wenn jeder Rechner mit jedem anderen direkt verbunden ist?
Im Stern führt von jedem Rechner eine Leitung zum Switch: 6 Leitungen.
Bei voller Vermaschung hat jeder Rechner 5 Verbindungen, zusammen 6 mal 5 = 30. Jede Leitung wurde dabei von beiden Enden gezählt, also doppelt. Es sind 30 : 2 = 15 Leitungen. Bei 10 Rechnern sind es 10 im Stern und 10 mal 9 : 2 = 45 vermascht. Bei n Rechnern gilt die Formel oben.
Datenschutz, Datensicherheit und Verschlüsselung
Datenschutz schützt Menschen davor, dass mit ihren personenbezogenen Daten (Name, Adresse, Standort, Gewohnheiten) Schaden angerichtet wird. Datensicherheit schützt Daten vor Verlust, Veränderung und unbefugtem Zugriff. Ihre Schutzziele sind Vertraulichkeit (nur Berechtigte lesen), Integrität (Daten sind unverändert) und Verfügbarkeit (Daten sind da, wenn man sie braucht). Maßnahmen sind sichere Passwörter, Updates, Firewall, Sicherungskopien (Backup) und Verschlüsselung.
Eine Verschlüsselung macht mit einem Schlüssel aus dem Klartext einen Geheimtext, den nur Berechtigte zurückübersetzen können. Beim symmetrischen Verfahren benutzen beide Seiten denselben Schlüssel, wie beim Cäsar-Verfahren aus Klasse 7-8. Dann muss man den Schlüssel vorher sicher übergeben. Beim asymmetrischen Verfahren hat jeder zwei Schlüssel: Der öffentliche darf jeder kennen, er verschlüsselt. Der private bleibt geheim, er entschlüsselt. Vergleich: In einen Briefkasten kann jeder einwerfen, aber nur der Besitzer hat den Schlüssel zum Öffnen. Bei HTTPS vereinbart ein asymmetrisches Verfahren einen gemeinsamen Schlüssel, mit dem die Daten dann schnell symmetrisch laufen. Bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann nur der Empfänger lesen, nicht einmal der Betreiber des Dienstes.
Cäsar-Verfahren und Durchprobieren
Cäsar-Verfahren und Durchprobieren
Verschlüssele HALLO mit dem Cäsar-Verfahren: Jeder Buchstabe wird um 3 Stellen im Alphabet nach hinten verschoben. Wie viele Schlüssel muss ein Angreifer höchstens ausprobieren?
H wird K, A wird D, L wird O, L wird O, O wird R: Der Geheimtext heißt KDOOR.
Es gibt 25 sinnvolle Verschiebungen (0 ändert nichts, 26 ist wieder 0). Ein Angreifer probiert höchstens 25 Schlüssel durch (Brute Force). Das dauert Sekunden. Moderne Verfahren haben so viele mögliche Schlüssel, dass Durchprobieren praktisch unmöglich ist.
Smart Home, Fernsteuerung und Kontrollsysteme
Im Smart Home sind Geräte vernetzt und werden automatisch oder aus der Ferne gesteuert. Sensoren messen (Temperatur, Fensterkontakt, Bewegung, Helligkeit). Aktoren handeln (Heizkörperventil, Steckdose, Rollladenmotor, Schloss). Eine Zentrale wertet die Meldungen nach Regeln aus und schickt Befehle, oft per Funk wie WLAN oder Zigbee. Das ist EVA-S: Sensor gleich Eingabe, Zentrale gleich Verarbeitung, Aktor gleich Ausgabe, Protokolldatei gleich Speicherung. Fernsteuerung heißt, dass du per App und Internet Befehle an die Zentrale schickst, auch von unterwegs. Kontrollsysteme überwachen, zum Beispiel Rauchmelder, Alarmanlage oder Kamera. Risiken sind unveränderte Standardpasswörter, fehlende Updates und Daten über deine Anwesenheit.
Datenschutz und Datensicherheit sind dasselbe
Datenschutz und Datensicherheit sind dasselbe
„Wenn ich meine Daten mit einem guten Passwort sichere, ist auch der Datenschutz erledigt.“
Datensicherheit schützt Daten technisch. Datenschutz fragt, wer welche personenbezogenen Daten überhaupt sammeln und nutzen darf. Ein Dienst kann seine Daten sehr sicher speichern und sie trotzdem ohne deine Zustimmung weitergeben.
Das Schloss im Browser garantiert eine vertrauenswürdige Seite
Das Schloss im Browser garantiert eine vertrauenswürdige Seite
„Die Adresse beginnt mit https und zeigt ein Schloss, also ist die Seite echt und sicher.“
HTTPS verschlüsselt nur den Weg zwischen deinem Gerät und dem Server. Es sagt nichts darüber, wer die Seite betreibt. Auch Betrugsseiten können HTTPS nutzen. Prüfe darum zusätzlich die Adresse.
Zusammenfassung
Information ist die Bedeutung, Daten stellen sie dar, ein Signal (analog oder digital) trägt die Daten durch einen Kanal.
Geräte arbeiten nach dem EVA-S-Prinzip: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe, Speicherung.
Eine Übertragung besteht aus Sender, Codierung, Kanal, Dekodierung und Empfänger. Störungen wirken auf dem Kanal.
Topologien sind Stern, Bus, Ring und Masche. Protokolle legen fest, wie Geräte miteinander reden.
Datenschutz schützt Personen, Datensicherheit schützt Daten (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit).
Symmetrische Verfahren nutzen einen Schlüssel, asymmetrische einen öffentlichen und einen privaten.
Im Smart Home messen Sensoren, eine Zentrale entscheidet, Aktoren handeln. Die Fernsteuerung braucht gesicherte Zugänge.
Übungen
Ein Mikrofonsignal wird 16 000-mal pro Sekunde gemessen. Jeder Messwert wird mit 16 Bit gespeichert. Wie viele Byte entstehen in einer Sekunde? Schreibe die Zahl ohne Punkt.
In einem Netz soll jeder von 8 Rechnern mit jedem anderen durch eine eigene Leitung verbunden sein. Wie viele Leitungen sind nötig?
In einem Sternnetz fällt der zentrale Switch aus. Was geschieht?
Der Geheimtext ZDVVHU wurde mit dem Cäsar-Verfahren erzeugt, indem jeder Buchstabe um 3 Stellen nach hinten verschoben wurde. Wie lautet der Klartext?
Eine Smart-Home-Zentrale schaltet die Heizung ab, sobald ein Fensterkontakt "offen" meldet. Ordne Sensor, Zentrale und Aktor zu und nenne ein Risiko für den Datenschutz.